Thilo Sarrazin, der ideenlose Finanzfach- Zahlen Simpel" auf dem fade coolen Pfad, dem Projekt des EURO als Gemeinschaftswährung in der EU endgülitig dessen emotional zündende Kernbotschaft des Miteinander der Vater- und Mutterländer Europas, leidenschaftslos, zu rauben.
Ist das Glas halbvoll oder halbleer?
Sind die Menschen in der Eurozone immer gereizter in der Frage des Bestandes des Euro, oder finden die Menschen in Europa es immer reizvoller, sich, engagiert, mitbestimmend, an Lösungen der Eurokrise zu beteiligen?
Über asymmetrisch aufgewendete Militärhaushalte im Rahmen der Verpflichtungen gegenüber dem transatlantischen Verteidigungsbündnis, die NATO, in den einzelnen EU- Staaten, darunter als besonders augenfälliger Fall, der Fall in Griechenland, verliert Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch "Europa braucht den EURO nicht!" kein Wort
Der ehemalige Berliner SPD- Finanzsenator und Bundesbanker Thilo Sarrazin macht in in seinem neuen Buch "Europa braucht den EURO nicht!"
deutlich, dass er unter einer Neuen Währung, in diesem Fall dem EURO, einen Prozess des Ehrlichmachens aller beteiligten Länder auf Gegenseitgkeit begreift, ohne dieses gegenseitig Ehrlichmachen wirklich, engagiert, einzufordern.
Weil es dem Prozess des EUROs auf dem Wege zu einer nachhaltigen Währung insgesamt genau an diesem Ehrlichmachen fehle, macht Thilo Sarrazin lieber die einschlägigen "Euro-Legenden & Lügen"
zum Gegenstand seiner Betrachtungen.
Thilo Sarrazin sucht in seinem Buch
"Europa braucht den EURO nicht"
den angeblich, leidenschaftslosen, Nachweis zu erbringen, dass die Einführung des Euro im Jahre 2001 die nördlichen Länder, voran Deutschland mit seiner Agenda 2010/Hartz IV Gesetzen, und die südlichen Länder der Eurozone, die sogenannten GIIPS- Staaten ("GIIPS doch nicht!" Griechenland Irland, Italien, Portugal, Spanien) unter Berücksichtigung der Datenlage von Beschäftigung, Höhe des Bruttoinlandprodukts, Außenhandelsquote, Leistungsbilanzen und Haushaltsdefizite- bzw. -überschüsse seit dem Jahre 1999 immer weiter auseinander getrieben habe.
Gleichzeitig dementiert Thilo Sarrazin seine gerade, aufwendig erabeitete Argumentationskette relativierend, selber, wenn er darauf verweist, die DM hätte auch nicht mehr an Wertzuwachs zu verkraften gehabt, ohne die deutsche Exportwirtschaft zu gefährden, wie jetzt der EURO nach seiner Einführung im Jahre 2001.
Woher der Wind bei Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch wirklich weht, zeigt sich an seinen Hinweisen auf das Londoner Schuldenabkommen von 1953, durch das die DM angeblich auf alle Zeiten von staatlichen Forderungen anderer Staaten bis auf einen bestimmten Rest freigestellt wurde.
Als ob es hier bei dem Projekt EURO um Schulden aus der Vergangenheit ginge und nicht um gesellschaftspolitisch gemeinschaftlichen investiven Gestaltungswillen in Europa.
Da ist Thilo Sarrazin wohl den allzu fadenscheinig, matt, bis pathetisch auftrumpfend, angeführten Argumentationslinien einiger prominenter EURO- Befürworter/innen in Deutschland, allzu willig, auf den Leim gegangen.
Thilo Sarrazin steht erst einmal für ein, mit Zahlenwerken, Datensätzen gespicktes, Erklärwerk in Sachen Einführung des EURO.
Was für sich genommen, im Detail, eine anerkennenswerte Fleißarbeit darstellt.
Mehr aber auch nicht.
Für einen Mann, der als ehemalig berufener Mitarbeiter im IWF, als Bundesbanker, als Berliner Finanzsenator im Brennpunkt der finanzpolitischen Entwicklungen in Deutschland und der EU stand, erweist sich sein neues Buch als, nachgekartet, schmalspurige Dünnbrettbohrerei.
Das ganze transatlantische Gerede von Forderungen nach Wachstum, Richtung Europa und umgekehrt, hält Thilo Sarrazin, in Talk Shows, wie bei Günter Jauch, oder im Gespräch mit Peter Voss im Sender 3sat, auf Betriebstemperatur geraten, für belanglose Beipack- Sättigungsrhetorik auf G- 8 bis G- 20 Gipfeln..
Was in dieser scheinbar heillos verfahrenen EURO- Krise an Entscheidungen für Deutschland, die EU wirklich weise wäre, erscheint in Thilo Sarrazins Fadenkreuz mtnichten.
Mit den fulminant gegen Buchstaben und Geist des Maastricht-Vertrages verstoßenden „Bail out“-Strategien der Europäischen Zentralbank (EZB), einer Finanzpolitik, welche die Bonität einzelner Länder durch niedrigverzinste Kredite, durch den politisch mehr und mehr erweiterten „Rettungsschirm“ aufrecht zu erhalten sucht, musste dieser Weg folgenschwer in jener EURO- Krise münden, aus der Thilo Sarrazin jetzt auch keinen Ausweg mehr erkennen mag.
Ursache dieser Finanzpolitik sei die von Helmut Kohl – aus dem nationalen Schuldkomplex der NS-Zeit wegen – forcierte, wie Thilo Sarrazin schreibt, „deutsche Flucht nach Europa“ gewesen, ohne zu berücksichtigen, dass eine „Währungsunion“, trotz allen bekennend guten Willens, nicht automatisch in eine politische Union führt. Als weitere Ursachen für das krisenfördernde Auseinanderdriften der nationalen Wirtschaften nennt Thilo Sarrazin vor allem ethnisch unterschiedliche Wirtschaftsstile, kultursoziologisch begründbare Mentalitäten.
Wenn das historisch so stimmte, wie es Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch, als These von so lauteren Politkern wie Helmut Schmidt, Peer Steinbrück übernommen, kolportiert, müßte ja, dieser Logik folgend, auch Israel, Polen, Namibia, vormals Deutsch- Südwest Afrika (Völkermord an den Hereros im Namen des Deutschen Kaiserreiches) , Russland, samt GUS- Ländern, dem EURO- Raum zwingend zugehörig sein!, oder?
Historisch steht eine europäische Gemeinschaftswährung doch seit Jahrhunderten auf der kontientalen Agenda, sei es als holländischer Gulden von 1689, sei es als französischer France von 1789, als deutschen MARK von 1873, als russischer Rubel der Oktober Revolution von 1917.
Hier erweist sich Thilo Sarrazin, neben Altkanzler Helmut Kohl, Peer Steinbrück, Altkanzler Helmut Schmidt, Hans Olaf Henkel, mit seinem NEURO und SEURO, u. a. Polit- Prominenz, als Ignorant gegenüber dem Ausmaß, in dem die europäische Wirtschaft, real und als Schattenwirtschaft, genährt durch korrumpierend grenzübergreifende Netzwerke, längst zusammen gewachsen ist.
Davon abgesehen, gibt Thilo Sarrazin mit seinem neue Buch ein erschütterndes Beispiel, dass man/frau heutzutage deutscher Sozialdemokrat sein kann, ohne sich den Projekten der Aufklärung, der Entwicklung dem Wohlstand der Staaten, der Länder, dem Vermögen der Völker in aller Welt, voran in Europa, öffentlich verpflichtet zu erweisen.
Manchen Globalplayern in Deutschalnd, die, wie Siemens oder die Deutsche Telekom, weltweit, darunter in Griechenland, nachwievor, bisher von deutschen Staatsanwaltschaften unbehelligt, in Korruption, Abgeordnetenbestechung verstrickt sind, mag das aufdeckende Agieren der Troika, bestehend aus Vertretern der EU, dem IWF und der Weltbank in Griechenkand bereits ein derartiger Greul sein, dass es ihnen lieber wäre, Griechenlad ginge bankrott, fliegt aus dem Euroraum heraus, als dass diese Nachforschungen, inklusive eines Auditing der Berechtigung von Forderungen der Gläubiger an Griechenland, eine unkalkulierbare Fortsetzung erfährt.
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Erleben wir nicht im Grunde der Moldau der Griechenland- Krise, kontinental das Beispiel einer Tiefenbohrung der euroweiten Korruptionsschichten, in die alle Euroländer, samt England, Dänemark, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, die Isle of Man, die Kanalinsel Jersey, einzeln und gemeinschaftlich, zu Lasten der EU verstrickt sind?
Insofern gibt es gar keine wirkliche Griechenlandkrise, sondern im Wege des Ringens um den Bestand des EUROS als Gemeinschaftswährungsprojekt eine unrwartet heraufbeschworene "Krise" gemeinschaftlicher und einzelner intentionen auf die bruchlose Fortsetzung von Korruption und Abgeordnetenbestechung in den Euroländern zu Gunsten von bestimmten Netzwerken, aus deligitimierten Lobbyismus, samt staatlich- privaten Unternehmungen im Bunde mit Beratertrusts.
Im Gegensatz zum griechischen Parlament, hat der Deutsche Bundestag die UNO Konvention gegen Korruption und Abgeordnetenbestechung aus dem Jahre 1997, trotz deren Unterzeichung durch die rotgrüne Bundesregierung im Jahre 2001, noch immer nicht ratifiziert.
Dazu paßt, wie die Faust aufs Auge, dass Thilo Sarrazin nichts daranliegt, Deutschland in einer Rolle als
„Praeceptor Europae“
vorzustellen. Thilo Sarrazin will seine Leser/innen lieber, wohlfeil opportunistisch, scheinheilig eilig, demonstrativ von ethnopluralistischer Toleranz getragen, hinter die Fichte führen:
„Die Völker sind unterschiedlich und sie sollen unterschiedlich sein dürfen. Warum sollen die Franzosen so viel arbeiten wie die Deutschen? Warum ist es schlimm, wenn dazu etwas mehr Inflation gehört?“ So hält er es mit Blick auf Griechenland nicht „für richtig, dass Deutschland oder Merkozy...einem am Rande Europas lebenden, orientalisch geprägten Volk Vorschriften macht?“.
Thilo Sarrazin weiter:
"Griechenlands ökonomische Probleme haben sich in den 180 Jahren seit der Loslösung Griechenlands aus dem Osmanischen Reich nicht wesentlich verändert. Offenbar sind sie tief in der Mentalität und den Traditionen der griechischen Gesellschaft verwurzelt. Mit Geld haben sie überhaupt nichts zu tun und können folglich auch nicht mit Geld geheilt werden.“
Dabei unterschlägt Thilo Sarrazin, geschichtsvergessen, dass Griechenland, Mitte des 19. Jahrhundert, durch die Aufnahme von Krediten im United Kingdom of Great- Britain, um den teueren Preis der Verpachtung der Nutzungsrechte seiner Wälder um Athen, gerade noch einen Staatsbankrott abgewendet und diese Kredite bis zum Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Griechenland im Mai des Jahres 1941 als zuverlässiger Schuldnerstaat abgezahlt und getilgt hat.
Selbst Italien, das real reichste Land in Europa, verschont Thilo Sarrazin nicht mit seinem kultursoziologisch obskuren Urteil:
In Italien zeige sich doch eine „jahrzehntelange Erfahrung, dass vorausplanendes Nachdenken und rationale Argumentation nicht die wesentlichen Triebfedern dieser Gesellschaft und des gesamten politischen Systems sind, auch lassen sich nur wenige Entscheidungsträger dort von einem abstrakten Pflichtgefühl quasi intrinsisch leiten.“"
Spätestens dazu fällt mir nur noch, in Anlehnung an den "Halbstarken" Film mit James Dean und Natalie Wood aus dem Jahre 1955ein
"Rebel without a Game"
(Deutscher Filmtitel: "Denn sie wissen nicht, was sie tun" )
für Thilo Sarrazin der Aufmacher ein:
"Populist without a Game!"
Micha Brumlik kommentiert Thilo Sarrazin neues Buch mit dem Aufmacher für seinen Artikel in der taz
"Der milde Populist", der zum Thema ein überaus beachtlich lesenswertes Buch geschrieben habe.
Ich erkenne in Thilo Saarazin nicht einen solchen, sondern einen postadoleszenten Strolch im Gewande eines Publizisten, der selbtgefällig, aggressiv gehemmt grinsend, auf öffentlichen Podien, im Jargon angereichert durchwirkter Casino Herrenwitze, den ewg übriggebliebenen Halbstarkem mimt, den er als Jungerwachsener nicht zu geben vermochte, denn "Mama hatte es nicht erlaubt".
JP
Thilo Sarrazin: "Europa braucht den Euro nicht.
Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat".
DVA, 2012, 461 S., 22,99 Euro
siehe:
www.taz.de/Thilo-Sarrazins-neues-Anti-Euro-Buch/!93764/
22.05.2012
Thilo Sarrazins neues Anti-Euro-Buch
Der milde Populist
Da ist es, das neue Buch von Thilo Sarrazin. Er plädiert für weiter bestehende europäische Nationalstaaten. Wie beeinflusst es die rechtspopulistische Agenda? von Micha Brumlik
Kultur : Thilo Sarrazin "Populist without a Game!"
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