Berlin ist, soweit die Platitüden, für mich immer noch eine
faszinierende Stadt. Seit ich hierhin gekommen bin habe ich den Umzug
nie bereut, trotz aller Kompromisse, die in Bezug auf Beruf und
Karriere für mich damit verbunden waren. Ich genieße die Lebendigkeit
der Stadt, die allgegenwärtige Kultur und die Möglichkeit, überall mit
Gleichinteressierten ins Gespräch zu kommen. Aber wo auch immer ich
unterwegs bin, überall trifft das Wowereit-Wort von "arm, aber sexy"
zu. Was Berlin in vielerei Hinsicht fehlt, ist die große
Identifikationsfigur, die alle begeistert und inspiriert und an der
sich die komplette Kulturszene aufrichten kann. Die Opernhäuser in
ihrer bürgerlichen Abgehobenheit als gigantische Subventionsgräber
haben nie als Vorbild für eine lebendige Kultur gedient, die der
überall sichtbaren Eigeninitiative einen Focus, einen Anker oder eine
Vision vermitteln kann. Die bildende Kunst mit ihren Museen und der
Galerielandschaft hat es vielleicht leichter, die Literatur erscheint,
jenseits gelegentlicher Selbstbeweihräucherung des Bildungsbürgertums,
eher Sache der einzelnen Künstler als produktive Szene.
Aber jetzt kommt Suhrkamp! Und ich freue mich darauf, dass der
Verlag sich in Berlin neu erfinden will. Denn die Ankunft im 21.
Jahrhundert kann nur im Dialog gelingen, ein Dialog, der weit in die
Stadt hineinreichen dürfte. Ich hoffe, dass Suhrkamp wie schon Mitte
des 20. Jahrhunderts der Verlag der großen Ideen wird, und ich hoffe,
dass diese Ideen hier in Berlin, diesem Schmelztigel der persönlichen
Visionen, wachsen und über die Einzelnen hinauszeigen können. Denn
bisher fehlt das Forum, der Zusammenhalt, der die ganzen
politisch-persönlichen Entwürfe der Stadt öffentlich macht und dem
ängstlichen Kleinklein der Berliner Republik, die Fixierung auf
Sachzwänge und grundsätzliche Ablehnung von über den Tag
hinausweisenden Ideen einen Gegenentwurf entgegehält. Irgendwann werden
wir die Diskussion, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, führen
müssen und vielleicht kann Suhrkamp den ganzen kreativen Ideen, die in
den letzten Jahren gewachsen sind, hier im Berlin des frühen 21.
Jahrhunderts, das Forum bieten, das es für die westdeutschen
Intellektuellen in Frankfurt war, bevor dieses zur Stadt des Geldes und
des globalisierten Kapitalismus wurde.
Ich freue mich auf Suhrkamp!
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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