Katharina Körting

Blog von Katharina Körting

10.01.2012 | 12:35

Gebt ihm neue Kleider! Ein Versuch über Aufklärung

"Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit  herauszuarbeiten. (…) Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. (…) Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.“ (Kant)

An den Küchen-, Stamm- und Redaktionstischen der Nation wird in diesen Tagen viel von Würde gesprochen. Und von Klärung. Der Bundespräsident solle (sich) er-klären, endlich Antworten geben, am besten die ganze  Wahrheit sagen (die Wahrheit, mein Gott…), um Licht ins Dunkel der von ihm selbst geschaffenen Unklarheit zu bringen. Endlich die Sache vollständig aufklären.  

Denn es gibt so viele offene Fragen… so vieles, das man nicht versteht   – so als mehr oder weniger einfaches Volk. All dies Reden über Amt und Würden zum Beispiel. Was hat es damit auf sich? Würde so eine Würde des Amtes fehlen, wenn sie fehlte? Wie hat man sich das vorzustellen? Und wer verleiht sie wem mit wessen Befugnis, diese Würde? Das Amt? Der Amtsinhaber selbst? Die Kanzlerin? „Die Medien“ ? – oder das Volk? Also „Wir“?

(Wer sind wir denn?)

Vor welcher Würde ziehen wir den Hut? Welcher Amtsmacht beugen wir uns? Und ist es würdevoll, vom Volk, dem hohen Amtsmann die Schuhsohlen zu zeigen, als sei er der Diktator einer würdelosen Bananenrepublik? Begibt sich „das Volk“ damit nicht „auf Augenhöhe“ mit einem, der seine Würde verschenkt, indem er würdelose Sätze  auf den Anfrufbeantworter eines Bananenblattchefs spricht? 

Manche fragen auch gar nicht in echt, sondern so wie Lehrer, die die Antworten schon kennen. Besserwisserisch. Die Nahles zum Beispiel, die Generalsekretärin (was für ein Wort: Generalsekretär, klingt ähnlich hybrid wie der Krieg und das Stahlgewitter, von denen es im Bundespräsidialamt tönt: kleingeistmilitärbürokratisch…). Wenn die Nahles vom Bundespräsidenten Aufklärung fordert – beansprucht sie die dann  für sich? Will sie es wirklich wissen?  Wenn sie, die Generalsekretärin, von „ihrem“ Bundespräsidenten gute Reden verlangt, Aufrichtigkeit, Haltung, Worte über Moral – braucht sie das? Hat sie, die Nahles, die Integrität des Bundespräsidenten nötig?  (Integrität bedeutet übrigens Unversehrtheit). Damit sie da unten unbehelligt ihrem „politischen Tagesgeschäft“ nachgehen kann? Oder meint sie in Wahrheit uns damit, die Demokratieschüler, die noch lernen: Wir, Volk, haben nämlich diesen Anti-Hindenburg zu brauchen.  So will es das Grundgesetz. Da  steht nicht das Amt oder der Staat im Mittelpunkt. Sondern der Mensch.

(Das sind ja wir!)

Und wenn sie den Bundespräsidenten kritisiert, die Nahles, und von der Kanzlerin dies oder jenes fordert – tut die das dann, um die Würde des Amtes zu schützen? Gar  für die Wahrheit? Oder geht es nicht auch ihr, der Generalsekretärin (denn das ist ihr Job!), in Wirklichkeit um ihre eigene politische Sache, die ja vielschichtig ist: sich durchsetzen gegen all die Männer um sie herum, gegen die Merkel wettern, beim Kanzlerkandidaten mitbestimmen, das Volk vertreten, sich möglichst wenig angreifbar machen – etc. All diese Motive bewegen die Nahles und ihre Kollegen. Ihre Rufe nach Würde und Integrität scheinen mit dem Bundespräsidenten eher wenig zu tun haben; der bewegt sich nur am Rande des politischen Tagesgeschäfts, tritt erst ins Rampenlicht, wenn er schwächelt.

(Aber dann!)

Dann schalten 11 Millionen Polit-Voyeure den Fernseher ein. Schauen zu, wie der Bundespräsident sich als  Negativ-Joker anbietet. Da greift nicht nur die Nahles zu (das ist ihr Job),  funktionalisiert ihn, den Bundespräsidenten und dessen Fehlverhalten, so wie zuvor die Merkelsche ihn, den Partei“freund“ instrumentalisiert hatte im Machtsicherungspoker.

(Wissen ja alle.)

Das weiß auch das Volk: Es war doch von Anfang an für jeden, der sehen kann, sichtbar: Da kommt der falsche Mann ins falsche Amt. Ein überschätzter Hybrid. Vielleicht ist es deshalb jetzt so ungehalten, das Volk, und reagiert selbst so würdelos: Allzu durchschaubar war die Inszenierung, und wie da die WÜRDE DES AMTES angetastet wurde – in unser aller Namen!  Wenn sie uns schon für dumm verkaufen, dann bitte nicht so billig! Da sind wir doch Besseres gewohnt, wir, Volk! Glaubhafteres! Und nun servieren sie uns hier diese Schmierenkomödie, die sich ihrer  eigenen Tragik nicht mal bewusst wird! Es war doch so offensichtlich, von Anfang an, dass dieses Mensch aus Osnabrück genug mit sich selbst, seiner Frau, seinem Image und seiner Karriere zu tun hat. Wie soll er sich da auch noch ums LAND kümmern!  Also um uns – das Volk. Das kann man nicht erwarten.

(Wir sind das Volk, der Chor singt weiter.)

Aber das Volk ist stur. Das Volk erwartet das Unmögliche, fordert  von einem  Angeber, dass er von jetzt auf gleich zum Tonangeber wird. Wie soll er das machen – er hatte doch  gar keine „Karenz“zeit! (Karenz heißt  übrigens Entbehrung, Verzicht.)  Konnte sich ja gar nicht vorbereiten! Das zumindest, findet hilflos der Bundespräsident, sei nicht sein eigener „schwerer Fehler“, sondern quasi Schicksal. Ein schweres Schicksal eigentlich. Suggeriert es in jenem Fernsehinterview, das wir alle sehen wollten –  Und eigentlich könnten wir uns darüber freuen – wir Volk, die wir so oft als „politikverdrossen“ bezeichnet werden, mit  besorgtem Unterton, als handle es sich dabei um eine schwer zu heilende, chronische Krankheit. Freuen wir uns, dass wir gespannt unserem Bundespräsidenten im Fernsehen zuhören! Das interessiert uns!  Unser Bundespräsident liegt uns am Herzen – nicht, weil er „nett“ ist. Oder ein armer Sünder wie wir. Da oben wollen wir keinen Menschen wie du und mich – nicht wenn der uns 30 Millionen im Jahr kostet. Von uns haben wir schon genug. Da oben verlangen wir Glanz und Gloria– und nicht die lässliche Sündigkeit des Alltags.

(Ist das etwa zu anspruchsvoll?)

Auf dem höchsten Amt des Staates soll kein netter Mann sitzen, sondern ein Großer – und das eine ist mit dem anderen nicht vereinbar. Der Bundespräsident  ist der, der uns sagen muss, dass wir den Gürtel enger schnallen – und dieser, der amtierende, der will  die Torte selbst behalten und aufessen. Der will nett sein und groß. Beansprucht, ein Mensch zu sein – als wäre das nicht selbstverständlich. Bittet sein Volk dafür um Entschuldigung, dass er so ist wie er ist: ein netter Junge von nebenan, der auch mal Fehler macht, der an den alten Freunden hängt, die ihm geholfen haben zu werden, was aus ihm geworden ist. Das ist doch nur menschlich?

(Nett sein gilt nicht!)

Nett sind sie alle, solange man ihnen nicht dumm kommt – dann kriegen sie z.B. einen „Wutanfall“ oder entlassen ihren Pressesprecher. Wer nett ist, wird nicht Minister(präsident), auch nicht Generalsekretär(in) oder Chefredakteur.  Wer nett ist, bleibt man schön zuhause und isst ein Stück Kuchen. Die anderen, die da oben, die Tonangeber, die können nicht nett sein.  Oder „menschlich“. Alles kann man nun mal nicht haben in der großen weiten Welt.  Das weiß der Bundespräsident mindestens so gut wie sein Volk, denn aus dem kommt er ja.

Nun ist er aber nicht mehr Volk, sondern Bundespräsident. Das muss er noch lernen. Wie das geht. Hat er gesagt. Der da auf dem Bundespräsidentenstuhl sitzt, spielt noch. Und behält dabei nicht immer die Hände über der Bettdecke –böser Junge! Im  höchsten  Amt des Staates zittert ein Kind mit zu großen Klamotten am Leib im kalten Wind, der ihm entgegen bläst; hat schon ganz rote Wangen. Ein Junge, der noch an sich arbeiten muss.  Ein guter „Kerl“, sagen seine „Freunde“, einer,  der sich – braver Junge! – für sein Fehlverhalten entschuldigt. Der für seine „Leistung“  in diesem „Job“ gute Noten bekommen will (von wem eigentlich? Von „den Medien“? Von seiner Frau? Von Ferienhausvermietern auf Norderney? Von Günther Jauch? Papa? Dem Papst?) Man reibt sich die Augen, wie da einer sein Amt und die ganze Nation  „missbraucht“, um sich selbst zu rechtfertigen, sich ins Blitzlicht(und keineswegs Stahl!)gewitter stellt und um Absolution buhlt. Unser Bundespräsident bittet uns um Gnade – und vergisst dabei, dass doch er kraft seines so verdammt würdevollen Amtes derjenige ist, der irgendjemanden begnadigen kann.  

(Bitten wir ihn also um Gnade:)

Herr Bundespräsident, wir  flehen Sie an. Hören Sie auf, um unser Mitleid zu heischen.  Sie sind der höchste Mann im Staat – bitte vergessen Sie sich nicht mehr öffentlich und arbeiten Sie weniger laut an sich und ihre Versuchungen, sondern sprechen von wichtigeren „Themen“.  Zukunft und so. Bildung. Fortschritt. Freiheit. Sie wissen schon.  Wir wollen nicht Ihre Ferienwohnung besichtigen, sondern Sie - in angezogenem Zustand, mit angemessenem Abstand. Bitte, Herr Bundespräsident, machen Sie uns glaubwürdig glauben, dass wir an Sie glauben können! Wir  flehen Sie an: Erlösen Sie uns und machen Sie anständig Ihren Job, bevor der Sie Ihr teures Amt kostet.  Das kann doch nicht so schwer sein? Später, beim Bier (oder, wenn’s sein muss, auch Saft) können Sie dann  immer noch über Würde reden, mit Ihren Freunden, falls Sie möchten. In Ordnung?   Aber vorher bringen Sie diese Sache in Ordnung! Geben Sie uns unsere Würde zurück.

(Und führe uns nicht in Versuchung...)

Denn nur für uns, Volk,  wurde dieser machtlose Bundespräsident erfunden. Damit wir einen „Repräsentanten“ haben. Der keine böse-böse Macht hat, sondern drüber steht,  über den drei Gewalten:  unser souveräner Stellvertreter auf Erden, ein Eunuch, eine pouvoir neutre, ein Bundespapst, dessen Wort gelten soll, auch wenn sich keiner dran hält. Weil es gut tut, wenn man das immer mal wieder gesagt bekommt, ins eine Ohr rein – durchs andere raus. Das mit der Toleranz und mit der Moral und so. Wellness für unsere werteburnoutete Staatsbürgerseele soll er uns bieten.   Und nebenbei  unser Glaubensproblem lösen, das in Wahrheit ein Demokratieproblem ist. Wir brauchen ihn, damit wir an uns selbst, an unsere Demokratie glauben können, die wir uns allzu oft, mit dem Feuer spielend, inszenieren lassen, als Fernsehshow oder Youtubeclip.

Der Souverän ist bequem geworden, ein Demokratiezuschauer, der jedem Teilhabe-, jedem direkten Mitbestimmungsversuch  den „Wutbürger“stempel aufdrückt. Auch deshalb brauchen wir ihn, unsern Bundespräsidenten: Damit er uns Unmutbürger schüttelt, wachrüttelt, immer wieder.  Dafür geben wir ihm doch all die teuren Kleider: um unsere Blöße zu bedecken. Denn  wir haben ja nicht mal mehr „die Intellektuellen“, die „die Obrigkeit“ ersetzen oder wenigstens erschüttern könnten, durch  Kritik, Klarsicht, Erkenntnis, Unbedingtheit, Nachdenklichkeit. Wir haben sie alle vergrault. Passen nicht auf den Bildschirm. Trauen sich nicht mehr. Oder haben nichts mehr zu sagen. Finden ihren Platz nicht mehr in „den Medien“. Also muss er den Job auch noch machen, der Bundespapstkönigantihindenburgpräsident: intellektuell sein. Wie soll der arme Mann das schaffen?

(Der Souverän schweigt.)



 

 

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 14:10
Genau. Die Nahles soll erstmal sagen, wo sie das Kind her hat..!

Aber Spaß beiseite, ich bin hin und hergerissen.

Ich habe die letzten Tage auch viel geschrieben, das in diese Richtung tendiert. Wenn man mal ehrlich ist, ist das an Zynismus natürlich kaum zu überbieten. Fast so, als hätte man mich einmal zu viel als "Gutmensch" bezeichnet.

Denn vollkommen anspruchs- und erwartungslos bin ich natürlich nicht. Ein Bundespräsident (m/w) darf von mir aus gerne größtmögliche Würde besitzen und eine möglichst weiße Weste haben. Doch, das ist immer noch meine Idealvorstellung.

Den Zynismus macht es aus, als Linke(r) stillschweigend davon auszugehen, diese Ideale wenig bis gar nicht im großen, politischen Geschäft anzutreffen. Das kommt allerdings einem Aufgeben eben dieser Ideale gleich.

Wenn die Hoffnung stirbt, knickt auch das theoretische Idealbild ein und man steht plötzlich vor sich selbst als Einzigem da, der es schaffen könnte, die Fehler der anderen nicht zu machen, wenn man in deren Lage wäre.

Zufall oder nicht: immer wenn solche Gedanken bei mir aufkommen, macht das kleine Männchen in meinem Kopf den Depeche Mode Klassiker "walking in my shoes" drauf (von Musikkassette). Aber so sehr mir das Liedchen samt Message auch gefällt, so sehr brülle ich dann immer: "Halt's Maul, Männchen, ich bin links! Spiel das gefälligst dem Fleischhauer vor!" :o)
Katharina Körting schrieb am 10.01.2012 um 14:21
Herr Katzer, danke für Ihren freundlichen Kommentar, aber bitte erlauben Sie mir eine Richtigstellung:

Jeder Zynismus liegt mir fern! In jeder Form!

Ich nehme diese Sache, bei aller Lustigkeit, ernst. Weiß jedoch, wie jeder andere, dass sie nicht erst mit der Frage im niedersächsischen Landtag angefangen hat und auch nicht mit dem Stellvertretergerede von Merkels Sprecher aufhören wird.

Sonst hätte ich das nicht geschrieben. Und ob jemand links oder rechts oder in der Mitte von was auch immer steht, "politisch", ist bei diesem Thema völlig egal. Mir jedenfalls. Oder?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 14:50
>>Und ob jemand links oder rechts oder in der Mitte von was auch immer steht, "politisch", ist bei diesem Thema völlig egal. Mir jedenfalls. Oder?<<

Ja, mir auch. Allerdings sind wir hier ja nunmal eher unter Linken.

Jakob Augstein hat gestern einige Sätze gesagt, die mich etwas irritiert haben (und von denen ich immer noch nicht genau herausgefunden habe, wie sie gemeint waren..)

>>Warum stellt sich die linke Öffentlichkeit nicht eindeutiger gegen diesen Präsidenten?<<

>>Am Ende kann sich einer wie Wulff über solche Linke freuen, weil sie ihm den Rücken von Kritik von dieser Seite freihalten.<<

Letztlich ist das, worauf er da hinweist, allerdings schon sehr (!) erstaunlich. Denn worum handelt es sich bei der (zumindest gefühlten) Zurückhaltung der "Linken" eigentlich? Sind es ansatzweise edle Motive oder tatsächlich blanker und blinder Hass auf BILD?

Wenn "Hass auf BILD" das Motiv wäre, wäre es - um drei Ecken - letztlich doch wieder Lagerdenken, das dahintersteckt. Denn wenn man mal kurz annimmt (und das tue ich jetzt einfach mal), dass der BP überparteilich zu agieren hat, also Kraft Amtes "ent-ideologisiert" ist, die BILD aber fortdauernd neoliberale Politik in Reinform fährt, erklärt sich das alles ziemlich gut.

Das aufgebrachte Schuhvolk vor Bellevue? Keine Ahnung, was die geritten hat. Ich hoffe für den Standort Deutschland allerdings, dass darunter keine Studenten anzutreffen waren - weder linke noch rechte :o)
Katharina Körting schrieb am 10.01.2012 um 15:35
Vielen Dank übrigens für Ihren differenzierten und differenzierenden Beitrag www.freitag.de/community/blogs/herrkatzer/neu-mein-brief-an-j-augstein-jetzt-auch-als-blog--specials

Was mich in diesem Zusammenhang allerdings auch interessiert - jenseits aller dümmlichen Verschwörungstheorien, die mehr über den sagen, der sie äußert als über das umschwörte Objekt - ist, welche Motive die BILD-Zeitung außer ihrem berühmten journalistischen Ethos und Presseauftrag hat (wenn sie welche hatte), den Präsidenten zu demontieren (denn das tut sie, auf geschickte Weise), wie der Spiegel damit zusammenhängt, wer wem in die Karten guckt/spielt und warum, welche offenen Rechnung (von Seiten der Journalisten? einzelner Berichterstatter?) nun eventuell beglichen werden etc. - sprich: das menschliche hinterm ach-so-objektiven Journalismus. Aber auch darüber wird mich, Volk, wohl niemand aufklären, sondern tunlichst im Dunkeln lassen, so wie Sie, Pseudonym, Ihre Leserschaft über Ihren wahren Namen, Herr Katzer ;)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 16:02
Frau Körting? Haben Sie, Volk, alle Welt, gerade über meinen schönen Nachnamen gelacht..?

Danke übrigens für das Lob. Ein Kommentar wär mir lieber :o)
Katharina Körting schrieb am 10.01.2012 um 17:50
Aber nicht doch, Herr Katzer - No jokes with names!

Schon gar nicht with no-names ;)
mcmac schrieb am 10.01.2012 um 15:45
Zunächst Danke für diesen schönen Beitrag.

"[...]Es war doch von Anfang an für jeden, der sehen kann, sichtbar: Da kommt der falsche Mann ins falsche Amt.[...]

Inzwischen denke ich, dass das ein Hauptirrtum in der Betrachtung dieser endlosen und schlechten Staats-Theater-Vorstellung ist.

Was, wenn es sich genau anders herum verhält? Dieser Bundespräsident wird, ohne mit der Wimper oder sonst was zu zucken, von nun an mit noch höherer Sicherheit JEDES Gesetz unterschreiben, welches ihm diese Regierung vorlegt. Das ist besonders praktisch bei den anstehenden Bankenermächtigungsgesetzen bezüglich der sogenannten Euro-Krise, die auf eine weitere Entmündigung der Parlamente zielen. Christian Wulff ist als schwächelnder Bundespräsident der ideale (weil demokratisch verbrämte) Steigbügelhalter des anstehenden Neoliberalismus 2.0.
Zeitleser schrieb am 10.01.2012 um 20:18
Dieser Bundespräsident wird, ohne mit der Wimper oder sonst was zu zucken, von nun an mit noch höherer Sicherheit JEDES Gesetz unterschreiben, welches ihm diese Regierung vorlegt.

So schreiben Sie, ich vermute eher das Gegenteil. Denn er wird - wie jeder dem man was reingewürgt hat und der sich sicher sein kann, dass die Majorität seinen "Fall" nicht als ein von ihm verursachtes Verbrechen, sondern als Mache selbst ernannter Tugendwächter, deren Verbrechen man zu Genüge kennt, interpretiert - die Freiheit im Vorgehen haben, die einem zufällt, wenn man sich sicher sein kann, dass es keine zweite Amtszeit gibt. Er weiß sich jetzt als von allen unabhängig, selbst von der Bild-Zeitung, alten Duz-Freunden usw. Und er weiß sich sicher, weil das GG ihn de facto unangreifbar macht (zu Recht übrigens).

Er kann also handeln, z.B. über die Macht der medien öffentlich nachdenken, ob er es tut - was ich hoffe - weiß ich nicht, aber er kann es. Er kann die Boshaftigkeit, die ihm angetan worden ist, zurückgeben - er soll es tun, die Bild-Zeitung hat es sich verdient. Und die Leute, die in diesem Fall von Pressefreiheit geschwafelt haben. Er ist jetzt mündig, frei von seinen Pressefreunden - er kann jetzt die Bindung auch der Pressefreiheit an Normen der Anständigkeit einfordern - diese Freiheit ist die einzige, die unkontrolliert agiert und sie ist diejenige, die historisch zwar begründet ist, aber ein historischer Kredit kann ausgebeutet werden für üble Absichten.
mcmac schrieb am 10.01.2012 um 22:25
Ja, das kann natürlich auch sein.

Jedoch schließt das eine, glaube ich, das andere nicht aus.

Vor allem die weitere Durchsetzung des Monetarismus, dieses Mal nicht nur auf nationaler Ebene wie zu Zeiten Thatchers und Reagans begonnen, scheint mir das garvierende Problem zu sein: Ein Bundespräsident, der auf "Staatschuldenkrise" als Ursache erkennt, wird wohl eher willfährig der weiteren Transaktion demokratisch organisierter Souveränität an elitäre Machtzirkel zustimmen, resp., nicht im Wege stehen.
Katharina Körting schrieb am 11.01.2012 um 09:54
mcmac und Zeitleser: Sind sie so sicher?

Oder anders gefragt: Hätte er nicht ohnehin die Gesetze unterschrieben? Belastet war er ja vorher auch schon, und unbefangen überhaupt nicht. Der Unterschied besteht also vielleicht gar nicht - das wäre kein Rücktrittsforderungsgrund, sondern ein weiterer, der auf die Fehler der Vergangenheit hinweist: Der war von Anfang an falsch besetzt.
s0cialliberalism schrieb am 10.01.2012 um 21:27
Lösung: Der Bundespräsident, der Mensch und wie du schreibst, gezwungenermaßen der Machtmensch, muss Buddhist werden (damit das Machtmenscheln hinter sich lassen), in sich kehren, sich selbst finden, nach innen und dann auch nach außen stark werden.

Ein guter Politiker ist dieser Idee zufolge nur ein Buddhist (siehe den Dalai Lama...). Ha, ich glaube darüber schreibe ich einen Artikel...
Katharina Körting schrieb am 11.01.2012 um 09:53
SOcialliberalism (komplizierter Name...): Ich weiß nicht, ob der Dalai Lama ein "guter Politiker" ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein "Machtmensch" nicht notwendig ein "schlechter Politiker" ist. Ist ja immer eine Frage der Definition von gut und schlecht, von Ethos - und von Politik und ihren Zielen. Gut gemeint ist ja leider eher das Gegenteil von gut gemacht. "Gutsein" ist, fürchte ich, ein Luxus, den ein Politiker sich allenfalls den eigenen Kindern gegenüber erlauben kann, aber nicht im Amt. Das würde sofort ausgenutzt von allerlei Haien im Becken. Der wäre dann da erst gar nicht. Der Bundespräsident ist nun etwas anderes - der muss ja nicht in dem Sinne Macht ausüben. Der hätte die CHANCE, gut zu sein. Also gut im emphatischen Sinne. Mag naiv von mir sein - nehme ich in Kauf. NICHT in Kauf nehme ich einen Machtpolitiker, der nur wegen anderer Machtpolitiker auf diesem Sessel klebt, der eben gerade NICHT für Machtpolitik dahingestellt wurde, sondern, sozusagen, fürs soziale, demokratische, ethische, bundesrepublikanischpolitischzivilgesellschafliche GEWISSEN.
WARUM SITZT DA JETZT SO EIN NULL_ACHT_FUFFZEHN_KARRIERIST, dessen Horizont noch dazu begrenzt ist? Was für eine Vorstellung hatte die Kanzlerin von diesem Amt, als sie es solcherart instrumentalisierte. Hatte sie überhaupt irgendeine Vorstellung davon? Oder hat sie da grundsätzlich etwas im Grundgesetz falsch verstanden? Auch das wäre - sehr bedenklich.

Sicher bin ich indes: Eine LÖSUNG, also die eine einzige Lösung, auch wenn man sich danach sehnt oder sie so gerne hätte - die gibt es nicht. Dazu steht immer zu viel auf dem Spiel.
Joachim Petrick schrieb am 11.01.2012 um 17:59
@Katharina Körting

So fulminant im Ansatz, facettenreich im Geschmack, dieser Artikel auch geschrieben ist, so kündet dieser doch von der dunklen Not, weg vom Politisieren hin in die Unschärfen der Dekompensation hinabzusteigen?

Unsere hervorragenden Bundespräsidenten wurden und werden daran gemessen, wie sehr diese in der Lage waren und sind, gesellschaftlspolitische Problemgemenge, Konfliktgedränge drohender oder bereits in politischen Lagern verankerter Dekompensation,duch bestechend präsidial gelungene Einrede, historisierend, politisierend, zu entreißen.

Christian Wulff geht nun als Bundespräsident genau den umgekehrten Weg.
Statt den Aufmerksamkeitspegel der Bevölkerung in gesellschaftpolitischen Fragestellung zu schärfen, dimmt er diesen, dekompensierend, herunter, so als ob alles doch Im Lot sei, wenn in Wirklichkeit, insbeondere mit seiner Person, nichts aber auch gar nichts im Lot ist.

Gleichzeitig fährt Christian Wulff den Medien in die Parade ihrer gerade neu formierten Geschäftsmodelle, weg vom gesellschaftspolitischen, embeded, Lagerkampf der Heissen und Kalten Kriege, hin zur auflagen- , quotensteigernden Empörungskultur rundum die Uhr, indem Christian Wulff diese in seinem ganz persönlichen Fall um den Lorbeer, die Früchte des Erfolgs der jungen deutschen Empröungskultur fortgesetzt, medienpolitisch manipulativ, einlullend, offensiv zu prellen gedenkt..

N. m. E. geht von diesem Artkel bei aller rhetorischen Brillianz, mit einem beachtlichen Unterhaltungswert, eher Entmutigung, denn Ermutigung zur Empörung, gar Politisierung aus?

tschüss
JP
Katharina Körting schrieb am 12.01.2012 um 12:50
Herr Petrick - dank für Ihren Kommentar.
"so kündet dieser doch von der dunklen Not, weg vom Politisieren hin in die Unschärfen der Dekompensation hinabzusteigen?"
oha...! Leider... weiß ich nicht, was mit "Unschärfen der Dekompensation" gemeint ist - und wie der ein Text dorthin HINAB steigen könnte. Also: Wie steigt man in Unschärfen??

Interessant (wenn auch offenbar nicht zutreffend?) erscheint mir Ihre Beobachtung, dass der Bundespräsident den Aufmerksamkeitspegel der Bevölkerung senkt. Eher böte sich dieser Amtierende als negatives Vorbild an - und verstärkt dadurch allerdings (und leider?) das allgemeine Interesse an kleinsten seiner ÄUßerungen und Gesten (vgl. Neujahrsempfang, Umarmung durch US-Botschafter - was hat das alles zu bedeuten? Der Zeitungsleser wird zum Hermeneuten ;) bitte verzeihen Sie diesen dem Reim geschuldeten Fehler -

Die von Ihnen angesprochene "Empörungskultur" empfinde ich zum Teil als bigott - allerdings auch nicth wirklich, also als wirksame, vorhanden. Worüber empört man sich am meisten?

Deshalb erwarte Sie bitte nicht von diesem Text (oder gar von mir) eine "Ermutigung zur Empörung, gar Politisierung". Dies ist, bei einem Versuch über Aufklärung, nicht die Absicht.
Katharina Körting
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