Katharina Körting

Blog von Katharina Körting

11.06.2010 | 09:38

Wie ein Machtwort funktioniert

 „Ich habe entschieden, unter Beachtung aller Umstände, dass dieses Programm, so wie wir es auf den Tisch gelegt haben, ein ausgewogenes, ein richtiges Programm ist.“ (Die Kanzlerin, 9. Juni 2010, widerlegt)

„Die Welt ist eine Scheibe“ (Kirche im Mittelalter, widerlegt)

„Dieser Plan ist von Gott“ (Sarah Palin in einer Rede zum Irak-Krieg, widerlegt)

„Es schadet im Leben nicht, wenn man mehr zu Ende gemacht hat als die Fahrschule.“ (Der Außenminister, am eigenen Beispiel widerlegt)

"Die Zahl der Ausländer in Deutschland muss halbiert werden." (Helmut Kohl, damals, widerlegt)

„Kinder werden von Störchen gebracht.“ (Früherer Aufklärungsunterricht, widerlegt)

"Womit verhüten Emanzen? Mit dem Gesicht." (Oskar Lafontaine, widerlegt)

„Ich habe eins versprochen: Ich schreibe nie ein Buch.“ (Franz Müntefering Ex-Ex-Ex, 2005, widerlegt  im September 2008)

"Ich kenne bis zum heutigen Tag keinen einzigen Vorgang außerhalb der offiziellen Buchhaltung der Christlich-Demokratischen Union." (Roland Koch, 2000, widerlegt)

„Mein Rat an die Parteien ist: Nehmt die Bürger ernst. Keine Schaukämpfe, keine unhaltbaren Versprechen.“ (Horst Köhler, vorher, widerlegt)

Wie ein Machtwort funktioniert? Wenn es die Macht der Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nimmt – leider gar nicht.

P.S. "Equal goes it loose" - gleich geht's los (Heinrich Lübke zur Queen, belächelt)

 

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 11.06.2010 um 09:52
Hübsche Sammlung. - Wenn Du mehr erfahren möchtest über das Englisch deutscher Politiker:
twitter.com/westerwave
Katharina Körting schrieb am 11.06.2010 um 09:54
Danke für den Link. (Es gibt da auch ne Westerwelle-Fan-Gruppe "No one can reach me the water" ;)) Um der Ausgewogenheit willen, hab ich noch durch Lafontaine ergäntzt.
Katharina Körting schrieb am 11.06.2010 um 09:55
ohje, zitierte Blödheit ist offenbar ansteckend: man ERGÄNZT natürlich ohne t!
mh schrieb am 11.06.2010 um 13:05
der twitteracc verlinkt auf die fb-gruppe.

der aufreger um westerwave hat seinerzeit aber auch nur die deutschen gejuckt. die amis haben nicht mal kapiert wo da das prob ist.

mfg
mh
weinsztein schrieb am 11.06.2010 um 14:42
Danke goedzag,

sehr gut gefiel mir u.a.:

My first spare-forebeat: Unify #CDU and #CSU to one party. This doublegopuggy is so overfluently how the cock of the pope! #sparvorschlag
SchmidtH. schrieb am 11.06.2010 um 10:42
"Die Erde ist eine Scheibe!" wurde widerlegt?

Aber nein. Siehe hier!

www.grusskartenshop.de/postkarten/paloma/die-zwei-grundwahrheiten.html>Zwei Grundwahrheiten!
merdeister schrieb am 11.06.2010 um 22:17
"Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen"
h.yuren schrieb am 12.06.2010 um 10:49
liebe katharina, eine schön überzeugende sammlung.
aber in deinem fazit finde ich leider ein störendes wörtchen: "... leider ... ".
ich sag mal, ganz im gegentum, leider funktioniert so ein machtwort quer durch geschichte und gesellschaft viel zu oft.
B.V. schrieb am 12.06.2010 um 12:21
Das mit dem Machtwort wird nicht länger als ein paar Tage dauern, da kann das Merkel machen was es will....
goedzak schrieb am 16.06.2010 um 20:46
Ich wollte es schreiben, also schreibe ich es: Wenn Du so weiter machst mit der Foto-Show, werden Dir immer mehr 'Herzen zu fliegen', Sympathie-Offensive, oder so.

Eigentlich dachte ich, obiges unter Deinen neuesten Blog zu schreiben, aber der ist ja auch schon wieder weg. Das ist schon irgendwie schade.

Isses wegen gelegentlich blöder Kommentare? Na, warum auch immer, wollte ich aber mal gesagt haben.
goedzak schrieb am 16.06.2010 um 20:46
Oh, ich nehm den ersten Teil zurück, huh, das geht mir zu schnell...
goedzak schrieb am 16.06.2010 um 20:48
Äh, was nun? Das eine Bild hier, das andere da?? Wie geht das denn?
goedzak schrieb am 16.06.2010 um 20:49
Und jetzt schon wieder anders!!! - Ich glaube ich bin übermüdet.

Wenn das Bild jetzt ne Weile bleibt, nehme ich die Rücknahme zurück...
Katharina Körting schrieb am 16.06.2010 um 20:54
tja, goedzak, daran siehst du, was für eine technische Null ich bin ;)
der andere Text ist wie angekündigt weg wg des Üblichen Unangenehmen. Da reichen ein oder zwei, die ihre ausgefahrene Schiene fahren und die Kommunikation vergiften. Schade ist das.
Katharina Körting schrieb am 16.06.2010 um 20:55
Bilder: Ich weiß selbst nicht, was wo landet, also probier ich rum...
kay.kloetzer schrieb am 16.06.2010 um 23:29
liebe katharina, ich verstehe deine reaktion, den stecker zu ziehen, wenn es dir zu dumm wird. trotzdem ist es schade um den blog, den ich zum glück schon gelesen habe. die kommentare habe ich nicht mehr alle verfolgt. wäre aber wirklich ärgerlich, sollten blöde reaktionen gute texte verschwinden lassen.
liebe grüße
kk
weinsztein schrieb am 16.06.2010 um 23:49
Finde ich auch. Ich ärgere mich.
Katharina Körting schrieb am 17.06.2010 um 09:51
Es tut mir Leid, dass ich den kürzlich eingestellten Text so plötzlich wieder löschen musste, obwohl sich interessante Gedanken und Diskussionen ergaben. Ich danke fast allen Kommentatoren für sachliche Befassung und bitte diese um Entschuldigung.
Unglücklicherweise lassen es sich einige wenige jedoch weiterhin nicht nehmen, "private" (one-to-one) Fehden, gegenseitige "Bestärkungen" und Ur-altressentiments, ohne jeden Textbezug und völlig themenfremd zu hinterlassen, wenn sich die "Gelegenheit" bietet. Mir kommt das vor wie Hunde, die ihre Reviere markieren und sich gegenseitig Schwänze zu wedeln, und mir wird dabei übel. Mag sein, dass ich da zu empfindlich bin, aber so ist es nun mal, und im Hinblick auf diese meine "Schwäche" hatte ich ja ausdrücklich drum gebeten, sachlich zu bleiben (traurig genug, dass man überhaupt auf die Idee kommt anstatt davon auszugehen). Mich interessieren diese Reviere nicht, auch nicht die Schwanzwedelei, mir wird dann einfach würgeschlecht. Auch wegen der Zumutung: Man sieht sich genötigt, auf aberwitzige Unterstellungen und in gehässigem Ton vorgebrachte Mutmaßungen der eigenen Person gegenüber in irgendeiner Form zu reagieren - und sei es, dass man das wegdrückt, innerlich. Die bei etwas persönlicheren (aber auch anderen Themen) offenbar nötige ständige Verteidigungshaltung ist mir zu anstrengend. Es ist Arbeit und Aufwand genug, etwas Gutes zu schreiben, sich zu öffnen. Ich finde, dazu gehört Mut. Das Hacken und Zicken und Giftspritzen erschwert eine offene, zugewandte, häme-freie Kommunikation, wie ich sie mir hier wünsche - ein Wunsch, den ich verschiedentlich, zuletzt ja auch bei diesem Blog, klargemacht hatte. Der dann wiederum lächerlich gemacht wird.

Ich verstehe nicht, was dagegen spricht, so miteinander umzugehen, dass man sich weitgehend miteinander wohlfühlt, sachlich streitet, im gegenwärtigen Sachkonflikt bleibt, anstatt mit Unterstellungen und Rückgriffen zu arbeiten, Zitate hervorzukramen von vor Monaten (das erschreckt mich: Sammelt da mancher irgendwelche Kommentare, speichert sie ab, holt sie bei Bedarf hervor wie eine Munition? Dann, wenn der Zusammenhang gar nicht mehr nachvollziehbar ist? Wie krank ist sowas?). Mag sein, dass ich zu früh reagiert habe, aber erfahrungsgemäß nimmt so etwas, wenn es einmal begonnen hat und man nicht alles wegzuschieben im Stande ist, nicht jeden aberwitzigen Vorwurf stehen lassen kann, einen um so übleren Verlauf, je länger der Blogtext steht und manchem scheinbaren Anlass bietet für das beschriebene Verhalten.
Wahrscheinlich bin ich selbst Schuld, weil persönliche Sachen, auch wenn sie durchaus viele betreffen, sofern sie eine gewisse Verletzlichkeit transportieren, hier offenbar einfach nicht funktionieren. Und das sollte man dann wohl irgendwann akzeptieren.
Schade.

(Bitte seien Sie nicht zu ärgerlich, weinsztein. Ich hatte mich sehr über Ihren Kommentar gefreut.)
goedzak schrieb am 18.06.2010 um 09:41
Deine Argumente sind einleuchtend. Vielleicht könnte man einwenden, dass man sich dem beschriebenen Druck nicht durch Verzicht auf Dinge, die man eigentlich möchte, beugen sollte. Aber das sagt sich leicht...
hidemann schrieb am 17.06.2010 um 07:23
Eine wenig naiv ist die Meinung schon, ein Machtwort könne nicht wirken, wenn es die Wirklichkeit nicht wahrnimmt. Die Liste der unseligen Machtworte, die gegen eine etablierte Wirklichkeit ihre verlogene Wirksamkeit gesetzt und dabei Bestand gehabt haben, dürfte nicht schwer zu erstellen sein.
Beispiel:
"Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!"
Katharina Körting schrieb am 17.06.2010 um 09:52
naja - es wurde ja zurückgeschossen, oder? Und geholfen hatte es nichts, oder? Insofern hätteman auch in diesem Fall die eigene Macht über- und die Wirklichkeit unterschätzt :)
hidemann schrieb am 17.06.2010 um 10:24
Na gut, die Gegner schossen zurück. Du weißt, dass das nicht gemeint war.

Nein, es wurde geschossen, nicht "zurückgeschossen". Die weltpolitische Lage war eine andere, als Hitler - von dem es weitere verlogene, aber wirksame Machtworte gibt - uns und der Welt suggeriert hat.
Und die Tat, die mit diesem Machtwort rechtfertigt wurde, hatte schließlich weltpolitische Auswirkungen (das sind auch Wirklichkeiten) . Da kann man sich nicht cool zurücklehnen und sagen, da habe halt einer wieder mal die Wirklichkeit überschätzt. Er hat damit den Auftakt zur Vernichtung von Millionen von Menschenleben gegeben. Und nun bitte nicht den Satz, das habe die Geschichte ja letztlich korrigiert ... und damit stimme die von mir naiv genannte Meinung.
Katharina Körting schrieb am 17.06.2010 um 10:28
"und damit stimme die von mir naiv genannte Meinung."
-die Meinung oder das Adjektiv?

Na, gehen wir mal zu Ihren Gunsten aus, dass Sie "naiv" meinen ;)

Meinungen sind ja frei - und oft ähnlich unwirksam wie Machtworte ;)
hidemann schrieb am 17.06.2010 um 10:37
... die durch das Adjektiv bezeichnete Meinung.
Die ist freilich frei, doch darf ihr schon widersprechen, oder?
Ich kann natürlich auch gerne noch schreiben, dass ich die "Machtwortsammlung" insgesamt prima finde und mir das lakonische "widerlegt" sehr liegt. ;-)
ed2murrow schrieb am 17.06.2010 um 10:57
Liebe Katharina Körting,

einiges, was Sie beschreiben, sind in der Tat sog. Machtworte, einige sind Dogmen, wieder andere sind Paradigmen. Sie zu widerlegen ist ja nun Anliegen von Wissensmehrung und, nicht zuletzt, Aufklärung. Und auch insoweit ist Ihr Blog hier treffend.

Nur eine kleine sachliche Unrichtigkeit will ich an der Stelle monieren. Das Bild, wonach die Erde flach sei, ist keineswegs das der Kirche gewesen und aller Wahrscheinlichkeit nicht einmal eines aus dem Mittelalter. In dem Zusammenhang verweise ich auf das Standardklickwerk des Internauten unter en.wikipedia.org/wiki/Flat_Earth . Zitat: "The false belief that medieval Christianity believed in a flat earth has been referred to as The Myth of the Flat Earth. In 1945, it was listed by the Historical Association (of Britain) as the second of 20 in a pamphlet on common errors in history."
hidemann schrieb am 17.06.2010 um 11:16
Das hat schon seine Richtigkeit; denn zum "Machtwort" machte die Kirche diese Sicht.
ed2murrow schrieb am 17.06.2010 um 11:21
@ hidemann

Das wollen Sie mir bitte belegen!
hidemann schrieb am 17.06.2010 um 11:58
Zunächst zur Scheibe:
weblab.uni-lueneburg.de/kulturinformatik/projekte/ebskart/content/start.html

Scheibe vers. Kugel:
In der Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit der protestantischen wurde die Frage nach Scheibe oder Kugel von Seiten der protestantischen hochgespielt und indirekt zu einer Machtfrage.
ed2murrow schrieb am 17.06.2010 um 12:10
Zu Ihrem Link: Das ist genauso, als wollte ich der Darstellung in

de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Weltkarte.jpg&filetimestamp=20090619192149

unterstellen, die Autoren (von Karte und Eintrag) würden flat-earth-Gedanken befürworten. Oder haben Sie sich über die Darstellung von dreidimensionalen Begebenheiten in einem zweidimensionalen Format Gedanken gemacht? In diesem Sinne sollten Sie auch die Scheibe von Nebra sehen. Die Ebstorfer ist darüberhinaus eine politische Karte noch weit vor einer des Glaubens.

Und verwechseln Sie bitte nicht die pseudochristlichen evangelikalen Kreationisten der Neuzeit mit den theologischen Diskursen der Reformationszeit: Da ging es wesentlich mehr um Armut, Besitz und Eigentum. Die Form der Erde war nie Gegenstand eines (ernsthaften) theologischen Disputs.
ed2murrow schrieb am 17.06.2010 um 13:41
Ach was, kürzen wir das hier das Procedere ab:

Stünde da oben "Die Sonne dreht sich um die Erde" wäre es nicht nur politisch, sondern auch historisch richtig, weil falsch. Sei's drum, es ändert nichts an meiner Wertschätzung im übrigen.
Katharina Körting schrieb am 17.06.2010 um 14:58
Danke für den Hinweis, monsieur ed, Das wusste ich nicht.

Ich hätte wohl "zitieren" sollen: "Die Sonne dreht sich um die Menschheit" (Intuitive Überzeugung der schweigenden Mehrheit mindestens seit der Aufklärung, widerlegt)

oder
"Das Wetter ist allein für mein Wohlbefinden da." (Egomanische Einstellung zum Wetter einer übergroßen Mehrheit deutscher Smalltalker, unwiderlegbar)

;)
ed2murrow schrieb am 17.06.2010 um 15:08
Sie und ich können manchmal trotz aller Bemühung gegen eine gewisse Konditionierung nicht an. Mit dem Thema habe ich mich allerdings in

www.freitag.de/community/blogs/ed2murrow/und-sie-ist-doch-flach

auseinandergesetzt und kann daher mit diesem angelesenen Wissen protzen :)) Es lebe das heliozentrische Weltbild!

Der Ihre
Katharina Körting schrieb am 17.06.2010 um 15:48
Konditionierung? Pawlow? Gene?

Ich finde ja ohnehin, dass sie flach ist. Ich habe auch immerzu Angst runterzufallen. Und alles Andere ist doch völliger Unsinn! Hanebüchen! Rund! Wie soll denn dass GEHEN. Außerdem ist die Flachheit der Erde (der Welt!) DER Grund dafür, dass so mancher bei einem kleinen Schubs auf den Tellerrand hin schon fürchtet, nur vom Gucken runterzufallen. Also Augen zu und den Ball flach halten - ;)
Katharina Körting schrieb am 17.06.2010 um 15:48
das. ohne zwei s. pardon.
hidemann schrieb am 17.06.2010 um 16:30
Im Beitext der (geosteten) Ebstorfer Weltkarte heißt es: "Orbis a rotunditate circuli dictus, quia est ut rota." Es mag dabei eine Vorstellung von einem "Unten", jenseits des ringsum fließenden Weltmeeres gegeben haben. Eine Kugelgestalt ergibt sich nicht, bestenfalls ein Diskus. Dem widersprechen auch die Himmelsrichtungen.

Was Katharina Körting eigentlich gemeint hat, hat sie ja weiter unten präzisiert. Dem ist wohl nicht zu widersprechen.
ed2murrow schrieb am 17.06.2010 um 17:36
Liebe Katharina Körting,
finden kann ich in Bezug auf Welt ohnehin nichts. Im realen Leben versperren mir die Alpen den Blick auf den weiteren Horizont.
Auf Wiederlesen
hidemann schrieb am 17.06.2010 um 19:03
"Wer nicht findet, der sucht nicht" oder "Wie man sich bettet, so schallt's heraus".
;-)
Katharina Körting
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