A.S. Hoffentlich erscheint der Artikel in einer Fassung, die das Korrektorat noch einmal durchlaufen hat. Wir befinden uns schon seit geraumer Zeit in genau diesem Umbruch. Der SPIEGEL lamentiert über die unpolitische Jugend bis Mitte 30 und merkt gar nicht, wie politisch wir eigentlich sind. Wir brauchen die Straße nicht, um gegen Schwachsinn aufzubegehren. Ich würde mir persönlich aber mehr Papier zum Thema wünschen. Und auch wenn ich Herrn Staeck eigentlich nicht ertrage: Hätte der nicht noch Kapazitäten? Vergleiche dazu: www.dhm.de/lemo/objekte/pict/KontinuitaetUndWandel_plakatStaeckTessin/index.jpg Wo ist Schlingensief ("Tötet H.K.!")? (Ich weiß auch, dass das überzogen ist, aber wenn man am Rand der Verzweiflung steht, niedergeschlagen von so viel Dumm- und Unwissenheit, dann bleibt manchmal nur Philosophie: "An die dumme Stirne gehört als Argument von Rechts wegen die geballte Faust." -- Friedrich Nietzsche.)
Warum bedarf es immer des Wortes "fein"? Wenn Eltern ihre Kinder auf Gymnasien schicken wollen, dann ist das ihre Angelegenheit und nicht die der Senatorin. Gymnasien sind doch dazu da, die Eliten auszubilden und auf ein Studium vorzubereiten. "Elite" meint hier: Diejenigen, die studieren können und wollen. Das hat nichts mit "fein" zu tun. Dieser Neid, der in dem Wörtchen mitschwingt, ist wirklich abenteuerlich. Die Vorstellung, dass man von einem Urteil eines Lehrkörpers abhängig ist, ist entsetzlich. (Es ist natürlich ebenso schlimm, besonders für das betroffene Kind, wenn die Eltern es trotz mangelnder Befähigung aufs Gymnasium zwingen, wo es schlicht überfordert ist und nur noch Misserfolg erfährt.) Und mal ehrlich: Wer will sein Kind in einer Klasse sehen, in der es schon an der Sprache und der Kultur (im Sinne von Erziehung!) mangelt? Soll man Reichen immer vorwerfen, dass sie reich sind und sich einen Umzug leisten können? Sie haben eben Glück oder hart gearbeitet.
Allenthalben wurde das "großzügige Layout" gelobt. Du liebe Güte: Tortengrafiken zur Reisetätigkeit! Das ganze Editorial Design sieht aus wie der Stern in den 80ern, die Bildsprache ist uneinheitlich bis hin zur Unentschlossenheit, die Textschrift ist fürs Auge eine Zumutung und das Cover zeigt zwei Neon-Leser, die sich ein Kind gemietet haben. Inhaltlich spärlich bis vollkommen überflüssig. Ich frage mich ernsthaft, um dieser selbstreferenzielle Quatsch tatsächlich außerhalb vom Prenzlauer Berg gelesen wird. (Ich wohne seit fast 10 Jahren in Neukölln, das gern mal unter den "Problemkiezen" subsumiert wird. Das war eine ruhige Gegend, bis eine Horde von überbehütenden Frühgebährenden da eingefallen ist und seit dem die Gehwege mit Doppelkinderwagen zustellt, sich in Cafés Bionade bestellt und ansonsten seine Befindlichkeiten ziemlich öffentlich pflegt. Das gipfelt in der Umbenennung der Gegend in "Kreuzkölln". Man hätte die Gefahr schon sehen müssen, als die ganzen hippen Menschen am Landwehrkanal einen Brückenkopf gebildet haben, um von der Falckensteinstraße überzusetzen und die schöne Ecke in Grund und Boden zu wohnen. Und da lobt man dann noch die "Gentrifizierung.") Liebe Nidos, bitte räumen Sie dieses Heft auf und unterlassen Sie diese Weltverbesserung-mit-Caffè-Latte-Attitüde. Danke.
In der Tat: Eine spannende Frage. Zu Merle fällt mir der Kurzfilm NO BIKINI ein, der die Geschichte eines kleinen Mädchens erzählt, das sich ebenfalls weigert, ein Bikini-Oberteil oder gar einen Badeanzug zu tragen und lieber nur in Hose schwimmt… Ich befürchte, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis der Unterschied zwischen Sexualität und Identität wirklich begriffen ist. Das eine hat mit dem anderen ja nur am Rande zu tun.
Das ist in der Filmindustrie leider ganz genauso. Besonders bunt treiben es kleinere Blätter, wenn es sich um Arthouse-Filme handelt. Die finden entweder gar nicht statt, oder sie werden in einem dreizeiligen Absatz der Vollständigkeit halber erwähnt. Das hat weder mit Filmkritik zu tun, noch ist es für die Leser ein Gewinn. (Wir haben das inzwischen mit einem eigenen Filmmagazin auszubügeln begonnen, aber das ist gar nicht so einfach.)
Habe ich da eine heiße Diskussion verpasst? Da gibt es also ein Print-Produkt, das im Publikationen immer mit den Augen des Gestalters und der Freitag erfreut meine Augen. Und dieses Print-Produkt bietet den Lesern auf seiner Internet-Plattform die Möglichkeit, Inhalte selbst zu generieren. Wo liegt das Problem? Die Foren beim Spiegel sind ein Alptraum für jeden Nutzer, die SZ untersagt mitunter sogar einfache Kommentare oder löscht missliebige – und die FAZ hat einen technischen Unterbau, den ich nicht zu begreifen wage. Das ist nicht mein Metier. Augstein hat doch schon darauf hingewiesen, dass das hier eine Beta-Version ist. Natürlich kann man vor Freischaltung ein paar Tests machen, aber die wahre Feuertaufe erlebt das Ding doch erst, wenn Nutzer tatsächlich damit hantieren müssen. Also bitte: Geduld und Contenance!
Nicht nur äußerst dumm und gefährlich, sondern geradezu menschenverachtend. Ich habe sofort Hagen Rether im Ohr: "So sieht man also aus, wenn man achtzig Jahre lang die Menschen liebt. Das kommt wohl vom vielen Frohlocken." Ich habe mich auch schon gewundert, dass nach dem Williamson-Eklat aus allen Ecken Kritik schallte – und bei einem Thema, dass nicht das nationalsozialistischen deutsche Trauma betrifft, das nur weit weg in Afrika von Bedeutung ist, bleibt es erstaunlich still. Wenn sich Bigotterie und Arglosigkeit paaren, ist das eine fatale Mischung. Dabei ist Ratzinger einer der gebildetsten Köpfe, die die katholische Kirche hat. Ich weigere mich zu glauben, dass diese Äußerungen aus Unachtsamkeit oder Dummheit erwachsen. Folglich plappert er entweder leichtfertig daher, oder – noch schlimmer – berechnend. Das käme mir noch ekelhafter vor.
In seinem neuen Roman erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans spielt - und erschafft so zugleich eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns
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