Nach dem Abitur hatte ich mich in Göttingen für ein Studium der Philosophie und Germanistik eingeschrieben. Ich hielt das damals für eine gute Kombination. (Und, erstaunlich genug, für den richtigen Ort, um zu studieren!)
Dann kam das Kreiswehrersatzamt dazwischen und um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, habe ich Wehrdienst geleistet. Das waren damals 10 Monate, 3 weniger als beim Zivildienst.
Es gab in meiner Kompanie ein paar Wirrköpfe, die als Begründung für ihren Wehrdienst gern "Dankbarkeit" anführten. Sie waren dankbar, dass sie in Deutschland in Demokratie leben durften. Sie waren dankbar, dass sie in Frieden aufgewachsen waren. Man kennt diese Begründungen. Dem Staat zu Diensten sein.
Ich habe diese Argumente nie nachvollziehen können, weil ich mir das Land ja nicht ausgesucht hatte. Ich hatte, genau genommen, nicht einmal darum gebeten, überhaupt in irgend ein Land hineingeboren zu werden. Jedenfalls konnte ich mich nicht daran erinnern. Das hat sich einfach so ergeben. (Ich bin dankbar dafür, aber weder Deutschland noch der Bundeswehr, sondern in erster Linie meiner Mutter, die mit 40 ihre biologische Uhr so laut ticken hörte, dass sie gehandelt hat.)
Ich glaube, heute würde ich diese Argumente noch weniger verstehen. Seit ich mich erinnern kann, lese und höre ich davon, wie zum Wohl eines ungerichteten Sicherheitsbedürfnisses Freiheiten immer weiter eingeschränkt werden. Lauschangriffe, Überwachung meines E-Mail- und Telefon-Verkehrs und Ausweise mit biometrischen Daten sind nur ein paar Beispiele.
Margareth hat nebenan in ihrem Blog weiteren Gesprächen mit den SPD-Verhandlungsführern zum ZugErschwG abgesagt. Das finde ich nur vernünftig.
In gewisser Weise haben wir ja alle einen Vertrag mit Deutschland. Ich arbeite, zahle Steuern und betrage mich unauffällig. Dafür bekomme ich Freiheit, die Möglichkeit der freien Entfaltung und die Option, die Früchte meiner Arbeit zu genießen. Ich habe das Gefühl, dass dieser Vertrag mit der Absegnung des unsäglichen Zugangserschwernisgesetzes gegenstandslos geworden ist. (Es wundert mich nicht, dass die Rechtschreibprüfung das Wort beanstandet. Ich hätte da noch weitere Gründe.)
Ich werde mich jetzt juristisch mit der Frage auseinandersetzen, wie ich meinen Vertrag mit Deutschland kündigen kann. Ich möchte nicht, dass meine Steuern verwendet werden, um unsinnige Subventionen zu bezahlen. Ich möchte nicht, dass von meinem Geld Spaßbäder gebaut werden. Ich bin nicht bereit, mich überwachen zu lassen. Ich bin nicht bereit, meine Freiheit für eine nicht definierte Sicherheit zu opfern. Ich ertrage den Gedanken nicht, dass ich für so dumm verkauft werde und man annimmt, ich würde nicht merken, dass eine Zensur-Infrastruktur aufgebaut wird (ebenfalls von meinem Geld!). Ich löse den Vertrag einfach – und bin aus dem Schneider. Ich verlange nichts mehr von diesem Land und darf im Gegenzug erwarten, dass man auch von mir nichts mehr verlangt. Keine Steuern, kein unauffälliges Betragen, keine Wahlbeteiligung. Bitte lassen Sie mich einfach in Ruhe, auch wenn ich besoffen auf dem Alex randaliere oder mit dem Morgenstern durchs Ordnungsamt kajole.
Ach, wenn doch solche grenzenlose Naivität zu irgend etwas führen könnte!
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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