JoKo

Blog von JoKo

05.02.2009 | 11:44

Von einem, der unterschrieb...

In Zeiten allgemeiner Ideenlosigkeit – insbesondere in Fragen einer zukunftsfähigen Gesellschaft – ist das gegenwärtige Grau eines Circus des totalen Boulevard (Christian Schüle) nur noch leise durchstochen von kleinen bemerkenswerten Initiativen. Selbst die politischen Parteien – dereinst ein Hort von Konzepten des Zusammenlebens – haben vor lauter Flickschusterei das Handwerk des Puzzle-Legens verlernt.

Während wir sehen, dass es so nicht weitergeht und doch nicht wissen, wie es gehen könnte, rufen die Leute “Aber, aber, aber!”, sobald jemand kommt und sagt, dass man es auch anders machen könne.

Die Unfähigkeit, Visionen in die Unbestimmtheit der Zukunft zu legen, ist dabei ein nie da gewesenes Einknicken vor den Herausforderungen unserer Zeit. Es ist eine gähnende Stille an jene Stelle getreten, wo unsere Vorfahren sich noch ganze politische und künstlerische Reiche im Detail ersannen und das Himmelreich auf Erden farbig ausmalten.

Ist das Ende säkularisierter Eschatologie in diesen Jahren endgültig erreicht? Liegt ein totaler Nebel auf dem Zeitstrahl auf dem wir in die Zukunft gehen? Die geistige Malaise dieser Tage braucht intellektuelle Radikalkuren: Visionen, die nicht bereits vor dem Austritt aus dem Geburtskanal abgetötet und in nicht mehr zusammensetzbare Stücke zerschnitten werden.

Der herrschenden Perspektivlosigkeit trotzend ist die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens mehr als gewagt. Warum? – Weil sie das große Ganze des Wir nicht missachtet, sondern in Angriff nimmt.

Es scheint als ob die Idee eines garantierten Einkommens für alle und ohne Prüfung und Ansehen der Person eines vermag: Die Zukunft des Zusammenlebens und damit auch diejenige des Erwerbslebens überhaupt radikal neu zu sehen, mit neuen Augen. Zudem lässt sich die Idee nicht einfach zu den obligatorischen Grabenkämpfen des heute üblichen Kleinklein missbrauchen – solange man die Kritik der “Herdprämie” aus der feministischen Ecke elegant übergeht. Sie unterläuft fundamental die Selbstbestimmung der Frau.

Das, was im Kern das Interessante der Idee ausmacht, ist schlichtweg ihr innovatives Wesen. Ob und Wie und Wann sind die kleinen Geschwister des geistigen Dolchstoßes jeder Idee. Das gilt auch bezüglich der wichtigsten Frage der res publica: Wie wollen wir denn leben?

Wenn wir den Kopf wirklich frei von all den Vorurteilen der letzten Jahrzehnte in den noch dichten Nebel möglicher Ideen stecken wollen, kommt es vor allem darauf an, dass endlich jemand etwas tut – und was es auch sei. Vertrauen wir auf die gesellschaftlichen Mechanismen, die später jede Idee – und sei sie auch noch so verrückt – zurechtschneidern werden; an der gesellschaftlichen Realität maßnehmend.

All dies ist der Grund, weshalb ich die zur Zeit laufende Petition am Deutschen Bundestag zum Thema Grundeinkommen unterzeichnete und unterstütze: Es geht dabei in erster Linie darum, notwendigen Ideen das Feld zu bestellen, ihnen eine Bühne zu geben, um sich diskursiv zu bewähren – so dass letztlich das trübe Grau des vermeintlich fest geschnürten gesellschaftlichen Konsenses des laissez-faire zukunftsloser Gesellschaft neue Impulse erfährt.

Kritik ist dabei wichtig und richtig. Dennoch kein Grund, eine solche Initiative nicht zu unterstützen. Es geht um das Ob; mehr denn um das Wie.

PETITION


(Dank an PJE)
 
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