Straßburg steht unter Quarantäne. Ich bin heute morgen etwa bei Sonnenaufgang aufgestanden, um aus meinem Vorort überhaupt eine Chance zu haben nach Kehl zum Auftakt der großen Demonstration um 11 Uhr zu kommen. Doch schnell merke ich, dass das kaum Chancen hat. Schon der Weg in die Stadt zieht sich ewig. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht, kein Taxi ist in Sicht und auch das Trampen will nicht so recht gelingen. Erst als ich schon eine gute dreiviertel Stunde unterwegs bin, erbarmt sich ein Autofahrer meiner und bringt mich ein paar Meter weiter in die Innenstadt.
Hier bekomme ich einen Tipp aus dem Protestcamp. Angeblich haben es einige Demonstranten tatsächlich in die Sicherheitszone geschafft und blockieren friedlich eine Straße. Also gehe ich nicht zum Bahnhof, sondern mache mich doch erstmal Richtung Kongresszentrum auf.
Schnell ist klar, dass das Gerücht stimmt. Das Presseshuttle fährt nicht mehr - die Schienen sind blockiert. Die Polizisten stehen in voller Montur auf der Straße - Tränengas inklusiv und auch Wasserwerfer sind schon in Stellung gegangen. Die Demonstranten stehen nur auf der Straße und trommeln. Es sind nicht viele - insgesamt vielleicht ein paar hundert - doch den Polizisten ist die Anspannung deutlich anzumerken.
Für die Presse bedeutet das weitere Schikanen. Die Zugänge werden jetzt peinlich genau kontrolliert. Einge Straßen dürfen die Journalisten nur einzeln durchqueren und auch dann werden sie noch mehrfach angehalten.
Hinweis: Ich mache mich jetzt auf, um von den Demonstrationen zu berichten. Ob ich es nach Kehl schaffe, weiß ich nicht - doch zur Kundgebung am Rand von Straßburg werde ich mich durchschlagen. Über die Twitter-Seite des Freitag werde ich Sie auf dem laufenden halten, so gut ich kann. Einen längeren Bericht lesen Sie hier heute Nachmittag.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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