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Bis vor kurzem wirkte Weihnachten noch ganz weit weg. Kein "Last Christmas" im Supermarkt, keine Lebkuchenteller bei uns in der Kuche und zumindest hier in meiner Ecke riecht es immer noch mehr nach türkischem Tee als nach Glühwein. Doch seit vor ein paar Tagen die Temperaturen krachend in den Keller gestürtzt sind macht sich bei mir Panik breit. Ein Blick auf den Kalender hat nicht geholfen. Jetzt schwirren mir andauerd Fragen durch den Kopf: Wer kriegt was? Wann fahre ich zu meinen Eltern? Wie lange kann ich bleiben? Wie lange will ich bleiben? Wann treffe ich meine alten Freunde? Wie umgehe ich manche alten Freunde? Fragen über Fragen - ich brauche Hilfe. Und vielleicht bin ich damit ja nicht allein.
Deshalb meine Frage an euch:
Mit welchen Tricks überlebt ihr alle Jahre wieder die Feiertage?
Sammeln wir doch mal unsere Erfahrungen - vielleicht kommt ja genug dabei rum, dass daraus ein für alle Beteiligten hilfreicher Text für die Zeitung gestrickt werden kann. Also, ich hoffe auf rege Beteiligung...
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Die meisten meiner alten Freunde wissen nicht, wo ich bin. Eigentlich bin ich aber immer bei meiner Mutter, die ich zu unpassenden Gelegenheiten gern als Vorwand vorschiebe: "Du, ich geh schon mit meiner Mutter was essen."
Andersherum funktioniert es genauso gut. Wenn Mutter nervt, muss ich arbeiten ("Ja, auch an Weihnachten. Ich mach doch online, Mama.") oder bin mit einem alten Freund verabredet ("Ich gehe mal kurz an die Alster."). Das bringt einem die ein oder andere Stunde. Schwierig wird es, wenn mein Vater ebenfalls zu Besuch kommt: Alarmstimmung. Dieses Gemisch ist unberechenbar; heißt für mich, dass entweder Sascha oder Katarina auf Abruf herhalten müssen (Leidensgenossen). Alternativ lässt sich Vatern aber auch immer für einen guten Wein begeistern. Der einzige Trick, den ich anzubieten habe, ist eher eine Empfehlung. Man sollte sich immer Hintertüren offen halten. Es gibt an Weihnachten nichts wichtigeres als die Möglichkeit schnell, lautlos und unanfechtbar zu verschwinden. Will sagen: Schlag das System Weihnachten mit seinen eigenen Waffen, denn überall warten Verpflichtungen, die man gegeneinander ausspielen kann. |
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Wenn es so mit mir weiter geht, dann überlebe ich Weihnachten diesmal nicht.
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Pflichten, Zwänge, emotionale Irritationen und Geschenke - Weihnachten ist das Fest der Gegensetzlichkeiten. Liebe soll auch noch dabei sein. Die Frage ist: Wo finde ich die? Und muss es an Weihnachten unbedingt mehr Liebe sein als an anderen Tagen? Da ist es schon wieder, das Muss.
Ich gebe Dir, Julian, Recht, dass sich das Näherrücken des "Jesusfestes" genauso unvermeidbar wie organisatorisch unperfektionierbar wiederholt. Ebenso stimme ich Dir, Jan, zu, dass es Möglichkeiten gibt, die Weihnachtstage geruhsamer über die Bühne zu bringen als manch andere(r). Denn seien wir mal ehrlich: Für die meisten ist Weihnachten mehr Pflicht als Kür. Dennoch muss ich sagen, dass ich Weihnachten dieses Jahr gelassen entgegensehe. Soll es doch kommen! Komm her, Weihnachten, leg Dich ruhig mit mir an! Wirst schon sehen, was Du davon hast. Du willst mich in der Einkaufsstraße ersticken lassen? Ich bestelle Theaterkarten im Internet und schreibe ein Gedicht dazu! Du willst mir kulinarische Vorschriften aufhalsen? Ich bin Vegetarier und dabei bleibt's! Du willst mich nervös machen, weil Du als Fest der (zwanghaften) Liebe daherkommst? Versuche es, aber wundere Dich nicht: Ich habe Erfahrung mit Deinen Vorgängern und die lässt mich wissen, dass die Liebe eine Kraft ist, die in der Ruhe liegt. |
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Oha, Gegensätzlichkeiten mit e zu schreiben, war dann doch ein wenig zu viel der Gelassenheit ...
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Geschwister, Bücher, Yogamatte - um es kurz zusammenzufassen. Mir graut es immer vor Weihnachten, da meine Mutter uns Kinder an diesen Tagen ins Unermessliche mästen möchte und eigentlich auch jeden Tag in die Kirche.
In Allianz mit den Geschwistern ist es uns die letzten Jahre endlich gelungen, unsere Mutter davon zu überzeugen, dass wir (allesamt über 18) schon lange entscheiden dürfen, dass wir nicht in die Kirche wollen und es der Harmonie zuträglich ist, wenn sie uns mit dieser Thematik in Ruhe lässt. Als Friedensangebot bereiten meine Geschwister und ich das Abendessen am 24. vor, während meine Mutter wenigstens noch meinen Vater davon überzeugen kann, dass der Kirchenchor und die Predigt hörenswert sind. Meine Eltern wohnen in einem kleinen Dorf im Sauerland was an Freizeitgestaltungs- und Fluchtmöglichkeiten rein gar nichts bietet. Man ist also über die Tage im Haus gefangen, es sei denn, man möchte Schneespaziergänge machen und auch diese bieten nur temporär die Gelegenheit, ein wenig Ruhe zu haben. Akzeptiert wird hingegen alle Anfragen der familiären Umwelt auszublenden, in dem man seine Nase tief in ein Buch steckt. Mein Vater, mein Bruder und ich haben literarisch einen sehr ähnlichen Geschmack, so dass wir unsere Buchgeschenke an den Feiertagen rotieren lassen. In diesem Jahr werde ich ausprobieren, ob die Yogamatte ein wenig hilft. Ich bin die letzten drei Jahre nicht zu meinen Eltern gefahren, da ich nach dem weihnachtlichen Aufenthalt im Sauerland eine Woche Erholung davon in Berlin anhängen musste. In diesem Jahr wage ich mich wieder an dieses Experiment und versuche aktiv mich so weit zu entspannen, dass selbst meine Mutter mich nicht aus der Ruhe bringen können wird (sie fragt ungefähr seit Mai nach der genauen Uhrzeit meiner Anreise sowie Geschenkewünschen). Meine Geheimwaffe in diesem Jahr wird außerdem sein, dass ich meinen Freund mitbringe. Sobald jemand "Fremdes" in den Kreis der Familie dringt, benehmen sich alle gesitteter und sind um ein noch harmonischeres Weihnachten bemüht. Auch wenn ein unverheiratetes Paar in einer katholischen Familie sicherlich ein moralisches Problem bedeutet. Eine kanadische Freundin von mir erzählte ähnliches und was sie ihrer Mutter vorab mitteilte: "Mom, my boyfriend is 37. He will not sleep in your office." |
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indem ich spätestens beim hören des katholischen gottesdienstes am 2. feiertag in infernalisches gelächter ausbreche. weil da des unversehrten hymen Mariens unter der geburt gedacht wird.
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"Mit welchen Tricks überlebt ihr alle Jahre wieder die Feiertage?"
Genau diese Frage ist der Trick, alles drin: Überleben, Feiertage, Tricksen. Wer die Frage stellt, hat schon halb gewonnen, fußballerisch ausgedrückt: zwei Punkte. Beste Ausrede für heimelige Geruhsamkeit: Leute, dies Jahr kommt der Weihnachtsmann zu mir!!! |
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Weihnachten ist schön.
Weihnachten ist grässlich. Jedes Jahr von Neuem: dasselbe. Nur immer ein bisschen anders gleich. Wenn ich keine Kinder hätte, wäre es leichter. Wenn ich keine Kinder hätte, wäre es noch schlimmer. Weihnachten ist unklar: Was feiern wir eigentlich? Dass Jesus geboren ist? Warum? Weihnachten ist sicher: Lagerkoller. Weihnachten gibt es Geschenke. Weihnachten gibt es Streit. Weihnachten zwingt mich, mir selbst ins Gesicht zu sehen: So sehe ich wirklich aus! Weihnachten ignorieren geht gar nicht. Weihnachten so tun, als wäre man begeistert, auch nicht. Was also tun? Na, nix. Alles: Wir werden aufs Land fahren zu meiner Mutter, die noch ungläubiger ist als ich; während ich noch „in der Kirche“ bin und es trotz der Steuern nicht über mich bringe, auszutreten, ist sie lange, bevor ich eine angemessene Bibelfestigkeit erlangen konnte, ausgetreten und draußen geblieben. Sie hasst die Kirche. Wie jedes Jahr werden wir uns und die Kinder fragen: Bescherung vor oder nach dem Essen? Wie jedes Jahr werde ich mich fragen, warum ich dieses Fest feiere. Wie jedes Jahr werde ich mich selbst mahnen, den Kindern nicht zu viele Geschenke zu kaufen, und wie jedes Jahr werde ich (vermutlich) dann doch zu viele haben. Wie jedes Jahr grusele ich mich jetzt schon, freue mich zwischendurch auch kleinmütig ein kleines bisschen, fürchte quasiarchaische, oder eher traumatische Erinnerungen, hoffe auf Harmonie oder wenigstens Gelassenheit, ahne, dass ich dazu nicht in der Lage sein werde (Weihnachten noch weniger als anderswann). Wie jedes Jahr sagt meine Mutter jetzt schon „Ich kümmere mich um alles.“ Wie jedes Jahr wird es nicht zutreffen. Immerhin habe ich es hingekriegt, eine Art Familientradition zu schaffen: Wir backen Plätzchen, die Kinder und ich, an jedem Adventssonntag (sie sind so schnell alle). Und wir haben einen Adventskranz, mit vier Kerzen drauf, am liebsten die teuren, mit Honig. Und wir gehen auf den Weihnachtsmarkt, Karussell fahren, Glühwein trinken, die Lichter und die kalten Füße genießen. Wir nehmen die Matsche an den Schuhen als Gottesgeschenk. Die Kinder schreiben Wunschlisten. Ein Weihnachtsbaum ist Pflicht. Wir werden in den Wald gehen und einen Baum schlagen, einen kleinen. Den werden wir schmücken. An Heiligabend gehe ich in die Kirche, völlig widersinnig, wer mitkommen will, kommt mit. Ich werde den Pfarrer hören und darüber sinnieren, auch innerlich kommentieren, als wäre ich ein Predigten-Kritiker. (Hoffentlich ist es kein Schwafler, und hoffentlich kein zwanghafter Hartz IV-Empfänger-Gutmeinender. Die armen Hartz IV-Empfänger - sie können sich nicht gegen die Weihnachtspredigten wehren... Jesus war verdammt noch mal nicht arbeitslos! Jesus hat das Feld Gotes beackert! Und er war auch kein Migrant sondern Missionar! Widersprecht mir, liebe Leute, lasst euch hören!) Meine Mutter wird darauf hinweisen, dass es sich ursprünglich um ein heidnisches, matriarchalisches Fest handelt (das man deshalb guten Gewissens feiern kann): Irgendwann um Heiligabend rum werden die Tage wieder heller. Und DAS sei der Punkt. Das Licht. Die Schafherde in der Nähe wird hoffentlich ihre wohltuenden Geräusche von sich geben, eine Wärme suggerieren, die der Winter hoffentlich noch nicht bereit halten wird, dieses Jahr. Wir werden auf Schnee hoffen. Wir werden spießig sein (dürfen) mit jeder Äußerung, die wir tätigen. Wir werden Schlittenfahren, so Gott will, und im Kalten spazieren gehen und versuchen, das viele Essen zu genießen. Die Tiere meiner Mutter werden die Reste vom Fleisch bekommen. Und wenn wir alles irgendwie überstanden haben werden – wird es mit der gesamten Weihnachts-Familie eine Paddeltour geben. Auf der Elbe. Am 27. Dezember. Darauf freue ich mich. Und dann? Steht die schwerwiegende Frage an: Was, verdammt noch mal, mache ich an Silvester? Wieder mal um zehn ins Bett und schlafen? |
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"Es gibt nur ein Problem in der Welt: Dem menschlichen Leben wieder einen geistigen Sinn zu geben." - Antoine de Saint-Exupéry
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schrieb am
07.12.2009 um 21:52
Die Weihnacht ist immer und überall.
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Weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart habe ich besondere Weihnachtsbefürchtungen.
Früher habe ich meine Mutter besucht, das war gut und freundlich, weil meine Mutter wenig Probleme mit mir hatte. Sie lebt nicht mehr. Und viel mehr Familie gabs bei mir nie. Der Aufwand hielt sich immer in Grenzen. Jetzt machen wir zu Hause alles in kleinem Rahmen - ein Weihnachtsstrauß und ein paar Kerzen... Auch eine Bescherung. Dann stehen wir stehen gern in der Küche rum, trinken ein Bierchen und kochen zusammen was Nettes. Also: ich sehe uns an dem Abend - bei ein zwei Kerzlein mehr - sitzen und mein Mann lästert herum, denn er ist ein Urberliner. Wenig Konfliktpotential. Der Gag ist allerdings, dass auch wir es besser finden, wenn wieder ganz normale Tage sind. Und nach Weihnachten kommt meine Freundin und die wird von uns betreut und bringt Leben in die Bude. Das wird bis Silvester immer lustig. |
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Hihi, ich habe gelesen:
"Dann stehen wir stehen gern in der Kirche rum, trinken ein Bierchen und kochen zusammen was Nettes." |
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ja und? warum nicht?
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schrieb am
07.12.2009 um 23:13
klara hat ja auch weihnachtsimpressionen, gell ...
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Lieber merdeister - ich nehme an, Dein Zitat ist ein erneuter Appell an die Freitags-Mannschaft, endlich mal eine Editierfunktion für Kommentare anzuschaffen.
Dabei schreibe ich ja schon erst in einen Editor. Hilft nix. |
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Hallo Magda,
da war kein Appell, ich hatte mich nur verlesen. Kirche statt Küche. Deswegen wohl auch Rahabs Frage. Lustig ist nicht das ob sondern das wie, und das war in meinem Kopf lustig. Da habe ich zu schnell gepostet...also vielleicht doch ein Appell? Puh, schwurbelig dieses Weihnachten. Gruß nach Berlin |
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Genau und ich habe mich dann wieder verlesen. Also, es ist wie es ist, ein bisschen durcheinander.
Macht nischt, es gibt schlimmeres. |
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Wie überlebe ich bis Weihnachten?
Wie überlebe ich nach Weihnachten? |
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Rechtzeitig genug einkaufen, denn es sind ja vier (in Ziffern: 4) Tage, die aus Sicht des Verbrauchers suboptimal sind.
Ansonsten: Ignorieren. |
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Als ich noch Kind und Jugendliche "zuhause" war, ging es genau darum: Wie (über)lebe ich Weihnachten? Bei uns war Weihnachten sehr feierlich, meine Eltern hatten Stil und verstanden es, den passenden Rahmen zu schaffen: Es lief schon den ganzen Monat Weihnachtsmusik und wir sangen viel, das ganze Haus war schön geschmückt, Erwartung lag in der Luft. Auch dadurch, dass mein Vater sehr gläubig war und es ihm gelang, diesen Gedanken "Christus ist geboren, darüber freuen wir uns!", zumindest zu dieser Zeit, glaubwürdig zu transportieren. Er sang schon morgens "Tochter Zion", und hatte eigentlich den ganzen Dezember gute Laune.
Weihnachten war aber auch das Fest der Tretminen: WANN gibt es den ersten fürchterlichen Streit zwischen meinen Eltern? Bereits Heiligabend oder beim Brunch am 1. Feiertag? (Denn beide standen ja bis Heiligabend um 14 Uhr "im Geschäft", und waren entsprechend gestresst... und überhaupt.) Hat mein Vater diesmal die "richtigen" Geschenke für meine Mutter, oder spricht sie wieder drei Tage nicht mit ihm? Und warum kriege ich (mit 18!), die Briefe von "Rosa Luxemburg aus dem Gefängnis" und Goldschmuck, wo ich, wie meine Mutter genau weiss, nur Silber trage? Die Jahre nach meinem Auszug, und bevor ich selber "Familie" hatte, waren fast noch schlimmer: Festzustellen, wie sehr ich mich von meinen Eltern und Schwestern noch weiter entfernte, nachdem ich nie richtig dazugehört hatte: Dass es mir viel abverlangte, ein oder zwei Tage mit allen zusammen unter einem Dach zu sein. Dann ein paar Jahre ohne Familie, mit Freunden; einmal, als "Experiment", allein - das war sehr schön, und ich fühlte mich gar nicht einsam. Ich habe gute Musik gehört, die Christvesper im Michel besucht und gut gekocht und gegessen. Es war wichtig für mich zu wissen, dass ich auch hier nicht abhängig bin. Dann die Jahre mit MANN UND KIND, auch schön, da kamen dann aberdie Ansprüche SEINER Familie dazu ("Heiligabend seid Ihr doch bei uns?"), wo ich gern unser eigenes Fest gestalten wollte, wenigstens die ersten Jahre... Die Feste mit meiner Schwester und ihrem dänischen Mann, bei denen wir fröhlich um den Weihnachtsbaum tanzten und ich staunte: SO kann man also auch Weihnachten feiern! Ganz und gar unpathetisch, und: Schön! Am schönsten ist Weihnachten, seit ich mit meiner Tochter allein feiere (meine Eltern sind tot), jedenfalls Heiligabend und den 1. Feiertag. Unser Weihnachten, deswegen die Vorrede oben, ist ein Gemisch aus all diesen Festen: Wir gestalten es ganz und gar so, wie WIR es wollen, und müssen sonst keine Erwartungen erfüllen, das ist so erleichternd! Natürlich sind da auch Kompromisse und Absprachen gefragt, aber das gelingt uns ganz gut. (Dieses Jahr will ich zum ersten Mal zur ChristMETTE und sie nicht, da ist noch etwas Fingerspitzengefühl gefragt...) Wir schmücken am Tag vorher den Baum, bzw. sie, und ich mache den "Reich mir mal-Assi"; Heiligabend gibt es möglichst keinen Stress mehr, ich habe alles vorbereitet; wir stehen gegen 9 Uhr auf, frühstücken gemütlich, hören dabei Weihnachtsmusik... Gegen 15 Uhr haben wir uns sonst umgezogen und sind zur Christvesper gegangen. Die Kirche ist brechend voll, das nervt etwas, wir müssen schon eine halbe Stunde vorher dasein, obwohl es fünf (!) Gottesdienste an diesem Abend gibt. (Und das ist nicht der Michel!) Trotzdem schön: Die Auffahrt zwischen den Bäumen ist mit Kerzen geschmückt, der riesige Baum, die Kirche auch mit Kerzen erleuchtet. Die vielen Kinder! Immer gibt es Heiligabend ein Theaterstück (kein Krippenspiel). Dann das Singen von fröhlichen (!) Weihnachtsliedern, und zuletzt, traditionell, mein Lieblingslied "O du Fröhliche". Das MUSS ich einfach schmettern! Meiner Tochter ist das immer sehr peinlich. Dann der Spaziergang nach Hause, noch ein Tee, und meine Tochter muss dringend noch ein paar Geschenke einpacken. Schließlich "Bescherung", der Baum brennt mit echten Kerzen (immer, auch als sie klein war), ein Weihnachtslied kann ich ihr noch abringen, mit Grimasse! Die "Ahs" und "Ohs", wenn wir gegenseitig unsere Geschenke auspacken, IMMER ist für mich etwas absichtlich Kitschiges, Verspieltes dabei, denn ich habe Probleme mit Kitsch, und soll es doch, ihrer Meinung nach, lernen... Dann das Auspacken der ausladenden Pakete für meine Tochter von Vater und Großeltern. Die Anrufe von Verwandten und Freunden... Tiere werden bei uns zu Weihnachten nicht gegessen, oder höchstens Fisch. Heiligabend gibt es dann Schweizer Fondue mit viel Kirsch, am ersten Feiertag Lachsfrikadellen und ein leichter Kartoffelsalat (ich will nicht kochen). Wir bleiben, nach dem ganzen "offiziellen" Teil im Schlafanzug, gucken die neue traditionelle DVD meiner Tochter (sie ist Filmfreak), spielen was, lesen... Am 2. treffen wir uns mit Freunden beim "Chinesen". Endlich kann ich gebratene Ente essen! Nach dem Spaziergang "danach" lassen wir den Abend ruhig ausklingen... Das ist die Idealversion! So war es überraschendeweise im Weihnachten 2008, als ich auf alles andere vorbereitet war. Weil ich nämlich im Jahr davor mit 40 Grad Fieber im Bett lag, und meine Tochter, damals 15, alles allein machen musste, Einkauf etc. Wir haben uns auch schon schrecklich gestritten an Weihnachten... Oder die "richtige" Stimmung fehlte einfach ... Ich sehe heute alles etwas gelassener: Dieses Jahr haben wir zum Beispiel wenig Zeit, beide, meine Tochter war an den Adventssonntagen oft nicht da oder musste lernen, ich hatte Termine... Das ist schade, aber nicht zu ändern. Es wird auch wieder andere Zeiten geben. Wir feiern Weihnachten als fröhliches, traditionelles Fest. Meine Tochter ist davon überzeugt, dass an diesem Tag irgendwo Jesus geboren wurde, so, wie sie auch glaubt, dass er Gottes Sohn war... Für mich ist das nicht so wichtig. Dass da etwas war, etwas gewesen sein MUSS vor 2000 Jahren, daran glaube ich allerdings auch: An das Weihnachtswunder. An |
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Ach ja, und um das noch zu betonen: Ich ÜBERLEBE Weihnachten nicht, ich lebe. Dann auch, und ziemlich gern.
Aber über Weihnachten zu jammern, nur das scheint so richtig links zu sein. Herrgottsakrament! |
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Scheiß-Weihnachten, echt! :)
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Leute, ihr könnt viel erzählen. Und noch weit mehr als das Angesprochene des Beitrags ist Weihnacht, welcher (Nicht)Konfession auch immer, Zeit der Depressionen. Zur Weihnacht gehen die meisten in die Psychiatrie, zur Weihnacht haben die Psychologen Hochkonjunktur, und Weihnacht ist für viele Menschen einfach Nacht.
Das Fest der Feste ist umgekehrt dessen bedrückende Umkehr. Einsam feiern? In Not feiern? Kein Fest machen können? Aber draußen und im Fernseh nur das Gegenteil sehen. Wer feiert oder tricksen kann, ist gut raus. Den anderen bleibt extreme Kälte ... |
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Wieso überleben? Weihnachten ist zwar stressig, aber doch auch schön. Zeit für Familie, treffen mit alten Freunden. Die Frage sollte eigentlich lauten, "wie überlebe ich die Zeit VOR Weihnachten", denn die Zeit davor ist doch eigentlich das schlimme. Weihnachtsfeiern, Termine in den Schulen der Kinder und/oder im Kidnergarten, Geschenke besorgen, Plätzchen backen, ... wenn aber dann Weihnachten erstmal da ist, dann ist es besinnlich. Man muss es nur wollen. ;-)
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ich behandle Weihnachten mit schierer Ignoranz. Mittlerweile ist das gegenseitig :-)
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Ausgabe 06/12
09.02.2012
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