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Österreich bietet seit Februar 2012 kostenlose Pneumokokkenimpfungen für Kleinkinder an. Die Impfgegner toben. Ohne zu wissen, worum es eigentlich geht.
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Some rights reserved by Thomas Weidenhaupt
Der Tod eines Kindes ist die schrecklichste Sache, die einem im Leben passieren kann. Ich war nicht der Vater, glücklicherweise. Doch meine Schwester die Mutter, und ich der Onkel, der jeden Abend mit ihm herumhüpfte, ihn zu fangen versuchte oder mit ihm gemeinsam am Esstisch aß. Am 29. Oktober 2007 hörte sein Herz zu schlagen auf, im zarten Alter von nicht einmal eineinhalb Jahren. Der Boden war weggezogen, die Tränen vorhanden und die Aussichtslosigkeit grenzenlos. Beinahe fünf Jahre sind seither vergangen, und immer noch ist es regelmäßiges Thema bei Gesprächen mit meiner Mutter.
Woran er gestorben ist? Der Pathologe vermutete Pneumokokken, einen endgültigen Bericht haben wir aber bis heute nicht bekommen. Seit diesem Jahr ist die Pneumokokkenimpfung in Österreich kostenlos. Laut dem Epidemologischen Meldesystem sind im Jahr 2010 16 Menschen daran gestorben, Zahlen zum Vorjahr konnte ich aber bisher noch keine finden. Für einen gesunden Menschen mit intaktem Immunsystem ist eine solche bakterielle Infektion meist kein Problem, eine Gefahr ist es aber für Kleinkinder und ältere Menschen, deren Immunsystem sich entweder erst im Aufbau oder schon wieder im Abbau befindet. Auf derStandard.at musste ich dann diesen Kommentar lesen: “wer kinder unter drei jahren mit irgendwas impfen lässt macht sich der körperverletzung schuldig. da bleibt nur entzug des sorgerechtes.” Und war wütend. Verständlichweise.
Natürlich bin ich kein Pharmalobbyist, der Impfungen für Kleinkinder für das Beste hält, was es in westlichen Ländern gibt. Es gibt Risiken, das will ich niemandem absprechen. Aber wenn ich mir denke, dass eine Impfung möglicherweise meinem Neffen, der ganz klar nicht zur Risikogruppe gehörte, das Leben hätte retten können, hätte ich alles dafür getan, dass er sie erhalten hätte. Doch das ist das altbekannte Was-wäre-wenn-Spiel, das man nach solchen plötzlichen, unerwarteten Todesfällen immer zu spielen versucht.
Doch: Was sind diese Pneumokokken genau? Dabei handelt es sich um “Bakterien, die schwere Infektionen verursachen.” - (Wikipedia) verständlich genug? Recht viel genauere Informationen suche zumindest ich bisher im Internet vergebens. Die Infektionen, die dadurch verursacht werden können, reichen von einer Lungenentzündung bis hin zur Gehirnhautentzündung.
Nach dem Jahresbericht der World Health Organisation (WHO) gelten Pneumonia und Diarrhoe als die zwei gefährlichsten Erkrankungen bei Kleinkindern. 18% bzw. 15% der Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren sind auf diese Krankheiten zurückzuführen. Eine Impfung macht doch Sinn, oder? Es scheint sich hierbei um eine um sich greifende Infektionskrankheit zu sein, die möglicherweise in Zukunft noch gefährlicher werden könnte. Die Impfung könnte diese Gefahr theoretisch eindämpfen. Doch gibt es Nebenwirkungen? Die gibt es wahrscheinlich immer.
Es muss doch immer unsere Hauptaufgabe sein, unsere Kinder zu schützen, vor allen Gefahren. Und sollte es irgendwann einmal mir passieren, sollte irgendwann einmal ein Kind von mir an Pneumokokken erkranken, möchte ich nicht mit den Vorwürfen leben müssen. Denn die habe ich mir schon vor fünf Jahren gemacht. Denn was, wenn ich diese Bakterien in mir getragen habe? Was, wenn all das, wenn all der Schmerz und all die Wut nur entstanden ist, weil ich der Überträger war? Und dann hört man von einem ähnlichen Todesfall, der Tod eines Kindes aus der Nachbarstadt, nicht unweit und alles ist plötzlich wieder so nahe, als wäre es gerade eben erst der 29. Oktober 2007.
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Impfen. Mit kaum einem Thema kann man Cranks so gut anlocken. Impfungen haben wahrscheinlich mehr Leben gerettet als die meisten medizinischen Maßnahmen.
Was der Kommentator vergisst (wobei ich nicht weiß, wie es in Österreich ist), ist die Tatsache, dass jeder Impfling :-) gegen einen Impfschaden versichert ist. Allerdings ist nicht alles ein Impfschaden, was als solcher ausgegeben wird. Und Seiten wie "Impfschaden" neigen dazu, alles, was im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung steht, als Impfschaden darzustellen. Dort wird auch nicht, wenn ich das jetzt richtig gesehen habe, zwischen Impfreaktion und Nebenwirkung unterschieden. Viel Fachkompetenz ist dort nicht anzutreffen, denke ich. Das arznei-telegramm berichtet über unklare Wirkungsbeweise bei Erwachsenen, nicht jedoch über Nebenwirkungen, auch hier mit der Einschränkung, dass ich nur kurz drübergeschaut habe. Ein wichtiger Text zu einem wichtigen Thema, vielen Dank. |
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Welche geradezu grotesken Züge diese Anti-Impungskampagnen gerade in Österreich annehmen, können Sie gerne hier nachlesen: bit.ly/aPIqPi
Zur "Kinderkrankheit" Masern und "impfen": www.welt.de/gesundheit/article13697963/Warum-Deutschland-die-Masern-einfach-nicht-los-wird.html www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/who-masern-zunahme-in-europa-4094.php www.zeit.de/online/2009/11/impfen-kommentar |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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