Am 12. Februar können rund 365.000 stimmberechtigte Duisburgerinnen und Duisburger darüber entscheiden, ob Adolf Sauerland als Duisburger Oberbürgermeister im Amt bleiben soll. Seit der Loveparade-Katastrophe am 24. Juli 2010 steht das Stadtoberhaupt kontinuierlich in der Kritik und ein Regieren ist so kaum noch möglich. Selbst wenn Sauerland am Montag noch im Amt sein sollte, ist ein Rücktritt das beste für seinen Geburtsort.
Von Jan Walther
Als Kommunalpolitiker hat man die Möglichkeit, bei den Bürgerinnen und Bürgern einer Stadt direkt vor Ort tätig werden zu können. Man muss sich nicht permanent um die internationale Politik der Bundesparteien sorgen, sondern kann sich unter anderem direkt für den Bau einer weiteren Ampel vor der Grundschule im Ort einsetzen oder als Ehrengast das neue Schützenvereinsheim einweihen. Eine Nähe wie diese findet man in der Politik fast nur auf kommunaler Ebene. Oberbürgermeister einer Stadt zu sein bedeutet auch, den Menschen dort zu zeigen, dass sich jemand um ihre Sorgen und Nöte kümmert, dass sie gehört werden von der Politik.
Die Frage nach der Abwahl Sauerlands ist daher nur noch rein formal. Praktisch gesehen ist er am 24. Juli 2010 aus dem Amt geschieden und hält sich seitdem mit letzter Kraft an ihm fest.
Ob Adolf Sauerland eine Schuld am Loveparade-Unglück trägt, und sei es nur eine moralische, ist für die Abwägung, ob er im Amt bleiben soll oder nicht, daher völlig unerheblich. Denn seit der Katastrophe mit 21 Toten und vielen hundert Verletzten ist Sauerland nicht mehr in der Lage, als Duisburgs Oberbürgermeister für die Menschen, die dort leben, da zu sein und sich um deren Probleme zu kümmern. Viel zu groß ist bei einigen die Wut über das Verhalten des Oberbürgermeisters nach dem Unglück und seine eventuelle Schuld, die er durch die vorherige Planung tragen könnte.
Die Entscheidung, die die Duisburgerinnen und Duisburger am Sonntag treffen, darf daher nicht von parteipolitischem Interesse geleitet werden oder durch das, was Adolf Sauerland in der Vergangenheit ohne Zweifel für seine Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger getan hat. Einzig und allein die Frage, ob Sauerland noch in der Lage ist, Duisburg zu regieren, bei den Menschen zu sein und eine Nähe aufzubauen, die nicht bis 2015 – seiner regulären Amtszeit – ununterbrochen von der Loveparade-Katastrophe überschattet würde.
Auch wenn Gerichte feststellen sollten, dass Sauerland rechtlich nicht belangt werden könne und keine Schuld trage, wird sein Name weiterhin mit den 21 Toten am Karl-Lehr-Tunnel in Duisburg verbunden werden. Und selbst wenn Adolf Sauerland nach der Wahl weiterhin bis 2015 im Amt bleiben könnte, weil nicht genügend Stimmen für eine Abwahl vorhanden waren, ist ein freiwilliger Rücktritt für ihn und die Stadt, die einen Oberbürgermeister braucht, der uneingeschränkte Nähe aufbringen kann, der beste Schritt, den Herr Sauerland noch für Duisburg machen kann.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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