KalleWirsch

Neues vom König der Erdmännchen

01.05.2010 | 11:12

Geht doch nach hause - Revolutionstourismus in Berlin

Heute werden in Berlin voraussichtlich drei Nazidemos stattfinden. Eigentlich ein guter Grund dagegen auf die Strasse zu gehen. Jedoch nicht am ersten Mai, denn ich habe keine Lust mit den Mairandaleidioten in einen Topf geworfen zu werden. Ich hasse den ersten Mai und alles was in dieser Stadt seit vielen Jahren damit verbunden ist. Dieses ganze pubertäre Revolutionsgehabe. Dieser vermeintlich mutige Aufstand gegen die Stattsmacht, der nichts weiter ist, als eine Massenschlägerei im Vollrausch. Geplünderte Geschäfte, brennende Autos und Mülltonnen. Und bei den Autos handelt es oftmals noch nicht einmal um teure Luxuskarossen, sondern um die Familienkutschen der Anwohner (wobei ich auch das Abfackeln von Luxusschlitten affig finde). Das Abfackeln der Autos kennen wir ja nun zu Genüge. Besonders in der Revaler Strasse hier in Friedrichhain brennen die Autos regelmäßig oder werden anderweitig demoliert. Die Massenschlägerei und die Plünderungen kriegen wir dann am ersten Mai noch gratis dazu.

Was an diesem Tag besonders nervt, sind die Krawalltouristen aus der deutschen Provinz. Seit gestern ziehen vollkommen besoffene pseudorevolutionäre "Autonome" durch unseren Kiez, pöbeln, treten gegen Mülleimer oder werfen sie um. Passanten werden blöd angemacht, beschimpft. Und das vorzugsweise auf bayrisch und schwäbisch. Kinderrevolution.In Berlin mal schön die Sau rauslassen. Der Staatsmacht mal so richtig denStinkefinger zeigen. All das tun, was man sich zuhause in der Provinz nicht traut. Ich jedenfalls habe noch nie von autonomen Krawallen in Oberammergau oder Stuttgart gehört.Außerdem liefe man dann ja vielleicht auch Gefahr ausversehen Papas Benz mit abzufackeln. Und den kann man unter Umständen ja noch brauchen.

Es kotzt mich an, dass diese kleinen Arschlöcher, mit Papas Geld wahrscheinlich noch, per ICE nach Berlin kommen und hier unseren Kiez verwüsten.

Davon abgesehen glaube ich, dass sich die progressive deutsche Linke insgesamt eindeutiger von den Randaledemonstranten distanzieren muss. Es kann nicht sein, dass der Protest gegen Gentrifizierung und Nazis im volltrunken Gewaltwahn dieser Idioten versinkt.

Ich jedenfalls bleibe heute zuhause, lebe mit dem schlechten Gewissen, dass heute drei Nazidemos in meiner Stadt laufen und ich nichts dagegen unternehme und rufe aus vollen Herzen:

Geht nach hause Revolution spielen.

 

 

 

 

 

 
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Kommentare
Fro schrieb am 01.05.2010 um 14:31
Harte Worte - das erschüttert mich aber, dass die sog. Antifaschisten da im Vollrausch herumlaufen – dann stimmt mein Hooligan-Vergleich, den ich in einem anderen Kommentar angestellt habe, ja noch mehr. Ich will sie nicht verdammen, ich kenne sie auch nicht – manche Leute kloppen sich gern - und ich weiß, dass es in Polizeikreisen auch Hooligans gibt – aber man sollte schon mal ein paar offene Worte mit ihnen reden und klar benennen, wie die Bürger und Aktiven so etwas finden. Und notfalls auch eine klare Ausgrenzung aus der pol. Aktion aussprechen. Wie sollten sie sonst dazulernen.
KalleWirsch schrieb am 01.05.2010 um 15:41
Das ist doch das Widerliche, dass sie ihre Lust auf Klopperei unter dem Deckmantel Antifaschismus betreiben. Ich möchte nicht wissen, wieviele von den Krawallos wissen, was der erste Mai bedeutet.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.05.2010 um 15:43
das ist wie bei hooligans eben, die interessiert der fight nach dem spiel.
S.Heinel schrieb am 01.05.2010 um 14:43
Ich finde die These ziemlich steil, dass nur durch die Süddeutschen "1.Mai-Touristen" Krawall entsteht.
KalleWirsch schrieb am 01.05.2010 um 15:32
Och, ich denke, die kommen schon aus ganz Deutschland. Aber gestern und heute habe ich tatsächlich hauptsächlich süddeutsche Dialekte gehört.
Vielleicht ein Friedrichshainer Problem ;-)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.05.2010 um 14:49
doch, ich stehe kallewirsch bei
... und auf der pirsch schon zwei
Doris Brandt schrieb am 01.05.2010 um 15:43
"Davon abgesehen glaube ich, dass sich die progressive deutsche Linke insgesamt eindeutiger von den Randaledemonstranten distanzieren muss. Es kann nicht sein, dass der Protest gegen Gentrifizierung und Nazis im volltrunken Gewaltwahn dieser Idioten versinkt." Sehr gut und Danke!

Bald gibt es wahrscheinlich schon Hochglanzprospekte: Krawall-Reisen inkl. Übernachtung/Halbpension im Viersterne-Hotel und Anreise im klimatisierten Reisebus.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.05.2010 um 15:45
hey, doris, hast du fildelchens famosen katsche-blog gelesen?
liebe grüße, hier vom auswärtsplatz, kalles wirds mir verzeihen, kr
KalleWirsch schrieb am 01.05.2010 um 15:56
@doris
zu zahlen mit Visa oder American Express. Im Preis enthalten Rechtsschutzversicherung und ein SixPack Pflastersteine.

@Rainer
was gibt es da zu verzeihen? ;-)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.05.2010 um 16:35
,-))
Doris Brandt schrieb am 01.05.2010 um 16:45
@Rainer. Na klar! ....und großartig!
Doris Brandt schrieb am 01.05.2010 um 16:47
:-) nicht zu vergessen: deutschsprachige Reiseleitung, man kennt sich ja schließlich nicht aus....
Doris Brandt schrieb am 01.05.2010 um 16:47
:-) nicht zu vergessen: deutschsprachige Reiseleitung, man kennt sich ja schließlich nicht aus....
KalleWirsch schrieb am 01.05.2010 um 16:57
...das alles wird organisiert von Aggro Tours, die dann auch das Merchandising von abwaschbaren Tatoos und Rastahaarteilen im Bus übernehmen...
Doris Brandt schrieb am 01.05.2010 um 17:30
Einen hab ich noch: der praktische schwarze Wende-Kapuzen-Pulli. Eine Seite: schwarzer Kapuzenpulli Zweite Seite: Rosa Poloshirt, damit man sich auch am Sonntag nach dem Berlin-Kurzurlaub wieder bei Mami und Papi sehen lassen kann....
Novalis schrieb am 01.05.2010 um 23:04
In neoliberalen Zeiten ein echt geiles Projekt!
rolf netzmann schrieb am 03.05.2010 um 09:24
übrigens, es ist wirklich so, dass krawallos mit dem flugzeug anreisen, um dort ein wenig aktion zu machen, wo sie keiner kennt, hat mir am abend des 1.mai jemand erzählt, der früh von stuttgart aus nach berlin geflogen ist, mit ihm sassen junge männer im flieger, die ganz offen darüber sprachen, dass sie aus dem schwarzen block heraus etwas unternehmen werden, was geil sei..... und sex werden sie nicht gemeint haben..:):)
B.V. schrieb am 01.05.2010 um 16:16
Von Friedrichshainer zu Friedrichshainer:
Kalle Wirsch, du sprichst mir aus dem Herzen! :-)
rolf netzmann schrieb am 01.05.2010 um 16:31
klare worte und so wahr, nur nicht neu, schon 1990 waren es eben nicht freke over und co, die in der mainzer strasse sich die strassenschlachten mit der polizei des momper senates lieferten, sondern " kampferprobte " hamburger und stuttgarter, besonders die hamburger hatten aus dem schanzenviertel ne menge erfahrung
h.yuren schrieb am 01.05.2010 um 16:51
gewalt zieht nun mal gewalt an, kalle. das hausen in der hauptstadt, der zentralgewalt, bringt manchmal vorteile, meist aber nachteile mit sich.
im chaos fühlen sich besonders die chaoten wohl.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.05.2010 um 16:58
ja, wie gut, daß es mein ruhiges münster gibt: stadtwall zur fahrradfahrt geschleift: www.freitag.de/community/blogs/rainer-kuehn/mein-muenster-machts-moeglich---macht-meschugge-mich---my-monasterium
Lee Berthine schrieb am 01.05.2010 um 17:09
Am 1.Mai im letzten Jahr habe ich den Fehler gemacht, in Friedrichshain Straßenbahn zu fahren. Da standen hinten ein paar junge Kerle, im London-Style, die sich lautstark auf englisch unterhielten, über Berlin, die Leute und das Maifest. Weil sie sich benahmen, als ob ihnen mindestens das Abteil gehörte, und wegen ihrer Lautstärke gingen sie mir auf die Nerven.
Wenn das in eine Art Krawall-Tourismus mit Komasaufen à la "Aggro-Tours" ausufert, bin ich dagegen!!!

Dafür bin ich dann, wenn es sich um Anreisende aus Solidarität handelt, ich bin auch schon in andere Städte gefahren, z.B. um an der G8-Demo teilzunehmen, gehörte aber nicht zur Steinewerfer-Fraktion und habe solche in unserer Gruppe auch nicht gesehen.

"Hoch die internationale Solidarität" finde ich total okay, aber eben auf intelligente und nicht Rausch- und Randale- Art und Weise.

Fühle mich heute krank, über unsere Häuser kreisen Hubschrauber, die Katzen schauen besorgt - ich bleibe erstmal zu Hause.
KalleWirsch schrieb am 01.05.2010 um 17:21
dito - intelligenter Protest ist spitze - Vollsuffrandale verrät linke Ideale

Ich habe schon überlegt, ob man nicht mal bei der nächsten angemeldeten Nazidemo dafür sorgt, dass auf der marschroute einfach überhaupt niemand auftaucht. So dass die Nazis ins Leere laufen. Stell dir vor, die Bornholmer Strasse wäre menschenleer. Selbst die Anwohner hätten ihre Häuser verlassen und würden irgendwo in einem großen Zelt fürstlich verköstigt. Was für eine Botschaft an die Nazis - kein Mensch interessiert sich für euch.

Hubschrauber hab ich jetzt länger nicht gehört. Grade nen Einsatzwagen. Im Moment ist es hier am Ostkreuz ziemlich ruhig. Ruhiger als sonst an Feiertagen. Ich glaube auch für Fhain ist das Schlimmste gestern Abend gelaufen. Oder später gegen zehn zur kollektiven Märtyrerparty. Wer heute nacht sein Auto an der Revaler parkt ist dumm oder von außerhalb.
Lee Berthine schrieb am 01.05.2010 um 17:29
Ja, genau, stell dir vor die Nazis marschieren und keiner schaut zu!!! An anderer STelle habe ich ergänzt: "nur ein Grüppchen mit Blinder mit der gepunkteten Armbinde steht an der Straßenkreuzung und lauscht den Gesängen - das wäre das Beste".

Bin da ganz deiner Meinung: jede Aufmerksamkeit pusht die nur weiter hoch.

"Wer heute nacht sein Auto an der Revaler parkt ist dumm oder von außerhalb."
Da sagst du was!
Vor Jahren habe ich mein Fahrrad - weil ich später ganz woanders gelandet war - in der Nähe des Mariannenplatzes stehengelassen. Es war ein robustes Trekkingrad. Am nächsten Tag war nur noch das Fahrradschloss heil, ich habs dann gleich im Reparaturladen abgegeben und nur das Schloss behalten.
Seitdem: dazugelernt!
KalleWirsch schrieb am 01.05.2010 um 17:44
Schöne Idee mit den Blinden. Und wo wir schon mal beim Humor sind - mein Lieblingsantinazispot:

SiebzehnterJuni schrieb am 01.05.2010 um 17:11
Photobucket
SiebzehnterJuni schrieb am 01.05.2010 um 17:22
Ihr meint, man sollte den Nazis die Straße überlassen? Die Polizei soll es schon machen?
Fritz Teich schrieb am 01.05.2010 um 17:26
Was die Polizei macht reicht. Bin nicht an der Bornholmer Strasse, aber was ich im DLF ueber die Polizei (sprich: die Entscheidung des Innensenators oder seiner Adlaten) fand ich gut. Reclaim the street ist ok, sie gehoert aber nicht Dir allein.
KalleWirsch schrieb am 01.05.2010 um 17:29
Das hat doch niemand hier behauptet. Ich für meinen Teil verwahre mich nur gegen diesen Krawalldemotourismus bzw. den Krawalldemoquatsch überhaupt.

Wenn ein vollkommen besoffener Typ sich morgens am Zaun festhält mit der Pulle in der Hand und gegen ne Wand pisst, dabei dann Nazis raus grölt und nicht mehr damit ausrichtet als die Nachbarschaft zu wecken, dann sehe ich darin keine politische Aussage geschweige denn Aktion.
Lee Berthine schrieb am 01.05.2010 um 17:32
"...den Nazis die Straße überlassen?" Für eine Stunde gehört die Bornholmer mal ihnen.
Wie gesagt, ein kleiner Trupp mit gelben, schwarzgepunkteten Armbinden, Gehstöcken und Sonnenbrillen kann ja demonstrativ am Straßenrand stehen und versonnen lauschen...

Das Bild vom ersten Maggio ist gut, von wann und von wem ist das?
Fro schrieb am 01.05.2010 um 17:43
Das es so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht. Und scheint ein brennendes Thema zu sein.
Bedauerlich finde ich, dass diesen Leuten von den Medien zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird – das ist für viele wahrscheinlich auch noch ein Ansporn.
Die Bündnisorganisationen müssten da auch wirklich mal einen klaren Trennungsstrich ziehen.

Ansonsten meine ich auch das intelligente Aktionen, die Spaß machen und eine klare Botschaft haben, angesagt sind.

In Maikes Blog wurde zu diesen Themen auch diskutiert.
SiebzehnterJuni schrieb am 01.05.2010 um 17:45
myspace, italien!

Photobucket
KalleWirsch schrieb am 01.05.2010 um 17:46
...und das Schlimme ist, dass es diese intelligenten Protestformen ja gibt, diese nur durch die Randale keine Aufmerksamkeit erringen.
Fro schrieb am 01.05.2010 um 17:53
Ja, da bekommen wir hier in SH nichts mit. Aber ich glaube, dass wird sich ändern, die Live-Übertragungsmöglichkeiten übers Internet werden immer professioneller und kostengünstiger.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.05.2010 um 18:06
@SiebzehnterJuni
Wow! :-)!
mokus schrieb am 01.05.2010 um 19:17
"mit Papas Geld..." - haben Mamas kein Geld oder dürfen Frauen in Süddeutschland keins verdienen?
Lee Berthine schrieb am 01.05.2010 um 19:25
Könnt ja sein, dass die Frauen in Süddeutschland bereits so souverän und emanzipiert sind, dass sie sowohl Mama wie auch Papa sind - die Männer übrigens auch.
so dass sich die Eltern der verkürzten Einfachheit halber entweder "Mapas" oder "Pamas" nennen.
Ich denke, das ist lediglich ein Schreibfehler gewesen...
mokus schrieb am 01.05.2010 um 19:38
ein "Schreibfehler" der immer wieder begangen wird, weil die Menschen an Klischees festhalten. Man könnte auch "Eltern" schreiben, wäre etwas egalitärer und nicht mal ein Sprachwirrwarr wie in anderen Fällen.
KalleWirsch schrieb am 02.05.2010 um 02:53
verstehe was du meinst. aber die realität sieht in deutschland immer noch anders aus. Da sitzt die mutti in der Provinz eben immer noch am Herd. Da hilft kein noch so politisch korrektes denken
mokus schrieb am 02.05.2010 um 03:57
Kalle, Vorsicht, du verallgemeinerst, wenn du behauptest, das sei Realitaet! Natuerlich trifft das in vielen Faellen zu, dennoch gibt es genauso viele Gegenbeispiele und gerade fuer eine linke Zeitschrift waeren modernes Denken und eine progressive Sprachwahl angebracht. Nenn mich kleinlich oder politisch korrekt, aber ich bin eben der Ueberzeugung, dass auf diese Weise (wenn auch nur aus stilistischen Gruenden) antiquierte Rollenklischees reproduziert und zementiert werden.
S.Heinel schrieb am 02.05.2010 um 07:56
" Da sitzt die mutti in der Provinz eben immer noch am Herd. "

"Der Frauenanteil unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten [in Baden-Württemberg] stieg zwischen 1989 und 2009 von 41 auf 45 Prozent. Auch aktuell sind die Entwicklungen bei Frauen und Männern gegenläufig. Die Zahl der Arbeitnehmerinnen nahm trotz der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um 10 000 zu. Die der Arbeitnehmer nahm dagegen um fast 47 000 ab."

Quelle

Aber spucken Sie ruhig weiter auf die Provinz Herr Wirsch, der Tellerrand scheint ja Gott sei Dank hoch genug,
KalleWirsch schrieb am 02.05.2010 um 11:33
Okay, ich bekenne mich überführt im Sinne der Anklage Verallgemeinerung. Ich erkenne an, dass mir das mit Fakten widerlegt wurde.

Mit dem Tellerrand weiß ich nicht so recht. Da denk ich nochmal drüber nach. Ich bin selber ein Provinzkind. Da wo ich herkomme, ist so provinziell, dass selbst die Einkaufcenter verwaisen.

Ich sehe sogar in der Provinz auch viel Gutes. Die Großstadt kann schon extrem stressig sein und Berlin hat eh ne ziemlich aggressive Grundstimmung. Aber darum ging es hier ja auch nicht.
kla schrieb am 01.05.2010 um 21:58
Wir haben heute, nach stundenlangem Mitblockieren, einen Weg an einem Altersheim vorbei genommen, um vielleicht rauszufinden, wie es dichter dran aussieht (ja wo laufen sie denn?). Da kommt ein Grüppchen schwarz gekleideter, sich gerade vermummender Leute im Häuser-Nahkampf-Stil auf uns zu gerannt um 2m vorher abzubiegen und, sich auf den Boden werfend, ran zu robben an ein – Mülltonnenhäuschen.

„Hä?“ denken wir und „Hää?“ denkt die Omi mit Rollator neben uns. Dann haben sie konspirativ die Mülltonnen gekidnapt, ein Feuerchen in ihnen entfacht und auf die Straße gezerrt…nu kann das Altersheim bis Montag keinen Müll mehr entsorgen.
SiebzehnterJuni schrieb am 02.05.2010 um 03:55
Und? Habt ihr es brav der Polizei gemeldet - dokumentiert mit Handy-Foto?
kla schrieb am 02.05.2010 um 08:50
Noch mal hää? Die Aktion wirkte in diesem Fall höchst lächerlich, der Omi ist fast das Gebiss rausgefallen, aber aber was bringt dich darauf, dass wir das
"brav" der Polizei melden? Also wirklich :-)
miauxx schrieb am 04.05.2010 um 17:59
Du möchtest also nicht mit "Mairandaleidioten in einen Topf" geworfen werden und meidest also deswegen lieber die Antinazidemo? Kann ich verstehen. "Pubertäres Revolutionsgehabe" und "Krawalltouristen" - du hast sicher recht mit vielem. Aber, wenn ich Dich jetzt mal wörtlich nehme, einem möglichen Imageschaden die doch eigentlich gewollte politische Aktion zu opfern - die Entscheidung ist Dir ja reichlich leicht gefallen.
Das ganze Mosern über die anderen, die "Pubertierenden" oder wie auch immer, klingt mir doch mehr nach Ausreden um über die eigene Bequemlichkeit, die sich eben in der Nachjugendzeit nach und nach einstellt, hinwegzureden. So nach dem Motto: Früher, als w i r noch die Revolution versucht haben, da war's noch besser, wir waren noch echt. Es tut mir leid - aber dieser Eindruck drängt sich mir einfach auf.
KalleWirsch schrieb am 04.05.2010 um 19:46
Zunächst muss ich meine Begeiserung über den Begriff Nachjugendzeit ausdrücken, das hört sich so dicht an. Da fühlt man sich gleich viel jünger.
Ansonsten sehe ich das deutlich anders. Die ersten Mai Randalen brauchten noch nie Naziaufmärsche. Das können die auch ohne. das können die ohne politische Aussage oder Anliegen. Und darum ging es mir vornehmlich. Und um das Verhalten, dass mir vor meiner Haustür begegnet ist am 30. , was der Auslöser für den Wutblog war.
Früher in meiner Jugend, als wir glaubten revolutionär zu sein, war das keinesfalls besser. Auch wenn ich niemals gewaltätig war, nicht gegen Menschen oder Gebäude, so kannte ich ne Menge Leute, die diesen Weg gegangen sind. In meiner Jugend war der Kontakt zu den Nazis für mich und Freunde direkter. Wir hatten ständig Ärger mit denen und ich hab nicht zu knapp eingesteckt. Unser Protest war nicht viel besser, nur dass die Mairandale damalsd Chaostage hieß und in Hannover statt fand.
Aber wie auch heute war da auch eine Menge politische Arbeit dabei, haben viele Leute vernünftige Dinge getan. Zumindest versucht. Ich habe auch NPD Versammlungen gesprengt und die Kneipen in denen das stattfand besetzt. Und vieles mehr.

Ich muss leider heute sagen, dass ich für meinen Teil glaube, dass wir neue Protestformen brauchen. Die alten greifen nicht. Das habe ich gelernt. Ansonsten gäbe es nicht mehrere Nazidemos an einem Tag in Berlin. Die Form des Protestes hat sich in den letzten 20 jahren nicht verändert und der protest ist auch nicht erfolgreicher. Das heißt nicht, dass ich etwas dagegen habe, ich bin stolz auf Herrn Thierse, dass er in seiner Position zivilen Ungehorsam leistet. Ich habe Achtung vor alle den friedlichen Blockierern, die etwas bewegen wollten und ja auch für den Moment getan haben. Nur erlaube ich mir die Nachhaltigkeit dieser Aktionen zu bezweifeln. Und zwar, weil ich sie alle schon durch habe.

Und ich entschuldige mich nicht. Ich war für mich genug auf der Strasse, ich will das nicht mehr. Ich suche nach neuen Wegen und habe auch noch eine Menge mehr Themen. Ich verbreite Urgent Actions von Amnesty International, ich belästige Politiker und Staatsapparate mit E-Mails usw. Vielleicht ist auch dieser Weg wenig erfolgreich, aber ich bin ihn noch nicht gegangen.

Ich lehne gewalt als Mittel des Protests ab!

Ich lebe in dem Stadtteil Berlins mit den meisten rechtsradikalen Übergriffen. Ich bin damit konfrontiert und ich reagiere im Alltag.

Noch zum Schluss - Revolution ist Illusion
burton030 schrieb am 06.05.2010 um 12:03
Hm,

mein erster Gedanke nach dem Lesen des Blogbeitrages: So oder so aehnlich haette das ganze auch in der BLÖD stehen koennen. Oma Traudel weint um ihren Kiez.
Beim nochmaligem Durchlesen mag in deinem Beitrag schon eine Menge Wahrheit stecken ueber Krawalltourismus. (Aber auch der Krawalltourismus wird von dieser Gesellschaftsform produziert. Aber darueber zu diskutieren gehoert vllt. nicht hier hin.)
Nichtsdestotrotz finde ich deine Pauschalisierung zum Kotzen. Es gibt genug Leute, die an der 1. Mai Demo teilnehmen und ehrlich fuer die Revolution sind und sich auch Gedanken ueber jene machen. Auch sind mir pubertierende Jugendliche die auf Randale aus sind lieber, weil ich einfach mal impliziere, dass sie sich wenigstens in Ansaetzen die Frage stellen, in welcher Gesellschaft wollen wir leben, als irgendwelche Kids oder Studenten die schon mit 16,17,18 Jahren usw. schon voellig dem neoliberalem Lebensweg verfallen sind.

Desweiteren bitte iich darum nicht zu vergessen, dass der 1. Mai immer ein politischer Tag war und nicht NUR ein Tag um gegen Faschisten zu demonstrieren oder gar in der Sonne auf dem Myfest rumzugammeln.

Und zum Schluss: Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestuerzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Masse ergreift.
KalleWirsch schrieb am 06.05.2010 um 18:22
Wenn du es zweimal gelesen hast, dann müsste dir aufgefallen sein, dass ich mich nur über die Krawalltouristen aufgeregt habe. Und ich finde es immer noch zum kotzen, wenn die den Kiez zerlegen. Ich habe sogar explizit gesagt, dass mich ärgert, wenn diese Leute sinnvollen Protest unterminieren.

Und zu deinem Schlusswort. Ich lehne Gewalt ab. An diesem Punkt gibt es kaum was zu diskutieren.
KalleWirsch
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