21
]
In den letzten Tagen sind mir immer wieder Dinge passiert, die mich an meine Wurzeln, meine Herkunft, meine Vorbilder haben denken lassen. Sei es durch Gespräche, Artikel, ein Lied im Radio oder meine Arbeit. Sehr prägend für mich waren einige Künstler der 80er Jahre, die ich hier, mit meinen Lieblingsliedern von ihnen, vorstellen möchte.
Hier sind sie - Meine Helden, meine Wurzeln
Sehnsucht-Einstürzende Neubauten
Man könnte sie als die Helden meiner Jugend bezeichnen. Nichts habe ich mit 20 mehr verehrt als die Lyrik von Blixa Bargeld. Krach als Musik, das war in diesem Ausmaß neu und für mich revolutionär. Die Konzerte waren wie kleine Apokalypsen aus denen man (mehr oder weniger) lebendig wieder raus kam.
Red Light - Siouxsie & The Banshees
Das Album "Kaleidoscope" von dem dieses, mein Lieblingsstück von Siouxsie, stammt, ist das elektronischste der Band. Es entstand in einer Zeit der Umorientierung und Umbesetzung. Für mich das beste Banshees Album. Irgendwie spürt man die Suche.
Sweet Home Under White Clouds - The Virgin Prunes
Virgin Prunes waren eher die emotionalen Helden. Sie waren geniale Dilletanten, die ihre Instrumente nur mäßig beherrschten, berührend und wahnsinnig zugleich. Die Sänger Gavin Friday und Guggi spielten mit den Geschlechtern auf der Bühne bevor sich irgendjemand so etwas wie Genderstudies auch nur vorstellen konnte.
Siamese Twins - The Cure
Ja, ich war Cure Fan. Ich gestehe. Man hat mich damals schon dafür ausgelacht. Ich finde "Pornography" und "Three Imagenary Boys" heute noch großartig. Und sie waren super bei Liebeskummer.
Rickys Hand - Fad Gadget
Einer meiner hochverehrten Elektropioniere. Einst spielten Depeche Mode bei ihm als Vorband. Fad Gadget hat mit die esten und meiner Meinung nach auch wegweisensten Elektrostücke ever gemacht. Schade, dass er kurz vor seinem geplanten Come Back Anfang der 2000er an einem Herzinfarkt starb.
Ich und die Wirklichkeit - DAF
Hier kann ich es kurz machen. Elektropunk vom Feinsten. Und ich wollte sie beide. DAF war auf allen Ebenen für mich Sex pur.
Gododdin - Test Dept & Brith Gof
Ich kann nicht sagen welche meine 10 liebsten Platten sind. Aber ich kann sagen was bis heute meine absolute Lieblingsplatte ist. Diese hier. Das für mich wichtigste Stück Musik in meinem Leben. "Gododdin" erzählt mir immer wieder neue Geschichten und hat mich künstlerisch massiv geprägt, auch durch die dazugehörige Performance.
Hier gibt es noch eine interessante Doku zu der Performance "Gododdin" von Test Dept und Brith Gof
Zum geschichtlichen Hintergrund:
|
|
Hi Kalle,
danke für den wunderbaren Beitrag! Ich liebe ja Musik-Blogs, beim Lesen und Schreiben bin ich total gut gelaunt und entspanne mich. Es sollte, neben allen hochwichtigen Politik-Blogs, bitte viel mehr Musikblogs geben. Gruß Knüppel PS Irgend so einer dämlicher Sterne-Troll ist hier wieder unterwegs. Gerade hatte ich Dir 5 ***** gegeben und die wurden auch angezeigt und jetzt sind es nur noch 3 *** Hallo Sterne-Troll: Du Arschloch!!! Schreib' doch selbst 'mal Artikel und stelle Dich der Kritik, anstatt immer nur aus der Anonymität heraus alles runterzumachen, Du bedauernswerter Versager! |
|
|
Vielleicht mag er bloß die Musik nicht? Ganz früher hat man in dem Fall mit Bierflaschen geschmissen...
|
|
|
Interessante Zeitreise in Gegenden, die auch ich länger nicht mehr besucht oder noch nie betreten habe. Fünf Sterne gegen den 1-Stern-Feigling.
|
|
|
Vielen Dank
Sterne sind doch nur Licht und Staub ;) |
|
|
Danke für den netten Flashback.
Von mir auch fünf Pentagramme gegen den Sternstehltroll und sowieso. |
|
|
Bei Ricky's Hand fiel mir spontan Warm Leatherette ein.
|
|
|
Absolut. Und Suicide Commando, wie auch Automatic Death von die Form.
Ach, da gibt es noch so viel. Und ich habe auf jeden Fall Skinny Puppy vergessen. Aber über die mach ich mal eine ganz eigenen Beitrag. Warm Leatherette ist auch eins meiner allerliebsten. Auch toll in der Version von Chicks On Speed |
|
|
|
|
|
Young Marble Giants ist wirklich an mir vorüber gegangen. Aber toll. Muss ich mich mal mit beschäftigen. Mir Elektrokram ja kaum monoton genug sein.
Bei den Tuxedos bin ich sehr NoTears Fetischist. Das sägt so wunderbar an der Hirnplatte. Aber Desire mag ich auch und die anderen Sachen. Aber zuhause hab ich nur NoTears. Ich suche ja seit über 20 jahren einen Elektrosong mit nur einer Textzeile, die da lautet: Agent Orange - I´m on fire. Die wird immer wieder wiederholt und das Stück wird allmählich schneller bis es eskaliert. Hast du vielleicht ne Ahnung? |
|
|
Habe gerade überlegt, was ich zu der Zeit so gehört habe. Also, die Neubauten und Siouxsie waren auch dabei, wenn auch weniger aus Lust als aus sozusagen intellektueller Anerkennung.
Ich glaube, das war eine Zeit als ich das erste Mal aus der popmusikalischen Gegenwart in Folk-, Blues- und Worldmusic-Welten geflüchtet bin... |
|
|
Mein folkigstes zu der Zeit waren M Walking on the Water und das Bluesigste Janis Joplin. Mag ich beides heute noch. Kratzt die Stilrichtungen aber wohl nur sehr am Rande;)
|
|
|
Oh, @goedzak sehr schade - ich beneide ja alle, die in der Zeit so zwischen 77 und 82 alt genug waren, um das richtig bewußt mitzumachen (und noch nicht zu alt, um es albern zu finden) - für mich eine der musikalisch interessantesten Zeiten der Popmusikgeschichte.
|
|
|
Seit Jahren sitzt Du und feilst an
Deinem Geschenk für die Welt Es kommt nur noch auf Details an und muß, damit es ihr gefällt Noch großartiger werden Du hast noch nicht alles versucht Bist längst besser als die andern doch noch lang nicht gut genug Für die linke Spur zu langsam für die rechte Spur zu schnell (Tom Liwa) |
|
|
Ach so, Kalle, Gender Studies gibt es sogar im engeren Sinne schon länger als man meint: de.wikipedia.org/wiki/Gender_Studies#Geschichte_des_Fachs Und mit Geschlechterrollen wurde in der britischen Musitradition sowieso schon lange gespielt, mit dem Glam Rock (und) Bowie war dar das auch Anfang der 70er zumindest bei der britischen Popmusik auch im Mainstream angekommen; die Amis haben ja damit bis heute so ihre Probleme.
|
|
|
Ja stimmt mit den Gender Studies. Da ist meine Verehrung mit mir durchgegangen. Es war zu der Zeit nur den wenigsten bekannt. Mir auch nicht so richtig. Dieses Spiel faszinierte und wir haben es sehr lustvoll mitgespielt.
Das mit Bowie stimmt, grade auch in den Zwanzingern des letzten Jahrhunderts war das Spiel mit den Geschlechtern sehr beliebt. In den Achtzigern war es wieder ziemlich schockierend, jedenfalls in der Art, wie es die Virgin Prunes betrieben, denn es war gespickt mit teils derben sexuellen Bezügen und einer ungewöhnlichen Direktheit. Ganz toll zum Thema Gender ist das Lied "Hannelore" von Claire Waldoff. Die ist sowieso der Hammer. |
|
|
Da geht´s lang zu Claires "Hannelore"
youtu.be/uIYkvm5V7Wk Hinhören lohnt sich und immer dran denken, das war 1928!!! |
|
|
Danke für den Link! Schön! Ich bin kulturell mehr auf den angloamerikanischen Bereich fixiert. Da freue ich mich immer über solche Tipps. Sowas ging aber auch nur in den "goldenen 20ern", wo Frauen bzw. Homosexuelle beiderlei Geschlechts vergleichsweise emanzipiert leben konnten, zumindest in den Großstädten. Dann kam die große lange Nacht, bis in die späten 60er.
In der englischen Arbeiterkultur war die Travestie als Unterhaltung wohl auch normal und nicht irgendwie ernsthaft anstößig wie den USA, wo das bis heute eher Richtung Rotlichtmilieu zugeordnet wird. Da 1969 in GB auch die (männliche) Homesexualität legalisiert wurde und es davor ein zweijährige Debatte dazu gegeben hatte war es leicht oder sogar in gewissen Kreisen kultig, mit dem Geschlecht zu spielen. Glam Rock und Bowie waren in den frühen 70ern da massiv populär, während da nicht sonderlich viel in die USA schwappte. Da wurde das Thema nur in Großstädten, vor allem New York über Disko verhandelt und es war kurzfristig schick, schwule Bekannte zu Dinnerparties mitzubringen, was vorher gar nicht ging. Hatte sich dann aber alles schnell wieder mit AIDS und dem allgmeinen Backlash zu konservativen Werten auch bei Geschlechterrollen in den 80ern erledigt - in den frühen 70ern hatte man in den entsprechenden Kreisen noch die naive Vorstellung, dass das, was sie gerade machen (Spiel mit Geschlechterrollen) in zehn, 20 Jahren "normal" sein würde. |
|
|
"Da 1969 in GB auch die (männliche) Homesexualität legalisiert "
Da haben wir unterschiedliche Informationen. Meines Wissens wurde 1967 Homosexualität ab 21 Jahren legalisiert, aber nur innerhalb der eigenen vier Wände. In der Öffentlichkeit offen schwul aufzutreten war immer noch tabu. Dazu kam der unsäglich Clause 28 1988. Der wurde erst 2003 oder 2004 abgeschafft. Ja AIDS war ein massiver Rückschlag. Diese Hysterie hat so viel kaputt gemacht. |
|
|
Stimmt - das war 67, da hatte ich eine falsche Jahreszahl im Kopf. Aber eben durch diese gesellschaftliche Diskussion und die wenn auch nur teilweise Legalisierung war es eben nicht mehr so ein Tabuthema wie in den USA, wo das Genderbending der Glamrocker gar nicht so gut ankam. Clause 28 wurde ja erst 1988 unter Thatcher eingeführt, ganz klar ein Zeichen des konservativen Backlash.
|
|
|
Danke für die Retroschau!
Siouxsie am besten! Ich möchte Euch die hier mal posten. Bisweilen zu Unrecht als "Neubauten des Ostens" bezeichnet: |
|
|
Lieber Kalle,
was ist eigentlich aus deinem Theaterprojekt zum Thema Leid der Kinder geworden? Hier ein alter Song, der es doch so simple auf den Punkt bringt: |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen