11
]
Nicht erst seit heute ist bekannt, dass Neonazis zunehmend unter dem Deckmantel von Jugendkulturen segeln, um nicht sofort als Nazis enttarnt zu werden. Manchmal klauen sie sogar direkt beim Feind, den Linken. Zu nennen wären z.B. sogenannte "autonome NationalistInnen", die ihr Erscheinungsbild dem der (linken) Autonomen angepasst haben. Zu nennen wären auch die Trends zum einst verhassten Hiphop usw. - Keine Frage: Damit versucht die Rechtsextreme ihr demoliertes Image aufzubessern.
Dementsprechend finden sich im Internet Websites, auf denen über diese Tarnspielchen der Nazis aufgeklärt wird. Dort liest man dann von neonazistischen Sprachcodes und Symbolen frei nach dem Motto: "So erkennst du den Nazi!". So hat etwa auch das "Netz gegen Nazis" eine solche Abteilung zu bieten, wo man sich über Kleidungsmarken u.V.m informieren kann.
Und damit wären wir beim, also meinem Thema: Zwar scheint zum Einen offensichtliches Nazi-Sein out zu sein - wäre dem nicht so, hätten die Nazis diese Tarnspielchen gar nicht nötig; zum Anderen aber scheinen die AufklärerInnen über diese Tarnspielchen den Jugendlichen und jungen Erwachsenen alles mögliche zuzutrauen, aber eines nicht: einen Nazis an den vertretenen Inhalten zu erkennen. Nochmal anders formuliert: Man weiß, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei einem offensichtlichen Nazi denkt, "Boah, was für ein Gestörter". Gleichzeitig aber fürchtet man, dass sie an der Ideologie Gefallen findt - weshalb man die VertreterInnen dieser Ideologie, die sich zunehmend tarnen, aufklärerisch ein "Nazi-Kennzeichen" verpasst.
Es spricht für Einiges, aber sicher nicht für die Qualität der Auseinandersetzung mit und Kritik von nationalistischem Denken, wenn so etwas von Nöten ist. Und die Ursache ist die Weigerung zur Auseinandersetzung mit und Kritik am ganz gewöhnlichen Nationalismus, der in der Demokratie gepflegt und gehegt wird.
In den folgenden Teilen der Serie wird die provokante These vertreten (und ausargumentiert), dass die in nationalem Rahmen organisierte Demokratie mehr mit dem Neonazismus teilt, als einem lieb sein kann. Dass also jene, die dem Neonazismus ernsthaft den Garaus machen wollen, gerade auch den demokratischen Nationalismus zu kritisieren haben.
|
|
@kapkritik
"(...) Anderen aber scheinen die AufklärerInnen über diese Tarnspielchen den Jugendlichen und jungen Erwachsenen alles mögliche zuzutrauen, aber eines nicht: einen Nazis an den vertretenen Inhalten zu erkennen. Nochmal anders formuliert: Man weiß, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei einem offensichtlichen Nazi denkt, "Boah, was für ein Gestörter". Gleichzeitig aber fürchtet man, dass sie an der Ideologie Gefallen findt - weshalb man die VertreterInnen dieser Ideologie, die sich zunehmend tarnen, aufklärerisch ein "Nazi-Kennzeichen" verpasst. Es spricht für Einiges, aber sicher nicht für die Qualität der Auseinandersetzung mit und Kritik von nationalistischem Denken, wenn so etwas von Nöten ist. Und die Ursache ist die Weigerung zur Auseinandersetzung mit und Kritik am ganz gewöhnlichen Nationalismus, der in der Demokratie gepflegt und gehegt wird ..." ---------- @kapkritik Bin gespannt auf die weiteren Teile der "Serie" ... Vielleicht aber schon einmal einige laienhafte Anmerkungen von mir vorab: Neo-Nazis treten heute anders auf, als noch vor einigen Jahren. Sie haben sich äüßerlich und in ihrem Vokabular angepasst an Mainstream, Linke und Linksautonome, deshalb ist es oft nicht so einfach Neo-Nazis sofort als solche zu identifizieren (auch nicht und vielleicht sogar ganz besonders nicht, in Internet-Diskussionen). Stichwort "Jugendliche": Neo-Nazis versuchen gezielt bei denjenigen "einen Fuß in die Tür" zu bekommen, die eben nicht bereits politisch interessiert und womöglich auch engagiert sind, sondern die eine dumpfe, unartikulierte Unzufriedenheit mit "dem System", den eigenen Lebensbedingungen und eine Wut auf diejenigen, "die an allem schuld sind" (Feindbilder) mit sich herumschleppen. Zunächst bieten diese Neo-Nazis den "Novizen" so etwas wie "Geborgenheit, Verständnis, Kameradschaft" an, also so eine Art "Familienersatz" (viele Jung-Nazis vermissen in der eigenen Familie genau dieses "Geborgensein, die Akzeptanz, das Verständnis für eigene Problem ..., die Nestwärme"). Die politische Ideologie wird erst ganz langsam eingestreut, fein dosiert, damit sie nicht abschreckt und abstößt. Beispiel: Ein männlicher Jugendlicher, der die Schule abgebrochen hat, von seinem Vater verprügelt wird, keine Lehrstelle findet und sich als "Opfer von denen da oben" sieht, wird "aufgebaut". Man bringt ihm Verständnis entgegen: "Du kannst nichts dafür, das liegt an (Feindbild) und darum müssen wir die Verhältnisse ändern." Als nächstes werden dann einige (auf den ersten Blick logisch erscheinende) Zusammenhänge, in Wirklichkeit sind es Verschwörungstheorien "besprochen". Der Jugendliche kommt in die Gruppe (es gibt etliche rechtsextreme Tarnorganisationen, die sich weder NPD, DVU, noch sonstwie nennen, sondern mit harmlos klingenden Namen agieren), weil er sich "verstanden" und "akzeptiert" fühlt. Sein Gedanke: "Die sind so menschlich zu mir, was die sagen kann eigentlich nicht falsch sein ..." Nächste Stufe: Es werden Horrorszenarien an die Wand gemalt: "Wenn wir jetzt nicht tätig werden ("auch Dein Einsatz ist wichtig für das deutsche Volk"), wird dieses Land (und die Welt) untergehen, versklavt werden von (Feindbild) ..." Der Jugendliche fühlt sich verpflichtet, der Gruppe, die so gut zu ihm war, etwas zurückzugeben, mitzumachen ("ist ja schließlich auf für seine eigene, vermeintlich bessere, Zukunft wichtig"). Er ist jetzt Teil "der Bewegung", er wird von seinen neuen "Freunden" mitgenommen zu Vorträgen von Partei-Funktionären, liest dann auch deren "überlebenswichtiges" Propagandamaterial ... Nächster Schritt: Ihm wird nahegelegt sich von seinem bisherigen Freundeskreis zu trennen (er soll isoliert werden, nur noch mit Neo-Nazis Umgang pflegen), weil die "nicht gut für ihn sind" und "nicht raffen, was politisch falsch läuft im Lande und auf der Welt ..." Nächste Stufe: Umsetzen, was er gelernt hat ... "das Land von 'Schmarotzern' (Migranten, Asylbewerbern, Juden), "Zersetzern" (Schwulen, Lesben) und Feinden (Linken) befreien ..." Er wird zu ersten Gewaltaktionen (die aus der Gruppe heraus erfolgen = Gruppen-Druck/Zwang) mitgenommen und aufgefordert selbst aktiv zu werden (Gewalt gegen die "Feinde Deutschlands" anzuwenden, weil das "Notwehr" sei ...) Er denkt und handelt jetzt wie ein Neo-Nazi, denn er IST ein Neo-Nazi geworden. Mit eigener Kraft wird er sich kaum dem Gruppendruck wieder entziehen können ("was mit Verrätern gemacht wird, hat er bereits an anderen Abtrünnigen miterleben können") ... ( Fortsetzung folgt in Deinem nächsten Teil der "Serie" ) PS Wie Neo-Nazis zu erkennen sind, die sich als "Bieder-Männer/Frauen" in soziale Netzwerke (z.B. Facebook) und politische Internet-Foren einschleusen und ihr braunes Gift, fein dosiert und damit unauffällig absondern, stellt die wahre Herausforderung dar. Aber schau Dich 'mal um, da sind die von Dir verspotteten "Sprachcodes" usw. durchaus hilfreich, denn ein gewisses Muster in der "Argumentation" wiederholt sich bei "unseren braunen Freunden" ständig ... Gruß Knüppel |
|
|
"Sie haben sich äüßerlich und in ihrem Vokabular angepasst an Mainstream, Linke und Linksautonome, deshalb ist es oft nicht so einfach Neo-Nazis sofort als solche zu identifizieren (auch nicht und vielleicht sogar ganz besonders nicht, in Internet-Diskussionen). "
Äußerlich: Wann braucht man denn Wissen über die (äußerlichen) FORMEN, mithilfe derer Nazis ihre INHALTE verbreiten? - Wenn man die INHALTE nicht als nazistische erkennt. Woran liegt das? Vielleicht daran, dass sich die INHALTE teilweise mit denen, die von demokratischen PolitikerInnen vertreten werden, ÜBERSCHNEIDEN? - Das wird das Thema der Serie sein. Gruß, kapkritik |
|
|
Nun noch zu deinem Beispiel, liebe(r) Knüppel:
Was bringt es dem Jugendlichen zu sagen, das ist ein Nazi / das sind Nazis? Das ist doch noch gar kein Argument gegen die. Das ist ein Kennzeichen, ein SCHILD, und das funktioniert in Wahrheit v.a. über MORAL. Man muss den Jugendlichen schon erklären, was an der Nazi-Ideologie falsch ist. Oder mal anders: Was bringt es, wenn man einem, der Gefallen findet an antisemitischen Verschwörungstheorien, sagt: "Das sind antisemitische Verschwörungstheorien." Nichts. Der denkt sich im schlimmsten Fall nur: "Dann haben die AntisemitInnen also recht, dann bin ich halt auch so einer." |
|
|
Korrektur:
Es soll heißen ... 3./4. Zeile "... Sie haben sich äußerlich und in ihrem Vokabular angepasst ..." unter "Nächste Stufe" ("ist ja schließlich auch für seine eigene, vermeintlich bessere, Zukunft wichtig"). |
|
|
@kapkritik
"(...) Äußerlich: Wann braucht man denn Wissen über die (äußerlichen) FORMEN, mithilfe derer Nazis ihre INHALTE verbreiten? ..." Na, vielleicht dann, wenn Du einem, mit Kapuzen-Pullover und Che Guevara-Button "maskierten" Neo-Nazi gegenüber stehst, der sich als "Linker" ausgibt ...? "(...) dass sich die INHALTE teilweise mit denen, die von demokratischen PolitikerInnen vertreten werden, ÜBERSCHNEIDEN? - Das wird das Thema der Serie sein ..." Ja, dann schreib mal Deine Serie, ich werde dort ggf. wieder kommentieren. |
|
|
@kapkritik
"(...) Was bringt es dem Jugendlichen zu sagen, das ist ein Nazi / das sind Nazis? Das ist doch noch gar kein Argument gegen die. Das ist ein Kennzeichen, ein SCHILD, und das funktioniert in Wahrheit v.a. über MORAL. Man muss den Jugendlichen schon erklären, was an der Nazi-Ideologie falsch ist. Oder mal anders: Was bringt es, wenn man einem, der Gefallen findet an antisemitischen Verschwörungstheorien, sagt: "Das sind antisemitische Verschwörungstheorien." Nichts. Der denkt sich im schlimmsten Fall nur: "Dann haben die AntisemitInnen also recht, dann bin ich halt auch so einer ..." Das verstehe ich nicht, was aber durchaus an mir liegen mag. Siehe dazu auch meine "verständnislosen" Kommentare in diesem Thread www.freitag.de/community/blogs/tycho/versuch-einer-rechtsradikalen-broschuere PS Könnte es übrigens sein, dass ich Dich (unter einem anderen Nick) bereits aus einer gemeinsamen Periode bei ZEIT-ONLINE kenne? Du wärst ja nicht der erste ZO-Emigrant, der sich beim Freitag unter einem geänderten Nick einloggt ... |
|
|
"Na, vielleicht dann, wenn Du einem, mit Kapuzen-Pullover und Che Guevara-Button "maskierten" Neo-Nazi gegenüber stehst, der sich als "Linker" ausgibt ...?"
Den erkennt man, wenn man denn die nationalistische Ideologie kennt, spätestens, wenn er seine Forderungen vorbringt - dann ist Schluss mit Anschleimen. Freilich: wenn man keine ordentliche und umfassende Kritik an der nationalistischen Ideologie hat, fällt man vielleicht darauf rein. DAS ABER ist kein FORMproblem - sondern ein INHALTLICHES. Man ist dann halt selber NationalistIn (links angepinselt). |
|
|
"PS Könnte es übrigens sein, dass ich Dich (unter einem anderen Nick) bereits aus einer gemeinsamen Periode bei ZEIT-ONLINE kenne?"
Nein, bin dort nicht registriert. Wieso flüchten Zeituser von dort hierher? (Verfolge das nicht, bin auch hier neu - und hier bin ich, weil der FREITAG den Ruf hat, linksalternativ zu sein.) |
|
|
@kapkritik
"(...) Den erkennt man, wenn man denn die nationalistische Ideologie kennt, spätestens, wenn er seine Forderungen vorbringt - dann ist Schluss mit Anschleimen ..." So einfach ist das nicht, denn diese Ideologie wird tröpfchenweise verabreicht und nicht "mit dem Holzhammer" eingetrichtert. Vielleicht liest Du noch einmal meinen ersten, etwas umfangreicheren Kommentar. "(...) Freilich: wenn man keine ordentliche und umfassende Kritik an der nationalistischen Ideologie hat, fällt man vielleicht darauf rein. DAS ABER ist kein FORMproblem - sondern ein INHALTLICHES. Man ist dann halt selber NationalistIn (links angepinselt) ..." Letzteres ist eine Unterstellung, die übrigens eine Diskussion zwischen uns beiden nicht befördern wird, aber das nur nebenbei. |
|
|
@kapkritik
"(...) Wieso flüchten Zeituser von dort hierher? ..." Die Hintergründe "warum" ..., findest Du in diesem Thread www.freitag.de/community/blogs/dame-von-welt/zeit-community-vorhang-und-schluss Ich verabschiede mich jetzt erst einmal aus diesem Thread. Muß noch ein bißchen arbeiten und Geld verdienen. Tschüß Knüppel |
|
|
"Letzteres ist eine Unterstellung, die übrigens eine Diskussion zwischen uns beiden nicht befördern wird, aber das nur nebenbei."
Na, liebe(r) Knüppel: Ich habe doch nicht behauptet, dass DU auf Nazis reinfällst. Das wollte ich Dir wirklich nicht unterstellen. Gruß & bis bald, kapkritik |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen