K. Hanisch

Am Rande des Weltgeschehens

27.04.2011 | 21:10

Ketzerische Fragen

14.6.2011

Zu den Rebellen übergelaufene Offiziere der libyschen Regierungstruppen berichteten, die NATO-Bombardements haben die militärische Schlagkraft der Armee auf ein Fünftel ihrer ursprünglichen Stärke dezimiert. Damit währe die Regierungsarmee kaum noch in der Lage, gegen „Zivilisten“, die ja selbst bewaffnet sind mit schweren Waffen, vorzugehen.

Wenn die NATO wirklich mit ihrem Einsatz Zivilisten schützen will, wäre es da nicht besser und glaubwürdiger, sie stoppt ihr Bombardement der Millionenstadt Tripolis?

 

30.5.2011

Charles Bouchard, kanadischer Oberbefehlshaber des NATO-Überfalls auf Libyen, kritisierte am 27. Mai 2011 in der Tageszeitung „der standard“ die Verwendung von Anti-Personen-Minen durch die libysche Regierung. Diese Minen (aus westlicher Produktion) stünden im Gegensatz zu internationalem Recht und würden die Bevölkerung in Gefahr bringen."Minen unterscheiden nicht zwischen Kindern und Erwachsenen", sagte Bouchard.

Und die NATO-Bomben, welche täglich über Libyen abgeworfen werden, unterscheiden die etwa zwischen Kindern und Erwachsen?

 

 

27.4.2011

Italien stimmte dem Bombardement Libyens nur unter großem Druck der westlichen Verbündeten zu, wie Premier Silvio Berlusconi zugab (www.tagesanzeiger.ch) und dies, obwohl Italien historisch „belastet“ ist in diesem Konflikt, da Libyen früher eine italienische Kolonie war. Die DDR konnte sich der Beteiligung am Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen  in Prag 1968 entziehen, mit der Begründung, auch hier herrsche ein historische Hypothek – schließlich habe Hitler ja die CSSR überfallen. Die Sowjetunion akzeptierte dies.

War die DDR also ein souveränerer und unabhängiger Staat, als es Italien heute ist?

 

 

27.4.2011

Die NATO-Krieger verkünden immer öfter, ein Einsatz von Bodentruppen in Libyen sei nötig, um Zivilisten zu schützen. Begründete damit nicht auch Hitler den Einmarsch ins Sudentenland?

 

 

 

27.4.2011

Lutz Herden schreibt im FREITAG, die NATO will nach eigenem Bekunden, so lange weiterbomben, bis Ghaddafi einem Waffenstillstand zustimmt. Aber dies hat er ja auf dem Treffen mit Vertretern der Afrikanischen Union (AU) bereits getan, nur die Rebellen verweigern sich einem Waffenstillstand. Wäre es da nicht sinnvoller, die NATO bombardierte Benghasi und andere Rebellenhochburgen, um einen Waffenstillstand zu erreichen?

 

 

 

27.4.2011

Die NATO erklärt, sie müsse die Gebiete Libyens, die noch unter Kontrolle der Regierung stehen, bombardieren, um mit ihren Bomben „Zivilisten“ besser schützen zu können.

Was für „Zivilisten“ sollen das aber sein, die mit eigenen Panzern und Raketenwerfern durch die Gegend fahren? Ab wann ist man für die NATO ein „Zivilist“? Wenn man gegen Ghaddafi ist?

 

 

 

21.4.2011

Dem libyschen Machthaber Muammar al-Ghaddafi wird vorgeworfen, (bewaffnete) „Zivilisten“ zu töten oder einen „Krieg gegen das eigene Volk zu führen“. Deswegen muß Libyen bombardiert und Ghaddafi gestürzt werden. Tatsächlich hat er aber nichts anderes gemacht, als Israel, wenn es wieder einmal gewalttätige Proteste der Palästinenser gibt – nämlich den Aufstand relativ präzise und brutal niederzuschlagen.

Warum also gibt es keine Flugverbotszone über Israel und kein Bombardement von Militärstützpunkten in diesem Land durch die NATO?

Es wäre doch, der Argumentation für den Libyen-Krieg folgend, nur gerecht...

 
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Kommentare
Richard der Hayek schrieb am 27.04.2011 um 21:22
"Wäre es da nicht sinnvoller, die NATO bombardierte Benghasi und andere Rebellenhochburgen, um einen Waffenstillstand zu erreichen?"

Nicht nötig. Gadhafi's Waffenstillstand ist ein Trick, das sollte auch seinen Anhängern klar sein.
Es reicht, wenn die Nato ihn nicht mehr zubombt, dann bombt er die Aufständischen selber zusammen.
Nicht über das Ziel hinausschießen, bei aller hoher Gerechtigkeit.
K. Hanisch schrieb am 04.05.2011 um 22:17
Ich sehe das nicht so. Ghaddafi weiß, daß er diesen Krieg nicht gewinnen kann und das er so enden wird wie der Irak-Krieg 2003. Er sucht jetzt verzweifelt einen Ausstieg aus der Kriegsspirale, um wenigstens noch Teile seines Systems zu retten und selbst mit heiler Haut davon zu kommen.

Die Rebellen, die zunächst für berechtigte Anliegen demonstriert haben, haben ihre Unschuld verloren, als sie Geld vom Westen annahmen und alte CIA-Söldner wie General al-Hiftar zum Militärchef gemacht haben.
K. Hanisch
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