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Zur "Traditionspflege" in den Schützenvereinen kommt auch noch die Werbung für Schießerei in jenem Programmteil des Fernsehens der sich "Sport" nennt. In jedem Winter strampeln da erneut Skiläufer mit geschulterten Gewehren auf den Mattscheiben herum, werfen sich in den Schnee und .... Schießen !?
Eine Militärdisziplin, die von Deutschen zuletzt in erfolglosen Rußlandfeldzügen gepflegt wurde. So wie die Börsennachrichten kostenlos Werbung fürs Spekulationsgeschäft transportieren, so organisieren vorgebliche Sportsendungen Werbung für sinnentleerte Schießerei. In der Hand eines jeden Hasenjägers macht ein Gewehr mehr Sinn, als in den Händen von Schützenbrüdern und Sportfredis. Zur Behebung der Potenzprobleme dieser Zeitgenossen sollten Schießbuden mit Luftgewehren auf Jahrmärkten genügen und anstelle von Königstiteln und Medaillen nur noch Teddybären ausgegeben werden. |
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Es gibt doch diesen Kriminologen, ich glaub' Pfeiffer mit Namen, der nach jedem Amoklauf durch jede Talk-Show gereicht wird. Was jetzt wahrscheinlich auch der Fall sein wird. Ich denk', dem müsst' es doch bald leid sein, immer wieder dassselbe von sich zu geben.
Das Muster ist dassselbe. Dass es der Gesellschaft nicht gelingt, diesen Bann zu brechen, hat etwas archaisches, schicksalartiges. Und dabei lebe ich doch im 21. Jahrhundert. Dabei läuft das Szenario immer nach dem gleichen Muster. Erst die ungeheure Tat, dann das mediale Ausschlachten (Auf allen TV-Kanälen im Videotext oberste Mitteilung 'Täter hat Amok im Internet angekündigt'; was diese Mitteilung bei den Betrachtern wieder auslöst: vielleicht wäre es zu verhindern, wenn man rechtzeitig auf diese Meldung aufmerksam geworden wäre. Und dann wieder dieses Intenet. Immer steht Amok im Zusammenhang mit dem Internet.) Dass es in diesem Fall wieder so ist, zeigt mir, dass der nächste Amoklauf |
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Kooperation statt Konkurrenz - ja, auch ich wünsche mir mehr Harmonie und Aufeinanderzugehen und bin entsetzt. Aber zugleich vergesse ich nicht, wieviel Gutes Konkurrenz, Wettbewerb, ja, auch mal der Ellenbogen gesamtgesellschaftlich hervorbringen. Und ist es wirklich die Konkurrenzgesellschaft, die Amokläufe produziert? Für mich sind sie die Spitzen treibender Eisberge, von denen bekanntlich nur ein Siebtel sichtbar ist. Die anderen sechs Siebtel sind die totale Faszination durch Gewalt, der wir alle unterliegen und die von Filmen à la "Pulp Fiction", von Killerspielen und Wrestlingshows, aber auch von Berichten aus realen Kriegsgebieten und über terroristische Angriffe tagtäglich und massenwirksamst bedient und nicht etwa erzeugt wird. Die Tatsache, dass der Staat bei uns das Gewaltmonopol hat und haben sollte, ändert nichts daran, dass die Fähigkeit, zur Gewalt unsere Zuflucht zu nehmen, in unser aller Natur seit Urzeiten verankert ist. Vielleicht täte es manchem Schuljungen gut, wenn er sich mal wieder kräftig raufen dürfte, ohne gleich für psychisch krank gehalten zu werden. Es ist gerade die absolute Tabuisierung von Gewalt im Jugendbereich verbunden mit der Gewaltüberflutung durch die Medien, die solche jeden Maßstab überschreitenden Ausbrüche begünstigt. Mein Sohn war für mich, als er 17/18 war, völlig undurchschaubar, hatte Phasen beängstigender Schweigsamkeit, depressiven Rückzugs. Vielleicht war es ein Glück, dass keine Waffe im Hause war. Wir sollten vor lauter Trauer uns nicht einreden, dass wir Engel wären. Und selbst die sind - als Erzengel - bekanntlich nicht waffenlos.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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