Wozu eigentlich noch Bürgerrechte?
Das erst kürzlich erschienene Buch "Angriff auf die Freiheit" von Ilja Trojanow und Juli Zeh stellt unter anderen genau diese Frage. Und nimmt die reflexhafte, bauchgefühlverhaftete Antwort "Weil...halt!" ebenso aufs Korn wie das Unvermögen der Gesellschaft gegen den langsam fortschreitenden Abbau eben jener Bürgerrechte aufzubegehren.
Dem aufmerksamen Leser, der zudem, qua Buchauswahl, ohnehin interessiert und/oder kritisch gegenüber dem ausuferndem Sicherheitsbedürfnis des Staates eingestellt sein dürfte, vermittelt das Buch wenig neue Fakten. Obschon die Fakten ein wesentlicher Grund für die Entstehung des Buches gewesen sein mögen geht es beiden weniger um die oftmals ermüdenden Einzelheiten, sondern um die konzentrierte Darstellung einer Entwicklung, die im Nachgang zu den Attentaten auf das World Trade Center mit all seinen Folgen durchaus mit kritischen Augen zu verfolgen gewesen wäre. Wäre, weil es zwar vereinzelt kritische Stimmen gegeben haben mag, diese jedoch durch geschickte Wortwahl umgangen und Stigmatisierung der Kritiker als "hedonistische Waschlappen" ungehört verhallten.
Denjenigen Lesern, die nicht zu den "üblichen Verdächtigen" gehören, sei die Lektüre dringend ans Herz gelegt. Das Buch vermittelt diesem Leserkreis eines: Misstrauen. Gegenüber der Regierung, die Sicherheit anbietet in dem sie den eigenen Bürgern das Vertrauen entzieht. Gegenüber Juristen, die plötzlich wieder anfangen die Menschen nach unterschiedlichen Wertigkeiten zu sortieren, bis hin zum rechtlosen Menschen demgegenüber Folter kein Problem mehr darstellt.
Wer in dem Buch konkrete Lösungen erwartet wird enttäuscht sein und muss sich von den Autoren sofort - und zu recht - fragen lassen: warum? Denn ganz im Sinne der Aufklärung beinhaltet das Buch die Aufforderung an die Leser, den eigenen Verstand einzusetzen, denn nur damit kann der weitere Abbau unserer Grundrechte gestoppt werden.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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