Karsten Fischer

Wiederbelebung der Aufklärung

09.03.2009 | 10:59

Probleme im Management? Ach, woher denn...

Die Idee der Begrenzung von Gehältern für Manager ist nun wirklich nicht neu und dass die nicht-ganz-so-große Koalition sich daran abarbeitet ist vermutlich eher den anstehenden Wahlkämpfen geschuldet als dem Bemühen um gesellschaftliche Wohltaten.

Nun sei einmal die Frage in den Raum gestellt - und der Einfachheit liefere ich im Verlauf eine Antwort gleich mit - worauf beruhen denn jene millionenschweren Bezüge von Vorständen und Managern der Aktiengesellschaften? Blöde Frage, so die unmittelbare Antwort, natürlich als Honorierung von entsprechender Leistung, wie bei allen anderen auch. Nur leider entspricht dies nicht (mehr) der Wahrheit. Die hohen Gehälter sind inzwischen der Anreiz, die Honorierung für das Zusagen guter Leistung. Im Austausch auf das Versprechen von Managern, das Unternehmen erfolgreich zu führen, erhalten diese das Salär im Vorfeld. Gewissermaßen eine gehaltstechnische Beweislastumkehr. Es ist für Manager nicht mehr notwendig, ihre außerordentlich großartige Leistung nachzuweisen; es ist an anderen Personen, diesen Damen und Herren eine schlechte Leistung nachzuweisen. Das ist recht schwierig, zumal in unserer Gesellschaft der Nörgeler und Schlechtreder nach wie vor einen schweren Stand hat. Gemessen an der Lust zum Schwarzsehen in Deutschland eigentlich recht erstaunlich.

Aber kommen wir mal zum Umfeld des Managements. In der Regel sind dies Aktiengesellschaften, fast immer an der Börse gehandelt. Der Börsenmakler Dirk Müller sagte einmal in einer Talksendung die Börse sei der Platz, an dem Kapital in Form von Geld mit Ideen in Verbindung kommt. Soweit Herr Müller. Auf der anderen Seite ist die Börse aber auch jener Ort, an dem Investoren sich der Verantwortung für ihre Investition entziehen können. Denn tatsächlich sind Aktionäre zwar Eigentümer der entsprechenden Aktiengesellschaften, sie tragen aber keinerlei Verantwortung für eben dieses Unternehmen und können dafür auch nicht zur Rechenschaft gezogen werden. "Aktiengesellschaften", so las ich auf einer Webseite, "sind die transparenteste Unternehmensform überhaupt." Mir scheint bei dieser Beschreibung noch etwas zu fehlen: "... und für das Management die profitabelste." Das dem so sein möge erkannte seinerzeit der Ökonom Joseph Schumpeter. Der Mann gilt als der 'Erfinder' multinationaler Konzerne und er war sich der damit einhergehenden Probleme wohl bewusst. Insbesondere das Management hat, so Schumpeter, kein reelles Interesse an den Unternehmen welche von ihnen geleitet werden, dies sei für die Erfüllung ihrer Aufgaben nicht notwendig ist. Denn, es wird von dem Management erwartet, dass es den Wert des Unternehmens steigert. Was fehlt ist die Verantwortlichkeit gegenüber dem Unternehmen, zusätzlich zur Verantwortung gegenüber den Aktionären.

Mein Vorschlag - der vermutlich mit Recht verworfen wird, wo kämen wir denn hin? - lautet daher: Mehr Verantwortung wagen. Warum sollten Aktionäre, als Eigentümer einer Aktiengesellschaft, nicht auch Verantwortung für das Unternehmen tragen welches ihnen ja doch gehört? Sagen wir mal 10.000 € als Haftungssumme - pro Aktie. Bei Fonds wäre es die Kapitalanlagegesellschaft welche für etwaige Haftungen in Frage kommt. Damit das ganze so richtig rund wird, fehlt nur noch eine sechsmonatige Rückabwicklungsfrist für Aktientransaktionen, wie es zum Beispiel bei Unternehmensinsolvenzen für Kapitaltransaktionen der Fall ist. Jede Wette, dass Aktionäre plötzlich massiv Interesse für "ihr" Unternehmen und dessen Management zeigen - es wäre ja tatsächlich nur im eigenen Interesse.

Der rasch hervorgebrachten Entgegnung, es wäre einer AG nicht dienlich wenn die Aktionäre sich in das Geschäft einmischen würde, ist ein fröhliches "Eigentum verpflichtet" zu erwidern.

Das ganze ist so revolutionär, das steht sogar im Grundgesetz!
 
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Karsten Fischer
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