Katharina Hamberger

Katharinas Blog

17.03.2010 | 15:02

Chatroulette: Ein Nichterfahrungsbericht

Chatten ist nicht unbekannt. Roulette auch nicht. Nun gibt es beides in Kombination: Das Chatroulette. Menschen sitzen an ihren, am besten mit Webcam ausgestatteten, PC, drücken auf den Startknopf und los geht’s.

Zufällig erscheint ein potentieller Chatpartner am Bildschirm. Mit dem kann man dann reden. Oder auch nicht. Denn sollte derjenige nicht attraktiv genug, zu alt, zu jung, zu pervers oder einfach zu langweilig sein, heißt es nicht „nichts geht mehr,“ sondern der Chatglücksspieler drückt „Next“. Die Kugel rollt wieder.

Als ich davon gehört habe, dachte ich zunächst, dass ich das ausprobieren sollte. Aber bisher habe ich mich nicht getraut, sondern ständig nur Videos und Berichte von Menschen konsumiert, die das digitale Speed-dating ausprobiert haben.

Und das mag wohl ein Grund dafür sein, dass ich mich nicht an den Roulettetisch gesetzt habe. Die meisten Menschen berichten von einem schnellen Wechsel, kaum Zeit, sich den Gegenüber anzusehen. Wer nicht attraktiv genug ist, bekommt ein „Next“.  Das Gefühl stelle ich mir seltsam vor, wenn man vor der Webcam sitzt, bei der man selten besonders vorteilhaft aussieht und von Menschen weitergeklickt wird, die schon auf Grund des Aussehens keine Lust haben, mit jemandem zu reden.

Man kann die Kamera zwar ausschalten, aber dann ist die Wahrscheinlichkeit eines netten Gesprächs noch geringer, wie so manches Chat-Protokoll zeigt.

Des Weiteren befinden sich wohl genügend Perverse unter den Chattern, die versuchen Geschlechtsteile möglicht groß zu präsentieren, was bei einem Mindestalter von 16 Jahren durchaus problematisch erscheint. Das muss nun wirklich nicht sein.

Außerdem finde ich, ist Chat, im herkömmlichen Sinne, etwas anderes. Er ist doch meist anonym. Niemand muss wissen, wie ich gerade aussehe und auch ich muss nicht wissen, wie andere sich am liebsten vor den PC setzen. Man kann schnell verschwinden, ohne den anderen oberflächlich nach dem Aussehen beurteilt zu haben, sondern wenn dann nur nach dem, was er von sich gibt. Und Webcam geht definitiv nur mit Leuten, die ich auch kenne.

Es wird also wohl noch einige Zeit dauern (oder vielleicht auch nie soweit sein), bis ich mich ans Chatroulette wage.

Ach und: Auch im Chatroulette kann sich niemand für Guido Westerwelles Parolen begeistern.

 

 

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 17.03.2010 um 15:16
Es soll ja sogar Leute geben, die sich 'Das perfekte Promi-Dinner' angucken.
Lee Berthine schrieb am 17.03.2010 um 15:27
Die Kommunikationsform, sich telefonisch mit jemandem zu unterhalten und sich dabei gleichzeitig über die webcam gegenseitig sehen zu können (also audiovisuelles Telefonieren) finde ich interessant. Wie mit skype zum Beispiel, wenn ich gute Freunde oder Verwandte weit weg im Ausland habe und die auf Dauer nicht sehen könnte, würde ich auch skypen.
Allerdings habe ich bisher noch keine webcam angeschafft, irgendwie bin ich dran gewöhnt, den anderen nicht zu sehen.
Aber es ist vieles eine Sache der Gewohnheit.
Das Chatroulette, von dem du berichtest, ist wahrscheinlich wie speed-dating eine Modeerscheinung für Leute, die nicht wissen, wie sie anders die Zeit verbringen sollen.
Zumindest würde Kommunikation dadurch möglich gemacht werden k ö n n e n, wenn es nicht den "next"-Knopf gäbe, der das Ganze eher abstoßend für mich macht.
Obwohl, ein esc sollte es schon geben.
Naja, ich würde auch nicht emails mit Unbekannten austauschen, aber das ist wohl Geschmackssache. :)
Katharina Hamberger schrieb am 17.03.2010 um 18:37
Das mit Skype empfinde ich ähnlich. Sobald es um telefonieren, oder allgemein um Unterhaltung über die Entfernung geht, bin ich es wohl gewöhnt, andere nicht zu sehen.
Ja, Chatroulette sollte wohl so wie Speeddating sein. Das war auch der erste Gedanke, den ich hatte, als ich davon gehört habe. Aber eben im Gegensatz dazu, muss man nicht am Tisch sitzen bleiben, bis man zum nächsten Teilnehmer kann.
Wenn es nur eine Modeerscheinung ist, dann eine, die ziemlich viel wert ist. In einem Spiegel Online Interview mit dem Erfinder, wird ein Betrag von 10 bis 30 Millionen genannt.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, das dabei tiefgreifende Freundschaften und ernsthafte Gespräche entstehen. Die meisten, kann ich mir vorstellen, machen es wohl aus Neugier, Langeweile oder eben leider auch aus perversen Gründen.
Maike Hank schrieb am 17.03.2010 um 15:56
Das hier fand ich allerdings ziemlich lustig:

Lee Berthine schrieb am 17.03.2010 um 16:15
stimmt :)) ist sogar unterhaltsam...
Francis2010 schrieb am 17.03.2010 um 16:30
Also für nachhaltige Kommunikation habe ich www.hey-people.com gefunden. Is im Prinzip wie Chatroulette, allerdings haben die eine Freundschafts Möglichkeit eingebaut. So kann man sich zumindest wiederfinden. Frage ist, ob man das bei so manchen perversen überhaupt möchte :)
Katharina Hamberger schrieb am 17.03.2010 um 18:45
Das mit den Freundschaften könnte zumindest den Effekt haben, dass man sich die Menschen ein wenig länger ansieht. Denn wer dort mitmacht, will ja sicher nicht "keine Freunde" haben. Obs tatsächlich nachhaltiger ist, ist allerdings die Frage.
VeralinHMS schrieb am 23.03.2010 um 12:23
Gehöre auch zu denen, die sich Chatroulette bisher nur aus der Ferne angeschaut haben. Und das wird wohl auch so bleiben. Aber das hier ist echt ne tolle Idee mit dem "neumodischen" Kram umzugehen: Innovation schafft Innovation -> www.youtube.com/watch?v=LfamTmY5REw
Katharina Hamberger
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