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Um eine Werbekampagne kommt man im Moment fast nicht herum: Große Plakate wollen eine Zielgruppe ansprechen, die ihre Haustiere auf Facebook anmeldet, oder online so viele Freunde hat, dass sie für die echten ein neues Wort suchen muss. Im Kino säuselt eine Stimme diese Aussagen, begleitet von den schönen Symbolbildern eines Vogelschwarms dem Zuschauer ins Ohr. Am Ende des Spots steht dann für was „wir“ auf Grund des vom Internet geprägten Lebenswandel nun „reif“ seien: Die Welt Kompakt; „Kurz. Anders. Gedruckt.“, lautet ihr Slogan. In einer Medienwelt, die noch hinter das Geheimnis kommen will, wie man mit journalistischen Inhalten im Netz Geld verdienen kann, setzt der Springer Verlag auf ein Printprodukt, dessen Zielgruppe zu denen gehört die im Internet zu Hause sind. Wie schafft die Welt Kompakt aber den Spagat zwischen einer guten Onlinepräsenz zu sein und dem Print-Anspruch?
Damit man diese Frage beantworten zu kann, sollte man sich zunächst jedoch ansehen, was die Welt Kompakt eigentlich ist. Nach dem redaktionellen Konzept des Verlags sei die Zeitung „die erste deutsche Qualitätszeitung im handlichen Tabloidformat“. Außerdem soll sie „Handlichkeit, Prägnanz, Modernität“ mit „Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Kontinuität“ verbinden.
Die kompakte Ausgabe der Welt gibt es schon seit 2004, wird von Studenten der Axel- Springer Akademie hergestellt und greift hauptsächlich auf Agenturmeldungen und Berichte verlagseigener Zeitungen, wie der Welt oder auch dem Hamburger Abendblatt, zurück. Redaktionsschluss ist Mitternacht. Im Moment wird ist sie in 44 deutschen Großstädten von Montag bis Freitag für einen Copypreis von 70 Cent verkauft. Das soll sich allerdings auch noch ändern und ein größeres Verbreitungsgebiet ist in Planung. Welche Auflage die Welt Kompakt gerade hat, darüber macht Springer keine Angaben.
Online ein Freund, offline Informationsmedium
Die Welt Kompakt ist online gut vertreten. Eine eigene Homepage sucht man jedoch vergeblich. Unter „welt-kompakt.de“ oder „sind-wir-reif.de“ findet sich lediglich die Möglichkeit das Blatt zu abonnieren. Die Redaktion ist eher dort anzutreffen, wo sich auch ihre vermuteten Leser aufhalten: Facebook, Twitter und MySpace. Gepostet werden selten journalistischen Inhalte, sondern mehr „Redaktionsalltag“. Damit ist die Welt Kompakt ständig präsent bei ihren Lesern. Und diese haben wiederum die Möglichkeit mit „ihrer“ Redaktion“ in Kontakt zu treten und das Internet als Rückkanal zu nutzen. Einige der virtuellen Einträge werden auch in die Printausgabe übernommen, z.B. als Tweet des Tages. Ingesamt ist das komplette analoge Angebot sehr am Internet orientiert. Das äußert sich schon in einem besonderen Ressort, dass so in keiner anderen Zeitung zu finden ist, dem Internet- Ressort. Auf zwei Seiten stehen ausschließlich Artikel zum Thema Web. Alles geschrieben in dem Stil, der das zweite Merkmal für die Online-Verbundenheit der Zeitung zeigt: Kurz und prägnant. Fast als würde man die Themen googeln und einen überschaubaren Informationsüberblick erhalten. Lange Reportagen oder Texte fehlen eigentlich komplett. Die Welt Kompakt überträgt das Leseverhalten, dass sich ihre Zielgruppe online angeeignet hat, auf die analoge Welt.
Gut durchdacht
Das Konzept der Welt Kompakt hat durchaus seine Vorteile. Die Kombination von Tabloid- Format und knappen Artikeln macht es möglich, sich in kurzer Zeit, bequem und schnell zu informieren. Anstatt in der U-Bahn umständlich eine der großformatigen Zeitungen so falten zu müssen, dass man selbst noch lesen kann, aber dem Sitznachbar nicht ständig das Papier ins Gesicht schlägt, ist die Welt Kompakt ähnlich praktisch wie ein Buch. Sie passt sich mit der kanppen Information außerdem dem schnellen Lebenswandel ihrer Zielgruppe an. Zudem schafft sie es, im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen, mit den Rezipienten in Kontakt zu treten, weil sie genau dort online präsent ist, wo auch die Leser sind. Durch diesen Dialog mit „ihrer“ Zeitung bekommen diese das Gefühl, irgendwie auch zur Redaktion zu gehören, zumindest die Redakteure gut zu kennen. Damit bindet die Zeitung Zielgruppe stark ans Blatt. Aus ökonomischen Gründen scheint die Welt Kompakt ideal zu sein. Durch den geringen Umfang lassen sich Papier und damit Kosten sparen. Da die meisten Redakteure Studenten sind muss Springer keine hohen Honorare für Edelfedern ausgeben. Außerdem besetzt sie eine Lücke in der Welt Gruppe, die mit Welt am Sonntag und der Welt hauptsächlich ältere Leser anspricht.
Im Gegensatz zu vielen anderen Printprodukten macht sich die Welt Kompakt zudem selbst keine Konkurrenz im Internet. Die Artikel gibt es nur für den der zahlt. Damit umgeht das Blatt das Problem, das schon seit längerem durch die Medienlandschaft geistert: Wie kann ich heute noch Geld mit Texten verdienen?
In beiden Bereichen, Online und Print, geht die Zeitung völlig ohne Angst an neue Dinge heran, so wie zum Beispiel die Nutzung von GoogleWave oder auch die QR-Codes, Felder, die man ähnlich wie einen Barcode mit dem Handy scannt und dann zusätzliche Informationen zu einem Thema erhält. Die Welt Kompakt arbeitet also mit einem Konzept, dass im Moment den Spagat zwischen Print und Online gut löst.
Was fehlt
Gut heißt jedoch immer noch nicht perfekt. Ganz massiv fällt auf, dass das Blatt eigentlich keinen journalistischen Mehrwert liefert. Wer interessante Hintergrundberichte, investigative Geschichten oder unterhaltende Reportagen sucht, wird enttäuscht. Zur Meinungsvielfalt trägt die Welt Kompakt auch nicht wirklich bei, weil sie hauptsächlich Agenturmeldungen verarbeitet und Artikel aus der Springerpresse recycelt. Unter den vielen Wiederverwertungen finden sich so gut wie keine neuen Themen. Solche zu generieren, sind anscheindend nicht Aufgabe der Redaktion, sondern die der bereits erwähnten Springerblätter und die Blogosphäre.
Kompakt und knapp mag vielleicht zu einer schnellen Information führen, fraglich bleibt hier jedoch die tatsächliche Relevanz, also erfährt der Leser wirklich das Wichtigste vom Tage, so als würde er sich online informieren? Außerdem bleibt die Qualität an einigen Stellen auf der Strecke. Inhalts- und Rechtschreibfehler muss der Leser für die verkürzte Information in Kauf nehmen. Die Zielgruppe mag vielleicht den ständigen Kontakt mit der Redaktion schätzen, es stellt sich jedoch die Frage, ob auf die Dauer Banalitäten aus dem Newsroom, gequetscht in 140 Zeichen, den Lesern nicht irgendwann langweilen. Besser wären vielleicht kurze Artikel- Teaser bei besonders spannenden Themen. Eigentlich ist es eine gute Idee, anstatt Leserbriefen Twitter-Posts, sogenannte Tweets, der Leser abzudrucken. Spätestens nach der dritten Ausgabe allerdings, in der ausschließlich ein Loblied auf das Blatt gesungen wird und sich eventuell ein schlechter Kommentar, der ein wenig verloren und pseudokritisch wirkt, findet, geht einem dieser Rückkanal für Leser auf die Nerven. Es ist vielleicht nett, seinen eigenen Tweet abgedruckt zu finden, dass man dafür allerdings nur die Zeitung loben muss, anstatt sich inhaltlich kritisch mit den Themen auseinander zu setzen, was ja auch anregend für andere Leser sein kann, ist doch eigentlich nicht Sinn der Sache.
Gutes Konzept aber wenig Qualität
Abschließend lässt sich für die Welt Kompakt folgendes Fazit ziehen. Das Konzept, die Leser dort zu suchen, wo sie sich online aufhalten, nämlich in sozialen Netzwerken ist ein guter Ansatz. Auf analoger Ebene gibt wird die Leserschaft mit dem versorgt, was sie digital dauernd konsumiert: Kurze, knappe Information. Genial ist es wohl auch, sich erst gar nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, wie man Geld mit Texten im Internet verdienen kann, sondern man spart sogar noch Geld, indem man nur die schon vorhandenen Plattformen nutzt und die Inhalte gedruckt verkauft. Genau diesen Inhalten mangelt es jedoch an Qualität, die vielleicht gerade dann nötig ist, wenn man eine neue Zielgruppe ans Lesen binden möchte.
Es wird sich herausstellen, wie lange die Welt Kompakt mit einem Printprodukt, das journalistisch auch eher auf der Schmalspur fährt, überleben kann, oder ob für die Zielgruppe, die fast nur noch digitale Freunde hat, nicht auch ein interessanter Online-Auftritt mit Partizipationsmöglichkeit die bessere Wahl wäre.
Anmerkung: Dieser Eintrag wurde auf Basis einer Gruppenarbeit im Innovation Lab Print an der Hamburg Media School geschrieben und repräsentiert die Auswertung der Arbeitsgruppe. Anmerkungen und Diskussionsbeiträge sind nicht nur willkommen, sondern ausdrücklich erwünscht.
Mitglieder der Arbeitsgruppe "Welt Kompakt": Vanessa Buff, Katharina Finke, Olga Kuhlbrodt, Nuria Wrobel, Dennis Sand, Stephanie Pollak, Ricarda Twellmann, Tonia Sperling, Katharina Hamberger
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Printmedien sind am Ende.
Das mußte erst neulich wieder die SZ erfahren, deren WochenTestAbo mir aufgedrängelt wurde und die ich komplett ohne eines einzigen Blickes entsorgte. Was mir noch fehlt ist eine echte funktionierende Internetzeitung auf richtigem elektronischen Papier (3M), welche ich mir im vorbeigehen am nächsten WLAN Spot auflade und die in erster Linie regionale Themen behandelt. Dafür würde ich sogar nen Abo bezahlen. Aber das dauert sicher noch 10-20 Jahre. :-( |
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Lieber Piiter,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich persönlich will hoffen, dass Sie nicht recht haben und die Printmedien nicht am Ende sind, weil ich auch noch ein wenig am Gedruckten hänge. Aber das ist, wie ihr Beispiel zeigt, auch vielleicht von Zeitung zu Zeitung unterschiedlich. Die Auflagenzahlen einiger Wochenzeitungen sind gerade leicht gestiegen. Dies zeigt doch, dass die Menschen noch gerne Papier in Händen halten. Aber wie auch Anna-Lena Krampe in unten stehendem Kommentar schreibt und es auch in unserem Beitrag rauskommt, ist die Frage, ob ein Konzept, wie das der gedruckten Welt Kompakt sich halten kann, wenn man die Infos auch im Internet bekommt. Vielleicht sind Zeitungen einfach nicht mehr für die schnelle Information, sondern für Hintergründe und gute Lesestücke geeignet. Was Ihre Kritik an der SZ betrifft, möchte ich Sie an einen Blogeintrag von Nina Draxlbauer verweisen, der wie unser Beitrag auch, aus dem Innovation Lab Print hervorgegangen ist. Grüße Katharina |
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Kurze und knappe Artikel für den schnellen Info-Happen, gepaart mit einem schickem Tabloid-Format. Das mag heute ein gutes Konzept sein. Morgen vielleicht schon nicht mehr. Bei all den IPhone und Blackberry Usern deren Zahl stetig steigt, ist die Existenzberechtigung der Welt Kompakt nur noch eine Frage der Zeit.
Getreu dem eigenen Werbeslogan: Wir haben online so viele Möglichkeiten, dass wir keine druckergeschwärzte Zeitung mehr brauchen. Jedenfalls keine ohne den angesprochenen journalistischen Mehrwert. Heute ein gutes Konzept, das die Abwanderung ins Netz aber lediglich hinauszögert. |
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wenn die angesprochene zielgruppe wirkliche die welt kompakt braucht, dann hat sie ihr eigenes medium irgendwie nicht so ganz verstanden, denn die welt kompakt kann ob ihrer ausrichtung eigentlich nur dinge liefern, die man im alltag des internets schon längst hätte erfahren müssen.
ich sehe es auch nicht als asset an, wenn man mit einer redaktion in kontakt ist. das ist dann interessant, wenn man ein printprodukt ob seiner inhalte kauft. wenn ich einen artikel lese und dann ggf. noch mit dem schreiber ergänzend darüber diskutieren kann, dann ist der kontakt interessant. doch nicht dann, wenn der redkateur mir infos gibt, die er im endeffekt mir, als dem medium meines lebens, hat. für den journalisten und somit für den verlag, ist das asset dieses zeitaufwands dann, dass ein thema mit hilfe der nutzer vertieft und ausgebaut werden kann. was zu einer dauerhaft breiten information über ein thema vertieft. dafür müssen aber die kommentare an sich anders gehandhabt werden. als rückkanal auf der einen und als informationssamelpunkt auf der anderen seite. dafür braucht es eine weiterentwicklung innerhalb der redaktion, bei der technik (ist doch grausam dieses runterasseln) und beim nutzer selbst. beim freitag nennt man den spaß wachsende artikel. wenns denn sein muss... das ist zumindest ein ansatz, nicht die wahrheit. d.h. im endeffekt, dass die reine news vollkommen egal ist. sie ergänzt nur. und journalisten sind dann halt informationsmanager, oder wie auch immer man den spaß nennt. sie sind nur eben nicht mehr das, was sie waren und was sich vor allem im print widerspiegelt. die macher, sie sind ein teil im getriebe. darauf müssen sich zeitungen einstellen. es ist ja nahezu dämlich einer masse an menschen, die schreit dass sie kostenlos mitwirken will, diese mitwirkung zu verweigerung, weil das angeblich die margen abschafft. die veränderung der art und weise, was angst schürt, ist dann genau das wofür wir bezahlen. und wenn es nach mir geht, dann würd ich nicht mal mehr websiten veröffentlichen sondern software. ich würde meinen lesern alle werkzeuge an die hand geben die ich habe. texte, informationen, recherche möglichkeiten.. angeschlossen an alle social networks, feeds für alle informationsquellen die sich anbiedern .. einfach ein allumfassendes kommunkationsnetzwerk, gesteuert über ein geiles tool. und dafür drückt jeder seine paar euro ab. aber es beginnt nun halt erstmal ganz langsam. da hat man sein tweetdeck, seinen ticker etc. ans zusammenführen denkt einfach keiner, auch nicht daran, dass das noch vor google stehen würde. ;P wieso sollte in einer globalisierten welt die antwort im einzelnen liegen? also wieso sollte sie nicht im globalen liegen? mfg mh mal im groben |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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