Katharina N.

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04.03.2011 | 01:19

Wie wärs mit einem Reim?

Gedichte sind schön, besonders, wenn sie sich am Ende reimen...

Hier scheint es sich jedoch um einen Irrglauben meinerseits zu handeln, denn auf Lesebühnen vorgetragene Gedichte mit klassischen reinen gereimten Versen stoßen beim geneigten Publikum überwiegend auf Ablehnung,  ja es scheint regelrecht verpönt zu sein, "so etwas" heute noch vorzutragen. Da stellt sich mir die Frage, warum? Natürlich, ein platter, gewzungener Reim, mühselig in ein Gedicht gezwängt, spricht mich auch nicht an. Doch es gibt ja auch noch andere, mit viel Fantasie und Wortspielerei aufeinander abgestimmte Verse, die sich spielerisch und gekonnt reimen. Zuletzt konnten wir uns hier in der FC in der Dichtergruppe davon überzeugen...

Möglicherweise habe ich etwas verpasst und vielleicht kann mir jemand erläutern, warum man allerorts überwiegend postmoderne Lyrik favorisiert und behauptet wird,  Reime "gingen gar nicht mehr" .

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 04.03.2011 um 01:30
Reime sind komisch. Und komisch ist nicht tragisch, erhaben, schrecklich, schön... usw.
Das Komische ist das Niedere. Hat doch schon Aristoteles gesagt...
Uwe Kampmann schrieb am 04.03.2011 um 01:53
Abgegriffene Phrasen hängen an den Lippen.
Fragezeichen liegen auf den Händen.
Ratlos sind die Ohren geöffnet.
Müde nehmen die Augen das Gesagte zur Kenntnis.
Schön das es sich noch träumen läßt.
I.D.A. Liszt schrieb am 04.03.2011 um 02:16
So gibt's den echten Reim nicht mehr,
Was woll'n wir also jetzund tun?
Wir fangen uns im Stall ein Huhn
und richten es zum Reimen her.

Was reimt sich noch auf "tun" und "Huhn"?
Die Antwort fällt unglaublich schwer.
"Gudrun" als Reim liegt etwas quer -
Inspiration bringt Whisky nun.

Der Dichter trinkt die Flasche leer,
Alsbald ist er ganz schrecklich duhn.
Die Reimliebhaberin kann ruh'n,
Gereimt ward heute nämlich sehr.
weinsztein schrieb am 04.03.2011 um 02:17
@ Katharina N.

Form folgt Funktion, "form follows function" (FFF), die Verpackung dem Inhalt. Aber:

Brot und Salz
Gott erhalt's

wird auch heute noch gern genommen. Würden Sie sich ein Haus bauen, mit ionischen Säulen, mit Putten verziert und mit allerlei Schnörkeln?
weinsztein schrieb am 04.03.2011 um 02:21
Was reimt sich auf Mensch? Ranch. Ok:

"Auf meiner Ranch
bin ich ein Mensch"
I.D.A. Liszt schrieb am 04.03.2011 um 02:23
@ weinsztein (04.03.2011; 02:17):

Also, ich finde Altbaufassaden schön - jedenfalls viele, natürlich nicht alle.

Jaja, ich gebe zu, daß ich einen gewissen Hang zum Kitsch habe.
weinsztein schrieb am 04.03.2011 um 02:30
@ I.D.A. Liszt (04.03.2011 um 02:23)

Auch ich liebe alte Häuser, Schlösser, Burgen und gern drin wohnen. Nur sie selbst bauen (lassen), heute, würde ich sie nicht.
I.D.A. Liszt schrieb am 04.03.2011 um 02:36
@ weinsztein (04.03.2011; 02:30):

Doch auch in der aktuellen Architektur werden Stilelemente frherer Epochen verwendet.
Der Erker z.B. ist heutzutage wieder häufig an Fassaden zu sehen, nachdem er jahrzehntelang zugunsten einer geraden Oberfläche aufgegeben worden war.

Säulen (wiewohl aus Beton) sind auch nicht gerade unüblich.

Für eine ästhetische Debatte ist es mir leider zu spät.
Ich muß in die Heia.
Katharina N. schrieb am 04.03.2011 um 14:04
@ weinsztein

Nein, solch ein Haus würd ich nicht bauen, aber warum nicht ein wenig Schnörkel, ein wenig Verzierung, wenn es gut passt? Interessanter Vergleich, der mich auch an Kleidung denken lässt. Verträumte Rüschenbluse, kombiniert mit ausgefransten Jeans, warum nicht, wenn es gut passt?
rolf netzmann schrieb am 04.03.2011 um 08:41
Wer weiss, vielleicht gibt es noch mehr Liebhaber klassischer Gedichte in Reimform. Nur besuchen diese keine Lesebühnen mehr, weil es dort keine Dichter mehr gibt, welche solche Gedichte präsentieren.
Es mag sein, dass der "mainstrem" heute die Gedichte ohne klassische Reime sind, nur heisst dies nicht, dass ein Poet nur so schreiiben muss. Es kommt immer darauf an, was er ausdrücken möchte und welche Ausdrucksform dafür am besten geeignet ist.

Und im übrigen, es wird immer etwas vom Alten übrigbleiben, wenn sich Neues durchsetzt, in der Mode, Architektur, in den Höflichkeitsformen und eben auch in der Poesie.Nur wird dieses Alte vom Neuen überlagert. Um so schöner ist es dann, es zu finden, zu entdecken wie ein Kleinod, einen Schatz.
wahr schrieb am 04.03.2011 um 08:44
"Wie wärs mit einem Reim?"

Neim.
Uwe Kampmann schrieb am 04.03.2011 um 12:14
Donnern, strömen und zerspringen
kraftvoll aus der Feder gießen
Worte blumengleich entspringen
Worte zu Musik erklingen.
Kraftvoll in die Klippen jagen
Worte sind auch Unbehagen.
Katharina N.
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