Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Kultur : Betreuungsgeld: 1000 € statt 100

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Betreuungsgeld. Mein Eindruck: Da wird derzeit mehr populistisch, maliziös ideologisch gerungen, denn sachlich diskutiert. Mit anderen hysterischen Bescheidwissern stehen die Gegner auf der richtigen, auf der zukunftsgerichteten, auf der emanzipierten Seite und schreien durcheinander, was die Kinder nicht alles verpassen, also von Geburt an bis zum dritten Lebensjahr, denn um diesen Zeitraum geht es.

In Berlin. Es ist hier mitnichten so, dass man freundliche Einladungen erhält, sein Kind in einer Kita anzumelden. Im Gegenteil. Es gibt Hürden. Man sollte einen Job haben, bevor überhaupt ein Anspruch besteht. Wer keinen Job hat, kriegt fünf Stunden für sein Kind, was heißt, man muss sein Kind aus dem Mittagschlaf holen oder man kriegt von den heiß begehrten Plätzen erst gar keinen, weil die Kitas mit Ganztagskindern kalkulieren und Teilzeitkinder lieber ablehnen. Freischaffende müssen sich mitunter bizarr der Hängematte verdächtigen lassen. O-Ton: „Es gibt ja Künstler, die malen ein Bild im Quartal und wollen dafür einen Ganztagsplatz.“

Hat man glücklich irgendeinen Platz über die lange Warteliste ergattert, kann es sein, dass das Kind in einer geräumigen 4-Zimmer-Wohnung mit circa 19 weiteren Kindern rumwuselt, dazu zwei Erzieherinnen, denn das ist der Betreuungsschlüssel. Dazu kommt die hohe Fluktuation bei den Bezugspersonen, weil die Arbeit bekanntlich stressig ist und schlecht bezahlt. Ein Garten ist nicht selbstverständlich und auf den umliegenden Spielplätzen, ja mei, selbst der betuliche Prenzlauer Berg ist Großstadt, also unbedingt Glasscherben und Hundekacke wegfegen und Kinder gebt acht: „Keine Spritzen anfassen!“

So ein Kita-Platz ist übrigens selbst für HartzIV-Empfänger nicht umsonst, wenn der es in diesem Kristina-Schröder und Co-Verdächtigungsszenario denn überhaupt auf die Reihe kriegt, diesen zu organisieren. Eine Pauschale fällt an. Die Kostenbeteiligung für Berufstätige ist selbst im armen Berlin nicht super günstig, gemessen am Haushaltseinkommen. Dazu sprießen private Edel-Kita-Initiativen aus dem Boden, die sich die Durchschnittsfamilie abschminken kann.

Und. Sorry. Es wird ja viel über die Quote geredet, weniger von Müttern, die schauen müssen, dass sie wieder in ihren Beruf zurückkehren, obwohl sie Kleinkinder haben. Die lieben Kleinen haben nämlich berüchtigt in den ersten Jahren dauernd Schnupfen, Fieber, Rota Virus. Viele Eltern können vom vergangenen Winter ein Lied in Moll singen, wie sie die Krankheiten irgendwie und trotz Jobs mehr schlecht als recht jongliert haben.

Ich kenne niemanden, der super gut von einem Gehalt leben könnte, schon gar nicht freiwillig seinen Job für läppische 100 Euro monatlich aufgeben würde. Zuhause wohnt nicht nur ein Gespenst, die Altersarmut, man begegnet noch anderen. Ich kenne auch eigentlich nur Eltern, die Lust haben zu arbeiten. Nur haben nicht alle Familien Lust darauf, sich mit zwei Vollberufstätigkeiten aufzureiben. Also macht einer den Teilzeitjob. Wer auf Jobsuche ist, weiß, dass die Chefs wissen, dass Kleinkinder oft krank sind. Wie wäre es mal mit weniger Steuern in dieser Konstellation, die der Staat zur Mitte zählt, damit die sich zum Beispiel mehr als eine lächerliche Vorsorge leisten kann, die allenfalls psychologisch rentabel ist, Stichwort Verdrängung.

Ein Kitaplatz kostet den Staat etwa 1000 Euro im Monat. 1000 statt 100 Euro Betreuungsgeld klingt richtig, zukunftsgerichtet, emanzipiert, nach Wahlfreiheit und hat mit Herdprämie nur bedingt was zu tun.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.