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Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Kultur : eine Mutter einstellen?

Die Quote betrifft nicht alle Frauen - im Gegenteil

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Der Frisör am Prenzlauer Berg ist eine coole Sau. Es läuft Gotan Projekt, später Feist. Die Friseurmeisterin Lilly: Ich muss es einfach erzählen! Ich habe mir gestern bei Saturn ein neues Macbook gekauft, 1.200 Euro, soviel habe ich noch nie für mich selbst ausgegeben, also bis auf den Laden hier, den habe ich ja auch gekauft. Das Macbook ist so schön und so leicht und jetzt suche ich eine schöne Tasche dafür.

Und Sie, was machen Sie so? Hm ja, weites Feld, der Arbeitsmarkt sucht ja gerade die so genannten Fachkräfte, wo war das, im Maschinenbau, leider habe ich keinen klassischen Headhunterberuf und für die Reklamationsabteilung bei Amazon ist mein nicht existentes privates Buchprojekt zur ideelen Kompensation definitiv noch zu unausgereift. Das sage ich alles nicht, während ich vorm Spiegel sitze und gut gelaunt in mein Gesicht lächle: was mit Redaktion, Journalismus, sowas. Ist aber nicht leicht in der Branche und dann mit zwei kleinen Kindern … (und denke für mich, es gibt nicht ohne Grund den Kölner Spruch: Erzähl`s Deinem Frisör).

Ja, wie machen Sie das denn, sollten Sie in ihrer Bewerbung die Kinder nicht lieber verschweigen? (Verschweigen? Sehr witzig). Ich meine, sagt sie, mal ehrlich, ich würde ja auch keine Mutter einstellen, die Kinder sind ja dauernd krank und so.

Ein junges Mädchen kommt rein, Franziska, so ein Zalando-brandsforfriends-dressforless-Mädchen, sie will hier anfangen und stellt sich heute vor. Die Friseurmeisterin Lilly ist begeistert, als sie geht und man einen Probetermin vereinbart hat. Franziska ist hübsch, kreativ und so eine schöne Bewerbungsmappe! Die hat sie zusammen mit ihrer Freundin gestaltet, einer Grafikerin, erzählt sie mir und dem Franziska-Double, allerdings mit Zopf, das hier schon arbeitet und grade von der Mittagspause zurück ist. Ach - ich wäre so froh, wenn das klappte. Vom Arbeitsamt kommt ja nur Schrott, Sie wissen ja gar nicht, wie schwer es ist, gute Frisöre zu finden, die nicht bescheuert sind und in den Laden hier reinpassen.

Neulich auf einer Party. Wir unterhalten uns erstmal zwei Stunden darüber, dass wir auf keinen Fall viel trinken dürfen, während wir zwei Stunden lang ordentlich Wein trinken, auf der Party, auf dem 50sten Geburtstag der besten Freundin, was lustig ist. Nur man hat eben am nächsten Tag nicht nur den Kater sondern auch die Kinder. Maren ist eine dezent schrille Person, sehr sympathisch. Sie betreibt ein Marktforschungsinstitut direkt am Kudamm und ist damit sehr erfolgreich. Sie hat zwei Kinder. Ich hatte für ihren Laden schon mal Interviews mit Gynäkologen vom Deutschen ins Englische vom Band übersetzt, scheußliche Arbeit, aber gut bezahlt, (vielleicht erfinde ich hierzu einmal eine literarische Figur, die verheirate ich dann mit einem Bekannten aus 2004, das ich ein paar Monate lang in schmuddeligen Londoner Marktforschungsinstituten zusammen mit anderen europäischen Durchschnittsverkrachten verbrachte). Maren trinkt und schaut charmant, weißt Du, ich bin ein Schwein, ich weiß, aber eine Mutter einstellen, die Kinder sind ja dauernd krank und so …

Gestern Nachmittag in der Kita-Garderobe. Berufstätigensmalltalk zum Neuen Jahr. Und wie läuft es so. Ich erzähle B, dass ich meine neuerlichen Beobachtungen gerne „öffentlich“ machen würde, einfach so und mal sehen. Allein – ich zögere, die Freiberuflerexistenz ist so semi-sexy, beziehungsweise fast intimer als Sex - vielleicht ist man ja einfach nicht gut genug. (Katja Kullmann hat diesen Komplex in „Echtleben“ sehr gut geschildert).

B hat aber noch ein Beispiel: Geschäftsführer X handhabt es ähnlich, bevor er eine Teilzeit-Mama einstellt, doch lieber eine Studentin.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.