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Eines der häufig besprochenen Sachbücher derzeit ist ja Miriam Meckels „Brief an mein Leben - Erfahrungen mit einem Burnout“. Die wohl ultimative Karrierefrau beschreibt hier, wie sie eines Tages auf der Überholspur die Kurve nicht mehr kriegt und sich überschlägt.
Der Burnout ist bekannt, weniger aber ein anderes Phänomen, dabei sind die Folgeerscheinungen der Unter- statt Überforderung im Job ähnlich: Müdigkeit, Lustlosigkeit, Gereiztheit, Frustration, sogar Depression - die Rede ist vom Boreout.
„Der schiebt eine ruhige Kugel“, „die macht sich einen Lenz“ heißt es gerne, als sei ein öder Job Erholungsurlaub bis zum Renteneintritt. Trotz seiner Entzauberung als Lifestyle-Accessoire ist eben als Krankmacher immer noch der wirklich wahre Stress richtig glaubwürdig und - glamourös: so einen Burnout kriegt einfach nur einer, der wichtig war.
Logisch also, dass über den Boreout weniger gesprochen wird. Neben der Angst, den Job zu verlieren, kratzt die Unterforderung naturgemäß am Selbstwertgefühl. Im Job ohne Arbeit, da machen Selbstzweifel gehässig länger Dienst als Vorschrift, ist man jetzt nur grandios fehlbesetzt?
Grotesk, die klaustrophobe Leere im Job wird oft vertuscht und zwar mit viel Aufwand, Kreativität und Verzweiflung. Der Kollege kommt früh zur Arbeit, geht später als alle anderen und tut die ganze Zeit ziemlich busy, dabei immer den Finger in Nähe der Cheftaste, das Angebot bei Ebay läuft noch zwei Minuten, authentische Hektik also inklusive.
Aus früheren Agenturzeiten erinnere ich mich an Stephan, unseren Produktionsleiter. Ihm zuzusehen war tragisch, war komisch. Tatsache war, wir hatten zwei Topkunden verloren, eigentlich wartete jeder nur auf das Zitat ins Chefbüro, inmitten der Werbekrise wussten selbst die Besten nicht wohin, stattdessen also Galgengeduld und Humor, Blättern in Magazinen, Surfen auf Stellenportalen, nur Stephan stapelte geschäftig seine Projektmappen von früh bis spät, von oben nach unten, von rechts nach links.
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und dann diese frei schwebenden Warteschleifen von Personalüberhängen als Folge von Outsourcing, Privatisierungen von Landesbetrieben, der Post, der Telekom in Transfergesellschaften aus einem Retorten Guss, in GmbHs & Co KGs in die mancher unvermittel deportiert,sich angeordnet beordert unterfordert im Hamsterrad der Stechuhr an die Decke, an die Wand starrend von Kollegen/innen Kontakten "befreit" dreht und dreht und dreht...bis in ihm/ihr an einem normalen Dienstag das Boreout-Syndrom seine Urständ, als wäre es ein vorauseilender Suizid von Amtswegen, begeht.
tschüss JP |
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Auf die Balance kommt es an und die fehlt ganz offenbar, auch ist die Selbstsicht derer, die diese Probleme - ob nun Burn- oder Boreout - haben, aus dem Gleichgewicht geraten. So grotesk ist das Ganze gar nicht. Der Leistungsdruck, der einem Burnout voraus geht, ist nicht so weit weg von dem negativen Druck eines Boreouts. Hauptmerkmal in beiden Konstellationen ist ja der übermäßige Anteil des Jobs an der Lebenszeit - zwar aus unterschiedlichen Gründen, aber mit den gleichen Folgen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass sich das sogar mischen kann, denn auch, wenn man sich völlig ausgebrannt fühlt, kann sich ein Gefühl beängstigender Leere breit machen. Selbst in Phasen nach hohem beruflichen Druck ist man nicht mehr in der Lage, die Zeit für sich und die Familie zu nutzen, gerät statt dessen noch mehr unter Leistungsdruck, weil man meint, den Anforderungen nun erst recht nicht entsprechen zu können.
Glamourös ist am "richtigen Stress" gar nichts, zumal - wie gesagt - ich zumindest Stress nicht von realer Leistung abhängig mache. Ob die Fragen, die man sich stellt, lauten: "Merkt jemand, dass ich unausgelastet bin? Misst man meinem Schaffen einen Wert bei? Sieht man mich beim Nichtstun?" oder "Schaffe ich den Job? Kann ich heute mal Feierabend machen?" ist eigentlich belanglos. Der Druck, der auf einem lastet, ist der der fehlenden Balance zwischen Arbeits- und Privatwelt. Es können teils immense Zukunftsängste entstehen, die sich irgendwann verselbstständigen, den direkten Bezug zur Ursache verlieren und dann noch weniger greifbar sind, lähmen. Eine destruktive Rückkopplung ist die Folge. Die fehlende Leichtigkeit, die andauernde Nervosität, die Entfremdung von sich selbst, haben dann auch negative Auswirkungen auf den Job und das Privatleben. Die Sache dreht sich im Kreis. Man merkt zwar, wie man der Situation immer weniger gewachsen ist, aber findet auch keinen Weg hinaus - jedenfalls nicht ohne Hilfe. Fatal ist, dass man selbst dann, wenn es eigentlich gut läuft (oder wieder gut läuft) in der benannten seelischen Situation verbleibt. Auch das führt zu noch mehr Problemen. Am Ende ist man eine Art Zombie, von dem sich Menschen entfernen, weil man als Mensch auf eine destruktive Art passiv wird. Raus kommt man da nur durch einen Break, Freunde, Familie und/oder sehr viel Disziplin. Ab einem gewissen Punkt ist es auch mehr als ratsam, einen Therapeuten zu Rate zu ziehen. Ich habe die Zustände, in die man geraten kann, fehlt die nötige Balance, bei einigen Freunden erlebt, die seelisch und körperlich völlig eskalierten. Das ging in einem Fall bis zu einer Einweisung in die Psychatrie. Erst gestern berichtete mir ein Freund von seinem Nervenzusammenbruch und wie ihn Freunde und Familie zwangen, etwas zu tun, damit er nicht gänzlich abdriftet. Ich konnte gut nachvollziehen, was er berichtete. In der Rückschau denke ich, dass es wichtig ist, leidet man unter zu viel oder zu wenig Arbeit oder aus einer Mischung aus Beidem, sich zu erinnern, wie man vor diesem Zustand war. Man kann Freunde und Familie befragen, welchen Eindruck sie früher hatten und wie er sich verändert hat. Was man nicht tun sollte, ist ihnen irgendeine Verantwortung zu übertragen, denn diese liegt - und vielleicht ist das das Schwierigste daran - bei einem selbst. Kommt das soziale Umfeld noch an einen ran, kann es helfen, unterstützen. Das ist aber auch alles. Aus eigener Erfahrung: Vor nicht allzu langer Zeit "bewunderte" man (Kollegen, Freunde) an mir stets die Leichtigkeit, mit der ich meine Jobs abwickelte. Wo andere unter Stress gerieten, blieb ich cool, agierte völlig unbeirrt weiter und erreichte meine Ziele. Für einige Menschen war ich sogar Vorbild, was ich aber erst heute weiß, nachdem sie mir das gesagt haben. Ich hatte mich gar nicht mehr so gesehen - eher ein Gefühl des Dauerversagens hatte sich eingeschlichen, das nicht einmal durch Bestnoten seitens der Kunden zu relativieren war. Und hier liegt der große Fehler. Es ist legitim, Dinge auch einmal nicht zu schaffen. Nicht alles liegt immer in der eigenen Verantwortung. Es muss nicht immer alles klappen. Man darf Fehler machen und man muss nicht jeder Anforderung entsprechen. Es ist auch völlig ok, einmal faul zu sein oder auch - wie im o.g. Artikel - auf Jobs zu warten. Es liegt nun mal nicht immer alles in den eigenen Händen. Am wichtigsten jedoch ist es, Grenzen zu ziehen um nicht in die Situation zu geraten, am Ende 24 Stunden mit dem Job "verheiratet" zu sein. Und dabei spielt es eben keine Rolle, ob der Job viel oder gar keine Arbeit bedeutet. Es sind die Gedanken - in ihrer übersteigerten Form - daran, die letztlich kaputt machen. |
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dies hätte der artikel sein können. hier steht genau das, was oben fehlt. der artikel hatte ein gutes thema, ist aber ziemlich farblos und mau. irgendwie gelangweilt abgearbeitet. kein echtes interesse am thema. ein paar sätze hin geworfen und weiter im text. gehen wir nen kaffee latte trinken, ich habe fertig...
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Hallo womaniried. Es war ein Blog, kein recherchierter Artikel. Also nichts abgearbeitet, sondern spontan (als Privatperson) über das weniger bekannte Phänomen Boreout etwas gesagt.
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Nachtrag, weil oben das Wort Agentur fiel:
Da ich selber dieser Branche entstamme,.. Ich habe oft genug erlebt, wie Menschen in Agenturen letztendlich systematisch kaputt gemacht wurden. Neben Allem, was Spaß macht, ist in vielen dieser teils sehr kleinen inhabergeführten Betriebe Entwürdigung und die Forderung von Unterwerfung an der Tagesordung. Ich kann mich an einen Mitarbeiter erinnern, der aus einer düsseldorfer Agentur kam und dort (obwohl er ein fachlich grandioser Techniker war) so klein gemacht wurde, dass er sich anfangs nicht traute, ohne exakte Anweisung zu arbeiten, aus der Angst heraus, einen Fehler zu machen. Es hat eine Weile gedauert, bis er wieder lockerer wurde. In einem anderen Betrieb wurden Mitarbeiter regelmäßig auf eine zynische Weise gegeneinander ausgespielt und herabgewürdigt, zusätzlich wurde versucht, die Arbeitszeit per Vertragsbruch auf ein Maximum auszuweiten. Auch erlebt habe ich, dass während einer Betriebsversammlung in einer Druckerei erklärt wurde, dass man das Gebäude auch gut fände, weil hier ebenso gut ein Warenlager oder eine Schuhfabrik Platz hätte. Ich denke, die Agenturlandschaft ist eine, in der noch andere Regeln und Verhaltensmuster gelten, die sich durch ihre Überzogenheit deutlich von anderen Branchen unterscheiden. Als ich früher mal bei Volkswagen jobbte, freuten wir uns, wenn das Band mal stand und erzählten uns was. Das war unproblematisch. In Agenturen kommt es einem Gau gleich, wenn einmal Flaute herrscht und die Situation gerät aus den Fugen. Jedenfalls ist das meine Erfahrung. |
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Hallo Hexogen
vielen Dank für die interessanten Ausführungen! Am Ende fühlen sich Bore/und Bore-Out-Leute gleich elend. Ich meinte nur, dass auf dem Weg zur Sinnkrise ja ein Unterschied ist, ob man krank wird, weil man gefragt ist oder lange schon kein Hahn mehr kräht. Das Erfolgsgefühl beim einen ist irgendwann nichts mehr wert, dem anderen Adrenalin unbekannt. Nur wer findet eher zurück zur Balance, der Gefragte oder der Gelangweilte? und natürlich ist es legitim, auf einen Job zu warten. Ich finde diese Machermentalität auch problematisch. Erschreckend ist nur, mit welcher Umtriebigkeit hier ein eigentlich unerträglicher Zustand aufrechterhalten wird. Viele haben keine Wahl, siehe Joachim Petrick oben. Der Teufelskreis, mit welcher Verve, mit welchem Selbstbewusstsein soll der Bore-Out-Betroffene also den neuen Job suchen. |
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schrieb am
17.03.2010 um 10:17
Vorsicht Falle: Der Teufelskreis ist zwar da, aber eine Wahl hat man immer. Das ist nämlich genau das Problem, dass man meint, keine Wahl zu haben, weil man nicht zulassen kann - sich selbst. Das kann man aber. Es ist nicht leicht, wenn man einmal so weit ist, aber es geht.
Darum schrieb ich, dass es die Gedanken sind, nicht wirklich die Umstände. Man muss sich klar werden, über die eigenen Motive, die wirklichen Werte, das eigene Wollen - nicht das durch die Gesellschaft aufoktruierte. Der Gesellschaft und ihren Regeln ist man als Einzelindividuum nämlich gleichgültig - nur sich selbst gegenüber sollte man es nicht sein und denen, die man liebt oder denen man gegenüber verantwortlich ist - Kinder z.B.. Der Gelangweilte kann sich sozial engagieren, sich um seine Kinder oder seine Frau kümmern, Sport treiben, um leisten zu können. Es gibt X Möglichkeiten. Selbstbewusstsein kann ganz leicht wieder entstehen - in sozialen Bindungen z.B. oder in der Beziehung. Es kommt auf das Wollen an - ob man sich wirklich bemüht, die wirklich wertvollen Dinge erkennt oder ob man weiter vor sich davon läuft, auf der Suche nach dem vermeintlich glücklich machenden Weg. |
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ich habe eine Juristen-Freundin, der geht es bestens mit ihrer mittleren Beamtenlaufbahn, die temporäre Ödnis scheint mit Status, Geld und Zeit kompensiert. Das gelingt nicht jedem, unterschätzt wird, wieviel Energie fürs Private so ein Job ohne Arbeit zieht.
Zum Ehrenamt. Eine Bekannte, die als Mutter lange die Rückkehr in den Job nicht schaffte, wollte ihr Werbeknowhow im Ehrenamt einsetzen. Für einen Profi kann deprimierend sein, zu sehen, wie handgestrickt gemütlich da naturgemäß gearbeitet wird. Ein "erfüllendes" Ehrenamt zu finden, ist eben auch nicht ganz so einfach ... aber letztendlich natürlich richtig, mit dem Kopf im Sand sieht man nichts. |
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schrieb am
17.03.2010 um 10:54
Das kann ich alles nachvollziehen und auch mir ging das so ähnlich, mal aus der einen, mal aus der anderen Perspektive. Ich kann mich aber nur wiederholen: Es ist ein folgenschwerer Irrtum, zu glauben, Leistung und Anerkennung allein würden einen Menschen zufriedener machen. Ich schrieb zwar, dass man was tun könne und auch sollte - aber das allein wird niemals reichen. Gerade das Beispiel des Ehrenamtes zeigt, wie sehr die Betroffene trotzdem den alten Geistern gehorcht. Im Zuge des Ehrenamtes sollte sie eigentlich merken, dass TROTZ dieser Arbeitsweise Anerkennung da ist, man eben nicht um jeden Preis leisten muss. Anerkennung erfährt man nämlich auch und hoffentlich auf der Basis seiner Persönlichkeit, des Menschseins selber. Das sollte Ziel sein - denn dann, und nur dann, kann man anderen Menschen auch als Mensch gegenübertreten und ein entsprechendes Miteinander leben. Ohne die nötige Gelassenheit wird man in keinem Job der Welt glücklich, weil immer irgend etwas nicht passt. Man wird frustriert sein, dauernd auf der Suche und das, was einem eigentlich viel mehr wert sein sollte - die eigene Persönlichkeit und die Menschen, die diese wirklich wollen, verlieren oder sie zumindest auf Abstand zwingen.
Ich bin als Profi übrigens auch ehrenamtlich tätig, habe das aber vorerst auf Eis gelegt, weil ich mir selbt doch näher bin. Auch andere Tätigkeiten verfolge ich erst einmal nicht weiter, weil sie durch die eindeutig falschen Motive entstanden sind. Man kann und sollte sich von diesen Erwartungen lösen - es sind nur böse kleine Gespenster, die einem immer wieder etwas einreden wollen. |
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@Hexogen
dieses "vor sich selbst davonlaufen" und nicht wissen, was einem wirklich etwas Wert ist und dieses dann auch "verfolgen", so dass sich natürlicher Erfolg einstellt, weil man endlich das tut, was einem entspricht, was mach auch wirklich tun möchte, das ist meiner Meinung nach der Knackpunkt. An dem ich auch bei mir selber schwer zu beißen habe. @ Katharina wenn du nichts gegen Sinnsprüche hast: Konfuzius soll gesagt haben(sinngemäß): Wenn du die Aufgabe findest, die dir wirklich Freude und Erfüllung bereitet, wirst du nie wieder auch nur einen einzigen Tag in deinem Leben arbeiten! |
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@hexogen
@Lee Berthine ja. man sollte lernen, unverbohrte Möglichkeiten der Selbstdefintion zu erkennen, auch jenseits von Arbeit und Leistung. Aber soll ich Konfuzius so für mich übersetzen? Ich arbeite sehr gerne und so richtig weiß ich nicht, wie das ohne Anerkennung gehen soll. Schon mein Vater konnte nicht einfach nur im Gartenstuhl sitzen, nur weil Wochenende ist. Dabei ist beste Balance bekanntlich eine Mischung zwischen "körperlicher und geistiger" Tätigkeit. Also nicht nur joggen, auf der LangzeitAgenda stehen Handwerk und Garten ;0) |
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@ Katharina,
wenn wir Konfuzius mal beiseite lassen und erst mal ohne den Faktor "Anerkennung von außen" und "Leistung" an eine Tätigkeit oder Aufgabe rangehen, könnte man doch sagen, dass der Lohn und spürbare Erfolg in dem Vergnügen besteht, das uns die Tätigkeit hier und jetzt gerade bringt. Bei deinem Beispiel Garten wäre das das Buddeln in der Erde, der Geruch und die Optik der Pflanzen, die Freude, sie wachsen und sich entwickeln zu sehen, oder was auch immer sich da einstellt. Es gibt ja Leute, die schon im Kochen oder Fegen eine wertvolle, fast schon spirituelle Handlung sehen können. Ich denke hierbei an den Mönch Thitch Nath Than, der zum Beispiel das Gehen als meditative Tätigkeit entdeckt hat. Aber ich glaube, das geht etwas an deiner Intention und Fragestellung vorbei. LG Lee |
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@Hexogen
Danke für deine Erfahrungsberichte aus Agenturen, ich kann sie bestätigen. Die Fluktuation im Personal ist dort sehr hoch und die jungen Leute werden gezielt verbraucht. Was ich besonders bemerkenswert finde ist der Wettbewerb um: wer arbeitet am längsten? Da geht es noch nicht einmal um Qualität, sondern darum dem Arbeitgeber und den Kollegen zu beweisen, dass man bis tief in die Nacht im Einsatz ist. Das ist pervers. Die meisten Agenturen die ich kenne erlauben zudem keine Betriebsräte. |
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@ Lee Berthine
"Aber ich glaube, das geht etwas an deiner Intention und Fragestellung vorbei." nein überhaupt nicht. Ich kenne jemanden, der absolute Befriedigung beim Bügeln verspürt ... ich sage nur, es ist schwierig, aus einer Bore/Burnout-Arbeitssituation heraus zu abstrahieren und nach Feierabend die Freude im Garten /in der Küche zu finden. Also Schnitt. Bis 17 Uhr war sein (Arbeits-)Leben nahezu sinnlos, Hauptsache bezahlt. Jetzt ab in die Beete. Hexogen hat ja Recht, man kann sein Glück nicht zwanghaft vom herrschenden Leistungs- und Anerkennungsgedanken abhängig machen, nur Boreout-Betroffene haben ja eine "Arbeit", oft besteht nur ihre ganze Betriebsamkeit darin, Beschäftigtsein zu simulieren. Und das kann krank machen. |
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Meine Einstellung zu krankmachenden Umständen, Arbeitsbedingungen oder Beziehungen ist ziemlich radikal:
bitte beenden, damit aufhören, weggehen, was Besseres suchen und finden. Nachdem ich selber aufgrund für mich schädlicher Verhältnisse krankgeworden bin, hat sich die Wertigkeit eindeutig für mich dahingehend verschoben: körperliche und seelische Gesundheit gehen vor, die kann mir niemand ersetzen, erstatten oder wie auch immer vergüten!!! Bin ich einmal krank, dauerts lange genug, zu regenerieren, das gebe ich mir kein drittes Mal - wenns geht. |
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und beschreibst so die Reihenfolge. Erst als Du krank geworden bist, hat sich die Deine Einstellung gezwungenermaßen geändert. Die meisten werden aber nicht ernsthaft krank, quasi nur ein "bisschen", haben aber oft keine Wahl, Stichwort: finanzielles Fiasko. Es wird also solange gehadert, bis die Krankheit entscheidet, dass es doch anders geht. Und. Es ist ja nicht so, dass Familie/Freunde radikale Entscheidungen im Sinne der Gesundheit sofort unterstützen. Sznenario: Familie, zwei Kinder, ein Haus, ein Auto, Haupternährer: der Boreout-Manager, Alter 46.
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@ Katharina
"Es ist ja nicht so, dass Familie/Freunde radikale Entscheidungen im Sinne der Gesundheit sofort unterstützen. Sznenario: Familie, zwei Kinder, ein Haus, ein Auto, Haupternährer: der Boreout-Manager, Alter 46." stimmt, ich weiß das. Die sogenannten Sachzwänge. Dennoch, es gehört nicht allzuviel Fantasie dazu, sich den o.g. gestressten Manager nach seinem ersten Schlaganfall seitengelähmt oder nach seinem dritten Herzinfarkt mausetot vorzustellen. Passiert ja öfter. Dann muss seine Familie auch ohne ihn auskommen. Ob ihr das lieber ist? Das mag ich nicht entscheiden. Du hast recht, erst als ich anfing darunter zu leiden, habe ich angefangen, was zu ändern, der oft zitierte Leidensdruck zwang mich. So stehen wohl Leistungsdruck gegen Leidensdruck und wenn sich beides die Waage hält, kann man eventuell ein Gleichgewicht finden und/oder wird zum Workaholic. Aber ich finde, die Entscheidung muss der einzelne selber fällen und auch verantworten. Es wäre unklug, das anderen zu überlassen. Ist aber bequemer. |
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schrieb am
17.03.2010 um 15:05
@Katharina Schmitz: Der Reihenfolge möchte ich widersprechen. Man kann nicht sagen, wann die Krankheit wirklich ernsthaft ist. Wie will man das festmachen? Ist es ernst, wenn Erschöpfungszustände immer wieder kehren, ist es ernst, wenn das soziale Umfeld sich abwendet oder nicht mehr wahrgenommen wird, ist es ernst, wenn das erste mal der Magen streikt, ist es ernst, wenn die ersten Gedanken an den Tod kommen - ab wann ist es ernst?
In Wahrheit ist es doch so, dass es bereits dann ernst ist, wenn man sich auf diese Strategie des Wahnsinns einlässt und sich den perversen Mechanismen unterwirft - im Glauben, man würde das schon schaffen. Ab diesem Zeitpunkt ist es ernst, weil man ab da im Grunde gegen die eigenen Interessen handelt - und das obwohl man der Auffassung ist, man würde damit klar kommen. Das tut man aber nicht - das hält niemand auf Dauer aus. Gerade Führungskräfte oder andere Engagierte bringen es dann noch fertig, noch mehr zu lernen, noch besser zu werden, weil sie glauben, es fiele ihnen dann leichter. Irrtum - dem ist nicht so. Die pervertierten Ansprüche an sich selbst verschieben sich lediglich noch weiter und die Chance, ihnen gerecht werden zu können, sinkt umso mehr. |
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Dass eine neoliberale Propagandatrommel und abscheuliche Stresszicke wie diese Meckel, Opfer ihres eigenen Leistungs- und Konkurrenzwahns geworden ist, macht mich lustig. Dass sie auf Grundlage desselben Wahns gleich mit der Erfindung eines Krankheitssymptoms, seiner Diagnose und Therapie in Buchform aufwartet und in klingende Münze umsetzen kann, macht mich traurig. Das Bedürfnis nach Sinn und Moral scheint unersättlich in einer Welt zunehmender und angeblich alternativloser Zumutungen und Destruktionen der vielfältigsten Art.
Wer sein Selbstwertgefühl ausschließlich von der Anerkennung abhängig, die er durch seine DIENSTLEISTUNGEN für fremde Interessen erhält, ist ein armer Tropf. Wer allerdings die zunehmende Unerträglichkeit der täglichen Plackerei nicht mehr mit der eigenen Subjektivität in Einklang bringen kann und zum ersten Mal in seinen Leben die Wirklichkeit nicht mehr aus seinem untertanenmoralisch verbarrikadierten Bewusstsein ausschließen kann, wird in unserer schönen freien Welt zum Fall für die Psychiatrie. Und das ausgerechnet in einem Moment, wo auch zum ersten Mal im Leben eines solchen entseelten Marktheloten, die Gefühle der Ausweglosigkeit und Verzweiflung Wahrhaftige sind, die ausschließlich die Totalität des Kapitals und SEINE unerbittliche Ausweglosigkeit ausdrücken. Und ganz im Gegensatz zu einen dieser unsäglichen Kommentare hier, wird so ein Individuum nicht in dieser verzweifelten und scheinbaren ausweglosen Lebenssituation zum Zombie, sondern er wird auch hier zum ersten Mal und sehr schmerzhaft aus seiner moralischen Matrix gerissen, die ihn bis zu diesem Moment zum Zombie gemacht hatte. Die kapitalen und staatlichen Ansprüche und Dienstverpflichtungen der eigentümlichen Außenwelt, lassen sich nicht mehr so ohne weiteres als moralische Selbstverpflichtung im Bewusstsein eines solchen Menschen aufrechterhalten. Wenn DIESE Balance auseinanderknallt muss das wirklich kein Unglück sein. Vorausgesetzt ist allerdings das Bedürfnis die „klimatisierte Vorhalle des Todes“ (Raoul Vaneigem) aus der Welt schaffen zu WOLLEN – und das nicht auf die Art und Weise, indem man sich selber „aus der Welt schafft“. |
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schrieb am
17.03.2010 um 15:07
Warum unsägliche Kommentare? Könnten Sie das kurz erläutern? Ich schätze, hier handelt es sich um ein Missverständnis.
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schrieb am
17.03.2010 um 15:55
Fühlen Sie sich bitte nicht persönlich angemacht.
GENERELL störte mich der Eindruck bei vielen Kommentaren, dass gesellschaftliche, gewollte, (erklärbare) Zustände und ihre fatalen Auswirkungen auf viele Menschen, durch geschickte Methoden und Techniken (wären auch nur Techniken der „versteckten“ Unterwerfung) gewitzter Individuen händelbar und beeinflussbar wären. Als ob es am betroffenen Objekt und seiner damit umgehenden Chuzpe läge, ob er als WILLIGER Mitmacher in dieser immer irrwitziger und destruktiver werdenden Leistungsmaschinerie in der Psychiatrie landet oder nicht. Ein „konstruktives“ sympathisches (allerdings gesellschaftlich geächtetes) Beispiel liefert Lee Berthine in Ihren Beiträgen: überhaupt noch ein Bewusstsein dafür zu haben, dass sich auf der „Arbeitswelt“ völlig gegensätzliche Interessen begegnen und die eigene Gesundheit (psychisch wie physisch) vor allen Fremdinteresse als erstes zu gelten habe (zumindest im eigene Bewusstsein). Pflicht (die Erfüllung fremder Interessen), also das Sollen und das Eigeninteresse(Wollen) ist doch für die meisten Zeitgenossen ganz herrschaftskompatibel und erfolgreich als Synonym ins moralische „Stammhirn“ implantiert worden. Und das Gegenteil gehört zur Todsünde des guten Bürgers. |
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schrieb am
17.03.2010 um 16:11
Keine Angst - ich fühle mich nicht angemacht. Vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt, denn so weit sind wir voneinander gar nicht entfernt, denn ich schreibe durchaus aus eigener Erfahrung und bin mir der Problematik durchaus bewusst. Das "Perfide", was Sie ansprechen, sehe ich ähnlich.
"Pflicht (die Erfüllung fremder Interessen), also das Sollen und das Eigeninteresse(Wollen) ist doch für die meisten Zeitgenossen ganz herrschaftskompatibel und erfolgreich als Synonym ins moralische „Stammhirn“ implantiert worden. Und das Gegenteil gehört zur Todsünde des guten Bürgers." Genau so ist das. Und von dieser Fehlkonditionierung gegen die eigenen Interessen sollte man sich entfernen. |
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schrieb am
17.03.2010 um 20:45
Freut mich wirklich sehr, dass Sie zu diesem Sachverhalt eine ähnliche Auffasung haben.
Das ist in dieser eher "linken" Community eher die Ausnahme als die Regel. |
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@hexogen, Phineas Freek, Lee Berthine.
Ist ja alles richtig, was Sie sagen. Das Funktionierensollenselbstdranglauben ist perfide. Aber um noch einmal in diesem Dilemma zu den Begriffen "burnout/boreout" zu kommen. Bei der Überlastung habe ich - theoretisch - Möglichkeiten, die gesellschaftlich toleriert sind, kürzer treten, mehr Zeit fürs Private und so weiter. Aber Langeweile auf der Arbeit ist für viele ein Luxusproblem. Für den Jazzmusiker, der soziale Absicherung interessant findet, seit er 40 und Vater ist, für die Alleinerziehende auf HartzIV, die nach 7 Jahren lieber irgendeinen blöden Job hätte, als gar keinen, Beispiele gibt es genug. Diese Leute können das Kreuzunglücklichsein trotz Arbeit, vielleicht irgendwie irgendwann Krankmachende nicht immer nachvollziehen. Die Handbremse beim Boreout ist mutig, nicht jeder hat das Zeug zum systemkritischen Rebell - und ... alle anderen sind nicht nur manipulierte Dienstleistungstrottel, nur weil sie sich Anerkennung/Herausforderung im Job wünschen. |
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Liebe Katharina,
du schreibst: "nicht jeder hat das Zeug zum systemkritischen Rebell - und ... alle anderen sind nicht nur manipulierte Dienstleistungstrottel, nur weil sie sich Anerkennung/Herausforderung im Job wünschen." Nein, wer sich Anerkennung und Herausforderung im Job wünscht ist doch kein (manipulierter) Trottel, sondern völlig normal, das ist doch legitim. Ich wünsche mir das auch! Wenn ich aber feststelle, dass sowohl Anerkennung als auch Herausforderung fehlen und ich obendrein meine Arbeit nicht gerne tue, würde ich mir überlegen, ob es nicht Alternativen gibt. Oder aber den Kompromiss schließen und sagen, ich mach diesen Job jetzt so und so lange, bis... (ich was besseres finde, die Kinder aus dem gröbsten raus sind, das Haus abbezahlt ist, oder oder oder). Worauf ich in meinem Kommentaren eigentlich hinauswill, ist, das es eine individuelle und subjektive Entscheidung ist, die man ohnehin nicht verallgemeinern kann. Und die auch niemand einem anderen wirklich abnehmen kann. LG Lee |
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Hallo Lee,
stimmt. Es kommt auf den individuellen Fall an, was die Lösungen angeht. Aber das ist auch eine andere Diskussion, die sehr spannend ist, weil jeder aus seiner persönlichen Sicht etwas zu sagen hat und sieben Freunde und Verwandte kennt, die eine Geschichte haben. Mein Ansatz war einfach, das Ganze im "größeren Kontext" zu betrachten. Gesellschaft, Arbeit, Identität, Glück, das wird ja nie langweilig ;0) Viele Grüße Katharina |
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schrieb am
18.03.2010 um 10:45
Was soll ich sagen. Wer wie gebacken zu sein scheint für unsere schöne vertikale Arbeits- und Lebenswelt, der will halt auch ganz viel Anerkennung und „Herausforderung“. Funktioniert halt irgendwie genauso wie damals bei Papi und Mami.
Und die Schönheiten hiesiger betriebswirtschaftlicher Verwurstung an den gemeinen Marktheloten, bestehend aus der üblichen und erwünschten Arschkriecherei und beflissenen Sollerfüllung nach „Oben“, der Fallenstellerei und möglichsten Übertrumpfung gegenüber Seinesgleichen und das Drücken und Treten in die unteren Bereiche, scheinen Ihnen ja als Grundlage Ihrer „Selbstverwirklichung“ nicht sonderlich störend. Hauptsache Papi.. pardon der Chef verteilt regelmäßig ein paar Streicheleinheiten. Klar, dieser erwünschte Irrsinn hat seine unmittelbare Ursache in den staatlich organisierten und rechtlich verbindlich gemachten Zwang, sich hiesigen Verwertungsbedingungen unterwerfen zu müssen, wenn Mensch kein Eigentum hat. Und ohne die von klein auf eingeübten und „konditionierten“ Kulturtechniken und die Implementierung einer entsprechenden und geförderten Konkurrenz – und Leistungsmoral im Dienst einer sich dieser Verwertung bedienenden Herrschaft, bliebe nur noch der UNMITTELBARE Zwang – nicht nur unelegant, sondern extrem ineffektiv. Das passt auch gut in die „Diskussion“ die hier lief, wobei mir die erste Erwiderung von hump van weyden am besten gefiel. www.freitag.de/wochenthema/1008-feminismus-frauen-oecd-maenner-emanzipation PS: "Die Liebe zur gut durchgeführten Arbeit und der Wunsch nach einem Vorwärtskommen in der Arbeit sind heute unauslöschliche Zeichen von Stumpfheit und allerdümmster Unterwerfung. Deswegen bahnt sich überall dort, wo Unterwefung gefordert wird, der alte ideologische Furz seinen Weg, von dem "Arbeit macht frei" der Konzentrationslager bis zu den Reden von Henry Ford und Mao Tse-Tung." Raoul Vaneigem , Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen, 1967 |
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@Phineas Freek,
ui, der "alte ideologische" Furz, den Raoul Vaneigem (danke für den hint) zitiert, stinkt ganz schon anhaltend muffig und verdorben. Ist bestimmt auch nicht gesund... Interessieren würde mich, wie du dem menschlichen Bedürfnis nach Angenommenwerden, Anerkanntwerden und ja, sogar Gelobtwerden entronnen bist! Also: wie ist dir das gelungen? |
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schrieb am
18.03.2010 um 11:49
@Lee berthine
Was hätte wahrhaftige Anerkennung, Angenommenwerden und "Gelobtwerden"(naja)mit den üblichen "eingeübten" Techniken der Unterwerfung und Heuchelei zu tun? Wie kann man lebensnotwendige menschliche Bedürfnisse entrinnen ohne zu krepieren? Warum sollte so etwas überhaupt gelingen? Eine senkrechte Frage wäre auch, wie kann Mensch diese Bedürfnisse überhaupt mit diesen oben im Zitat benannten "Furz" überhaupt verwechseln? |
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@ Phineas Freek
danke für deine Antwort. Wie kommst du darauf, dass ich wahrhaftige Anerkennung mit manipulativem Lob oder Heuchelei verwechsle? Ich bin davon ausgegangen, als ich diese Worte (Angenommenwerden etc.) benutzte, dass damit die "echte" Variante gemeint ist, denn von der "falschen" kann sich niemand was kaufen, geschweige denn, wirklich tiefgehend davon zehren. Damit hast du teilweise auch meine Frage beantwortet, nämlich ich entnehme dem, dass auch für dich "echtes" Akzeptiert- und Gemochtwerden lebensnotwendig ist, wie du schreibst. Das beruhigt mich...! Du bist dem also nocht entronnen, sondern nährst dich seelisch und geistig von der wahrhaftigen Anerkennung? Dann lass mich bitte die Frage anders formulieren: Wie ist es dir gelungen, die "echte", für dich lebenswerte Anerkennung von außen zu finden? Wir reden jetzt nicht von "innerer Anerkennung" durch die Überzeugung, das für einen selbst richtige zu tun. Denn wenn es "da draußen" diese kostbare Anerkennung von außen gibt, gibt es auch Leute, die einem diese zuteil werden lassen, oder? Das liesse sich doch ausweiten...damit auch andere was davon haben. Darum meine Frage. |
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schrieb am
18.03.2010 um 19:18
Ja, Lee Berthine, da sagst Du was.
Du hast da wie ich finde ein so wuchtiges und wichtiges Fass aufgemacht, was von so gut wie Allen, auch von mir geschätzten aktuellen Kritikern und Analysten unseres demokratischen Kapitalismus für „unwesentlich“ erklärt wird, ein wenig lächerlich gemacht oder unter dem Teppich gekehrt wird: die Unmittelbarkeit des „Lebens“ schlechthin und der Umgang (umfasst gerade auch alles und im weitesten Sinn die „Begriffe“ Liebe und Beziehungen) mit sich selbst und den „Anderen“ in einer „verkehrten Welt“, die JEDE Art von Beziehung den Erfolgsmaßstab und ungemütlichen Vorgaben herrschender Ökonomie so zweckmäßig, effektiv flächendeckend unterwirft und erfolgreich durchseucht, dass kein Lebensbereich mehr verschont bleibt. Auch deswegen habe ich, nicht zum ersten Mal hier, Vaneigem zitiert, der in seinem wütenden „Handbuch“ zumindest eines klar macht: dass alle Kritik und mögliche Befreiung in der Gegenwart seinen Anfang DA hat, wo NICHT jede Bedrohungsabwehrende Aktivität und (und aus permanenter Bedrohungsabwehr besteht zu 90% das Leben der eigentumslosen Mehrheit) Kompromiss gegenüber den schädlichen „Ansprüchen“ der „Außenwelt“, einhergeht mit einer ideologisch affirmativen Rechtfertigung der so praktizierten Anpassung, die mehrheitlich als notwendiges und für „das große Ganze“ und für den Einzelnen als nützlicher Preis („Hauptsache Arbeit“, egal wie wenig und Gesundheitsschädlich sie auch sein mag) verherrlicht wird. In dieser totalitären Matrix ist es schon erfreulich überhaupt noch Menschen anzutreffen, denen DASS stinkt, weil es ihr Leben mehrheitlich und objektiv zur Sau macht und eigene Maßstäbe als die aus dem Werbefernsehen oder aus dem unseligen Talk à la Maischberger entwickeln – noch VOR jedem Wissen über das warum. Und nicht wie die Mehrheit der immer mehr sozialfaschistisch verhetzten Meute (diese Hetze kommt bei den Adressaten auch noch gut an, dass ist das Allerschlimmste), die schon dann zufriedengestellt ist, wenn jemand auf der sozialen und herrschenden Werteskala noch weiter unten steht als sie selber – die Westerwellsche ideelle Lohnersatzleistung sozusagen, aber ich schweife ab. Und wahrhaftig „gute“ und aufrichtige Menschen zu finden, die etwas Besseres wollen als die hiesige verordnete Lebenssimulation, ist fürwahr ein schwieriges Unterfangen (im Netz wohl sowieso). Vielleicht bieten nur noch so extreme „Brüche“ im Leben die Möglichkeit, zuallererst den moralischen Knast im eigenen Kopf zu überwinden, um überhaupt eine Voraussetzung zu schaffen um Klarheit im eigenen Leben zu schaffen. Das erfordert schon einigen Mut, weil es die gesamte bisherige Lebensstatik (so subjektiv und verkehrt sie auch sein mag, Statik ist Statik) zum Krachen bringen kann (muss), wenn man sich darauf einlässt. Um ausnahmsweise mal persönlich zu werden: Die eigene Erfahrung als ideologiekritischer Mensch, der sich selbst als immun der Selbsttäuschung gegenüber dünkte (das passierte immer nur bei den Anderen) und sich eingestehen musste, dass diese aktiv selbstgebastelte Lüge, Grundlage der eigenen (verkehrten) Jahrzehntelangen Lebensstatik war – ist ein äußerst schmerzlicher, harter aber notwendiger Einschnitt. Und es bedurfte extremer Anlässe „von Außen“ meiner subjektiven Wirklichkeit einen Tritt verpassen zu können. |
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@ phineas freek
durch deine Antwort verstehe ich viel besser, wie deine Argumentation begründet ist. Wie so oft, (so auch bei dir, wie du schreibst) muss erst ein schwerer Einschnitt oder ein äußerer ode rinnerer Bruch den Weg auf die eigene innere Spur zurückfinden lassen. Danke für dein Vertrauen, und weiter alles Gute auf deinem Weg. |
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schrieb am
22.03.2010 um 19:22
Ich will nicht das letzte Wort haben, aber mir ist eine Sache sehr wichtig, damit nicht der Eindruck entsteht, meine hier aufgeschriebene Kritik, sei das Resultat meiner im letzten Absatz angedeuteten „persönlichen Erfahrung“ und meiner individuellen Verarbeitung damit.
Der eigentliche Hammer war da nicht die schon vorher erarbeiteten vielfältigen Erkenntnisse über die politische Gewalt in die man hineingeboren wurde, sondern wie Diese ihre Spuren, vermittels Erziehung und der üblichen „Sozialisation“, in einem hinterlässt. Und zwar auf eine so perfide Weise, die einem zum aktiven und sich selbst schädigenden Subjekt auch im „familiären Beziehungsgeflecht“ machte. Diese allgemein und bei Anderen erkannte und diagnostizierte Verlaufsform der unbedingten Verteidigung individueller Lebensstatik und scheinbarer „Balance“, deren bevorzugtes Mittel die Ausblendung und Ignoranz sind – an sich selbst überhaupt erkennen und letztendlich über Bord werfen zu können (und mit ihnen die Menschen, die nicht „gut“ für einem sind), geht bei uns „Zivilisationskrüppeln“ vielleicht nur über die oben beschriebenen „extremen Anlässe von Außen“ und auch nur dann, wenn man WILL. So habe ich auch keine "innere Spur zurückgefunden", sonder bin aus einer, wie auch immer zu wertenden, ausgetreten. Das war meine ganz persönliche "innere Emanzipation". Danke auch für Deine guten Wünsche. |
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Boreout kann auch Burnout gebären, man kann von dem einen ins andere kippen.
Wer in dem, was er machen muss, nicht richtig ausgelastet ist - oder die Arbeit als unbefriedigend empfindet - tendiert viel leichter dazu, sich noch Hobbys oder Ehrenämter zu suchen, die eher seinen Interessen entsprechen. Du skizzierst das als Lösungsmöglichkeit, ich sehe es aber auch als Gefahr. Sobald man versucht zu kompensieren, neigt man dazu zu viel zu machen oder die unselige, verpflichtende Arbeit liegen zu lassen. |
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16.02.2012
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