Kathrin Zinkant

Blog von Kathrin Zinkant

04.10.2011 | 18:06

Nobelpreise: Der Tod, das Komitee und die Überreste einer Idee

Man ist inzwischen fast schon dankbar. wenn der Herbst in Stockholm von Unregelmäßigkeiten heimgesucht wird, auch wenn sich gewiss alle gewünscht hätten, dass der Kanadier Ralph Steinman noch erlebt, wie er die höchste aller wissenschaftlichen Auszeichnungen bekommt. Aber der Tod des Immunologen drei Tage vor der Bekanntgabe seiner Würdigung hat auch ein bisschen Zündstoff ins routinierte, um nicht zu sagen: gesetzt langweilige Preisverleihungsprozedere des Nobelpreiskomitees gebracht. Stundenlang hat man gestern darüber beraten, ob Steinman den Preis posthum zuerkannt werden darf, in einem nur scheinbar emanzipierten Akt hat man sich gegen Alfred Nobels Prämisse durchgesetzt, dass der hochdotierte Preis nur an lebende Forscher vergeben werden kann.

Tatsächlich ist das gar nicht der erste und einzige Regelverstoß. Im Grunde werden die meisten Nobelpreise, auch der für den Frieden, schon lange nicht mehr im Sinne des schwedischen Stifters vergeben. Die Statuten sehen zum Beispiel vor, dass die gewürdigten Leistungen nicht viel länger als ein Jahr zurückliegen dürfen, und es findet sich in den Naturwissenschaften kaum ein Fall, der diesem Anspruch gerecht würde.

Zum Teil ergibt sich das aus dem vielzitierten und realen Umstand, dass die Tragweite wissenschaftlicher Erkenntnisse meist nicht so schnell erkennbar ist. Was aber kaum erklärt, warum viele Entdecker samt ihrer Errungenschaften auf den großen Preis warten müssen, bis sich aus Altersgründen aus der Forschung zurückgezogen haben. 50 scheint jedenfalls eine Altersgrenze zu sein, die nur in seltenen Fällen unterschritten wird. Von den diesjährigen Medizinnobelpreisträgern etwa ist Steinman 68-jährig verstorben, Jules Hoffmann gerade 70 geworden und Bruce Beutler feiert als Nesthaken im Dezember seinen 54. Geburtstag.

Auch die Erkenntnisse dieser Forscher hätten sicher viel früher gewürdigt werden können. Zwar zitiert die FAZ heute einen Artikel des Scientific American von 1993, in dem es um das Abwehrsystem des Körpers geht und die von Steinman schon 1973 entdeckten dendritischen Zellen nicht mit einem Wort Erwähnung finden. Aber unter Forschern wurde damals längst offensichtlich, dass es sich bei diesen vor allem in der Haut sitzenden Zellen um einen bedeutenden Mitspieler im Netzwerk des Immunsystems handelt. An den Universitäten jedenfalls wurde diese Erkenntnis Mitte der Neunziger längst gelehrt, es stand damals auch schon in den einschlägigen Lehrbüchern. Völlig unverständlich also, warum es noch zwanzig Jahre brauchte, um dafür einen Preis auszuloben, den der eigentliche Entdecker jetzt nur noch posthum erhält.

Wobei der Tod ja auch manchen Forscher so tragisch früh trifft, dass selbst eine vergleichsweise zeitnahe Würdigung zu spät kommen kann. Wie für Rosalind Franklin, die maßgeblich an der Entdeckung des Erbgutmoleküls DNA beteiligt war, aber bereits mit 38, also vier Jahre vor der Verleihung des Medizinnobelpreises an James Watson und Francis Crick, verstorben war. Immer wieder ist seither beklagt worden, dass die Leistung vieler Wissenschaftler durch das Verbot der posthumen Vergabe und die späteen Entscheidungen keine Anerkennung gefunden hat, und man kann die Sinnhaftigkeit der Nobelpreise - auch wenn viele großer Forscher zu recht geehrt wurden - schon deshalb infrage stellen. Aber es gibt ja auch noch den Friedensnobelpreis.

Während man sich in den Naturwissenschaften zumindest an manche Regeln klammert, ist Nobels  Idee des Friedenspreises ("Frieden ist Abrüstung") inzwischen so oft konterkariert worden, dass der Norweger Frederik S. Heffermehl mit seiner fundierten Kritik ein ganzes Buch füllen konnte. Es muss nicht einmal so offensichtlich sein wie in den Fällen Kissinger, Arafat oder Obama - Staatsmännern, die sich aktiv befehlsgebend an Kriegshandlungen beteiligten. Selbst die Verleihung des Preises an den Weltklimarat, das Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC, hat sich nach Skandalen um fehlerhafte Berichte und heftige Interessenkonflikte in den vergangenen Jahren als zweifelhaft erwiesen. Heffermehl geht davon aus, dass heute wie schon in Zeiten des kalten Krieges nur noch einer von drei Friedensnobelpreisen noch im Sinne von Alfred Nobel verliehen wird - ganz offensichtlich in der Verblendung, durch die Preise auch eine Richtung des künftigen politischen Handelns zu beeinflussen.

Entsprechen ließe sich nun der Vorschlag eines norwegischen Politikers aufgreifen, der im Februar dafür plädiert hatte, den Friedensnobelpreis an Wikileaks und dessen Gründer Julian Assange zu vergeben. Ich würde zustimmen, aber sagen: zur Hälfte. Die andere bekommen natürlich Daniel Domscheidt-Berg und sein noch immer im Geburtskanal steckende Openleaks. Das Preisgeld von 10 Millionen [schwedischen Kronen, umgerechnet gut eine Million Euro - danke, ed2murrow] kann Assange vielleicht noch gut für seine anhängigen Verfahren gebrauchen, und eine etwas friedliche Einstellung zwischen den beiden großen Whistleblower-Plattformen könnte doch im Sinne der sogenannten Netzdemokratie (was immer damit gemeint ist) eine zumindest von der Ambition her gut gemeinte Sache sein.

 

(Foto auf der Startseite: Jonathan Nackstrand / AFP / Getty Images)

 
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Kommentare
Achtermann schrieb am 04.10.2011 um 19:35
@ Kathrin Zinkant

Entsprechend ließe sich nun der Vorschlag eines norwegischen Politikers aufgreifen, der im Februar dafür plädiert hatte, den Friedensnobelpreis an Wikileaks und dessen Gründer Julian Assange zu vergeben. Ich würde zustimmen, aber sagen: zur Hälfte. Die andere bekommen natürlich Daniel Domscheidt-Berg und sein noch immer im Geburtskanal steckende Openleaks.

Das hätte nicht sein müssen, dass sich der Freitag von hinten wg. der Verbindung zu Domscheidt-Berg auf die Schulter klopft, weil beide Typen auf den friedlichen auf Ausgleich bedachten Umgang nicht sonderlichen Wert legen. Da hätte man auch Pofalla (CDU) als Steuermann mit ins Friedensboot setzen können.
Kathrin Zinkant schrieb am 04.10.2011 um 20:23
lieber achtermann - da haben sie aber etwas gründlich missverstanden.

herzlich: ihre frau zinkant
Ehemaliger Nutzer schrieb am 04.10.2011 um 20:47
@Kathrin Zinkant

Ich fand den Kommentar von @Achtermann recht zutreffend.
"Der norwegische Politiker" hätte Ihnen eigentlich als Vorbild dienen können, weshalb man sich aus naheliegenden (Integritäts) Belangen abwegige "Vorschläge" besser verkneift.
Kathrin Zinkant schrieb am 04.10.2011 um 21:55
das mit den naheliegenden belangen verstehe ich nicht ganz. können sie das erläutern?

davon abgesehen: ginge es beim friedensnobelpreis um die auszeichnung einer idee oder eines ziels allein, wäre ich auf der seite des besagten politikers. es geht im sinne nobels aber um tatsächlich erbrachte leistungen, um einen fundamentalen beitrag zum frieden. und da haben sie keine zweifel?

und nochmal zu achtermann: eben sehr richtig, was sie da zu den beiden typen konstatieren. deshalb ja auch teilen, den preis.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.10.2011 um 09:19
@ Kathrin Zinkant
das mit den naheliegenden belangen verstehe ich nicht ganz. können sie das erläutern?


Gern:
Ein norwegischer Politiker sollte den "naheliegenden" Eindruck vermeiden, das in Norwegen ansässige Kommitee mit seinen nicht-privaten Ansichten (Machtmissbrauch) zu beeinflussen. Mundartlich: Der hat seinen Schnabel zu halten.

Eine Journalistin sollte tunlichst den Eindruck vermeiden aus "naheliegenden" Motiven (Freitag-Mainstream) Assange und Domscheidt-Berg als Friedensapostel misszuverstehen. Mundartlich: Es klebt irgendwie an den Fingern...
Oder schreiben Sie hier etwa privat?

Weil ich Ihnen so direkt begegne, was keinesfalls persönlich gemeint ist, noch eine kritisch-hilfreiche Bemerkung:
Wissens-Journalistin steht in Ihrem Profil. Wirkt "Journalistin, Sachgebiet Wissen" nicht irgendwie angemessener?

Besten Gruß
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.10.2011 um 09:21
Bitte um Vergebung: Wissens- Redakteurin, also Redakteurin Sachgebiet Wissen.
Kathrin Zinkant schrieb am 05.10.2011 um 10:41
lieber con creatio, danke für die kritische, aber wenig hilfreiche bemerkung, was die bezeichnung meiner funktion innerhalb unserer redaktion betrifft. ich persönlich bevorzuge übrigens die bezeichnung wissenschaftsredakteurin, aber in unserem kulturteil heißt die seite "wissen".

zum ihrer ansicht naheliegenden: ich weiß nicht, was sie mit freitag-mainstream meinen, sie ergehen sich in andeutungen über eine offenbar voreilige vermutung.
aber ich kann sie beruhigen: ich verstehe weder assange noch domscheidt-berg als friedensapostel miss.

herzlich! ihre frau zinkant
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.10.2011 um 11:07
Ebenso liebe Kathrin Zinkant,
Dank! Scheinbar naheliegende Dinge stellen sich oft als ziemlich weit entfernt heraus. Immer eine Frage der Perspektive. Wieder mal etwas gelernt:
Kultur ist natürlich auch ein Wissen. Wissenschaftsredakteurin deckt die Ladung (noch)nicht, daher Ihr Profil-Spagat; verbal elastisch sind Sie ganz zweifellos, Kompliment. ;)

Hat mich gefreut.
ed2murrow schrieb am 04.10.2011 um 20:07
10 Millionen = schwedische Kronen
9,2 SEK = 1 €

LG, e2m
Kathrin Zinkant schrieb am 04.10.2011 um 20:26
danke, lieber ed2murrow, ich hab einfach die währung vergessen - es war nicht mein ziel, das preisgeld unzulässig hoch erscheinen zu lassen. ..... wobei: knapp 1,1 millionen euro (durch zwei) ist ja auch ganz hübsch.
ed2murrow schrieb am 04.10.2011 um 20:37
Hätte ich Ihnen auch nie unterstellt. 550.000 ist ein niederer Lottogewinn, nur so, wegen der Relation ;)
GeroSteiner schrieb am 04.10.2011 um 21:21
Diese Relation soll ja auch der Grund sein, warum verhältnismäßig viele Naturwissenschaftler im Lotto spielen. Man verdoppelt dadurch seine Chancen auf verhältnismäßigen Reichtum in der kargen Umgebung brotloser Wissenschaft.
ed2murrow schrieb am 04.10.2011 um 22:11
Bei Vergabe kommt mir freilich eher das andere Spiel in den Sinn: Kopf oder Zahl ... und dann die Münze werfen.
GeroSteiner schrieb am 04.10.2011 um 23:14
Wohin und wie weit?
Ullrich Läntzsch schrieb am 07.10.2011 um 17:25
Lieber Gero Steiner,

...warum verhältnismäßig viele Naturwissenschaftler im Lotto spielen.

Die hatten alle offenbar miserable Mathelehrer.

Grüße

ps: Es ist auch bezeichnend, das der Erfinder und größte Profiteur von Dynamit einen Friedenspreis stiftet. Wenn Wissenschaft und Kapital sich verbinden, dann gute Nacht...
ed2murrow schrieb am 07.10.2011 um 19:31
Lieber Ullrich Jänztsch,

dass er den Friedenspreis stiftete ist wohl eher der Bekanntschaft mit Bertha von Suttner zuzuschreiben . Das wollen wir an der Stelle nicht einfach unterschlagen. Auch heute sind drei Frauen eben mit diesem Preis ausgezeichnet worden.

Gruß, e2m
Ullrich Läntzsch schrieb am 08.10.2011 um 12:35
Lieber ed2murrow,

freut mich zu hören, wie mich die Vergabe an die drei wunderbaren Ladies, und das nach der Enttäuschung mit Obama.

Wieder ein Mal bewahrheitet sich der alte Satz, hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau.

Nur die doch schon etwas perverse Ironie mit der Herkunft des Geldes bleibt trotz alle dem.

Lösung - keine in Sicht. Es lassen sich nun einmal nicht alle Probleme lösen

Allerbeste aus einem kleinen Sonnenloch über MUC-Schwabing
ed2murrow schrieb am 08.10.2011 um 12:46
Lieber Ullrich Läntzsch,

wie wäre es einmal mit dieser Betrachtung: Im Bühnenmusical hieß ein Lied "The Money Song" (instrumental: "Sitting Pretty"), in der Filmversion wurde es durch ein x-tra komponiertes Lied "Money Money" ersetzt. Dessen Zeile "Money makes the world go around" war so erfolgreich, dass das Bühnenmusical nun seinerseits die Filmfassung des Liedes übernommen hat.

Das Stück heißt Cabaret ;)

Grüße von den saukalten Voralpen
Ullrich Läntzsch schrieb am 08.10.2011 um 13:02
Lieber ed2murrow,

ich liebe den Film, den Filmsong und gestehe meine Ignoranz allen Bühnenfassungen gegenüber.

Und aber ja, in dieser Welt, so wie sie ist, scheint das Geld der wichtigste Hebel zu sein. So sehr ich den drei Preisträgerinnen das Geld auch gönne. Ob dies Geld ihnen letztendlich helfen wird ihre Ziele zu erreichen darf angezweifelt werden. In der Hoffnung mit solchem Unkenruf nicht recht zu haben.

Allerbeste

ps: Die Sonne ist schon wieder weg und saukalt ist es hier auch und trotzdem werde ich morgen Abend wieder auf meiner Voralpenhütte sein - offline, noch kälter, aber saugut wirds mir dort gehen.
Yola schrieb am 04.10.2011 um 20:57
Vielleicht ist es gerade die Höhe des Preisgeldes, welches die schwedischen Herren bewog, den Preis nur lebenden Forschern zu verleihen.
Nicht auszudenken, wenn Erbschaftsstreitigkeiten in den Mittelpunkt der Diskussion um die Preisverleihung rücken würden...;-)
Columbus schrieb am 04.10.2011 um 22:44
Liebe Frau Zinkant,

Wenn man einmal so weit gekommen ist, mit den Überlegungen zum Nobelpreis, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu erkennen, dass es viel zu wenige dieser höchsten Auszeichnungen gibt. Auch müssten die Kategorien ein wenig überdacht werden.

Seit einigen Jahrzehnten mogeln sich, neben die klassischen Preisträger, regelmäßig Wirtschaftswissenschaftler aufs noble Podest. - Deren wissenschaftliches Vorgehen, auch wenn es die letzten Jahrzehnte mit einer Menge höherer Mathematik und Stochastik verbunden wurde, ist doch so stark vom Glauben abhängig und so wenig prognosetauglich, dass zumindest ein religiöser, Verzeihung, ein theologischer Nobelpreis, ebenso gerechtfertigt wäre.

So wie die Wirtschaftler das hin bekommen haben, ist es nun wirklich ungerecht für eine Reihe anderer, angesehener Wissenschaften mit durchaus größerer Fakten und Praxisnähe, auf diese Ehre aus Stockholm für immer verzichten zu müssen. - Archäologen, Historiker, Futurologen, Astrologen und Psychologen,..., sie alle schauen in die Röhre, obwohl sie sich doch nicht weniger angestrengt um Wissen bemühen und beständig gelesen, angerufen und gebeten werden, zu allen möglichen Themen Experte zu sein.

Selbstverständlich könnte auch ein Politiker oder Politologe einen Preis erhalten. Dann aber wenigstens für eine Leistung auf seinem Gebiet!
- Darunter könnten auch exemplarische Vertragsabschlüsse fallen, die länger als zehn Jahre halten, die was bedeuteten für die Menschheit, oder auch erwiesen demokratische Wahlergebnisse, mit 75+ -Prozenten, weil dann die verfassten Verhältnisse ins Rutschen kommen.

Machiavellisten hätten eine, wenn auch geringe, Chance, so wie die Hobbes-Fanatiker und Nachfahren (Politikberater, Kreml- und White House -Astrologen, Talker, etc.) und es gäbe keinen Ärger mehr um die schönen Friedenspreise, die wirklich nur an tatsächlich friedliche Personen überreicht werden könnten.

Na, ein Ausnahme gestattete ich: Eier- und Tomatenwürfe, etc., zählen als Jugendsünde, bis etwa zum 45. Lebensjahr. Danach jedoch, ist auch das ein Ausschlusskriterium, weil jeder Mensch bis dahin weiß, wie schwer die Flecken aus der Kleidung gehen.

Ausgezeichnet werden für die Ökonomie sehr selten Betriebswirte, Kassenschlager, Verkaufsgenies, sondern in der Regel Wirtschaftstheoretiker, ehemals Volkswirtschaftler, dazu einige Mathematiker, etc.

Wo bleiben die Architekten und Künstler? Die müssen Turnern und auf nach Kyoto, oder so einen Zungenbrecher-Preis namens Pritzker, - Das klingt doch wie ein schlecht verdaulicher Pilz, auch wenn es ein anerkannter Name ist und nicht mit Explosivstoff verbunden. -, als Ersatz annehmen. Das ist unter der Würde dieser Wissens- und Denkgebiete.

Und Biologie, neben der Chemie doch wohl ihr Lieblingsfach, bzw. vice versa, lässt sich gerade eben noch und nur zum Teil, in des alten Schwedendynamits Kategorien Physiologie und Medizin unterbringen.

Bei aller berechtigter Kritik, z.B. was die Friedenspreise angeht, die Nobelkomitees wählen im Schnitt schon sachlicher, als die seltsam ausgewählten Damen und Herren, die in Deutschland, plus deutschsprachigem Ausland, Medienpreise, Literaturpreise und Kunstpreise unter die möglichen Prätendenten und die Überraschten werfen und sich dazu furchtbar streiten.

Weil ich heute ein wenig Egostärke brauche, will ich kräftig angeben und hier verraten, dass ich bei so manchem verliehenen Nobelpreis, Jahre im voraus wusste wer ihn bekommen wird, wenn er nicht vorher das Zeitliche.... Ein paar Mal habe ich das dummerweise verraten. Seither halten mich eine Menge Leute für sehr eingebildet und fragen nicht mehr nach. Dabei eröffnet sich doch, nach der langweiligen Veröffentlichung der diesjährigen
Preise, ein weites Feld für atemloses Hin und Her- Schaukeln vor den Vorschlagsbrettern. - Ich glaube ich wäre gerne
Nobelpreisvorschlags(be)rater, wenn es dafür was Essbares gäbe

Stellte ich mit kategorial was zu Preisen vor, dann gäbe es sechs Basiskategorien: Entdecker, Forscher, Erfinder, Schöpfer, Lehrer und Heilige.
Die Kunst mit allen Sparten fände z.B. regelmäßig Aufnahme.

Verboten: Nationenwertungen, Publikumspreise, Preise fremder Organisationen, die sich an die Subkomitees der Nobel-Auszeichner anhängen, ebenso, die lebenslange Mitgliedschaft im Auswahlkommitee und im Kreis der Vorschlagsberechtigten. Auch Nobelpreisträger dürften da, wie die anderen, maximal 10 Jahre mitwirken. Veboten ist jede Vergabe an Institutionen. Einzig real existierende Menschen sind theoretisch berechtigt. Bei Cyborgs, Klonen und später einmal, Homunculi, muss erst wieder neu gedacht werden und die Ethikkommission befragt sein.

Zuletzt noch eine heikle Angelegenheit: DOMB müsste erst einmal etwas preisverdächtiges Leaken, statt Digi-Bomben zu werfen und todsichere Daten-Bunker zu bauen.

Bisher holt er nur hervor, was er bei Assange und Co. gefunden hat. Das ist aber nicht die geniale, durchaus preiswürdige Grundidee des Leakens, welches auch eine Basisspielregel kennt.

Persönliches, das Jagdfeld des Gonzo-, Paparazzo-, Boulevard- und Schimmerlos-Journalisten in jedem von uns (Ist ja nicht geschützt, oder?), ist ausdrücklich nicht das Ziel des mutwilligen Leckschlagens.

Assange bekäme also den Preis als Erfinder, Entdecker und Lehrer. Den Friedenspreis kann er nicht bekommen, ebenso keinen Forscher- oder Kunstpreis.

Zum Ende: Was machen Sie mit den alternativen Nobelpreisen?
Zum Preisgeld hat ja schon "Ed2m" reagiert. - Ich bin natürlich der Ansicht, dass ein Nobellaureat 10 Mio. € für seine Arbeit, sein Anliegen, sein Projekt bekommen sollte. Bei uns verdient ein sehr durchschnittlicher Bundesligakicker die realen Nobel-Preisgelder in ein bis maximal drei Jahren, und eine Runde professionelles Golf oder im Kreis herum Autofahren bringt meist mehr.

LG und gute Restwoche
Christoph Leusch
Calvani schrieb am 04.10.2011 um 23:37
"Zuletzt noch eine heikle Angelegenheit: DOMB müsste erst einmal etwas preisverdächtiges Leaken, statt Digi-Bomben zu werfen und todsichere Daten-Bunker zu bauen. Bisher holt er nur hervor, was er bei Assange und Co. gefunden hat."

Allerdings!

"Das Preisgeld von 10 Millionen [schwedischen Kronen, umgerechnet gut eine Million Euro - danke, ed2murrow] kann Assange vielleicht noch gut für seine anhängigen Verfahren gebrauchen, und eine etwas friedliche Einstellung zwischen den beiden großen Whistleblower-Plattformen könnte doch im Sinne der sogenannten Netzdemokratie (was immer damit gemeint ist) eine zumindest von der Ambition her gut gemeinte Sache sein."

Die beiden (sic!) großen Whistleblower-Plattformen?
Also, ich kann nur noch resigniert mein Lockenköpfchen schütteln und hoffen, dass sich das Engagement für und die Beziehungen zu Openleaks für den Freitag ordentlich auszahlen. An Glaubwürdigkeit verliert er ja eine ganze Menge - jedenfalls bei mir. Aber was soll's, bisschen Schwund ist immer, wenn man mit dem "Vorschlaghammer" arbeitet, nicht wahr?
GeroSteiner schrieb am 05.10.2011 um 10:25
@Calvani
"(...) wenn man mit dem "Vorschlaghammer" arbeitet, nicht wahr?"

Welchen Vorschlag hammer denn sonst noch?
Kathrin Zinkant
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