kay.kloetzer

robinson

11.02.2010 | 02:56

Asymmetrisch oder Zerzauste Bauern unterm Bananenbaum. Remix

Ich schreibe immer am Abend, nur einen Sonntag lang, als ich zu schreiben begann, saßich auch tags hier am Tisch mit dem verhängten Spiegel, jetzt sind es die Abende, die mich versammeln,und abends duften die Blüten der beiden Bananbäume besonders süß. Es fehlte noch viel, dass die Winterrregen begonnen hätten und man mit der Landbestellung wieder hätte den Anfang machen können.
Nichts aber ist so schwer,wie am Küchentisch an einem Fleck zu stehen und Kartoffeln zu schälen. Die Wohnung ist überfüllt mit an ihren Getränken nippenden Menschen, Asymmetrie, Hysterie, und Satin, also alles, was gute Partykleider ausmacht. Der Mensch verweigert sich der Störung durch den Störenfried. Ein solcher Störenfried bin ich zeitlebens gewesen,und sich werde immer der Störenfried sein und bleiben, als welcher ich immer von meinen Verwandten bezeichnet worden bin. Damals war der Lokführer stündlich auf die Entdeckung des Dinosaurus gefasst. Er hat immer gesehen, was er tut.
Die Nacht verbrachte ich schlaflos in einer widerlichen Ausnüchterungszelle des Kreisgerichts. Sie brauchten mir nicht zu sagen, was ich denke, das weiß ich selber.  Plötzlich sah das Zimmer nicht mehr gemütlich aus. Die Bilder von Edelweiß, Kühen und zerzaustem Bauer hatten etwas Bedrohliches, die Nacht draußen schien nahe und unheimlich. War das meine Zukunft? Es musste etwas geschehen.
Da gab es Menschen, die laut und begeistert von sich selbst sprachen wie Eleanor. Die Hauptregel hieß offensichtlich: Das Wort ergreifen und solang wie möglich behalten. Wenn die Ärsche wüssten, wir haben auch unseren Kummer - und denn haben wir manches Mal zusammen geheult.
Ich habe ja Jahre gebraucht, überhaupt zu kapieren, dass ich hier lebe. Es war, als die Tage verstrichen wie Erinnerungen ihrer selbst, unter gleichen blauen Himmeln, unter gleichen zitronenlichgefüllten Baumkronen,als ob, nach einem halbherzigen Frühling, der Sommer nun ein Versprechen einlöste. Gitarren klagten. Wir fuhren mit dem Wagen zu mir nach Hause, eine Bande von zehn Leuten, um meinen Reisesack zu holen.
Man nahm nach der Ankunft im Hotel einen Imbiss. Man zog sich in die Zimmer zurück, um sich frisch zu machen und für eine kleine Wanderung vorzubereiten. Ich zündete mir eine Zigarette an, spürte die Gier, mich zu betrinken. Dass ich durchschaute, wie es geht, das kann ich wohl sagen.
 
Danksagung: Ich danke Eva Strittmatter, Thomas Mann, Anton Tschechow, Helene Hegemann, Thomas Bernhard, Angela Krauss, Wolfgang Hilbig, Daniel Kehlmann, Stan Nadolny, Ronald M. Schernikau, Uwe Tellkamp, Jack Kerouac, Robert Menasse, Helmut Krausser, Christa Wolf und der Brauerei Krostitz bei Leipzig für die Inspiration.

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.02.2010 um 08:54
:)
Magda schrieb am 11.02.2010 um 10:27
kk -
Das ist doch wunderbar. Steht nur die Frage, wieviel eigene geniale Auswahl steckt da drin und hat Dich Helene inspiriert zu diesem Tun, hat sie kreativen Anteil an dieser Arbeit.

Lauter interessante Sachen kommen da auf.

Gruß

(Kann sein dass ein ähnlicher Kommentar noch erscheint- ich habe immer Probleme mit dem Abschicken)
kay.kloetzer schrieb am 11.02.2010 um 13:34
liebe magda,
inspiriert natürlich von frau hegemann, weshalb ich, als kleine verbeugung sozusagen, einen satz von ihr mit aufgenommen habe.
die auswahl entspricht eher dem prinzip zufall: ein griff ins rechte regal, ein griff ins linke ... energetisch gelenkt natürlich vom schlingern der seele auf schwerer, schwerster see.
herzlich
kk
digitus schrieb am 12.02.2010 um 15:31
Ganz tolle Collage ... genau die richtige Mischung aus Existenzialismus und Pragmatismus :-)
kay.kloetzer schrieb am 12.02.2010 um 19:19
als wär's von mir, nicht wahr?
müslikind schrieb am 22.02.2010 um 18:11
Gefällt mir!!!
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