Ich habe es getan. Erneut. Alle guten Vorsätze dahin, der Verstand hinterdrein. Ich habe „Wetten, dass …?“ gesehen. Schon wieder. Und hätte doch wissen müssen, dass Gottschalk wieder nicht weiß, wo er ist. Und warum. Immerhin hat er Michelle Hunziker erkannt. Und es kommt noch schlimmer: Er beginnt mir zu fehlen, der Gottschalk. Ihm scheint es genauso zu gehen. Also er sich, nicht ich ihm.
Die Nostalgie-Quote war hoch dieses vorvorletzte Mal. Und schoss in kaum messbare Bereiche, als Gottschalk gemeinsam mit dem anderen Unterhaltungs-Dino und Show-Dauergast, Peter „Tabaluga“ Maffay, eine kleine Ewigkeit in einem Fotoalbum blätterte: Tommy und Peterle vor der Talk-Couch, Tommy und Peterle auf der Talk-Couch, Tommy und Peterle hinter der Talk-Couch … Und wieso wird Maffay eigentlich nicht synchronisiert?
Alles weit über dem Verfallsdatum.
Aber was sonst?
Wer sonst?
Gut 150 Samstagabend-Sendeminuten wollen erstmal gefüllt sein. Zumal mit Gästen, die über kein anderes Thema zu parlieren wissen, als ihr neuestes Album resp. neuestes Buch oder auch den neuesten Film. Zumal mit Wetten, die entweder banal sind oder gesundheitsgefährdend. Zumal es zu viele sind, um sehr gut unterhalten zu können: zu viele Gäste, zu viele Wetten, zu viele Minuten.
Was würde sich daran ändern, wenn der Show-Master Hans-Peter Kerkeling hieße, was der Sendung zu wünschen wäre, wenngleich ihm selbst eher nicht. Wobei schon jetzt nervt, dass er im Fernsehen für wirklich alles wirbt, was nicht bei drei … Apropos: Das ist es! Kerkeling ist ja auch Gisela ist ja auch Hannilein ist ja auch Herr Schwäbli und Frau von Dampen und Horst Schlämmer sowieso. So kann er quasi mit sich selbst auf der Couch sitzen, gegen sich selbst wetten, sich selbst assistieren. Wunderbar!
Und sollte doch Jörg Pilawa den Gottschalk beerben – auch gut. Dann komme ich endlich von „Wetten, dass …?“ los.
(dieses blog ist zuerst erschienen unter www.lvz-online.de)