kay.kloetzer

robinson

08.11.2011 | 23:15

doku-hope

Gut, Christoph Maria Herbst hat für seine "Stromberg"-Figur immer mal den Deutschen Comedypreis bekommen. Aber nein, das ist keine Comedy. Das ist genial. Seit heute läuft die fünfte Staffel auf Pro 7. Zu, in Quotendimensionen gemessen, nachtschlafender Stunde. Kurz nach 22 Uhr.

Stromberg steigt auf, klettert von der Schadensregulierung in die Chefetage seiner Versicherungsfirma. Klettert? Er ätzt sich durch die Decke. Mit bodenlosem Zynismus nach oben. Ein bisschen Moslem-Bashing, eine Handvoll Sexismus und dazu ein gerüttelt Maß Denunziation - fertig ist der neue Posten. Was Ralf Husmann da ins Drehbuch schreibt, ist keine humoristische Zuspitzung der Realität, vielmehr scheint es das Abbild hinter Humor in Deckung gehenden Agreements zu sein.

An der Grenze zur Tragedy sieht es Herbst selbst. Und das, hier rasiert sich die Katze den Schwanz, ist dann eben doch Comedy. Wie sie sein sollte: komische Worte zwar, doch auf der Tonspur der Melancholie. Warum das kein Quotenhit ist?

 

 
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Kommentare
GeroSteiner schrieb am 08.11.2011 um 23:45
Warum das kein Quotenhit ist?
Zu nah an der Realität von Mitarbeitern solcher Chefs. Damit zu schmerzhaft. Und Stromberg selbst ist einfach keine Integrationsfigur sondern schlicht und ergreifend ein abschreckendes Beispiel.
kay.kloetzer schrieb am 08.11.2011 um 23:49
genau. wunderbar. da ist keine lüge, keine beschönigung - weder horizontal noch vertikal.
aber abschreckendes beispiel? wen? wovon?
kay.kloetzer schrieb am 08.11.2011 um 23:53
ich meine, ich sehe das gern, weil es so wahr ist (vermutlich), weil ich nicht eingelullt werde zu guter letzt à la: und wenn sie nicht in der kantine sind, bereuen sie noch heute.
GeroSteiner schrieb am 08.11.2011 um 23:55
Stell Dir einfach mal detailliert vor, dass wäre Dein Chef und Du hättest gerade einen Deiner Meinung nach bahnbrechenden Artikel geschrieben und ihm vorgestellt.
GeroSteiner schrieb am 08.11.2011 um 23:56
PS. Ich finde die Serie auch prima - das muss aber gar nichts heißen...
kay.kloetzer schrieb am 08.11.2011 um 23:57
das übersteigt meine vorstellungskraft.
GeroSteiner schrieb am 09.11.2011 um 00:22
Tja. Das Leben ist manchmal schon wie Kino. Da muss man sich nichts vorstellen und versteht trotzdem nichts. Das ist, Wie wenn man den Saal erst zehn Minuten nach Beginn der Vorstellung betritt und niemand einem verrät, worum es geht. Man muss die Handlung ganz allein rausfinden. Und plötzlich sitzt Stromberg neben einem und erklärt: "Die besten Jahre kommen doch nach 45! War mit Deutschland ja genauso. Geht's um Frauenthemen? Kuchen, Kerle, Tampons und so weiter? Als Chef ist Sensibilität sehr wichtig. Gerade mit anders geschlechtlichen Mitarbeitern. Zum Beispiel Frauen."
Außerdem bekommt man nicht die Gelegenheit nach der Vorstellung auf seinem Platz zu bleiben und sich die nächste Vorstellung anzusehen, um rauszufinden, was jetzt Sache ist.
Stattdessen sagt Stromberg zum dunkelhäutigen Nachbarn: "Der Türke kann Kaffee, Döner, Bauchtanz. Mehr nicht. Das ist kein Vorurteil, sondern historisch erwiesen. Die alten Griechen, die haben historisch was geleistet, aber der Türke, da wird es eng."
goedzak schrieb am 09.11.2011 um 08:21
Ein bisschen was hat der Türke schon geleistet. Er hat eine Reihe von Kirchen vom Christentum befreit. Okay, die Bolschewisten konnten das mengenmäßig lässig toppen.
GeroSteiner schrieb am 09.11.2011 um 11:38
Stromberg über Moslems: "Bei einem von euch muss man sich daran gewöhnen, dass er irgendwann mit dem Flugzeug ins Büro kommt."
Joachim Petrick schrieb am 09.11.2011 um 01:36
@kay.kloetzer

".....vielmehr scheint es das Abbild hinter Humor in Deckung gehenden Agreements zu sein."

Puuuhh!, was für ein analytischer Zugriff!

Danke für den TV TIpp
kay.kloetzer
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