kay.kloetzer

robinson

25.10.2011 | 03:12

Max möchte mir dir befreundet sein

Gegen Markus Lanz kann man dies oder das sagen. Ein Streber sei er, Schwiegersohn-Typ, zu gelackt, zu devot, zu oft auf dem Bildschirm. Denn Markus Lanz kann alles: Er kann kochen lassen und erzählen lassen. Und sogar Klavier spielen. In der vergangenen Woche erst hat er Fernsehkoch Nelson Müller begleitet. Vom Vertreter – für Barbara Eligmann bei Explosiv, für Kerner bei Kerner, für Horst Lichter und dessen Biographie – hat er sich zum Gesicht des ZDF hochgelächelt. Am Nordpol war er auch schon.

 Jetzt aber überrascht Lanz: als Fotograf. „Darf ich ein Foto von Ihnen machen?“ fragt er seine Gäste nach der Talkshow. Und dann tut er es – mit einer Leica M, „Mutter aller Kompaktkameras“. Es sind  beeindruckende Nahaufnahmen von Karl Lagerfeld oder Larry Hagman, von Bud Spencer oder Helmut Berger. Ob er Frauen grundsätzlich nicht fotografiert oder sie die Aufnahmen nicht zur Veröffentlichung freigegeben haben, bleibt unbeantwortet. Die Männer-Bilder jedenfalls sind nun erstmals zu sehen im Magazin Max.

Max ist eigentlich seit 2008 Geschichte, zumindest in der gedruckten Version, eingestellt wegen eines gewinngefährdenden Mangels an Käufern, also Freunden, wenn man so will. Nun ist eine „einmalige Ausgabe 2011“ erschienen, die, ein Lifestyle-Heft war Max ja schon immer, im Internet geboren wurde. „Wir machen Max“ heißt die Facebook-Seite, auf der das Projekt seinen Anfang und in vier Monaten Gestalt annahm, entwickelt von „der größten Redaktion Deutschlands“, womit die bei Drucklegung 1682 „Freunde“ gemeint sind. Heute sind es 1801.

Am 28. Juli postet „Wir machen Max“: „Frage zwischendurch: Welche/r Deutsche hat Eures Wissens nach die meisten Facebook-Freunde? Ein paar tausend müssten es schon sein. Vielen Dank schon mal für die Hinweise!“. Einer der Kommentare: Was ist daran interessant?“

War am 24. August ein Redakteur zu müde, sein Interview selbst abzutippen?„Kennt jemand in Hamburg eine gute und günstige Möglichkeit ein Interview von Cassette abhören und abtippen zu lassen? Ca. 70 Minuten Dauer, muss keine perfekte Textwiedergabe sein. Vielen Dank für Tipps!“

29. August: „Einige von Euch haben uns vorgeschlagen, das Thema Freundschaft auch im internationalen Vergleich zu beleuchten. Gute Idee! Wer schickt seinen Facebook-Freunden im fernen Ausland folgende Fragen (und uns möglichst bald die Antworten…)?
1) Was macht wahre Freundschaft aus?
2) Wie viele Freunde kann man haben?
3) Wo sind die Grenzen einer Freundschaft?
4) Wann ist eine Freundschaft vorbei?“

In den zehn Kommentaren findet sich ein Zitat Albert Einsteins und der Hinweis: „In Südamerika gibt’s zum Beispiel den ,dia del amigo’, eine Art Valentinstag für Freunde …“ Oder: „Ich persönlich finde es viel interessanter, wie man Freundschaft in den verschiedenen Landesteilen Deutschlands versteht – da hab ich in München, Hamburg und Sachsen schon die größten Unterschiede erlebt.“ Ob das hilfreich war?

„Freundschaft“ also – da „Gefällt mir“ kein griffiges Thema ist. Da passt Markus Lanz gerade noch so, in der Promi-Klatsch-Rubrik, die hier „Menschen“ heißt, wird’s schon schwieriger. Und ob die Kuh der beste Freund des Menschen ist? Ansonsten: Interviews (der neue CEO von Puma), Essay (Untergangsszenarien), Reportagen (die Berliner U-8) und Bilder, Bilder, Bilder. Wobei Frauen lieber abgelichtet als befragt werden. (Da ist ja: die Playboy-Anzeige.) Ein Blick geht nach Amerika, wo „evangelikale Christen versuchen, Homo- und Bisexuelle mit Gesprächen und Gebeten zu heilen“.  Von Gag-Schreiber Micky Beisenherz („Dschungelcamp“) ist weniger zu erfahren als erhofft. In eigenartiger Typographie sind Facebook- und Twitter-Einträge zum Arabischen Frühling in eine Fotostrecke montiert. Und dann doch: ein Freundschaft-„Dossier“.

Alles nicht richtig schlimm und nicht richtig schön. Nichts, worüber heute alle reden, geschweige denn morgen. Die größte Überraschung bleiben die Schwarz-Weiß-Fotografien von Markus Lanz. Er hat es mal wieder geschafft.

(Dieses Blog ist zuerst erschienen unter www.lvz-online.de)

 

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 25.10.2011 um 03:48
Ich dachte schon, Max will mit mir persönlich befreundet sein und ich harter Knochen habe es nicht bemerkt-
Zum Glück habe ich mich geirrt.

Freundschaft braucht vermutlich ein geiwsses Maß des Gefühls der gegenseitigen Einmaligkeit des Zusammenseins, d- h- Freundschaft braucht ihre eigene achtsam entschleunigende Zeit mit- und füreinander?
aleata schrieb am 25.10.2011 um 13:59
Ich bin weder bei Facebook, noch möchte ich mit Herrn Lanz befreundet sein. Übrigens, er lässt nicht nur redaktionell für sich voraus denken und für sich kochen, sondern auch fotografieren. Die Arbeit macht die Kamera.
Joachim Petrick schrieb am 25.10.2011 um 16:03
Danke für die erhellend klarstellende Ernüchterung
kay.kloetzer schrieb am 25.10.2011 um 23:02
gegenseitigkeit, lieber Joachim Petrick, ist das stichwort. die wird bei dieser MAX, anders als die entstehungs geschichte vermuten lässt, kaum sicht- oder spürbar.
was die "achtsam entschleunigte Zeit mit- und füreinander" betrifft - ja, das ist es wohl. was fehlt und fehlen muss, wenn geld verdient wird und verdient werden muss. vielen zeitschriften und zeitungen geht es so, weil sie online-poker nach print-regeln spielen. oder print-poker nach online-regeln. jedenfalls nachteile mit nachteilen verbinden statt vorteile mit vorteilen.
goedzak schrieb am 25.10.2011 um 16:31
Wer ist Markus Lanz?
GeroSteiner schrieb am 25.10.2011 um 22:43
Der Vater des Lanz Bulldog.

kay.kloetzer schrieb am 25.10.2011 um 22:46
ein sehr schönes modell! obzwar ich mehr auf bagger abfahre. und mein freund lanz wesentlich filigraner erscheint. und wo genau ist da der aschenbecher?
h.yuren schrieb am 25.10.2011 um 21:01
„Frage zwischendurch: Welche/r Deutsche hat Eures Wissens nach die meisten Facebook-Freunde?"

...Eures Wissens nach...

das müsste eigentlich richtig wehtun, wie noch so manch andere blüte von max und co.
kay.kloetzer schrieb am 25.10.2011 um 22:55
also ich finde eine reanimation ja eigentlich eine witzige idee - wenn der blick von heute dominiert, selbstironie spürbar wird. ich wünsche mir dringend eine "einmalige ausgabe 2011" der "sibylle".
GeroSteiner schrieb am 25.10.2011 um 22:44
Schöner Artikel.
Morgen fahre ich mit meinem Lanz-Bulldog in die nächste Buchhandlung und kaufe mir so ein face-book. Gibt's das auch schon als Paperback?
kay.kloetzer schrieb am 25.10.2011 um 22:52
gero, facebook ist abgefischt. das netz wird morgen eingeholt. bücher werden wieder von mönchen ins lateinische übertragen. der name der rosa ist nicht luxemburg. paper is back in knapp 1500 jahren.
aleata schrieb am 28.10.2011 um 19:33
Das Problem bei Facebook ist ja, dass man da nicht raus kann, die Maschen des Netzes sind zu dick,man verfängt sich,bei meinem austritt fragte mich das gesichtsbuch, ob ich wirklich alle, aber auch alle freunde verlieren möchte. nachdem ich einwilligte, von nun an alleine durch die welt zu internetten, packte mich das system am schlawittchen: Du kannst immer gerne zu uns zurück, musst dich nur wieder einloggen. spooky.
aleata schrieb am 28.10.2011 um 19:33
Das Problem bei Facebook ist ja, dass man da nicht raus kann, die Maschen des Netzes sind zu dick,man verfängt sich,bei meinem austritt fragte mich das gesichtsbuch, ob ich wirklich alle, aber auch alle freunde verlieren möchte. nachdem ich einwilligte, von nun an alleine durch die welt zu internetten, packte mich das system am schlawittchen: Du kannst immer gerne zu uns zurück, musst dich nur wieder einloggen. spooky.
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