kay.kloetzer

robinson

09.03.2011 | 23:07

Merkels Hortensien

Habe ich den politischen Aschermittwoch falsch verstanden? Wikipedia informiert, dabei komme es zum "derben rhetorischen Schlagabtausch" aus Anlass "lokaler oder regionaler Versammlungen der meist größeren deutschen Parteien".

Nun lese ich auf Welt-Online: "Merkel sieht ,blühende Landschaften' im Osten". Und dann: "Helmut Kohl sei dafür zwar noch verlacht worden und es gebe beim Aufbau im Osten noch immer viel zu tun. ,Aber wir haben blühende Landschaften in 20 Jahren geschaffen. Das ist die Wahrheit', sagte Merkel."

Beim politischen Aschermittwoch in Demmin (Vorpommern) soll der Bundesgärtnerin diese visuelle Trugwahrnehmung widerfahren sein. Ob sie neben der von Helmut Kohl noch andere Stimmen hört, bleibt offen. Aber Welt-Online komplettiert das Themen-Paket mit der Enthüllung: "Blumen-Joint – warum Kiffer jetzt Hortensien stehlen".
 
Das deckt sich mit meinen Beobachtungen in jüngster Zeit: die Begriffe derb, rhetorisch und Schlagabtausch mutieren nach dem copy und vor dem paste bei gleichzeitigem Hortensien-Konsum zu bewusst, irreführend und Winkelzug. Ist also der politische Aschermittwoch ein bewusst irreführender Winkelzug? Und damit ein Montag wie jeder andere Donnerstag auch?

Dann sind Hortensien der Bio-Sprit von morgen. Auch wenn man damit nur bis Mecklenburg-Vorpommern kommt.

 
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Kommentare
KalleWirsch schrieb am 10.03.2011 um 11:05
,Aber wir haben blühende Landschaften in 20 Jahren geschaffen. Das ist die Wahrheit'

Liebe Frau Merkel,

ich suche gerade ein Haus auf dem Land. Im Osten dieses Landes in 100 Km rund um Berlin. Dabei stosse ich auf eine Vielzahl sanierungsbedürftiger Häuser zu Preisen ab 5000€. Inklusive Land wohl gemerkt. Ich stieß auf ein Dorf, in dem fast zwei Drittel zum Verkauf stand. Haufenweise werden Häuser zwangsversteigert. Aber auch Häuser die ganz gut in Schuß sind bekommen sie schon für 34000 €. Sie müssen nur nah genug an der polnischen Grenze liegen, dann sind sie so gut wie nichts mehr wert. Auch ehemalige Kitas und HO Läden werden zu Schleuderpreisen angeboten. Sind Sie schon mal durch ein Dorf gefahren, in dem die Hälfte der Häuser verrottet und in sich zusammenfällt. Und wie erklären Sie sich die Entvölkerung ganzer Landstriche, wenn doch alles so schön blüht.

Ich, als ehemaliger Westdeutscher, bedaure die viel zu frühe Wiedervereinigung. Ich glaube, wenn der Osten selbstbestimmt einen neuen demokratischen Staat aufgebaut hätte, dann wäre dies für eine spätere Wiedervereinigung nur fruchtbar gewesen. dann hätten zwei Staaten auf Augenhöhe fusionieren können, dann hätte es Verhandlungen gegeben, wie man mkiteinander leben will, wie eine Verfassung aussehen soll. Ein wirklicher Neubeginn Deutschlands. Ich wage die Vermutung, dass wir dann heute keine so großen Probleme bei der Kinderbetreuung hätten und in Emazipationsfragen weiter wären. Ich frage mich immer wieder wie gerade Sie vergessen konnten, dass der Osten Deutschlands nicht nur aus der SED Diktatur bestand, sondern auch aus Menschen, die auch etwas geschaffen haben.
Alien59 schrieb am 11.03.2011 um 07:46
Für den Kommentar kann ich nur die Höchstzahl an Sternchen geben und mich inhaltlich voll anschließen.
Es tröstet mich wenig, dass ich recht behalten habe - ich war nämlich gegen die Wiedervereinigung, jedenfalls in der Form. Das hat mir damals nicht wenig böse Blicke eingebracht, aber ....
kay.kloetzer schrieb am 11.03.2011 um 21:11
danke kalle wirsch, das ist einfach großartig. danke.
goedzak schrieb am 11.03.2011 um 21:34
Ein bisschen 'schöner Traum', oder so, ja? - Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die 'Vereinigung', oder wie das sonst je nach gusto genannt wird, so dumm gelaufen ist, weil die Vereiniger zu dumm für die oben angedeutete Variante gewesen wären. Nee, Unvermögen war das nicht!! Und das mit den blühenden Landschaften stimmt ganz gewiss, man muss nur die richtige Perspektive einnehmen bzw. es ein wenig metaphorischer auffassen... :)>

Ihr glaubt doch einem FDP-Bonzen auch nicht, dass er es ernst meint, wenn er behauptet, seine Umverteilungvonuntennachoben-Politik läge im Interesse der Prekarischen, oder?
kay.kloetzer schrieb am 11.03.2011 um 21:49
ick gloob ja sowieso mal janüscht mehr.
und manches kann ich darüber hinaus einfach nicht fassen.

was mag die merkelin wohl sehen, wenn sie in stralsund wahlkampf macht? den hafen von piräus?
archinaut schrieb am 11.03.2011 um 01:28
Liebe kay.kloetzer,

der erste Kommentar hat die Latte hoch gelegt,
da begegne ich lieber dem Lächeln zwischen Deinen Zeilen
mit einem lässigen:
"... und am Hortensienmittwoch ist alles vorbei!"
Magda schrieb am 11.03.2011 um 21:28
"Merkel sieht ,blühende Landschaften' im Osten".

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehn, sagte einst Helmut Schmidt.
Andererseits - es gibt schon paar Ecken, wo es ganz gut aussieht.

@ Kalle Wirsch - habe ich auch gelesen und gehört, dass es so viele Häuser gibt. die zum Verkauf stehen.

"Ich glaube, wenn der Osten selbstbestimmt einen neuen demokratischen Staat aufgebaut hätte, dann wäre dies für eine spätere Wiedervereinigung nur fruchtbar gewesen. dann hätten zwei Staaten auf Augenhöhe fusionieren können, dann hätte es Verhandlungen gegeben, wie man mkiteinander leben will, wie eine Verfassung aussehen soll. Ein wirklicher Neubeginn Deutschlands."

Das ist eine Vision rückwärts, von der ich auch nicht weiß, wie sie ausgegangen wäre. Aber am Wichtigsten wäre das "auf Augenhöhe" gewesen.
kay.kloetzer schrieb am 11.03.2011 um 21:42
"Das ist eine Vision rückwärts, von der ich auch nicht weiß, wie sie ausgegangen wäre."
gibt es diesen roman eigentlich schon? das wäre doch mal ein herlicher stoff - zum streiten. diskussionen nachzuholen, die überm shoppen vergessen wurden.
Magda schrieb am 11.03.2011 um 22:21
"das wäre doch mal ein herrlicher stoff - zum streiten. diskussionen nachzuholen, die überm shoppen vergessen wurden."

Das stimmt. Es könnte dann aber auch drüber nachgedacht werden, welche "Eliten" sich wieder hierzulande an alle Positionen geschraubt hätten. Das ist nämlich die andere Seite der Medaille. Ich erinnere mich noch an diese Zeiten, wo manche Nachwendegenossen anfingen, das Fell zu verteilen. Und ich erinnere auch, dass eine gewisse Verbitterung aus dieser Erfahrung resultiert. Wobei - später haben sie es dann gemeinsam mit den Wessis gemacht. Es war die Zeit der "Rhett Butlers"

Es gab natürlich kurz vor der Wiedervereinigung warnende Stimmen, aber gerade die gehörten immer Leuten ,die was zu verlieren hatten. Von daher war das alles eine ganz schwierige Gemengelage.

Die Erfahrungen von 20 Jahren machen retroweise :-))
kay.kloetzer schrieb am 11.03.2011 um 22:29
retroweise ist ein schönes wort.

es gab ja auch im westen einige, womöglich sogar viele, die sich vom umbruch hier einiges für die bunderepublik erhofft hatten. vielleicht wären die hergekommen statt derer, die jetzt ... nun, ich will mich nicht aufregen. hab sowieso in letzter zeit erhöhten ruhepuls.
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