Kristian Köhntopp schreibt in seinem Blog:
(...) Computer sind Kopiermaschinen. Das Netz macht aus allen Computern auf der Welt eine einzige Kopiermaschine. (...) Hier ist die Wahl. Sie ist die einzige Wahl. Sie ist digital, wie das
Medium, das die Wahl erzwingt:1. Kopieren hinnehmen.
2. jede Kommunikation von Jedermann mit jedem anderen immer auf ihre Legalität hin untersuchen und filtern.Wenn Fall 2 nicht stattfindet, bildet sich sofort ein Overlay-Netzwerk und Fall 1 tritt ein. Jede der beiden Entscheidungen verändert unsere Lebensart. (…)
Ja, ich habe auch keine Lösung. Ich kann nur garantieren, daß dies
die Wahl ist, und daß sie unausweichlich ist. Und meine Präferenz ist
auch klar. Sie hängt damit zusammen wie ich lebe.
Machen wir uns nichts vor, über das Internet werden Aufnahmen von missbrauchten Kindern bezogen. Wie viele Aufnahmen es gibt und ob die Menge jährlich ab- oder zunimmt, werden nur die wenigen Experten und die Täter wissen. Die wenigen Informationen, die in der Öffentlichkeit bekannt sind, sind widersprüchlich und werden - unnötigerweise - in der Diskussion über die Internetsperren gegeneinander ausgespielt. Warum?
Kindesmissbrauch ist zu verhindern. Dies muss bei den möglichen Tätern ansetzen. Sind die Bilder im Internet angekommen, ist es zu spät, hier kann keine Tat mehr rückgängig gemacht werden. Werden durch die Bilder auch neue Täter geschaffen? Vielleicht. Aber die Bilder von missbrauchten Kindern liegen nicht "einfach so" im Netz herum, sie werden - bezahlt oder nicht - im geheimen und durch Netzsperren unkontrollierbar getauscht.
Aber noch können Geldflüsse verfolgt werden. Wer für Bilder, auf denen Kinder missbraucht werden zahlt, kann ermittelt werden. Server können infiltriert und später beschlagnahmt werden. Gegen aktiven Missbrauch hilft nur eine aufgeklärte Öffentlichkeit, die keine falschen Tabus kennt. Hier helfen keine Debatten, hier hilft es aufmerksam zu sein und wissen, wie Kinder, die missbraucht werden, sich verhalten. Ist es unangenehm seinen Nachbarn beim Jungendamt zu melden? Ja. Aber wo findet Missbrauch zumeist statt: In der Familie und ohne Zeugen – nicht im Internet.
Das Ablehnen von Sperren ist mit der Sorge begründet, das die Sperren unkontrolliert genutzt werden. Mehr nicht.
Das Internet kann nicht zwischen guter und schlechter Information unterscheiden. Entweder Information können fließen, oder sie können es nicht, weil Hardware beschlagnahmt oder Daten vernichtet wurden. Wird dies getan, sollte es dafür gute rechtsstaatliche Gründe geben, die öffenlich sofort gemacht werden.
Wir leben in einer Zeit, in der das Internet für die Jugend und für die nachfolgenden Generationen Presse, Telefon, Bibliothek und Treffpunkt in einem ist. Dies ist sicherlich noch nicht perfekt, die Probleme und die positiven Folgen die daraus für die gesamte Gesellschaft entstehen, sind vielfältig.
Aber die Schaffung einer vollständigen Internetkontrollstruktur würde die Entwicklung auf lange Zeit stärker hemmen als Pressezensur und Demonstrationsverbot. Übertrieben? Leider nein. Man hat aber nur diese Entscheidung – guckt man sich um, sieht man wie schnell neue Forderungen an die Filter angetragen werden – Spiele in den das Töten im Vordergrund steht, Pornografie, Urheberrechtsverletzungen, verletzende Meinungsäußerungen, das Verbot von Wikileaks. Die Liste der berechtigten und unberechtigten Forderungen ist lang. Man muss sie verstehen und fragen – kann man diese Dinge verhindern, ohne das Internet und jede Kommunikation darin komplett zu überwachen?
Die Antwort ist: Leider nein. Machen wir uns nichts vor.
Censorship is founded on the premise that if you can hide it, then it also ceases to be a threat, even if it does not go away. Many actions taken by politicians are aimed at showing the public that visible problems are taken care of, to imply that invisible problems are also taken care of. – Erik Naggum
Die letzte Frage ist: Informationsanarchie – Ja oder Nein? Ein jein des status quo scheint es auf Grund der agressiven Entwicklung, die eher das Gegenteil fördert, in diesem Bereich gar nicht mehr zu geben. Dies ist besonders schade.
Freeze: Freitag, 26. Juni, 20:40h
Notizen: Je nach Überlegungen und Zeit meinerseits kann es noch Änderungen im Text geben. Ich kann mich auch irren. Wenn unter dem Artikel der Eintrag „Freeze: Datum + Uhrzeit“ auftaucht, ist er abgeschlossen und wird bis auf leichte Fehler (Links, Rechtschreibung) nicht mehr verändert. Ich freue mich über Kommentare.
Updates: Der Text wurde eingentlich für Zeit-Online geschrieben, ich weiß noch nicht wie das System (Edits, etc.) hier funktioniert. Daher sind vermutliche viele Fehler im Text. Ich habe das Zitat von Kristian Köhntopp verlängert, damit es nicht so aus dem Kontext gerissen wird. Am besten man klickt sich dort mal vorbei, sein Blog ist recht lesenswert.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen