kenua

Nichts neues unter der Sonne

16.02.2012 | 19:10

Geschichte: Das Konzept der Achsenzeit von 800 v.Chr bis 200 v.Chr

Zwischen 800 und 200 v. Chr. entstanden die wesentlichen Grundlagen der Zivilisation. Dieser Zeitraum wird Achsenzeit genannt, Max Weber (1864 - 1920) und Karl Jaspers (1883 - 1969) entwickelten dieses Konzept. Bammé zitiert hauptsächlich aus Jaspers "Ursprung und Ziel der Geschichte" Piper 1949, und aus verschiedenen Werken Webers.

3.1.1 Achsenzeit                                                   S.75 - 79

In dieser Zeit zeigte sich in drei Gebieten eine ähnliche Entwicklung: in China, in Indien und in Nordafrika mit Vorderen Orient, namentlich bei den Griechen und Juden. Dieser Bereich wird von Bammé Abendland genannt, obwohl die Aufspaltung in Orient und Okzident weit später erfolgt. Dort wurden damals die Grundlagen der westlichen Kultur gelegt. 

Entwicklung

Die Bevölkerungsdichte war so weit angestiegen, daß viele Städte durch gute Verkehrswege verbunden waren. Austausch von Techniken und Information, Entfaltung von Handel und Gewerbe bereiteten auch materiellen Überfluss. Es gab keine politische Großorganisation, in China waren die Herrscher der Tschou-Dynastie schwach, in Hellas und im Vorderen Orient wie in Indien teilten sich viele Städte und Stämme die Macht.   

Das Perserreich war zwar die erste Weltmacht über drei Kontinente: Europa, Asien und Afrika, doch wurde den unterworfenen Völkern große Freiheiten zugestanden: sie mußten milden Tribut zahlen und Truppenkontigente stellen, durften aber ihre eigene Religion und Kultur pflegen und sogar eigene Herrscher stellen. (Persisches Feuer von Tom Holland, sehr spannend geschrieben).

 Große Teile Griechenlands widerstanden dem persischen Eroberungsdrang, bekannt sind Leonidas und seine 300 Getreuen.  

Der amerikanische Trickfilm dazu :300  war so übel nach aktuellem Feindbild verfälscht, denn die Perser hatten eine großartige Kultur, die Herrscher waren gebildet, klug und auch ausdrücklich versierte Kämpfer. Sie hatten einen kultivierten Hang zu Luxus und Genuss, ich finde diese Kombination sehr gut, aber besonders den Spartanern lieferte das Material zu Propaganda. Paradies kommt aus dem Persischen und bedeutet umzäunter Garten, darin bauten sie Kräuter aus allen Ländern an, für den Maitre de cuisine.

Diese kleinen Mächte bekriegten sich gegenseitig, die Größeren wuchsen auf Kosten der Kleinen, es wurden auch große Teile von Einwohnerschaften als Sklaven verschleppt. Die gesteigerten Möglichkeiten der Menschen bewirkten Verschlimmerung der Kriegsübel.

Doch auch in Friedenszeiten herrschte Vereinzelung und unübersichtliche gesellschaftliche Verhältnisse. Die tradierte Solidarität stiess an ihre Grenzen.

Konsequenz

In allen drei Gebieten traten wandernde Einzelgänger auf, die bis dahin unerhörte Dinge kund taten. In China waren es Lao-tse und Konfuzius, in Indien Buddha, in Griechenland Plato und andere Philosophen, in Persien Zarathustra und in Israel die biblischen Propheten. Jaspers sieht als gemeinsames Charakteristikum: "der Mensch wurde sich des Seins im Ganzen, seiner selbst und seiner Grenzen bewußt. ... Menschen wagten es, sich als einzelne auf sich selbst zu stellen." Der Mensch beginnt, sich selbst zu reflektieren, stellt Fragen in bisher nicht bekannter Radikalität. "Er entdeckte in sich den Ursprung, aus dem er über sich selbst und die Welt sich erhebt." Er sehnt sich nach Befreiung und Erlösung, die er in der Welt schon erreichen kann - sei es im Aufschwung zur Idee, oder in der Gelassenheit der Ataraxie, oder in der Versenkung der Meditation, oder im Wissen seiner selbst und der Welt als Atman, oder in der Erfahrung des Nirwana, oder in Einklang mit dem Tao, oder in der Hingabe an den Willen Gottes.

So sehr sie sich auch in Glauben, Inhalten und innerer Verfassung unterscheiden, gehören die vorher genannten doch zusammen. Diese Sicht vermeidet den "Fetischismus großer Persönlichkeiten" der Historiker und erklärt deren zeitlich relativ gemeinsame Auftreten aus sozialen Vorgängen.

(s. 1.3   Soziologie und Geschichte über die verschiedene Methodik der beiden Disziplinen.)

In zum Teil heftigen Auseinandersetzungen wurde Wandel herbeigeführt.

Jaspers sieht Kampf in dreifacher Weise: Kampf des Logos, der Rationalität gegen den Mythos, der Transzendenz des Einen Gottes gegen die Dämonen, den Kampf gegen die unwahren Göttergestalten aus ethischer Empörung. Philosophen und Propheten waren beide unmythisch, sie benutzten bewußte Reflexion.

Jaspers: "In soziologischer Diktion entstand ein gemeinsames moralisches Bewußtsein, in welcher religiöser, philosophischer oder weltanschaulicher Form auch immer als die je eigene Bewußtseinsleistung einzelner Persönlichkeiten an die Stelle der unhinterfragten Selbstverständlichkeit naturwüchsiger Sozialverhältnisse trat."

Nach Toynbee trat der Ackerbau als Vergottungsobjekt hinter den neuen organisatorischen Errungenschaften zurück. "Die Verehrung der Götter, die mit dem Wachstumskreislauf der Vegetation starben und auferstanden, wurde nun weniger wichtig als die Anbetung anderer Götter, die als die Symbole der eigenen kollektiven Macht der Menschen Staaten, Völker und Gesellschaften der neuen Kulturstufe verkörperten."

Im Denken wurde eine scharfe Trennung  vollzogen zwischen irdischer und überirdischer Welt. Das Bewußtsein des Todes führte zur Idee der Wiederauferstehung, in direkt leiblicher oder geistig überformter Existenz. Die Brücke zwischen den beiden Welten waren Gebote der höheren moralischen oder metaphysischen Ordnung für das diesseitige Leben, deren Befolgen das jenseitige determinierte.

Der Gang der Dinge wurde als Geschichte gesehen, entweder als Verschlechterung oder Verbesserung der Verhältnisse, oder als Kreislauf.

Die neuen Lehren sollten zur Optimierung benutzt werden.

Die Predigten und Vorträge fanden Gehör, aber die höchsten Möglichkeiten des Gedankens und der Praxis wurden nicht Gemeingut. Es fehlten materielle und politische Voraussetzungen dazu, die Menschen waren überfordert. Aus Freiheit wurde Anarchie. Der Drang nach stabilen Zuständen überwog, durch gewaltsame Eroberung entstanden drei allesbeherrschende Reiche: Tsin Schi huang-ti in China, die Maurya-Dynastie in Indien, die hellenistischen Reiche und das Imperium Romanum im Abendland. Dem Verlust des Schöpfertums folgte in allen drei Kulturbereichen Fixierung und Nivellierung. Die Ideen wurden Überlieferung und Vorbild für Erziehung. Die Han-Dynastie konstituierte den Konfuzianismus, Asoka den Buddhismus , das Augusteische Zeitalter die bewußte hellenisch-römische Bildung.

 

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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.02.2012 um 20:21
Schöner historischer Exkurs, Danke
aber Historie ist immer nur die weltliche Seite der Wirklichkeit, echte Historie spielt sich im Überirdischen ab, und verwirklichlicht sich auf der Erde.
Historie behandelt das Wie, Geisteswissenschaft das Warum.
l.G. W.Zupp
kenua schrieb am 16.02.2012 um 20:45
Meinen sie Geisteswissenschaften als überirdische Instanz, oder als Teil des Bergbaus ?

Wie sollte Ihrer Meinung nach irgendeine Stelle aussehen, damit es Ihren Ansprüchen genügt ?

Es ist allerdings auch eine konzentrierte Fassung.

Ach ja, Danke: mein erster Kommentar, schon beim vierten Blog des Projekts: es wird.

Der von J.Friedrich zählt ja nicht, der ist Philosoph und wurde durch mich neugierig gemacht, er beschäftigte sich schon mit ähnlichen Themen.
kenua
vielleicht hinter dem Mond ?
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weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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claudia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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