Kixka Nebraska

Kixka am Freitag

27.03.2009 | 11:07

Soap & Skin live in Hamburg auf Kampnagel

High Expectations – sehr schnell gehe ich mit gemischten Gefühlen aus Konzerten heraus, bei denen ich zuviel erwartet habe.

Anja Plaschg ist es am 25. März auf Kampnagel allerdings gelungen, mir nicht nur meine Nackenhärchen aufzustellen und Gänsehaut von meinen Unterarmen bis zum Bauchnabel hervorzurufen. Großartig. Schüchterne Girlsm-Publikumskontaktscheu hin oder her. Das, was diese Frau macht und wie sie es macht, ist einfach umwerfend, entwaffnend überzeugend.

Die 18-jährige, die an diesem Abend ganz in Schwarz die Bühne betrat, könnte von der Optik und vom Habitus her sehr gut die Tochter von Tim Burton und Helena Bonham Carter sein. Düster, elegisch, Alma Mahler-Werfelesque ist schon das Cover ihres Albums Lovetunes for Vacuum - einen Tag nach dem Konzert auf einem erstaunlichen Rang 28 der Verkaufscharts bei Amazon. Erstaunlich, weil die Musik der Grazerin alles andere als eingängig ist.

Dunkel, melancholisch, die Stimme in einer Bandbreite von säuselnd bis kurz vorm Brüllen. Tief, sehr viel tiefer, als ich es bei einer so jungen und zarten Frau erwartet hätte. Alles zarte fällt allerdings in dem Moment von ihr ab, wenn sie sich in die Musik versenkt und mit der ihr eigenen Intensität die Tasten anschlägt, schneller und schneller wird.

Ihre Stimme in Kombination dazu, nicht zu glatt und gefällig, an einigen Stellen sehr markant und rau. Das ist kein Einschmeicheln, das ist Abstand halten: bleib draußen Welt. Ein weiterer Bruch ist ihr Sound vom Laptop, vom Fiepen, rhythmischen Beschleunigen bis zum Bienensummen und Vogelgezwitscher ist alles dabei.

Sie spielt mit Bildern der Vergangenheit, mit den Bildern im Kopf der Zuschauer. Wenn sie sich zum Abschluß vom Flügel und Laptop entfernt - hinten herum und erst im letzten Moment ans Standmikrofon vorne am Bühnenrand tritt und ihren Raum im gleißenden Lichtkegel einnimmt. Dann ist die Optik eher bei Juliette Greco, die Augen schwarze Höhlen, die Haut nur noch weiß. Eine Lichtgestalt auf schwarzer Bühne, die alterslos Brücken zwischen Jahrzehnten schlägt.
 
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Kommentare
kukidenta schrieb am 27.03.2009 um 11:38
Da erwartet mich wohl Grosses heut abend in Leipzig. Ich bin schon ganz gespannt, wie sie ihr erstes Album live umsetzt. Tagsüber ist mir ihre Musik etwas zu schwer, es sei denn es regnet wie bekloppt und meine Melancholie schreit nach ihr. Kompliment für ihre sehr schöne Konzertbeschreibung. Bitte mehr davon.
Kixka Nebraska
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18:39
oranier hat gerade einen Kommentar geschrieben.
18:38
Helena Neumann hat gerade einen Kommentar geschrieben.
18:33
keiner hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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apatit hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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ChristianBerlin hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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