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Ursprünglich wollte ich nur meinen Ärger über Frau Merkels Aussage Luft machen, sie habe keinen wissenschaftlichen Assistenten sondern einen Verteidigungsminister eingestellt.
Das Statement der Bundeskanzlerin habe ich als Verkennung der gesellschaftlichen Realität empfunden. Meiner Realität, in der zum einem, persönliche Glaubwürdigkeit als fundierendes Element einer Gemeinschaft nicht entwertet werden sollte. Die darüber hinaus das Schreiben einer Doktorarbeit auch als den Erwerb sogenannter „soft skills“, übertragbare Fähigkeiten wie konzeptuelles Denken, Time-Management und originäres Arbeiten ansieht. In der zum anderen der Wissenschaft eine besondere Rolle zur Legitimation gesellschaftlichen Strukturen und politischer Planung zugesprochen wird.
Hat Frau Merkel demzufolge ihr machtpolitisches Kalkül nicht auf Kosten von Moral und Überblick betrieben? Oder war alles ganz anders?
Vielleicht wird neben ihrer besonderen Beziehung zur Wissenschaft, auch Frau Merkels DDR Sozialisation unterschätzt, die es mit sich brachte sehr genau zu unterscheiden, wie ich mich politisch präsentiere, negativen Folgen begegne und meinen Selbstwert unter keinen Umständen an eben jene Macht koppele. „Teflon“, wirbt der Hersteller „macht das Leben einfacher“ und die amerikanische Diplomatie hat die Deutsche sicher nicht umsonst mit diesem Spitznamen bedacht. Der Politikerin Merkel wird eine wissenschaftliche, analytische Herangehensweise nachgesagt. Ein unaufgeregter, pragmatischer und methodischer Stil zeichne sie aus, ihr geringes mediales Wirkungspotential wird bedauert.
Dem Verteidigungsminister a.D zu Guttenberg darf man geringe Außenwirkung gewiss nicht unterstellen. Er war präsent. Sehr präsent. Woran aber bemisst sich, seine Zuschreibung als „guter Politiker“? Hätte Guttenberg, angesichts der jetzt bekannten Umstände tatsächlich ein solides und tragfähiges Reformpapier der Bundeswehr erarbeiten können? Dagegen spricht schon jetzt die Vorgehensweise seines Nachfolgers de Maizières, die vermuten lässt, dass er kein "weitgehend bestelltes Haus" übernimmt. Sicherlich hätte Guttenberg die anstehende Bundeswehrreform medial wirksam präsentiert. ‚Summa cum laude‘-Erfahrung im Vortragen fremder Texte hat er. Nochmals, woran bemisst sich, die Zuschreibung Guttenbergs als „guter Politiker“? Falsche Frage! Was muss Guttenberg (noch) tun um nicht als guter Politiker zu gelten?
Die Bundeskanzlerin jedenfalls stand vor einem Dilemma: Entlässt Sie Guttenberg oder drängt ihn zum Rücktritt lädt sie nicht nur den Zorn der Schwesterpartei CSU auf sich, sondern auch den der Widersacher in der eigenen Partei. Ganz zu schweigen von „den Menschen da draußen“. Jenen potentiellen Wählern, die Demokratie weniger als überlegtes Engagement des Bürgers sehen, sondern ein Bedürfnis haben nach forscher Führung. Sie bekunden zwar nicht so genau zu wissen, was promovieren eigentlich sei und bagatellisieren oder zeigen mit dem Finger anklagend auf andere. Sie empören sich, dass jene ‚Lichtgestalt‘ vor der sie gerade noch in buckelnder Bewunderung verharrten, von den Kreisen, denen er sich vor allen zugehörig fühlte, zur Rechenschaft gebeten wird.
Was also bleibt in so einer Zwickmühle zu tun? Was hätte ich an ihrer Stelle getan? Wie den nächsten Schachzug gesetzt? Pokern musste sie. So oder so. Aber mit welchem Einsatz? Frau Merkel jedenfalls hat die Wissenschaft bei der Ehre gepackt und augenscheinlich zu Recht auf ihre Einschätzung des deutschen Bürgertums, sowie der wissenschaftlichen Kollegen vertraut.
Mir gefallen die auf youtube eingestellten Videos, sowie die Fotostrecke der FAZ* von Wissenschaftsministerin Schavan und Bundeskanzlerin Merkel auf der Cebit in Hannover. Aufgenommen an jenem Vormittag, an dem Guttenberg zurückgetreten ist. Was auch immer jene sms beinhaltet hat, so sehen Menschen aus die nicht unzufrieden sind.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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