2
]
so wird das nun wirklich nichts mit uns beiden. Und so langsam fällt mir auch nichts mehr ein, was ich noch dazu beitragen kann, damit es endlich klappt. Punkt Viertel vor Zehn sitze ich gesättigt von Speis und Sonntagszeitungen, aufnahmefähig und ausgeruht vor dem Fernseher. Gut, ok. ich gebe ja zu, es ist nur ein alter Röhrenbildschirm und der Ton ist auch nicht mehr so toll. Aber ich, die vornehmlich die Öffentlichen-Rechtlichen schaut bin damit zufrieden. Auch fehlt die innerfamiliäre Notwendigkeit das alte Modell auszurangieren. Der Hausgenosse, auch nur so ein Überläufer von der „Sendung mit der Maus‘ zu den Privaten und YouTube, ist natürlich schon längst auf ein Full HD-Gerät umgestiegen.
Jedenfalls sitze ich erwartungsfroh, konzentriert und gewaschen vor dem Schirm in voller Bereitschaft mich auf eine Stunde politischer oder gesellschaftsrelevanter Debatte einzulassen. Ich muss zugeben, ich bin etwas verwöhnt. Hat doch während meines Studiums in Amsterdam die Niederländerin, Annemarie Grewel, mein Bild einer qualitativ hochwertigen Moderation geformt. Schlagfertig und belesen, analytisch und plastisch fasste sie die kompliziertesten oder abstrusesten Sätze eines Debattierenden zusammen und reichte sie in einer knappen Frage an den nächsten weiter. Nie ging sie unter die Gürtellinie, nie hat sie einen Gast bloßgestellt. Aber sie ließ auch keinen Zweifel daran, dass sie die Gesprächsleiterin ist, die am Ende der Stunde jede noch so ausufernde Debatte zu einer Bündelung zusammenführt. Und sie wusste genau, sie und Ihre Gäste waren dazu da, um uns die Zuschauer zu unterhalten. Sie zu neuen Einsichten zu bewegen oder in ihrer alten Auffassungen zu bestärken. Plattitüden, Leerformeln und Worthülsen begegnete Grewel mit einem spöttischen Blick und insistierenden Höflichkeit bevor sie sie mit einem virtuosen Side-kick ins Aus schoss.
2002, Herr Jauch, waren Sie zu Gast bei ‚Zur Person: Günter Gaus im Gespräch mit Günther Jauch‘. Ich habe Sie damals als etwas angespannt, aber auch sehr konzentriert und ernsthaft wahrgenommen. Ich glaubte tatsächlich, dass diese Sendung für Sie zum Streiflicht würde, irgendwann und irgendwo. Stattdessen, Stern TV lässt grüßen, begrüßen Sie uns mit Ihren Karten in der Hand. Sie laden uns ein zu einer bunten Mischung von Einspielfilmen und Gästen, sitzen selbst aber recht unbeteiligt dabei. So langsam schwindet meine Hoffnung, dass die Sendung ‚Günther Jauch‘ sich entwickelt und Potential entfaltet. Sie haben einen exponierten Sendeplatz, im Programm und vor Ort im eigens umgestylten Gasometer, sowieso ambitionierte Fragestellungen … und verdienen eine Menge Kohle. Ihre Sendung am vergangenen Sonntag, Herr Jauch war – mit Verlaub gesagt - ein Armutszeugnis hoch drei. Die Formulierung ‚Banken an die Leine! Wie bekommen wir die Finanzmärkte in den Griff?‘ suggeriert sie nicht die Einladung zu einem spannenden Brainstorming !? Oder was hatten Sie und Ihr Team vor Augen? Auf der Website Ihrer Sendung steht, dass Sie täglich ab 9 Uhr morgens zusammensitzen um eine Sendung vorzubereiten. Ich frage mich allen Ernstes, ob Sie überhaupt eine Aufgabe und Rolle dabei einnehmen? Und wenn ja, welche ?
Wie wäre es, wenn Sie zumindest mit dem Pfund wuchern, dass Sie der eher schlaksige, pennälerhafter Typ sind? Bei ‚Wer wird Millionär‘ machen sie es doch vor. Mal boshaft, mal Augen verdrehend, mal mitteilsam, jedoch nie devot moderieren Sie jene Sendung. Weshalb bauen Sie nicht einfach die Rolle des wissbegierigen und hartnäckigen Pennälers aus? ‚Das wirklich wahre Leben‘ gibt es zwar schon bei den Öffentlich-Rechtlichen. Vielleicht sind Ollie Diettrich‘s Dittsche, Schildkröte und Imbisswirt, ja auch ein blödes Beispiel. Aber dennoch, weshalb durchbrechen Sie nicht das Talk-Einerlei der ARD? Und zwar mit einer Sendung für die, die mitreden wollen, aber in diesem Geschäft ebenso grün hinter den Ohren sind, wie ein jeder von uns? Günther Jauch als ewiger Schüler der seine Gäste dermaßen beflügelt, dass sie von ganz alleine zu rhetorischen Höhenflügen zwischen Bullshit oder Staatsaffäre treiben. Nichts für ungut!
1st published meta-ebene.de
|
|
@kmv
Einmal nur ist Günter Jauch zu seiner "Wer wird Millionär" Form aufgelaufen, als er Hilmar Kopper in die Parade fuhr: "Ach, Herr Kopper Sie verkaufen also ihren Kunden nur das, was die nachfragen. Wirklich? Meinen Sie die Kunden erfinden diese Designer Finanzprodukte? Sind die Erfinder dieser Finanzprodukte, Derivate, Zertifikate nicht die Invesmentbanker/innen selber?" oder so? Da ist Hilmar Kopper nach dem Credo beinah ausgerastet "Ich will nicht mehr, sollen die Banker doch ihren Scheiß alleine verteidigen, die hatten sowieso keine Traute sich hier der Diskussion bei Günter Jauch zu stellen. Ich will zu meiner Fru Brigitte und zwar sofort, sonst gibt es hier gleich ....!" |
|
|
Dafür muss mensch sich nicht extra waschen und gar noch die "erwartungsfroh-platte" auflegen ... soviel tinte wie aufwand ist das ganze gesülze doch niemals wert! Und wer bitte ist dieser Günter Jauch? Irgendwer besonderes, den mensch kennen muss; ein millionär vielleicht...?
|
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen