31.10.2011 | 14:46

Sabrina nervt

 

Sabrina? Ich rede von Sabrina, der Frau von Hajo in der sonntäglichen „Lindenstrasse“. Die, die wenig Verständnis dafür hat, dass Hajo seine schwer demenzkranke Mutter im Pflegeheim unterbringt. Jene, die ihren eigenen Laden hat und gleichzeitig als italienische MutterGlucke auftritt. Jedenfalls gehört sie zu dieser Art von Menschen die das, was sie tun und für richtig halten stets mit dem Argument rechtfertigen im Wohle des Anderen handeln. Und die sich fassungslos zeigen, dass sie in dieser Überzeugung so verkannt werden.

Auch am Sonntag, auch im WDR lief Westart Talk mit dem Thema ‚Dame sticht König, Frauen auf dem Vormarsch? (…)‘  www.wdr.de/tv/westart/sonntag/videos/uebersicht.jsp  Unter anderem zu Gast sind die Mikrosoft Managerin Angelika Gifford und die Journalistin Birgit Kelle, Vorsitzende des Vereins „Frau 2000plus“, der sich für eine „neue Kultur der Frauen“ einsetzt. Sie ist eine der Streiterinnen des populären Grabenkampfes, ob Frau nach der Geburt eines Kindes Monate oder Jahre zu Hause bleiben soll, darf kann oder muss oder relativ bald wieder arbeiten darf, soll, kann oder muss. Frau Gifford, die selbst nur 3 Monate Auszeit nach der Geburt ihres Sohnes nahm erzählt, dass sie kurz bevor ihr Sohn eingeschult wurde ein mehrmonatiges Sabbatical nahm. Sie habe sich realisiert, dass dies die letzte Chance war um mit der Familie eine mehrmonatigen Weltreise zu unternehmen.

Frau Kelle hackt ein und weist zu Recht auf die widersprüchliche und unterschiedliche Akzeptanz von Lebensentwürfen hier in der Runde, aber ebenso in der öffentlichen Diskussion hin. Kelle bemängelte Giffords Entscheidung werde positiv konnotiert, während es Kontroversen hervorrufe, dass sie die jeweils ersten drei Jahre mit ihren Kindern zu Hause zu blieb, nur weil es denen damit besser ginge.

In eine ähnliche Kerbe schlug Christa Müller, die in der Sendung Peter Hahne, Kinder, Krippen, trautes Heim: Was ist richtig für den Nachwuchs? als „Traditionsmutter, familienpolitische Sprecherin Die Linke im Saarland und Ehefrau von Oskar Lafontaine“ angekündigt worden war. www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1466322/Was-ist-richtig-fuer-den-Nachwuchs%253F  Christa Müller, Autorin des Buches „Dein Kind will dich. Echte Wahlfreiheit durch Erziehungsgehalt“  betont wiederholt, dass sie selbstverständlich jeden weiblich Lebensentwurf und jede persönlich Entscheidung die Frau trifft toleriert, aber …

Und genau hier bei diesem Aber treffen sich Sabrina, Christa Müller und Birgit Kelle. Das Gutmenschentum und die Toleranz entpuppen sich als bloße Lippenbekenntnisse. Sie sind sich selbst nicht genug. Statt mit Selbstbewusstsein in die Redeschlacht zu ziehen holen sie sich Hilfe von aussen und verlagern die Diskussion. ‚Das Wohl des Kindes‘ steht plötzlich im Raum und auf dem Prüfstand. Da dies allein genommen nun mal über wenig Aussagekraft verfügt, wird auf ‚Studien‘ verwiesen. Das Totschlagargument par excellence, das jede Diskussion zur Überzeugungsschlacht werden lässt.

Was, um Himmels willen, hält Christa Müller oder Birgit Kelle oder wen auch immer davon ab, aufzustehen und zu verkünden: ich bleibe zu Hause, weil es meiner Idee von Muttersein entspricht? Oder, mir gefällt es spontan die Tage mit meinem Kind zu verbringen (und ich habe mich mit meinem Mann dementsprechend arrangiert)? Wäre das nicht ebensoviel Beifall wert, wie Giffords Entscheidung für das Sabbatical und die Weltreise? Und könnte frau sich dann nicht hervorragend austauschen und streiten und dem Zuschauer ein vergnügliches ‚Vermehren der Einsichten‘ bieten?

Mangelndes Selbstbewusstsein und Selbstgerechtigkeit gehen Hand in Hand.  Gute Wegbereiter sind sie weder den Frauen, noch den Männern, und von den Kindern ganz zu schweigen. Sabrinas dieser Welt, hört auf Eure Überzeugungen als Selbstverteidigungswaffe einzusetzen und zu missbrauchen. Nicht nur Eure Geschlechtsgenossinen werden es Euch danken!!!

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Kommentare
Magda schrieb am 31.10.2011 um 15:11
Das ist lustig: Ich gehöre noch zu den treuen Lindenstraßen-Guckerinnen. Allerdings haben wir die Sendung inzwischen in "Lindenstrafe" umgetauft, weil es manchmal eine Strafe ist, zuzusehen.

Und diese Sabrina - übrigens hervorragend gespielt - gehört zu der Sorte Frauen, die einen wahnsinnig machen können. Die sind penetrant und gut und meinen es auch immer usw. Schrecklich, schrecklich.

Die Beobachtungen in der Talkshow kann ich schwer beurteilen. Aber - ist schon seltsam - wenn ich Christa Müller höre, dann sehe ich auch schon immer eine sehr penetrante Streiterin für ihr eigenes Modell vor mir.

Meiner Ansicht nach kommt diese Polarisierung davon, dass auch die Gesellschaft - die öffentliche Meinung - so gespalten ist. Eine Öffentlicheit in der vor einiger Zeit so ein schrecklicher Kleriker wie der Bischof MIxa etwas von Gebärmaschinen herauströten durfte, weil das Erziehungsgeld ihm nicht in den Kram passte und er Kinder in der Zwangskrippe vermutet, eine Gesellschaft, in der andere Frauen, die keine Kinder haben, versuchen, das zur Norm zu machen oder brachial zu verteidigen und ein Klima, in dem die Muttis, wie die am Prenzlauer Berg ihren eigenen Status auch für sakrosankt halten, da kommt sowas halt vor.

Immer entweder/oder - das ist aber nicht nur bei den Geschlechterdebatten so, das ist generell der Debattenstil.

Sabrina aber ist fürchterlich. Kann man nur unterstreichen. Gibt aber noch massenweise andere Schreckensgestalten in der Lindenstrafe: Mutter Beimer zuvörderst.
GeroSteiner schrieb am 01.11.2011 um 00:20
Druckt der Eichborn Verlag seine Rot-Buch-Pappeln aus Ahorn nicht auch in der Lindenstraße, Ecke Birkenweg bei Tanne Mechthild aus Kiefersfelden?

Ansonsten: ich kenne Sabrina nicht und schaue auch nicht die Linsenstraße. Aber gerne gelesen habe ich's.
:-)
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