Chris Kopen

Kopen Files

15.08.2011 | 23:20

Die "neue Offenheit" ist wohl nur ein Wort

Innerhalb der katholischen Kirche läuft seit einiger Zeit ein sogenannter "Dialogprozess". Angestoßen vom Freiburger Erzbischof Zollitsch sollen Katholiken aus allen Bereichen der Kirche an heiklen Fragen für die Kirche arbeiten und an einer neuen Offenheit mitwirken.

Die Missbrauchsmeldungen aus den vergangenen Jahren sind nur ein besonders wichtiges Thema unter verschiedenen - ebenso geht es um die Rolle von Frauen in der Kirche, den Umgang mit Homosexuellen und viele weitere, wesentlich weniger grelle Fragen. Der Prozess ist auf fünf Jahre ausgelegt, in denen jeweils ein eigenes Großthema beackert werden soll. An einem ersten Kongress in Mannheim nahmen bereits rund 300 Katholiken teil.

Am Wochenende waren nun Zollitsch und die von ihm beauftragte dreiköpfige Arbeitsgruppe (bestehend aus den Bischöfen Marx, Overbeck und Bode) beim Papst in dessen Sommerresidenz im italienischen Castelgandolfo. Die vier Bischöfe wollten den Papst über den Stand des Dialogprozesses unterrichten.

Bezeichnend war nach hier vertretener Auffassung, wie wenig rund um dieses Treffen von der eigentlich avisierten "neuen Offenheit" zu spüren war. Auch wenn man zu Grunde legt, dass diese Offenheit sich nicht der ganzen Gesellschaft zuwenden muss, sondern nur den von der Kirche direkt Betroffenen, ist festzuhalten: Von dem Gespräch zwischen dem Papst und den Bischöfen ist inhaltlich rein gar nichts bis zu den hunderttausenden Katholiken in Deutschland durchgedrungen. Dabei ging es um sie, um ihre Kirche, ihren Glauben.

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz Kopp begnügte sich vielmehr mit dem knappen Hinweis, der Papst ermutige den Dialogprozess generell. Außerdem heißt es, die Herren hätten drei Stunden beisammengesessen, und es habe Mittagessen gegeben.

Die Kirche versteckt sich dabei hinter dem Hinweis, vor und nach Papst-Audienzen gebe es niemals inhaltliche Beschreibungen der Gespräche.

Diese Tradition ist oft ein Totschlagargument, wenn es darum geht, an alte Machtstrukturen nicht rühren zu lassen. In diesem Fall heißt es: Bestimmtes Wissen bleibt in engen Zirkeln. Es dringt nicht nach außen, darf es nicht.

Es sind Geschichten wie diese, die die radikale Haltung von Menschen wie Norbert Denef verstehen lassen. Der Vorsitzende des "Vereins Betroffener sexualisierter Gewalt" glaubt nicht an eine offene Kirche. Er sieht in ihr die Verkörperung uralter repressiver Machtstrukturen, die lieber Schuldige decken als Fehlbarkeit einräumen. Offenheit ist einem solchen Apparat per se fremd.

Die Kirche muss versuchen, den Gegenbeweis anzutreten.

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 16.08.2011 um 03:26
@Chris Kopen

Danke für den Hineis auf den Katholischen Dialogprozess.

"Die Kirche muss versuchen, den Gegenbeweis anzutreten."

Spätestens als "geschlossener Immobilenfond", bar ihrer Mitfglieder/innen, muss de Kirche nichts mehr beweisen,die Beweise liegen entweder auf der Hand oder auf den Filetstücken in den Kerne deutscher Städte und Landen.

siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/katholische-kirche-startet-fuenfjaehrigen-dialogprozess

09.07.2011 | 03:01
Katholische Kirche startet fünfjährigen Dialogprozess
glaube katholizismus reinhard marx dialogprozess trinität zölibat frauen priesterweihe klerus synodale matussek

Die Katholische Kirche startete gestern, am 08. Juli 2011, mit dem München Freisinger Kardinal und Erzbischof Marx, in der Kühnheit dieses Gedankens erzitternd, auf einer Tagung in Trier mit 300 Mitgliedern aus 27 Diozösen in Deutschland einen über fünf Jahre währenden Dialogprozess über die Zukunft der Katholischen Kirche:
"Wir sind in einer Zeit des Umbruchs".

Warum eigentlich nicht über die Gegenwart der Katholischen Kirche?
Schachnerin schrieb am 16.08.2011 um 09:07
Die haben noch nicht gespannt, daß sie keine Zukunft haben.
tlacuache schrieb am 16.08.2011 um 09:36
"An den Strohhalm, an den Strohhalm"
LG
Chris Kopen schrieb am 17.08.2011 um 10:42
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Logbuch
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