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Viel Zeit habe ich in den letzten Tagen damit verbracht, Fotos des auf Grund gelaufenen Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia anzustarren, schamhaft angesichts dessen, was ich dabei empfinde.
Die Havarie hat elf Menschen das Leben gekostet, weitere einundzwanzig werden augenblicklich noch vermisst. Fast zweieinhalbtausend Tonnen Schweröle im Rumpf des Schiffes drohen auszulaufen und eines der letzten europäischen Walschutzgebiete zu zerstören. Die vierhundertfünfzig Millionen Euro, die da mit fünfundsechzig Grad Schlagseite im Wasser liegen, sehen ihrer Verschrottung entgegen.
Trotzdem sprüht das Bild des gekenterten Riesenkreuzers in meinen Augen vor Poesie, ist eine Metapher unserer Zeit, ein Icon unserer Hybris, ein Mahnmal.
Es gibt keine andere Erklärung für die Toten, als die, dass sich Besatzung und Kapitän wegen der zertifizierten Unsinkbarkeit ihrer schwimmenden Kleinstadt in trügerischer Sicherheit ganz schläfrig gewogen hatten.
Es gibt keine Rechtfertigung für eine so dichte Passage der felsigen Küste, abgesehen vom kindischen Leichtsinn eines übermutigen Kapitäns, der einen Freund auf der nahegelegenen Insel mit den Hörnern „seines“ Schiffes grüßen – also beeindrucken – wollte.
Es gibt keinen Grund für Kreuzfahrtschiffe außer unserer zivilisierten Langeweile und der Lust am gefahrlosen, luxuriösen Pseudoabenteuer.
Inzwischen versuchen wir nicht mehr, die Elemente zu beherrschen, weil wir müssen sondern sie zu überwinden, weil wir können. Diese maßlose Selbstüberschätzung ist am Beispiel Costa Concordia gestolpert, gestrauchelt und gestürzt, wie ein fetter, dummer Besoffener, der Siegeshymnen grölend im eigenen Erbrochenen liegenbleibt
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Schöne Worte, danke. Und: Genau - dann wieder an nichts.
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Herr Katzer,
Sie bringen es auf den Punkt. Leider haben Sie das präsendiale Bobby-Car vergessen, was mich sehr schmerzt, kann man/frau nur so gedankenlos sein? Oh nein,man/frau hat nur die Schn.... voll.... Unser Thema sollte sein : Weg mit Francesco Schettino und Cristiano Wulff-Berlusconi !!! |
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Alles kein Problem, die "Bürger" werden auch dieses Wrack schultern...
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Also ne.
Das Schiff kann doch höchstens Zeichen der Hybris des Kapitäns sein, Zeichen seiner Unfähigkeit die Folgen seines Handelns einzuschätzen. Vielleicht ist das Schiff auch einfach nur ein Symbol dafür, wie weit Männer bereit sind zu gehen, wenn sie sich damit die Anerkennung einer Frau erhoffen. Ehrlich gesagt habe ich auch ein Problem damit einfach mal die Beschäftigung anderer Menschen mit so einem Satz abzuqualifizieren: Es gibt keinen Grund für Kreuzfahrtschiffe außer unserer zivilisierten Langeweile und der Lust am gefahrlosen, luxuriösen Pseudoabenteuer. Es gibt auch keinen Grund für iPhones, Esspressomaschinen, Laptops, Freitagcommunitys, Kletterhallen, Batik-T-shirts. Keinen Grund Sport zu treiben, es sich auf dem Sofa mit einem Buch gemütlich zu machen (Keine Laptop) oder irgendeiner anderen Tätigkeit nachzugehen, denen wir nachgehen können, weil wir nicht den ganzen Tag damit beschäftigt sind, um überleben zu kämpfen. Was bringt mir die ganze Zivilisation, wenn ich ihre Früchte nicht nutzen kann, darf oder soll? Ob Menschen ein Abenteuer suchen, wenn sie ein Kreuzfahrtschiff besuchen betreten bezweifle ich ja eher. Ich kann Kritik verstehen, die darauf abzielt, dass es Menschen gibt, die nicht die Möglichkeiten haben, wie wir (u.a. auch wegen uns) aber einfach beurteilen zu wollen, wer was dürfen darf, das mag ich nicht. |
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Achso, aber der Wulff, der hat sich bestimmt gefreut, gestern durften im Dradio tatsächlich Mensche von ihren Erfahrungen bei Kreuzfahrten berichten. Das fand ich dann auch ziemlich behämmert. Um im Schatten des Schiffs, hat Wulff bei irgendeiner Rede Integrität gespielt.
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Wie?
"Ob Menschen ein Abenteuer suchen, wenn sie ein Kreuzfahrtschiff besuchen betreten bezweifle ich ja eher." Bei Onkel Pö spielt 'ne Rentnerband seit 20 Jahren Dixieland; 'n Groupie hab'n die auch die heisst Rosa oder so und die tanzt auf'm Tisch wie'n Go-Go-Go-Girl. Ein Omen? |
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schrieb am
21.01.2012 um 15:07
@merdeister
" "Es gibt keinen Grund für Kreuzfahrtschiffe außer unserer zivilisierten Langeweile und der Lust am gefahrlosen, luxuriösen Pseudoabenteuer." Es gibt auch keinen Grund für iPhones, Esspressomaschinen, Laptops, Freitagcommunitys, Kletterhallen, Batik-T-shirts. Keinen Grund Sport zu treiben, es sich auf dem Sofa mit einem Buch gemütlich zu machen (Keine Laptop) oder irgendeiner anderen Tätigkeit nachzugehen, denen wir nachgehen können, weil wir nicht den ganzen Tag damit beschäftigt sind, um überleben zu kämpfen." Alles richtig. Was uns ganz eindeutig fehlt, ist die klare Ansage einer übergeordneten Instanz, die uns mahnt, dass nicht alles, was menschenmöglich ist, auch erstrebenswert sein könnte. Über den Punkt, uns dieser Frage überhaupt noch zu stellen, sind wir längst hinaus. Ich auch. In Momenten wie diesem bedauere ich das. Und ich bedauere es, nicht sagen zu können, was erstrebenswert ist und was nicht. Dass es Kreuzfahrende gibt, so lange es Kreuzfahrtschiffe gibt (und umgekehrt) liegt in der Natur der Sache. Aber wie natürlich ist die Natur dieser Sache eigentlich? Darum geht es. Und das bringt auch mich zuweilen um den Verstand, glaubenses mir. So gesehen ist dies kein Kommentar, sondern ein Hilferuf. |
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Herr Katzer, eine übergeordnete Instanz wollen wir aber doch jetzt nicht wirklich, oder?
Und ich würde die Frage vielleicht noch erweitern: erstrebenswert wofür? Wir werden uns bei der ganzen Fragerei ganz schnell bei der Frage nach dem Sinn des Lebens, dem Universum und überhaupt allem treffen. Und die Antwort muss irgendwie jenseits von 42 liegen. |
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"Was bringt mir die ganze Zivilisation, wenn ich ihre Früchte nicht nutzen kann, darf oder soll?"
Bei Früchten ist Vorsicht angesagt. Manche sind ungenießbar. Schönes Bild. |
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schrieb am
21.01.2012 um 15:28
@Ismene
Was "wir" wollen, ist immer schwierig. Ich kann nur sagen, dass ich mir für uns eine solche Instanz wünsche. Wünschen kann man sich alles, hat man mir als Kind immer gesagt. Daran halte ich fest. Ich wage es, mir laut und deutlich etwas zu wünschen, von dem ich genau weiß, dass ich es nicht bekommen werde. Und bin dabei genau da, wo Sie mich verorten: irgendwo zwischen Sinn, Leben, Universum und >42. Wegen eines umgekippten Kreuzfahrtschiffes. Ich brülle und stampfe wütend mit den Füßen auf den Boden, wie damals. Nur besonnener, reifer irgendwie. Während andere damit beschäftigt sind, an allen Ecken und Enden Öl abzupumpen, wünsche ich mir, deren Job sei überflüssig. Das ist fies, ich weiß, jeder muss von irgendetwas leben. Und ich weiß auch, dass ich als irgendwie Linker nicht von übergeordneten Instanzen zu sprechen habe. Aber ich kann halt nicht hören. Auch diese Erkenntnis trage ich seit Kindertagen mit mir rum. Schlechte Zeiten für einen Wunsch, vielleicht kann man es so zusammenfassen. |
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Nichts gegen das Wünschen! Wenn wir damit aufhören, werden auch unsere Utopien grau und unsere Forderungen "aufgeweicht". Da bin ich völlig Ihrer Ansicht.
Ich wünschte, es wäre möglich, eine übergeordnete Instanz zu "installieren", die auf einem Grundkonsens basiert (und ihren Weisheitsschatz nicht "von ganz oben" hat), wohlwissend, dass es immer nur schlechte Erfahrungen mit derartigen Instanzen gab. Aber: es ist wenigstens denkbar! (wieso hat überhaupt ein irgendwie Linker nicht von übergeordneten Instanzen zu sprechen?) Genauso wie ich es denkbar finde, dass die Menschen, die jetzt Öl abpumpen müssen, auch anders ein Auskommen finden. "Aber ich kann halt nicht hören." Nur wer nicht hören kann, kann lernen! Wer immer hört, nicht! Für einen Wunsch gibt es keine schlechten Zeiten, finde ich. |
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Ich bin ja Atheist, aber ich dachte immer, diese "übergeordnete Instanz" gäbe es längst.
Die scheint ja mächtig versagt zu haben, wenn man jetzt nach Ersatz sucht. |
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Streifzug schrieb am 21.01.2012 um 14:31
Da habe ich mich wieder weit aus dem Fenster gelehnt. Ich habe KEINEN Schimmer, was Menschen auf den Dingern suchen. Udo käme aber sicher gut an. Da wird sogar das Schweröl füssig. |
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Dreizehn schrieb am 21.01.2012 um 15:21
Früchte die mir nicht schmecken, mögen für jemanden anders eine Delikatesse sein. |
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Herr Katzer und Ismene.
Ich sehe das ähnlich wir GvG. Nun habe ich mich von der einen übergeordneten Instanz befreit, um mir eine andere zu Wünsche? Ich will mir eine solche Instanz gar nicht vorstellen. Vielleicht sagt sie dann: "In Foren im Netz zu diskutieren bringt die Leute nur auf dumme Gedanken. Das wird jetzt unterbunden. Einige von denen wollen sogar Kreuzfahrten verbieten." |
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Stimmt natürlich alles, merdeister. Deswegen auch gleich im ersten Satz der Ausdruck meiner Scham über meine zugegeben verurteilenden Gedanken. Die trotz allem seit Tagen nicht weichen.
Mir ging es ursprünglich mehr um eine Analyse des Bildes: Was würde es mir sagen, wenn ich es als Malerei in einer Galerie betrachten würde? Es würde mich mahnen, globaler zu denken und weniger egoistisch zu handeln. Das versuche ich schon jetzt, aber selbstverständlich habe ich eine Achillesferse, mindestens eine. |
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@ merdeister, 16:56
Bei Pilzen ist das dann weniger eine Frage des Geschmacks. |
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@ merdeister, 16:56
Bei Pilzen ist das dann weniger eine Frage des Geschmacks. |
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Ich versuche seit einigen Jahren meine Vernunft als diese übergeordnete Instanz zu installieren, der sich meine kindlichen Ich-will-aber!-Allüren gefälligst unterzuordnen haben. Klappt nicht immer, aber zunehmend besser. Insbesondere dann, wenn man sich zur Beurteilung einer Frage auch die unangenehmen Informationen sehr bewusst zu Gemüte führt. Im Resultat verzichte ich auf einiges, auf das ich nicht verzichten müsste, werde aber mit einem besseren Gewissen belohnt.
Im nächsten Jahr kümmere ich mich dann um die daraus resultierende Arroganz aufgrund karmischer Überlegenheit. |
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Welche übergeordnete Instanz vermuten Sie denn, Georg von Grothe? Geld?
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kopfkompass schrieb am 21.01.2012 um 17:01
Es würde mich mahnen, globaler zu denken und weniger egoistisch zu handeln. Ja, das stimmt, auch mit der Achillessehne. Aber als Bild dafür finde ich dieses Ding trotzdem eher unpassend. Ist gestern nicht zum Beispiel dieser Frachter vor Neuseeland auseinandergebrochen? Dreizehn schrieb am 21.01.2012 um 17:04 Bei Pilzen ist das dann weniger eine Frage des Geschmacks. Stimmt da ist es eine Frage der Dosis. |
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Als Atheist, als den ich mich geoutet habe, kann ich in diesem Zusammenhang doch eigentlich nur an die eine übergordnete Instanz gedacht haben, von der ich mich längst gelöst habe.
Für mich gibt es nur eine gültige übergeordnete Instanz. Mich selbst, aber die ist auch nur für mich allein zuständig, nicht für andere. Also sucht Euch gefälligst eine andere :-) |
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schrieb am
21.01.2012 um 19:40
@Georg von Grote
zu "Ich bin ja Atheist, aber ich dachte immer, diese "übergeordnete Instanz" gäbe es längst. Die scheint ja mächtig versagt zu haben, wenn man jetzt nach Ersatz sucht." Das zu denken, ist bestimmt leicht gefallen. Aber wenn ich eine religiöse oder eine politische Instanz gemeint hätte, hätte ich das dabei gesagt. Die "übergeordnete Instanz", von der ich zu wissen glaube, sie nicht bekommen zu können, ist eine objektive Instanz, keine subjektive. Ich dachte, das wäre deutlich geworden. Glaube und Ideologie hilft - insgesamt gesehen - nicht wirklich weiter, so viel steht mittlerweile vielleicht fest. Nee, ich meinte keinen Menschen und auch keinen Glauben oder Gedanken, der eines menschlichen Hirns entprungen ist. Ich meinte tatsächlich >42. Das ist die vielleicht beste Definition. Außerdem war ich heute Nachmittag leicht depressiv verstimmt :o) @kopfkompass @merdeister "Es würde mich mahnen, globaler zu denken und weniger egoistisch zu handeln." Ja, blöd, dass das Wort "global" in diesem Zusammenhang so schnell mit den negativen Folgen der "Globalisierung" in Verbindung zu bringen ist. Waren und Menschen von einem Standortvorteil zum nächsten schippern zu wollen/müssen (und zurück und kreuz und quer), begündtigt die Wahrscheinlichkeit von Öl-Katastrophen im Meer ungemein. Die Negativ-Assoziation hat auch bei mir angeschlagen. Und das, obwohl das Wort "global" hier als Gegenstück zu "egoistisch" benutzt wurde. Hmm. Was haltet ihr von "universal" im Sinne von > oder = 40,75? :o) (Scheiß Schiff!) |
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@Georg von Grote
Eine übergeordnete Instanz in einem wirklich globalen Sinne hat es ja nun nicht wirklich gegeben. Ich als übergeordnete Instanz ist ja schon mal ein Anfang. Und Gewissen schon wieder eine religiöse Kategorie. Vernunft (was immer das dann wirklich sein soll) könnte auch noch als Kategorie herhalten. Es fehlt einfach manchmal an Orientierung, weil es so leicht ist, in den ganz normalen "Sachzwängen" die Strukturen nicht mehr klar zu sehen. Und wenn es um die Veränderung von Strukturen geht, ist Organisation notwendig... Es ging ja ums Wünschen ... |
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@Herr Katzer
Ich finde "global" gar nicht sooo schlecht. Wir müssen schon auch sehen, die Definitionshoheit zu behalten bzw. zurück zu erkämpfen! Ich hab heute meinen revolutionsromantischen Tag, wie's scheint ... ;-) |
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schrieb am
21.01.2012 um 21:06
@Ismene
Das nenne ich mal "Betriebstemperatur erreicht" :o) |
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Okay. Kommt nicht mehr sehr oft vor...
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Die Angst vor einer "übergeordneten Instanz" mag nach historischen Gesichtspunkten plausibel erscheinen; aber ich denke, inzwischen haben viele Menschen solch eine Panik davor, sich unterzuordnen, dass sie - sozusagen als Flucht nach vorne - anfangen sich ständig überzuordnen.
Dass es eine übergeordnete Instanz (d.h. etwas uns transzendierendes, unser Erkenntnishorizont übersteigendes) geben muss, ist m.E. doch à priori gegeben und vernab von Religiösität empirisch erfahrbar: das ganze Universum ist miteinander verschränkt, die Quantenmechanik hat es in ihrem eigenen Kosmos sogar schon skizziert; die Übergeordnete Instanz ist die Gesamtheit unserer Instanz. Unser Universum also. Und somit sagt der Atheist gar nicht 'mal die Unwahrheit, wenn er behauptet, er selbst sei die übergeordnete Instanz. Denn ob wir das Gefühl, das kopfkompass in seinem Artikel offenlegt nun als Empathie bewerten, oder annehmen, mit dem sinkenden Schiff würde auch ein Teil von ihm versinken und Leben unter sich begraben; - diese Grenze existiert nicht wirklich. Die Wirklichkeit ist jenseits davon und Zeuge einer Verbindung, die uns manchmal als Scham, manchmal als Mut, und ab und zu sogar als Liebe erscheint. |
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Diese Bedarfe sind alle grundlos. Ihre Erzeugung kostet etwa 2/3 der heute aufgewendeten Arbeit. Wenn man den echten Bedarf befriedigen wollte, d.h. Essen, Kleidung, Wohnung, Geselligkeit und Bildung, dann müsste man von 9 bis 11 Uhr arbeiten (produzieren), der Rest des Tages wäre Freizeit - und diese ohne störende Phantasien wie Kreuzfahrten u.ä..
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Liebe/r Kopfkompass,
ähnliche Gedanken hatte ich gerade vor 3 Stunden als Merkzettel niedergeschrieben. Fast zweieinhalbtausend Tonnen Schweröle im Rumpf des Schiffes drohen auszulaufen und eines der letzten europäischen Walschutzgebiete zu zerstören. Hierzu habe ich von Schiffern gehört, daß diese Schweröle nicht flüssig seien, sondern sogar zum Abpumpen erhitzt werden müssen. Müssen aber trotzdem schnellstmöglichst entfernt werden. Schlimmer sind im Moment die restlichen Flüssigkeiten, die im Schiff sind. |
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Den "restlichen" Flüssigkeiten trauere ich schwer nach.
Meine Güte, was könnte man sich an dem Bestand von Wein, Schnaps und Schampus jahrzehnte lang sinnlos besaufen. |
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Georg von Grote schrieb am 21.01.2012 um 15:31 Meine Güte, was könnte man sich an dem Bestand von Wein, Schnaps und Schampus jahrzehnte lang sinnlos besaufen. Ich frag mich sowieso, wie die Behörden den sicherlich wiedererwachten Urinstinkt der Strandräuberei kontrollieren wollen. |
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In Holland strandeten mal Tausende von Turnschuhen. Die hätte man danach nicht einmal mehr bei KiK verkaufen können. Trotzdem holte man die Küstenwache um zu verhindern, dass sich die Anwohner bedienen können.
Da wünscht man sich fast in die Zeit der Strandpiraten an den Küsten Cornwalls zurück. |
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Die perverse Logik des freien Marktes hat sich sehr verinnerlicht. Alles muß seinen Preis haben.
Ähnlich: die Erdbeerplantagen zum selber pflücken werden von den Betreibern am Ende zerstört: ein paar könnte man ja noch ernten, die Menge lohnt den Aufwand des Verkaufens nicht mehr. Das Pflügen kostet auch Zeit und Geld, aber sonst könnte ja einer was umsonst haben. |
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Danke! Wieder was gelernt!
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Wenn ich von der S-Bahn nach Hause gehe, komme ich an so einem Feld vorbei.
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Das ist als würde man Pfandflaschen kaputtwerfen, damit kein anderer sie wegbringen kann.
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Fragen bleibt aber doch:
Trägt neben dem gesellschaftlichem Konsumwahn ausschließlich ein fahrlässiger Kapitän die ganze Verantwortung im Detail, oder handelte er auf Anweisung? Warum sollte ich glauben, der Kapitän hätte tatsächlich ohne Rücksprache mit der Reederei gehandelt? Warum hatte der Kapitän auf seiner peinlich feigen Flucht sein Handy an? - Für wen wollte er erreichbar sein? - doch kaum für die Küstenwacht, die er zuvor belog? |
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zitiere: www.tagesschau.de/ausland/costaconcordia244.html
Wann wusste die Reederei von dem Unglück? Nachdem sich zunächst alle Anschuldigungen gegen den Kapitän der "Costa Concordia" richteten, steht jetzt die Reederei immer mehr in der Kritik. Womöglich kam von dort der Befehl, mit der Evakuierung noch zu warten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. |
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Ullrich Läntzsch schrieb am 21.01.2012 um 19:14
Womöglich kam von dort der Befehl, mit der Evakuierung noch zu warten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es ist wohl so, wenn das Mayday abgesetzt wird, muss die Reederei für die entstehenden Kosten, der Schiffe etc. aufkommen, die sich darauf an der Rettungsaktion beteiligen. Spekulation: Vielleicht wollte die Reederei durch die Verzögerung der Evakuierung die dadurch anfallenden Kosten umgehen, in der Hoffnung die Concordia schafft es noch irgendwie an Land. |
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So in etwa stelle ich mir das auch vor.
Dazu kommt womöglich auch ein ausreichend großer Mangel an Phantasie gepaart mit verantwortungslosen Optimismus. Oder eben ganz schlicht: Dummheit plus maximale Profitgier. |
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@Ulrich Läntzsch
Jetzt schreiben die ersten italienischen Zeitungen, daß die Reederei sofort über den Unfall informiert wurde und auch diese "Verbeugungen und Grüssen" durch haarscharfes Vorbeifahren und Sirenengeheul guthieß und auch forderte. Eine Zeitung fängt schon an ein ganz schwarzes Szenario aufzurollen: was ist, wenn sich tatsächlich rausstellte, daß derReederei die Vermeidung der Kosten für ein Mayday wichtiger waren, als das Leben der Passagiere. Dann könnte die ganze Kreuzfahrtindustrie zu machen. |
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Danke für diese Infos!!!
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Ist denn eine nicht gekenterte "längsgeschliffene Konsumpyramide" nicht ebenfalls eine Metapher zum Konsumwahn???
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Aber mit Sicherheit!
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Aber ja! Bei dieser kommt lediglich die (Achtung: Wortspiel!) überbordende Dummheit dazu.
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Ein Pizzabäcker aus Sizilien sagte gestern: "Unter Berlusconi wäre das nicht passiert".
Ich frage mich seither: Meinte er das Schiffsunglück oder den havarierten Capitano? |
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katastrophen passieren,
da wo sie gerade nicht erwartet werden, hinterher ist man manchmal schlauer, die opfer haben mein mitgefühl, käpitäne sind menschen, das meer ist eine gigantische müllkippe, das meer ist wunderbar... ...fällt mir dazu ein, alles andere passt irgendwie nicht. |
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schrieb am
21.01.2012 um 22:15
@ostello jaeger
Doch, passt! Habe gerade nochmal mit dem Support gesprochen und die meinen, die Programmierer hätten für etwaige Eventualitäten Platz nach unten gelassen. Entwarnung! |
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ah, schön, war schon dabei mich selbst zu begrenzen, bezieht sich nicht auf die kommentare.
na dann möchte ich noch hinzufügen, dass mich die bilder der hilflos auf der seite liegenden concordia anrühren. so ein riesiger, aufwendiger, von funktionaler ästhetik geprägter schiffsrumpf... liegt da... so wie... wie ein gestrandeter wal... inmitten der natürlichen schönheit einer felsigen küstenlandschaft. |
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ostello jaeger schrieb am 21.01.2012 um 23:29 so ein riesiger, aufwendiger, von funktionaler ästhetik geprägter schiffsrumpf. Von außen sieht das Schiff toll aus, ich habe einen Schock bekommen, als ich Bilder der Inneneinrichtung gesehen habe. |
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die °innenarchitekten° stehen wohl arg unter druck, das schöne hatte wohl nicht den stellenwert im konzept.
aber die meisten seegelschiffe, die sehen doch wirklich immer noch schön aus. obwohl, innen ist es dann auch eher schön eng, aber gemütlich... |
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die °innenarchitekten° standen wohl arg unter druck, das schöne hatte wohl nicht den stellenwert im konzept.
aber die meisten seegelschiffe, die sehen doch wirklich immer noch schön aus. obwohl, innen ist es dann auch eher schön eng, aber gemütlich... |
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grrr jetzt seh ich hier alles doppelt, dabei hab ich wirklich nichts getrunken.
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schrieb am
22.01.2012 um 01:15
@ostello jaeger
"so ein riesiger, aufwendiger, von funktionaler ästhetik geprägter schiffsrumpf... liegt da... so wie... wie ein gestrandeter wal... inmitten der natürlichen schönheit einer felsigen küstenlandschaft." Das ist es. Diese starken Kontraste, die durch die Fotos der Katastrophe im Kopf zu einem Sinn-Bild werden. (Oder Unsinn-Bild?) Es ist unschwer zu erkennen, dass die meisten Fotos explizit mit dem Stilmittel des Kontrastes arbeiten. Das ist weit mehr als Dokumentar-Fotographie. Der kleine Mensch im Rettungsböötchen vor dem gewaltigen Wrack. Der Fels in der Brandung, der sich in die stolz geschwellte Brust des Apparates gefressen und ihn herniedergestreckt hat. Die idyllische Hafenlandschaft im warmen Licht - dahinter, in kaltes Licht getaucht, die gewaltig kaputte Maschine. Untergang, Tod, Naturkatastrophe, Angst, Flucht, Versagen. Darüber lohnt sich ein ganzes Buch. Alles sehr naheliegend und verdient gefundenes Fressen für Pressefotographen. Endlich dürfen die mal das sagen, was die schreibenden Kollegen nicht sagen dürfen. Wenn es im "Katastrophenjahr 2012" ein Bild gebraucht hätte, um die Gesamtsituation zu beschreiben, dann hätte es dieses sein müssen. Was dem Bild noch fehlt, ist ein Held oder eine Heldin. Dass wir hierbei nur einen von Amts wegen gescheiterten Versuch vorfinden, den Verantwortlichen zur Vernunft zu bringen, hat der Zufall sicherlich genau so gewollt. |
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(Zynismus an)
Ich habe mir einige Bilder über die Einrichtung der Costa Concordia angesehen. Sieht aus wie billiges Las-Vegas-Casino. Kein Wunder hat der Käptn diese Scheußlichkeit versenkt. (Zynismus aus) |
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Das war kein Zynismus, sondern eher eine Tatsachenfeststellung.
Zynismus wäre, wenn ich jetzt sagen würde: Schaut Euch mal die biederen spießigen Passagiere. Warum hat man das kreuzfahrende Spießbürgertum nicht gleich mit versenkt. Aber ich verkneif mir lieber, so was zu sagen :-) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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