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Wir leben in einem Land, in dem am fünften Geburtstag eines verstorbenen Eisbären mehr als einhundert Menschen Blumen und Kränze an dessen Gehege niederlegen, sodass sich Zeitung und Fernsehen veranlasst sehen, darüber zu berichten.
Wir leben in einem Land, in dem eben diesem Eisbären ein 4.000 Euro teurer Gedenkstein neben dem Grab seines Pflergers gesetzt wird, der sich zu einer regelrechten Pilgerstätte entwickelt, und sogar “Knut-Bürger” aus Frankreich und Südafrika anzieht.
In diesem unserem Land wird nun einem toten Eisbären ein einhundert Kilo schweres und 16.000 Euro teures Denkmal aus Bronze gegossen, über dessen Aussehen im Rahmen eines internationalen Wettbewerbes entschieden wurde, an dem mehr als vierzig Künstler teilgenommen haben.
Ich frage mich ganz ehrlich, ob wir sie noch alle haben.
Es ist nämlich eben gerade nicht so, dass wir ein besonders tierliebes oder mitfühlendes Land wären, was man angesichts des peinlichen Knut-Kultes oder der 3,7 Milliarden Euro die wir 2010 für Heimtierbedarf ausgegeben haben, annehmen könnte. Während wir bald zwar nicht um ein goldenes Kalb, wohl aber um einen herrlichen bronzenen Eisbären tanzen können, schlagen wir uns unsere fetten Wänste mit so viel Fleisch wie nie zuvor voll. Allein im dritten Quartal des letzten Jahres verzehrten wir laut statistischem Bundesamt:
Ich weiß, dass wir irgendwann beschlossen haben, dass Ferkel, Kälber und Küken im Leben nicht so niedlich, so klug, so herzallerliebst sein können wie ein verwöhntes Eisbären-Gör, allerdings muss ich gestehen, dass ich vergessen habe, warum eigentlich.
Ich höre sie schon wieder “Irgendwas müssen wir doch essen!” rufen.
“Aber selbstverständlich!”, antworte ich und empfehle, den Speiseplan um leckeres Eisbär-Mett zu erweitern.
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Rache für Knut!
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HöHö!
Ehrlich gesagt, habe ich überhaupt nicht mitbekommen, dass Knut schon im Eisbärhimmel weilt. Ein Denkmal für ein Antibiotika-verseuchtes Hühnchen wäre mir da doch lieber. Und auch kostengünstiger, weil kleiner :-) |
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Wenn DiePartei erstmal an der Macht ist wird sie Knut wiederbeleben !
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Die taz hat als der kleine Knut noch klein war, eine Überschrift gedichtet: "Nu ist aber mal knut"
Ansonsten völlig einverstanden. Diese Knut-scherei hat was voll Abartiges gehabt und hat es über den Tod hinaus. Außerdem - jetzt kommt der kryptische Teil: Es lastet ein Fluch auf der Unternehmung. Der Pfleger ist am Herzinfarkt gestorben, das Tier selbst hatte einen Hirnschaden oder irgendwas anderes. Kurzerhand - Abstand halten. Von Eisbären, guten Menschen mit Eisbären-Affinität und von allen anderen, die so nah am Wasser gebaut haben, dass sie hineinweinen - um Knut. |
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Die Idee mit dem Fluch gefällt mir: Der Bildhauer ertrinkt von der Leiter gestürzt im frisch angerührten Probegips, die fertige Bronzestatue zerquetscht dem Zoodirektor vom Sockel gefallen den Fuß, zwei dabeistehende Kinder kommen mit dem Schrecken davon. Aufzuhalten ist dieses Unheil nur durch den Kuss eines schielenden Streifenhörnchens, das, weil es seine Lebenszeit vor Kameras vergeudet hat, nun als Fauchschabe in Madagskar reinkarniert, was seine Mission ungleich schwerer macht. Oder so ähnlich.
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Toll, ausbaden darf es wieder der Künstler ...
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Im Probegips ertrinken - gips das überhaupt?
Und der Kuss des schielenden Hörnchens hat was ganz eigen genialisches. |
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Und Du glaubst, unter den Knut-Bürgern sind keine Vegetarier?
Gegrillte Bärentatze wollte ich schon immer mal kosten. |
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Ach goedzak, damit gestehst Du ein, daß Du in Deiner Kindheit und Jugend zuviele Karl-May-Bücher gelesen hast.
War gegrillte Bärentatze nicht das Leibgericht Old Surehands? |
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Karl May nicht, meine Quelle ist Liselotte.
www.freitag.de/community/blogs/goedzak/der-haeuptlingssohn |
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Danke. Ich musste lachen. Nicht ganz angebracht vielleicht...
Was ich immer ganz spannend fand an Knut ist diese Huldigung des Elends. Das Tier sitzt im Käfig. Aber gerade noch süß anzusehen. Kein Dreck, jemand der sich kümmert, und Verhaltensauffälligkeiten, psychische Schieflagen auch nicht sofort zu erkennen. Projektionsfläche mit Wiedererkennungswert. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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