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Eine der Töchter ruft an und berichtet, die Enkelin ( 2.Schuljahr ) habe ihr etwas von kleinen Kindern aus Bielefeld erzählt, die von Nazis ermordet worden seien. Die Enkelin habe geweint und gesagt, dass sie das von einer Mitschülerin gehört habe. Ob ich darüber etwas wisse?
Ich weiß nichts und verspreche, mich zu erkundigen.
Die Mitarbeiter des Stadtarchivs haben eine Vermutung, um wen es sich handeln könnte, und bereits die Suche bei wikipedia ( bit.ly/oJIm4w ) ist erfolgreich: die Enkelin hat über das Schicksal von Ruben Baer und Tana Berghausen geweint.
Ruben wurde am 31.Juli 1942 mit vier anderen Mitgliedern seiner Familie mit einem Sonderzug der Deutschen Reichsbahn vom Bielefelder Hauptbahnhof aus nach Theresienstadt deportiert. Ruben lebte noch zwei Jahre und zwei Monate im Ghetto, dann bekam er die Transportnummer Ep1318 und wurde von Theresienstadt nach Auschwitz gebracht und dort unmittelbar nach der Ankunft am 12.Oktober 1944 in der Gaskammer ermordet.
Tana wurde am 28.Oktober 1942 geboren. Am 02.März 1943 wurde sie vom Bielefelder Hauptbahnhof aus nach Auschwitz deportiert. Das Einwohnermeldeamt vermerkt: "Tag des Abzuges: 2.3.43 – neue Wohnung: unbekannt, Osteinsatz." Die Fahrtzeit betrug etwa 40 Stunden. Sie wurde gleich nach der Ankunft in Auschwitz von einem SS-Mann erschlagen. Die Eltern starben später in der Gaskammer.
Als wir Ende der 90er Jahre Auschwitz besuchten, säumten Fotos auf großen Stellflächen den Weg von der Rampe zu den Gaskammern: Fotografen der SS hatten den letzten Weg der Menschen dokumentiert, überwiegend Mütter mit Kindern, manche schauten in die Kameras der SS und blickten uns, die Besucher, an.
Im Forschungszentrum fand, als wir dort waren, ein wissenschaftlicher Kongress statt, der sich mit den moralischen Fragen beschäftigte, die Pflege und Erhalt des Lagers als Gedenkstätte aufwerfen: Darf man die Haare der Opfer „konservieren“?
Auf dem Rückweg von Auschwitz nach Krakau fiel mir der Bruder meiner Großmutter ein, von dem in der Familie das Gerücht kolportiert wurde, er sei als Beamter der Reichsbahn in Krakau an der Organisation der Sonderzüge nach Auschwitz beteiligt gewesen. In meiner Kindheit war er der Vorsteher eines kleinen Bahnhofs in Ostwestfalen, ein ruhiger, freundlicher Mann.
Die Lokalzeitung berichtete am 3.Oktober 2007, dass zwei Straßen eines Neubaugebiets nach Ruben Baer und Tana Berghausen benannt worden sind.
Meiner Tochter berichte ich, was ich über die ermordeten Kinder aus Bielefeld herausgefunden habe. Sie bittet mich, es der Enkelin in den nächsten Tagen zu erklären.
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"...ein ruhiger freundlicher Mann", ein ganz normaler Typ seiner Generation. Ein aktiver, motivierter Täter muss er gar nicht gewesen sein. Seinen Packen aber trug er wohl auch. Sowas schleppt sich irgendwie weiter auf die nächsten Generationen. Da ist es gut, wenn man so einen Großvater wie Dich hat...
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Da kann ich mich goedzak nur anschließen. Gut auch das Blog von Dir zu diesem Thema. Es darf nich vergessen werden.
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@goedzak
Das Gespräch steht noch bevor. Ich bin ziemlich nervös, denn wie erklärt man einer 8Jährigen, dass Menschen glaubten richtig zu handeln, wenn sie Kinder von Eltern mit jüdischen Wurzeln in Lager transportierten, um sie dort zu töten? @por Danke für den Zuspruch. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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