koslowski

Was soll's?

22.02.2011 | 15:24

Dissertation oder Wurzelspitzenresektion

Heute Morgen im Wartezimmer des Zahnarztes. Neben mir ein Mann und eine Frau meines Alters, offensichtlich ein Ehepaar. Sie blättern stumm in ihren Zeitschriften, in „Für Sie“ der Mann, im „Focus“ die Frau.

Ein junger Mann kommt aus dem Behandlungszimmer. Während er seinen Mantel anzieht, murmelt er: „Lieber eine Dissertation in Bayreuth als eine Wurzelspitzenresektion in Bielefeld.“

Der Ehemann schaut auf und sagt: „Er hat sich aber sieben Jahre lang Mühe gegeben. Und jetzt muss er auch noch die Trauerrede für die toten Soldaten halten.“ Seine Frau unterstützt ihn: „Seien Sie nicht so weinerlich. Und nicht so kleinkariert. Der Mann tut sein Bestes.“

Der junge Mann hält sich die Backe und geht. Mann und Frau schauen sich zufrieden an. Ich schweige, denke kurz über die Gründe für die Popularität unseres Ministers nach, komme zu keinem befriedigenden Ergebnis und konzentriere mich auf die bevorstehende Gerüsteinprobe meiner Freiendbrücke.

Später im Cafe lese ich in der Frankfurter Rundschau Sätze, die mir klug erscheinen:

„Nur bei Guttenberg gebe es dieses eigentümliche Phänomen, dass die Unterstützung der Öffentlichkeit wachse, je mehr die politische und mediale Szene von ihm abrücke. Viele Menschen sähen in den Attacken so etwas wie die Rache des Mittelmaßes an einem, der einfach besser und so viel populärer sei als sie selbst.“

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 22.02.2011 um 17:52
@Koslowski
„Nur bei Guttenberg gebe es dieses eigentümliche Phänomen, dass die Unterstützung der Öffentlichkeit wachse, je mehr die politische und mediale Szene von ihm abrücke. Viele Menschen sähen in den Attacken so etwas wie die Rache des Mittelmaßes an einem, der einfach besser und so viel populärer sei als sie selbst.“

Guttenberg ist der J.R. Ewing des neoliberalen Berliner Polit-Dallas.

Er ist ist, wie es seine Dr.-Arbeit gezeigt hat nicht besser, sondern nur viel gerissener als das Mittelmaß! Das Paradoxe ist wirklich, dass dies seiner Beliebtheit keinen Abbruch tut. Auch wenn ich erst die Hände über den Kopf zusammengeschlagen habe, wie man solche Sätze gut finden kann, finde ich sie nach meinem Verstehen auch gut! ;)
GeroSteiner schrieb am 22.02.2011 um 18:27
Wer Bielefeld kennt, der findet es überall schön.
abghoul schrieb am 22.02.2011 um 18:42
so wahr,... so wahr...
poor on ruhr schrieb am 22.02.2011 um 19:02
@Gero Steiner

Nix gegen Bielefeld. Da bin ich persönlich beleidigt! :)
koslowski schrieb am 22.02.2011 um 19:54
@GeroSteiner und abghoul

Ihr wart noch nie hier oder ihr kommt aus Lippe. Und im Übrigen wäre unser Minister hier nicht promoviert worden: hier hat die CSU nichts zu sagen, und alle Arbeiten werden mit einer speziellen Software auf Plagiate geprüft.

@por
Danke für deine Solidarität mit BI, der freundlichen Stadt am Teutoburger Wald, die es wirklich gibt und in der eine Wurzelspitzenresektion wirklich schmerzhaft ist.
abghoul schrieb am 22.02.2011 um 20:11
Wurzelspitzen können mir keine Angst mehr einjagen, aber Bielefeld weckt dunkle Erinnerungen.
Der einzig helle Fleck,.. das AJZ...
GeroSteiner schrieb am 22.02.2011 um 22:17
Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Es gibt keine Stadt namens Bielefeld!

Bielefeld ist ein großangelegter Hoax von ein paar ausgeflippten Spinnern, die andere glauben machen wollen, dass eine solche Stadt tatsächlich existiert. Bielefeld besteht aus einer Autobahn mit ein paar Staarenkästen und einem Autobahnkreuz das lediglich nach Lage führt.

Bielefeld ist ein Mythos oder eine Wanderbaustelle. Diese Stadt hat nie existiert. Das Kennzeichen BI wird ausschließlich von CIA-Agenten, Rainer Calmunds Pferd und dem harten Kern der GSG 9 benutzt. Manchmal auch vom Mossad.

Was an Informationen über Bielefeld durchs Netz geistert, auch die Informationen über eine sogenannte Innenstadt und einen angeblichen Fußballverein sind allesamt erfunden. Es gibt einige, die behaupten das Gerücht über die Existenz von Bielefeld stammt von Außerirdischen, aber dafür gibt es keine Beweise.

Bielefeld ist bloß ein Mythos vergleichbar mit Atlantis. Denn es gibt keinen, der diese Stadt jemals gesehen hat. Alle Geschichten über Bielefeld sind frei erfunden.
koslowski schrieb am 22.02.2011 um 22:30
@abghoul 20:11

"Bei einem Menschen, der behauptet, Bielefeld zu kennen, muss man entweder an seinem Verstand oder an seinem guten Willen zweifeln." (Gotthold Ephraim Lessing)
koslowski schrieb am 22.02.2011 um 22:39
@GeroSteiner 22:17

Wer behauptet, es gebe Lage (Lippe ), aber Bielefeld nicht, stellt sich in eine Tradition, zu der auch der Poet gehört, der schon Witwe Bolte und die schöne Helene verunglimpft hat:

"Bereits am ersten Schöpfungstage
Schien Bielefeld ihm mangelhaft.
Darum hat Gott mit Müh und Plage
Den Ort für immer abgeschafft.
Es gibt ihn nicht. Drum Wandrer frage
Nach anderen Orten auf der Welt.
Die Stadt bleibt eine Nebelsage.
Vergiss sie. Vergiss Bielefeld. (Wilhelm Busch)

Aber was hat das alles mit dem ernsten Anliegen meines Blogs zu tun?
poor on ruhr schrieb am 22.02.2011 um 22:47
@koslowski

Gerne. Das ist doch Ehrensache. Mein geliebtes Ostwestfalen. Ich war sogar schon in der Schlacht im Teuteburger Wald als Deserteur nicht dabei gewesen. :)
GeroSteiner schrieb am 22.02.2011 um 23:32
"Aber was hat das alles mit dem ernsten Anliegen meines Blogs zu tun?"

--> „Lieber eine Dissertation in Bayreuth als eine Wurzelspitzenresektion in Bielefeld.“

Guttenberg, Dissertation, Plagiat, Fußnote und Rückgabe sind durch. Der Drops ist gelutscht.
Dreizehn schrieb am 22.02.2011 um 18:36
Na ich bin mir nicht so sicher. Auch die FR schreibt ja zurückhaltend im Konjunktiv.

Ich staune noch über die Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen. Da wurde richtig Lack abgeblättert. Auch die Aufgeblasenheit seiner Biographie wird da ratzfatz vernichtend entlüftet.

Da äußert sich berechtigte Empörung von Leuten, die ehrlich arbeiten und ihre Brötchen verdienen, die sich vielleicht auch als aufrechte Elite fühlen, und es steht der FAZ gut an, konservativ zu sein und aus der Front zu tanzen.

Ich find's spannend, und was die FR oben "die Menschen" nennt, ist meines Erachtens eher - erfreulich und endlichmal - die Ballermann-Fraktion, die sich outet. Stramm rechts und/oder einfach nur dämlich. Wobei zu jenen Zehntausenden offenbar auch welche gezählt sind, die da als Gegner des Gttnbg schreiben bzw. es sollen sogar Beiträge - ich berufe mich auf Informationen des DLF - zensiert worden sein.
koslowski schrieb am 22.02.2011 um 19:46
Hallo, Dreizehn. Wie schön, dass du nach so langer Zeit wieder da bist.
Die letzte FAS hat mich auch erstaunt, es gibt halt Konservative und "Konservative".
Dreizehn schrieb am 22.02.2011 um 22:27
Herzliche Grüße von der Elbe und dem Millerntor.
Magda schrieb am 22.02.2011 um 20:14
Ich hoffe, der Zahnarztbesuch war erfolgreich.

Der zitierte Satz hat was Bösartiges. Und ich finde ihn im Zusammenhang mit diesem Politiker ziemlich daneben.
Leute, die Z.G. favorisieren reden - soweit man das verfolgen kann - den allgemeinsten Mist und meist auch noch irgendwelches Zeug, das sie im Fernsehen so aufgenommen haben. Gespenstisches Anklammern an einer Figur, die - wie es aussieht - beste Verbindungen hat - wohin auch immer.
Mir macht der seltsamerweise Angst .
archinaut schrieb am 23.02.2011 um 00:41
..... die Aufregung verstehe ich gar nicht,
der junge Wurzelspitzenresektionsverweigerer hat doch recht!

Auf nach Bayreuth:

www.jura.uni-bayreuth.de/de/studieninteressierte/imagefilm/index.html
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