koslowski

Was soll's?

27.11.2011 | 13:24

Ein Hauptmann, den ich einmal kannte

 

Im Herbst 1964 bekamen wir einen neuen Kompaniechef. Hauptmann S. war Pilot, Fiat G 91, und musste jetzt, weil er Major werden wollte, ein halbes Jahr zurück zur Truppe, zum Luftwaffenausbildungsregiment in G. im Harz.

Wir merkten bald, dass er unglücklich war. Er vermisste sein Kampfflugzeug und seine Familie, die in Süddeutschland geblieben waren. Seine Dienstpflichten erledigte er mürrisch und ohne Fortune. Die Kommandeure maßregelten ihn vor der Truppe, weil er bei der Vereidigung junger Soldaten seine Kompanie nicht zackig, sondern im eleganten Bogen auf den Marktplatz von Bad G. geführt hatte. 

Er mochte mich und schlug dem Kommandeur vor, mich für besondere Leistungen ( bei der sorgfältigen Beobachtung des Luftraums über dem Westharz ) auszuzeichnen. So bekam ich eine Buchprämie mit seiner handschriftlichen Belobigung: Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit.

Er sagte: „Koslowski, verpflichte dich bloß nicht beim Bund. Scheißverein. Du musst, wenn du hier fertig bist, irgendwas mit Literatur machen.“

Irgendwann stellte Hauptmann S. fest, dass ich aus der Gegend der ostwestfälischen Kreisstadt H. kam, wo seine Eltern wohnten. In den Wochen danach fuhr ich am Sonntagabend gelegentlich mit ihm von H. zurück in die Kaserne nach G., quer durch das nächtliche Weserbergland, und er erzählte mir von den Büchern, die er gerade las.

Im Frühjahr 1965 war seine Zeit bei der Truppe beendet. Im Herbst 1965 teilte sein Nachfolger der angetretenen Kompanie mit, Hauptmann S. sei bei einer Übung in Kanada mit seiner Maschine abgestürzt.

Ende der 80er Jahre las ich in einer Monographie über das Warschauer Ghetto von einem SS-Hauptsturmführer S., der 1943 den Aufstand polnischer Juden liquidiert hatte und dafür nach dem Krieg in Polen zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war. Er war in Ostwestfalen aufgewachsen.

Meine Nachforschungen ergaben, dass Hauptmann S. mit seiner Fiat G91 und seiner Liebe zur Literatur ein Neffe dieses Mannes gewesen war.

 

 
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Kommentare
Michael Angele schrieb am 27.11.2011 um 14:03
Zweimal gelesen, danke!
Calvani schrieb am 28.11.2011 um 20:40
Wenn ich mir die vielen kritischen und richtigen Kommentare in diesem Strang anschaue, dann wundere ich mich schon sehr über diese opportunistische Danksagung des Leiters der Kulturredaktion eines angeblich kritischen Meinungsmediums.
Popkontext schrieb am 28.11.2011 um 20:50
@Calvani
Ja, so eine richtige Wertung enthält das ja nicht, sondern wenn nur eine implizite ;)...
Calvani schrieb am 28.11.2011 um 20:51
Umso schlimmer!
Popkontext schrieb am 28.11.2011 um 20:58
So is man aus dem Schneider. Manchmal kommt mir das Wort "Meinungsmedium" hier auch ein wenig vor wie der Begriff "Kompetenzteam" ;)...(um Mißverständnisse zu vermeiden: mangelnde Meinung bzw. mangelnde Kompetenz je nach Begriff...)
koslowski schrieb am 30.11.2011 um 11:23
@Calvani 20:40

Ach so, darum geht's. Jetzt verstehe ich die Logik dieses absurden Threads.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.11.2011 um 14:24
Mein 1. Kompaniechef (Panzeraufklärer in Schwarmstedt, später in Munster) hieß von Rundstedt.
Ein Enkel des Generalfeldmarschalls Gerd von Rundstedt.
Ein klasse Typ, - ich hoffe, dass er noch lebt!
Interessant fand ich immer bei vielen höherrangigen Soldaten den Kontrast zwischen ihren Auftritten vor der Truppe und im persönlichen Gespräch.
Rapanui schrieb am 28.11.2011 um 09:29
@ steuerknecht schrieb am 27.11.2011 um 14:24

>>>Interessant fand ich immer bei vielen höherrangigen Soldaten den Kontrast zwischen ihren Auftritten vor der Truppe und im persönlichen Gespräch.<<<

Da es bei der Armee nicht ums persönliche Gespräch geht, können wir diesen Kontrast getrost vernachlässigen. Im Gefecht befiehlt Ihnen der KC, wo Sie Ihren Arsch zu riskieren haben und wenn Sie nachfragen, wird er zu anderen, als zum Mittel des persönlichen Gespräches greifen.
Magda schrieb am 27.11.2011 um 14:33
Zweimal gelesen und verstanden, dass es auch bei der "Aufarbeitung" eine männliche Komplizenschaft gibt, was die Bedeutungshuberei angeht.
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 15:11
Und was lernen wir daraus?

Nun, die schlimmsten Verbrecher haben Kinder, Verwandte, Bekannte. Diese erzählen nette, menschelnde Geschichten und die Verbrecher verlieren sich indirekt weichgezeichnet im Dunkel der Vergangenheit.

Die Opfer dieser Verbrecher haben meist keine Kinder, Verwandte, Bekannte welche Geschichten erzählen können, denn oft wurden alle liquidiert.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.11.2011 um 15:16
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 15:11
Nun, die schlimmsten Verbrecher haben Kinder, Verwandte, Bekannte. Diese erzählen nette, und die Verbrecher verlieren sich indirekt weichgezeichnet im Dunkel der Vergangenheit.

Gott sei Dank, dass viel mehr normale als verbrecherische Menschen mit Kindern gibt.
Mit oder ohne menschelnde Geschichten. ;-)
ed2murrow schrieb am 27.11.2011 um 15:57
@ Streifzug

Beim Blick in die Scheunen hier, jede Menge Mengele. Und bei Hut Braun kann man sich die Kopfbedeckung maßschneidern lassen. Der Selbstmord per Egge oder Hutnadel ist halt nicht so spektakulär.
koslowski schrieb am 27.11.2011 um 18:41
@streifzug 15:11

Ich wollte einfach meine Begegnung mit einem ungewöhnlichen Menschen erzählen, keine Geschichte mit Moral. Wenn ich etwas aus dieser Begegnung gelernt habe, dann vielleicht dies:
Es gibt Menschen, deren Begeisterung für (Kriegs-)Technik stärker ist als ihre Vorbehalte gegenüber Militär und Militarismus.
Oder:
Familiengeschichte schützt Nachkommen nicht davor, im Militär einen Ort der Selbstverwirklichung zu sehen
Oder:
Liebhaber der Literatur findet man auch dort, wo man sie nicht erwartet.
Selbstverständlich geht es mir nicht darum, hinter der Geschichte des Hauptmanns S. die Geschichte seines mörderischen Onkels und dessen Opfer verschwinden zu lassen. Als Beleg verweise ich auf …Ach nein, das ist zu absurd.
ed2murrow schrieb am 27.11.2011 um 19:00
Ich würde gerne .. ach was, ich tue es einfach und frage Sie, koslowski: Welche der vielen Spuren trifft eigentlich zu?

Ich meine, die des als solchen deklarierten Unfalls (nach dem Ausscheiden aus dem Dienst) ist in jeder Hinsicht der von Ihnen sehr offen gestalteten Erzählung plausibel. Es könnte sich so oder anders zugetragen haben. Wenn es sich anders zugetragen haben könnte, läge es dann an den Vorfahren oder an der Tatsache, dass zum Ende zu der Hauptmann die Wiederbewaffnung in D als Scheitern betrachtete (die G91 war das erste wieder auf deutschem Boden gebaute Militärflieger nach WKII). Oder stand der dann Ex-Militär vor einem horror vacui? Oder wenn es technisch bedingt war, hängt es mit der F-104 zusammen, für die in den USA trainiert wurde?

Warum frage ich nach?! Weil für mich bei allen Deutungsmöglichkeiten doch die Vielschichtigkeit nicht gegeben ist. Und ich kann ums Verrecken diesen Widerspruch nicht auflösen.

Und wenn Sie mich dumm sterben lassen, macht das auch nichts ;)
koslowski schrieb am 27.11.2011 um 19:17
S. starb infolge eines Unfalls. Daran habe ich seit damals nicht gezweifelt. Vielleicht sind Ihre Vermutungen Folgen einer unbeabsichtigten Unklarheit meines Textes: Als S. die Kompanie des Luftwaffenausbildungsregiments nach sechs Monaten verließ, tat er dies, weil er den obligatorischen Dienst bei der nicht fliegenden Truppe vor dem Majors-Lehrgang regulär abgeleistet hatte. Von hier kehrte er zurück zu seiner Stammeinheit, einem Fluggeschwader in Süddeutschland.
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 19:26
@koslowski,

diese Neffen, Geschwister, Kinder von schlimmsten Verbrechern, Massenmördern, können "Geschichten" verbreiten, welche dann auch weitererzählt werden, nicht nur von dir.

Du konntest über diese Begegnung mit einem "ungewöhnlichen Menschen", dem Neffen, nur berichten, weil es ihn gab - im Gegensatz zu den Opfern, die vernichtet wurden.

Du konntest aus dieser Begegnung "etwas lernen", weil es den Neffen gab - im Gegensatz zu den Opfern, die vernichtet wurden.

Die Opfer können und werden sich weder für (Kriegs-)Technik noch für Militär und Militarismus begeistern - - da sie vernichtet wurden.

Die Opfer haben weder Familiengeschichte noch Nachkommen - da sie vernichtet wurden.

Die Opfer sehen im Militär keinen Ort der Selbstverwirklichung - da sie vernichtet wurden.

Die Opfer können keine Liebhaber der Literatur sein oder werden - da sie vernichtet wurden.

Merkst du den kleinen, aber feinen Unterschied?
Der Sieger schreibt die Geschichte(n).
Wie leicht ist das dahergesagt.
ed2murrow schrieb am 27.11.2011 um 19:38
@ koslowski

Danke für die Antwort.
Katharina Schmitz schrieb am 27.11.2011 um 20:12
Lieber Herr Streifzug

man wüsste gerne, aus welcher biografischen Perspektive Sie schreiben, so wie Sie schreiben.
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 20:22
Liebe Frau Schmitz,

wie schreibe ich denn?
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 20:26
...und wer ist "man"?
Katharina Schmitz schrieb am 27.11.2011 um 20:57
"man" bin ich. Sie werfen hier jemanden etwas vor, der offen legt, was er tut und was er denkt und halten mit ihrer Perspektive hinter dem Berg. Das ist irritierend.
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 21:09
Liebe Frau Schmitz,

wo werfe ich hier jemandem was vor? Offen legt, was er tut und was er denkt? Eine Annahme? Lege ich mit meinen Sätzen nicht offen, was ich denke? Ändert meine Perspektive etwas am Gehalt meiner Aussage? Abgesehen vom (hineingelesenen) Vorwurf, wie stehen Sie zu dem was, ich geschrieben habe, also zu meinem offen-gelegten Denken? Warum irritiert Sie das?
Katharina Schmitz schrieb am 27.11.2011 um 21:28
"Ändert meine Perspektive etwas am Gehalt meiner Aussage". Ich finde ja, so wie Sie ihrem Kommentar schreiben, gewinnt man den Eindruck, Koslowski dürfe diesen Blog nicht schreiben, weil diese, Ihre Perspektive über allem steht. Das Ganze mit einem Betroffenheitsduktus, bei dem ich wirklich gerne wüsste, aus welcher persönlichen Perpektive Sie schreiben. Einfach, um etwas über Ihre Motivation zu erfahren, es genauso zu schreiben, wie Sie es tun. Es klingt sonst ein bisschen allgemein, als wäre es verordnet, als müssten wir alle so fühlen und denken wie Sie das tun. Anders ausgedrückt, ich habe einen derartigen verbalen Respekt davor, dass ich nicht so schreiben könnte. Aus Furcht, es könnte sich falsch und unangemessen (für mich) anhören. Also vor dem Hintergrund meiner biografischen Perspektive.
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 21:50
Liebe Frau Schmitz,

Sie fabulieren so jede Menge in meinen Text hinein. Bis hin zum Betroffenheitsduktus. Kommt ihnen auch in den Sinn, dass ich schlicht und einfach die Realität beschreibe - und nicht mehr? Ihre Hineinindeutelungen, lesen sich wie eine Betroffenheit, deren Hintergrund ich normalerweise nicht erfrage.

Aber da Sie mich in die Kiste "vorwerfen" stecken, will ich Sie nicht enttäuschen und formuliere nun Fragen, extra Ihnen zuliebe:

War Ihr Großvater einer von denen, die von nichts wussten? Vielleicht ein aktiver Nazi? Und Sie befragen mich nun so, weil ich kritische Anmerkungen genau zu diesem Thema mache?

Die Opfer und ihre Angehörigen und möglichen Nachfahren, also all die Opfer derer, die angeblich von nichts wussten, die können ihre Perspektive nicht darlegen. Die sind alle tot.
koslowski schrieb am 27.11.2011 um 21:53
@streifzug 19:26

Ich meine nicht, dass ich, indem ich meine Begegnung mit Hauptmann S. erzähle, den Siegern helfe, ihre Geschichte(n) zu erzählen.
S. hat mir nichts über seinen Onkel erzählt, er zählte sich nicht zu den "Siegern" und ich habe beim Bund nie einen Menschen kennengelernt, der so sehr Zivilist war. Er hat mich ( damals 19, unpolitisch ) als Person beeindruckt, und die Nachricht von seinem Unfalltod hat mich berührt. An diesen Mann und meine Rührung erinnerte ich mich, als ich in letzter Zeit über mich nachdachte.

Und du meinst, ich müsste deswegen ein schlechtes Gewissen haben oder mein Text sei objektiv ein Beitrag zur Geschichte der Sieger?

Ich kann die Geschichte der Opfer nicht aus eigenem Erleben erzählen, das macht die Gnade meiner späten Geburt und die Tatsache, dass meine Familie zu den Mitläufern gehörte, deren Geschichten immer von der eigenen Not handelten. Wie viele Lehrer meiner Generation habe ich versucht, der nächsten Generation Wissen über die Täter und Opfer und Empathie für die Opfer zu vermitteln. Mit ungewissem Erfolg. Aber ich bin ganz sicher, dass nichts falsch ist daran, wenn ich in diesem Blog über einen Mann berichte, der ein Nachgeborener war wie ich, der das Militär nicht mochte und ein begeisterter Leser von Literatur war.
Rapanui schrieb am 27.11.2011 um 22:00
@ Koslowski

>>>und ich habe beim Bund nie einen Menschen kennengelernt, der so sehr Zivilist war<<<

Es gehörte auch unter den Piloten des 3. Reiches zum guten Ton, unpolitisch zu sein. Sie waren für die Kriegführung Hitlers, so wichtig, dass sie sich diese elitäre Freiheit herausnehmen konnten.
Katharina Schmitz schrieb am 27.11.2011 um 22:03
Lieber Herr Streifzug,

aber Ihr Stil kann doch nicht ohne Zweck sein, wenn Sie immer wieder das Wort "vernichten" wiederholen. Ich weiß eben nicht, was der Zweck ist. Deshalb frage ich. Sie verwenden auch jetzt das Wort "Perspektive" mit einer gewissen Absicht (meine ich).

Ich erzähle Ihnen gerne von meiner biografischen Perspektive. Mein Opa väterlicherseits war kein Nazi, so auch seine Frau. Ich weiß schlicht, sie waren zu katholisch und mochten Hitlers Stimme nicht. Über meinen anderen Opa weiß ich nichts Genaues. Vielleicht war er ein Mitläufer. Oder nichts. Auf dem Dorf konnte man sich vielleicht auch "heraushalten". Ich wüsste gerne mehr. Meine Nachfragen haben nie etwas ergeben. Es gibt auch keine Dokumente. Mein Vater war 14, er hat sich noch im Wald versteckt, kurz bevor sie ihn einziehen konnten.
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 22:27
@koslowski,

nur kurz: ich meine nicht, du müsstest deswegen ein schlechtes Gewissen haben. Es geht auch nicht darum, wie XY war. Es geht darum, dass er war, die Möglichkeit hatte - zu sein. Genau die Möglichkeit hatten/haben die angesprochenen Opfer und ihre Angehörigen und nicht seienden Nachfahren nicht. Das zieht sich durch die ganze Geschichte (Weltgeschichte)...
Streifzug schrieb am 27.11.2011 um 22:33
Liebe Frau Schmitz,

das Wort "Perspektive" hat wer ins Spiel gebracht? Richtig. Sie.

Im Artikel steht: ...Juden liquidiert...
In meinem ersten Kommentar steht daher: wurden alle liquidiert.

In der Auflistung verwende ich ein zu Vernichtungslagern passendes Wort.
Katharina Schmitz schrieb am 28.11.2011 um 09:21
Hallo Herr Streifzug, das habe ich befürchtet, diesen leichthändigen Schlagabtausch. Eine rhetorische Frage, ein paar Fortsetzungspünktchen und dann noch schnell ein Link. Das Terrain ist heikel. Vor allem online.
Streifzug schrieb am 28.11.2011 um 11:16
Hallo Frau Schmitz,

Sie sind recht leicht mit fertigen Unterstellungen bei der Hand und machen sich anschließend leichtfüßig davon.
Katharina Schmitz schrieb am 28.11.2011 um 11:54
Hallo Herr Streifzug, nun - ich habe gesehen, dass Sie meine (und ich Ihre) Wortwahl persönlich nehmen, das Thema ist das Gegenteil von unverfänglich, man empfindet irritierende Formulierungen, Missverständnisse enstehen. Ich nehme zum Beispiel Ihren Link persönlich, Sie sehen Unterstellungen. Wir müssten noch lange sprechen, um das alles richtig zu stellen. Ihr Kommentar von 22:27 ist doch dafür sehr klar.
Popkontext schrieb am 28.11.2011 um 18:45
@Katharina Schmitz
Ich finde die ursprüngliche Anmerkung von Streifzug auch völlig richtig, wichtig und angemessen und denke auch, Sie lesen da Sachen rein, die mehr mit Ihnen selbst als mit der Einlassung selbst zu tun haben.
ed2murrow schrieb am 29.11.2011 um 12:41
Richtigstellung:

Am 27.11.2011 im 15:57 habe ich geschrieben: "Beim Blick in die Scheunen hier, jede Menge Mengele."

Mir ist bedeutet worden, dass das missverständlich sei. Es ist missverständlich. Denn Mengele bezieht sich auf die landwirtschaftlichen Maschinen gleicher Firmenbezeichnung, die hier, nämlich in meinem oberbayerischen ländlichen Umfeld, tatsächlich in den Scheunen stehen. So wie es einen Huthersteller mit Familiennamen Braun gibt.

Beide Betriebe können sich nicht über fehlende Kundschaft beklagen.

Mit "hier" meinte ich also nicht die Plattform Freitag und/oder daran beteiligte Personen.
Oberham schrieb am 29.11.2011 um 13:11
.... genau so habe ich den Text empfunden.... jedoch -- der Verweis auf die Verwandschaft... er löste in mir einen schändlichen Reflex aus... - insofern ist dieser Hinweis aus meiner Sicht genial...-
den Schauplatz betreffend - der lakonische Unterton (so empfand ich dies - viele hier scheinen da völlig anders zu empfinden) neutralisiert den Bombenjet zum beliebigen Werkzeug - womit wiederum die Beliebigkeit der jederzeit möglichen Massenmordens in seiner perfiden Gewöhnlichkeit demaskiert wird.

Es ist interessant, wie kritisch vor allem Frauen hier interpretieren - sie scheinen uns Männer als noch schlimmer zu empfinden, als wir ohnehin schon sind.

Bar jeder Empathie und bar jeden Schuldgefühls wandeln wir egozentrisch durch diese Welt...... -

manchmal wünscht ich mir es wär so!
Rosa Sconto schrieb am 27.11.2011 um 15:55
@ Koslowski,

die Bekanntgabe einiger Details Ihrer Nachforschung würden dem Ganzen einer Erklärung des Hinscheidens des S. dienen. X-mal lesen hilft auch nichts. Bin vollkommen dumm.
Achtermann schrieb am 27.11.2011 um 18:35
@ Rosa Sconto

Bin vollkommen dumm.

Aber doch nur in diesem Fall, wenn es um Männerkumpaneien in umzäunten Männerwohnblöcken geht.
koslowski schrieb am 27.11.2011 um 18:45
@Rosa Sconto 15:55
Lesen Sie einfach bei Wikipedia den Artikel "Aufstand im Warschauer Ghetto".
Rapanui schrieb am 27.11.2011 um 21:37
Worin besteht jetzt der wesentliche Unterschied zwischen dem Neffen und dem Onkel?

Dass der eine die Möglichkeit erhielt, seine Waffen im Kampf gegen den Bolschewismus einzusetzen und der andere nicht?

Oder hat der S. Hauptmann mehr Bücher gelesen als SS-Hauptsturmführer S.?

Fest steht nur, dass Koslowski für Hauptmann S. den Himmel beobachtet hat und nicht für den SS-Hauptsturmführer S.
kay.kloetzer schrieb am 28.11.2011 um 04:03
"Seine Dienstpflichten erledigte er mürrisch und ohne Fortune." ich verstehe diese folklore nicht, was an meiner herkunft liegen kann. worin genau hätte das abwesende glück dieser truppen-zeit gelegen? oder ist das so ein männer-ding?
neugierig: kk
Achtermann schrieb am 28.11.2011 um 05:52
@ kay.kloetzer

"Männer-Ding"

So ist das wohl, wenn man als junger Mann zum Bund geht. Das prägt. Da gehen vermutlich militärisches Denken und Handeln ins männliche Blut über. Dienstpflichten werden zu Pflichten, manchmal sogar zu vaterländischen.
Rapanui schrieb am 28.11.2011 um 07:37
@ kay.kloetzer schrieb am 28.11.2011 um 04:03

>>>...worin genau hätte das abwesende glück dieser truppen-zeit gelegen?<<<

So wie Koslowski auch zur Auszeichnung vorgeschlagen und dann belobigt zu werden. Hauptmann S. hat zum Abschied wahrscheinlich nicht den Luftwaffengedenkteller mit Goldrand erhalten.

>>>oder ist das so ein männer-ding?<<<
Die ganze Weisheit dieses Männerbündnis' besteht darin, zu verstehen, was der Batteriechef meint, wenn er brüllt das Soldat soundso und Gefreiter schießmichtod die "Abprotzstellung" ausheben sollen.
Rapanui schrieb am 28.11.2011 um 07:38
..., dass Soldat
koslowski schrieb am 28.11.2011 um 11:13
Auf die „Fußgänger“ in der Luftwaffe sah er, der Flieger, mit Hochmut herab. Er war Soldat geworden, um fliegen zu können. Nun musste er seinen Dienstpflichten als Kompaniechef nachkommen, z.B. die Grundausbildung von Rekruten beaufsichtigen, darauf achten, dass sie lernten, Vorgesetzte korrekt zu grüßen, er musste mit ihnen im Gleichschritt marschieren und ihnen befehlen, dabei ein Lied zu singen., etc..Viel Zeit am Schreibtisch. Das hasste er und konnte das nicht verbergen.
koslowski schrieb am 28.11.2011 um 11:19
P.S. geht an kay.Kloetzer 04:03
Uwe Theel schrieb am 28.11.2011 um 11:29
@ koslowski schrieb am 28.11.2011 um 11:13

"... Das hasste er und konnte das nicht verbergen."

Wenn das die Quintessenz Ihres textes ist, was sollte sie, die scheinbar zentrale eines Nachgeborenen (Hauptmann S.) den Nachnachgeborenen lehren?

P.S.: Die Liebe zur Fliegerei kann man übrigens auch anderswo befriedigen, und wenn, es wäre sowieso eine nur private Angelegenheit, die im Text aber diffus, d.h. eigentlich unzulässig politisiert wird.
Rapanui schrieb am 28.11.2011 um 12:58
@ Uwe Theel schrieb am 28.11.2011 um 11:29

Koslowsi beschreibt, dass ihm der Hauptmann S. Egon Friedells "Kulturgeschichte der Neuzeit" schenkte. Dadurch wurde Koslowskis Beitrag für mich sehr stark mit Bedeutung aufgeladen. Ich habe das als eine literarische Idee verstanden, mit der Koslowski erzählt, wie sich der Hauptmann S. damit vom Onkel Hauptsturmführer distanziert, in dem er das Werk dieses jüdischen Intellektuellen verschenkt.

Literarisch wäre auch, dass Hptm S. als Buße für den Mörderonkel den Selbstmord von Friedell im Jahr 1938 im Jahr 1965 nachvollzieht.

Aber diese literarischen Assoziationen, wurden bei mir durch einen Satz wie "Er vermisste sein Kampfflugzeug" zerstört. Literarisch schwach gestaltet ist es auch, den Friedell für die "sorgfältige Beobachtung des Luftraums" zu verschenken.

Koslowskis Erzählung ist vielleicht gar keine Literatur und wenn doch würde die Geschichte ihr Ende am besten dadurch finden, dass sich in dem Schrank von Hptm S. noch weitere 25 Bücher von Friedell gefunden haben, die er irgendwo günstig als Restauflage erstanden hat. Um es ganz erbärmlich ausgehen zu lassen, könnte in allen Büchern eine gleichlautende Widmung stehen und der Icherzähler würde Jahre später feststellen, dass es die Handschrift des Kompanieschreibers ist.
Uwe Theel schrieb am 28.11.2011 um 13:15
@ Rapanui am 28.11.2011 um 12:58

Wenn wir schon ans "Eingemachte" gehen, geehrter Rapanui, dann möchte ich noch darauf hinweisen, dass Koslowski eigenem Bekunden nach - wenn ich ihn nicht falsch verstanden habe - gar keinn Literatur schreiben will, sondern nur persönliche Notizen veröffentlichen wollte.

Leider aber lädt er seinen kleinen Impressionen immer mit politischen Stichworten auf, die über den Text hinausweisen, aber der Autor nimmt sich dabei in keiner Weise mit, bleibt aber doch mehr in der Schwebe sichtbar, als seinen Texten gut tut. Er und sein Hauptman, oder welchen gegenstand koslowski dann immer sich wählte bleiben zu sehr und zu vage verbunden, als dass der Autor oder seine Figur schließlich in der Aussage wirklich ernst genommen werden könnten: Es sind allenfalls der Ausarbeitung durch den Autor noch harrende Gedankennotizen, die unbearbeitet veröffentlicht jedem Leser entweder beliebige Interpreation (=Spekulation) nur gestatten, oder hermetisch verschlossen, statt hermeneutisch erschließbar bleiben.

mfg
Uwe Theel

P.S. An Goedzak: Verschone mich, oh Held.
koslowski schrieb am 28.11.2011 um 22:20
@Uwe Theel 11:29 und 13:15
„Wenn das die Quintessenz Ihres textes ist“ - Nein, es ist eine Erläuterung für kay.kloetzer, die nachfragte,: „worin genau hätte das abwesende glück dieser truppen-zeit gelegen?“

„lädt er seinen kleinen Impressionen immer mit politischen Stichworten auf, die über den Text hinausweisen, aber der Autor nimmt sich dabei in keiner Weise mit, bleibt aber doch mehr in der Schwebe sichtbar, als seinen Texten gut tut.“ – Ich nehme an, Sie erwarten von mir, dass ich meine Personen/Figuren, ihr Handeln und dessen Kontext analysiere und bewerte. Das möchte ich nicht, es wäre mir zu didaktisch. Die Sache mit S. soll in der Schwebe bleiben, weil sie für mich, den 19jährigen Wehrpflichtigen, dessen Perspektive ich übernehme, mehrdeutig war und für mich, den Schreiber fast ein halbes Jahrhundert später in Kenntnis seines Onkels, immer noch mehrdeutig ist. Es kann aber sein, dass mein Versuch, von realen Begegnungen mit Menschen so zu erzählen, dass mein Interesse an ihnen und mein Erstaunen über sie deutlich werden, diesmal ( oder regelmäßig ) misslungen ist.
„…zu vage verbunden, als dass der Autor oder seine Figur schließlich in der Aussage wirklich ernst genommen werden könnten:“ – Das ist völlig in Ordnung.
Uwe Theel schrieb am 28.11.2011 um 23:50
@ koslowski am 28.11.2011 um 22:20

Ich danke für das klärende Wort.

ut
Magda schrieb am 28.11.2011 um 17:01
Ich melde mich auch nochmal.

Katharina Schmitz schrieb am 27.11.2011 um 20:12 - "Lieber Herr Streifzug, man wüsste gerne, aus welcher biografischen Perspektive Sie schreiben, so wie Sie schreiben."

Es ist schon herrlich. Auf meinen bissigen Einwurf reagiert nur Streifzug. Katharina Schmitz wendet sich - über mich hinweg - an ihn, nicht an mich.
Ich denke mir - bei allen Differenzen zwischen uns - erinnere ich mich, dass Streifzug auf meine biographischen Texte damals interessiert reagiert hat.

Aber, ich will trotzdem - nochmal - verlinken, weil das vielleicht erklärt, woher bei mir das Unbehagen und dieser Widerwille gegen diese Art Geschichten kommen.

www.freitag.de/community/blogs/magda/vom-wegsehen-und-vom-zuhoeren

Außerdem -ich lese gerade Ruth Klügers "Weiterleben". Die beschäftigt sich auch bissig mit der Deutschen Aufarbeitungstechniken. Vielleicht kommts daher.

Ich habe immer das Gefühl, dass die Geschichten der Täter und ihrer Nachkommen viel interessanter sind als die Opfer.

Und ich habe wohl gemerkt, wie Mann sich wechselseitig einfühlsam beispringt.

Die blanke Schöngeisterbahn.
Ich bin belehrt, was das alles angeht. Danke.
Popkontext schrieb am 28.11.2011 um 18:39
@Magda
Ich hatte deinem Kommentar fünf Sternchen verpasst, taucht leider nicht auf. Ob sich Streifzug direkt auf dich bezieht wird allerdings nicht offensichtlich.
Rapanui schrieb am 28.11.2011 um 19:24
@ Magda schrieb am 28.11.2011 um 17:01

Ich habe doch meinen Teil getan, um Ihnen beizuspringen und nicht Koslowskis Bedeutungshuberei.
Magda schrieb am 28.11.2011 um 22:07
Hallo "Poppy" und Rapanui - Ja, Ihr habt Recht. Ich hatte mich geärgert und da wird man selbst ungerecht.
@ Popkontext - Danke für die Sterne. Die sind bestimmt am Himmel, wo sie ja auch hingehören. :-)))

Stimmt Rapanui, bei Ihnen wollte ich sogar noch was drunter schreiben. Sie sind in die Debatte eingestiegen und das auch sachlich. Ich habe ein Unbehagen genährt und formuliert. Aber mehr so aus dem Bauch heraus.

Gruß
Katharina Schmitz schrieb am 29.11.2011 um 09:20
Verehrte Magda,

Sie irren sich. Ich habe mich gerade direkt an Herrn Streifzug gewendet. Sie geben mir das Stichwort: "deutsche Aufarbeitungstechnik". Was Sie bei Herrn Koslowski ärgerte, irritierte mich beim Herrn Streifzug. Hier hatte ich vorsichtig gefragt zu Stil, Motivation, Perspektive. Ich finde eben nicht, dass lyrisches Aufgebot automatisch von adäquater Mahn/Erinnerungskultur zeugt, automatisch zum richtigen Erinnerungsmenschen macht. Ihren Blog habe ich mit Interesse gelesen, vielen Dank.
Oberham schrieb am 29.11.2011 um 12:45
Mir gefällt der lakonische Grundton.
Das der Text anregt zum nachdenken, ist wohl angesichts der vielen Komentare erwiesen.

Persönlich könnte ich keinerlei Wertung vornehmen - kurz flackerte der Begriff "Sippenhaft" auf - doch das war wohl ein Zeichen meiner eigenen Beschränktheit - die der Autor entlarvte - als er zum Ende einen doch völlig irrelevanten verwandschaftlichen Bezug herstellte.
Ein hübscher Schutzreflex - ah ja - dem sein Onkel....

Schon vergisst man die eigene Relevanz!

Einzig relevant ist - wir sind eine Folgegeneration - wir sind Menschen, Menschen sind zu so vielen Dingen fähig.

Gerne gelesen - Danke.....
g. schrieb am 30.11.2011 um 05:26
Woher kommt eigentlich das rasante Bedürfnis Erfahrungen stante pede zurichten zu wollen und wenn das nicht geht, ratzfatz abzuwehren? Mit Frauen und Männern hat es wohl nix zu tun und hoffentlich auch nichts mit Ost/West.
Hans Dirk schrieb am 01.12.2011 um 13:55
Zur Kenntnisnahme: Ein Offizier und besonders ein Kompaniechef schreit und brüllt nicht - dafür hat er seine Unteroffiziere.
Rapanui schrieb am 02.12.2011 um 11:12
@ Hans Dirk schrieb am 01.12.2011 um 13:55

Ist das ein Zitat aus dem "Handbuch Innere Führung"?
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316 Seiten. Gebunden.

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Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
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Der gefährlichste Mann Europas?

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24.05.2012

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