koslowski

Was soll's?

20.11.2011 | 12:25

Etwas Kleist zum Totensonntag

Vor dem Gottesdienst besuchte ich das Grab der Eltern, zupfte das Unkraut und legte einen kleinen Kranz nieder. In der Dorfkirche predigte der Pfarrer von der Überwindung des Todes durch Jesus Christus und verlas dann die Namen der in diesem Jahr Verstorbenen.

Auf dem Rückweg hielt ich in B., kaufte eine Sonntagszeitung, las im Cafe den Sportteil und dann den Artikel über Kleist, in dem der Autor die Radikalität seines Lebens und seiner Literatur darstellt. Er zitiert zwei Texte, die von der Vorfreude auf die Schönheit der Welt jenseits des Todes sprechen:

„Zwar, eine Sonne, sagt man,

scheint dort auch,

Und über buntre Felder noch, als

hier;

Ich glaub’s; nur schade, daß das

Auge modert,

das diese Herrlichkeit erblicken soll.“

( Prinz Friedrich von Homburg )

 „Wir, unsererseits, wollen nichts von den Freuden dieser Welt wissen und träumen lauter himmlische Fluren und Sonnen, in deren Schimmer wir, mit langen Flügeln an den Schultern, umherwandeln werden. Adieu!“

( Abschiedsbrief vom 21.November 1811 )

 

Am Abend wird die Familie kommen, wir werden Grünkohl essen, mit Pinkel aus dem Oldenburger Land - animiert in Verbindung mit Korn die Lebenslust ( Familienmythos ).

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.11.2011 um 13:36
Auf dem Rückweg hielt ich in B., kaufte eine Sonntagszeitung, las im Cafe den Sportteil und dann einen Aufsatz über Kleist, in dem der Autor die Radikalität seines Lebens und seiner Literatur darstellt.

Falls mit B. = Berlin gemeint ist, da können Sie auch in der Bimarckstrasse am Kleinen Wannsee das Grab von H. v. Kleist und Henriette Vogel besuchen.
koslowski schrieb am 20.11.2011 um 22:17
Nein, B. ist Bünde (Westfalen). Ich habe gelesen, dass das Grab am Kleinen Wannsee zu einer Gedenkstätte werden soll. Gibt es die schon?
poor on ruhr schrieb am 20.11.2011 um 21:11
Danke für das Toensonntag-Blog. Schöne Zeilen. ;)
koslowski schrieb am 20.11.2011 um 22:18
Danke für deine Freundlichkeit. Eine gute Woche für dich!
RatCreutz schrieb am 20.11.2011 um 22:54
Ich war heute am Kleinen Wannsee und habe mir das neu gestaltete Kleist-Grab angesehen.
Daß Henriette Vogels Lebensdaten nun mit denen Kleists auf demselben Stein stehen, gefällt mir.
Weniger sagt mir zu, daß das Wort Unsterblichkeit zweimal auf dem Stein zu finden ist. Vorne, in Max Rings Vers:

Er lebte, sang und litt / in trüber schwerer Zeit, / er suchte hier den Tod, / und fand Unsterblichkeit.

Und auf der Rückseite in den Worten Prinzen v. Homburg:

Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein!
koslowski schrieb am 21.11.2011 um 12:05
Danke für die Informationen. Zur Unsterblichkeit hat Robert Gernhardt ein Gedicht gemacht, das das Problem des Dichters auf den Punkt bringt:

Dichterlos

Es hat der Tod
einen Stachel für jeden
und einen speziell
für jene, die schreiben:
Zu wissen, man wird
was erleben und kann
ums Verrecken nicht mehr darüber berichten.
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