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Vor dem Gottesdienst besuchte ich das Grab der Eltern, zupfte das Unkraut und legte einen kleinen Kranz nieder. In der Dorfkirche predigte der Pfarrer von der Überwindung des Todes durch Jesus Christus und verlas dann die Namen der in diesem Jahr Verstorbenen.
Auf dem Rückweg hielt ich in B., kaufte eine Sonntagszeitung, las im Cafe den Sportteil und dann den Artikel über Kleist, in dem der Autor die Radikalität seines Lebens und seiner Literatur darstellt. Er zitiert zwei Texte, die von der Vorfreude auf die Schönheit der Welt jenseits des Todes sprechen:
„Zwar, eine Sonne, sagt man,
scheint dort auch,
Und über buntre Felder noch, als
hier;
Ich glaub’s; nur schade, daß das
Auge modert,
das diese Herrlichkeit erblicken soll.“
( Prinz Friedrich von Homburg )
„Wir, unsererseits, wollen nichts von den Freuden dieser Welt wissen und träumen lauter himmlische Fluren und Sonnen, in deren Schimmer wir, mit langen Flügeln an den Schultern, umherwandeln werden. Adieu!“
( Abschiedsbrief vom 21.November 1811 )
Am Abend wird die Familie kommen, wir werden Grünkohl essen, mit Pinkel aus dem Oldenburger Land - animiert in Verbindung mit Korn die Lebenslust ( Familienmythos ).
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Auf dem Rückweg hielt ich in B., kaufte eine Sonntagszeitung, las im Cafe den Sportteil und dann einen Aufsatz über Kleist, in dem der Autor die Radikalität seines Lebens und seiner Literatur darstellt.
Falls mit B. = Berlin gemeint ist, da können Sie auch in der Bimarckstrasse am Kleinen Wannsee das Grab von H. v. Kleist und Henriette Vogel besuchen. |
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Nein, B. ist Bünde (Westfalen). Ich habe gelesen, dass das Grab am Kleinen Wannsee zu einer Gedenkstätte werden soll. Gibt es die schon?
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Danke für deine Freundlichkeit. Eine gute Woche für dich!
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Ich war heute am Kleinen Wannsee und habe mir das neu gestaltete Kleist-Grab angesehen.
Daß Henriette Vogels Lebensdaten nun mit denen Kleists auf demselben Stein stehen, gefällt mir. Weniger sagt mir zu, daß das Wort Unsterblichkeit zweimal auf dem Stein zu finden ist. Vorne, in Max Rings Vers: Er lebte, sang und litt / in trüber schwerer Zeit, / er suchte hier den Tod, / und fand Unsterblichkeit. Und auf der Rückseite in den Worten Prinzen v. Homburg: Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein! |
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Danke für die Informationen. Zur Unsterblichkeit hat Robert Gernhardt ein Gedicht gemacht, das das Problem des Dichters auf den Punkt bringt:
Dichterlos Es hat der Tod einen Stachel für jeden und einen speziell für jene, die schreiben: Zu wissen, man wird was erleben und kann ums Verrecken nicht mehr darüber berichten. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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