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Am Nachmittag des 13.Dezember 1941, einem Samstag, verließ ein Personenzug 3.Klasse den Güterbahnhof in Bielefeld. Sein Ziel war Riga in Lettland, das er zwei Tage später, kurz vor Mitternacht, erreichte. Die Passagiere waren jüdische Deutsche aus dem Bereich der Außenstelle der Gestapo in Bielefeld. Sie wurden zunächst im Ghetto im Stadtteil Skirotova untergebracht, dessen jüdische Bewohner kurz zuvor in den angrenzenden Wäldern erschossen worden waren. Von den 420 Menschen aus Ostwestfalen-Lippe, die am 13.12.1941 deportiert wurden, überlebten 48 den Völkermord.
Bis 1945 fuhr die Deutsche Reichsbahn in sieben weiteren Transporten ( dann in Güterzügen ) jüdische Deutsche aus der Region vom Bielefelder Bahnhof aus in die Ghettos und Vernichtungslager im Osten Europas. Die Namen von 1604 Opfern sind bekannt.
Eine genaue Darstellung der Hintergründe und Umstände dieses ersten Transports findet sich hier: bit.ly/tgUNDx
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Am Abend dieses Tages notierte Goebbels in seinem Tagebuch die Kernaussagen einer Rede Hitlers, die dieser am Nachmittag, als sich in Bielefeld der Zug nach Riga in Bewegung setzte, vor den Gauleitern gehalten hatte:
Bezüglich der Judenfrage ist der Führer entschlossen, reinen Tisch zu machen. Er hat den Juden prophezeit, daß, wenn sie noch einmal einen Weltkrieg herbeiführen würden, sie dabei ihre Vernichtung erleben würden. Das ist keine Phrase gewesen. Der Weltkrieg ist da, die Vernichtung des Judentums muß die notwendige Folge sein. Diese Frage ist ohne jede Sentimentalität zu betrachten. Wir sind nicht dazu da, Mitleid mit den Juden, sondern nur Mitleid mit unserem deutschen Volk zu haben.
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70 Jahre danach lese ich heute in der Presseinformation zur Präsentation der Langzeituntersuchung Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von Wilhelm Heitmeyer (Bielefeld):
Relativ abnehmend: In den letzten drei Erhebungsjahren haben sich Antisemitismus, Homophobie und Sexismus leicht abnehmend gezeigt. Ein Viertel der Befragten findet es in 2011 „…ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen.“ Während dies in 2005 noch zehn Prozentpunkte mehr waren. „Juden haben in Deutschland zuviel Einfluss“ meinen derzeit 13 Prozent in der deutschen Bevölkerung, in 2002 stimmten der Aussage 21,6 Prozent zu. ( bit.ly/tlitKr )
Ob 13% tatsächlich eine gute Nachricht sind?
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@koslowski
Einen Tag vorher, hatte Hitler vor dem versammelt geichgeschalteten Deutschen Reichstag in der Kroll Oper den USA den Krieg erklärt, nachdem die Japaner vorher am 07. Dezember 1941 die US- Marine im Marine Stützpunkt Pearl Habour auf Hawai angegriffen hatten. |
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Ein anderes Datum,
13. Dezember 1981 "Ausrufung des Kriegsrechts gegen Soldarnosz in der VR Polen" |
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Die Lokalzeitung schreibt heute über die Mahnwache am Hauptbahnhof Bielefeld, die gestern Abend stattfand:
"Knapp 40 Teilnehmer versammelten sich bei eisigem Wind vor dem Mahnmal. Deutlich weniger als in den Jahren zuvor, in denen im Januar der Deportierten gedacht wurde. "Dieses Mal wollten wir den 70. Jahrestag auf den Punkt genau begehen", erklärte Martin Decker, Mitglied der Initiative Mahnmal. Als Ursache für die schwache Beteiligung vermutete er das unwirtliche Wetter und die Adventszeit. Statt wie üblicherweise die Namen aller 420 Juden zu lesen, beschränkten sich Decker und andere auf 200, unter ihnen auch Hildegard und Jakob Stein aus Bielefeld. Bei allen Genannten handele es sich um Menschen, über deren Schicksal genauere Informationen vorliegen. Der Vortragende erinnerte daran, dass mancher der Deportierten ums Leben kam, noch bevor der Zug sein Ziel erreicht hatte. Zum Abschluss des Vortrags trug wie auch in den Jahren zuvor Paul Yuval Adam, Vorstand der jüdischen Gemeinde, das hebräische Totengebet Kaddisch vor. " |
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Guter Artikel, Koslowski - aber eine Nachfrage zum Kommentar: EIN Mann sprach den Kaddisch?
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So berichtet es die "Neue Westfälische", ich konnte selbst an der Mahnwache nicht teilnehmen. Bei Wikipedia habe ich eben gelesen, dass das Kaddisch gesprochen werden kann, wenn "zehn erwachsene Juden anwesend sind." Diese Bedingung, nehme ich an, war erfüllt, da die jüdische Gemeinde in Bielefeld zu den Veranstaltern der Mahnwache gehörte.
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Ok, darauf wollte ich hinaus - es las sich so befremdlich. Ich dachte, du seiest dabei gewesen.
Ist ja nicht so wichtig, aber manchmal bin ich detailversessen. ;-) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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