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Über Nacht hatte sich am Ringfinger der linken Hand ein schmerzhafter Abszess gebildet, und da der Hausarzt im Urlaub ist, fuhr ich am Morgen zur Ambulanz des nächstgelegenen Krankenhauses.
In den nächsten zwei Stunden im Wartezimmer las ich in den ausliegenden Zeitschriften und Tageszeitungen und erfuhr u.a. , dass
● Karl-Theodor und Stephanie zwanzig Minuten vor New York in einem Ort mit einem deutschen Bäcker eine neue Bleibe gefunden haben,
● der Brief der Partei DIE LINKE an Fidel Castro von einem Automaten unterschrieben worden war,
● die CDU die Ausladung Sahra Wagenknechts vom Literaturfestival „Poetische Quellen“ in Bad Oe. gefordert habe, wo sie am Sonntag an einer Diskussion über „Freiheit und menschliche Würde“ teilnehmen soll, weil die Teilnahme einer Kommunistin zu diesem Thema etwa so sei, als lade man die NPD zu einer Diskussion über Probleme der Integration von Einwanderern ein, und
● im Haushalt der Familie Brandt außer einem Affen auch ein Graupapagei gelebt habe, der morgens in der Küche, während der Bundeskanzler rauchte, die Internationale gepfiffen habe.
Nachdem der Doktor den Abszess geöffnet ( „Können Sie Blut sehen?“ ) und die Wunde versorgt hatte, fuhr ich nach Haus, zog mich um, nahm an der Beerdigung von M. teil, fuhr nach Haus, zog mich um, setzte mich an den Schreibtisch und begann einen Aufsatz über „Linke Melancholie im zeitgenössischen Kriminalroman“ zu schreiben, zu den mich meine Lektüren im Urlaub an der Jammerbucht inspiriert hatten.
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Korrektur: Der Brief an den Máximo Líder wurde nicht von einem Automaten, sondern von einem Histomaten unterschrieben.
¡Adelante compañero! |
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„Linke Melancholie im zeitgenössischen Kriminalroman“....
damit wirst Du die Bestsellerlisten erobern! |
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Lieber Koslowski,
den "Brief an den Máximo Líder" hätte ich per Hand unterschrieben, gemeinsam mit vielen meiner SPD-FreundInnen, die auf irgendeine eine Sozialdemokratisierung Kubas hoffen. Sie kennen die Geschichte, die (nicht demokratischen) Traditionen des Landes nicht, das früher, vor Castro, das nächstgelegene Püffchen der USA war und später dank Fidel zum sozialen Vorbild für Süd- und Mittelamerika wurde. |
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Lieber koslowski,
danke für die Impressionen von Deinem Krankenhausbesuch. Ich hoffe, dass mit der linken Hand wieder alles gut in Ordnung kommt. Das Aufsatzthema hört sich spannend an. Bei Kriminalromanen mag ich Friedrich Glauser besonders. Zu seiner Zeit und auf seine Art war der vielleicht auch eher links. Gutes Gelingen. Herzliche Grüße por |
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@j-ap
Nein, nein, denn mit dem Histomat gelängen ja alle historischen Analysen quasi automatisch. @archinaut Wohl nicht,denn Qualität blüht nur im Verborgenen. @weinsztein Ja, das ist kein geringes Verdienst, macht aber die Repression nicht erträglicher. Die Hoffnung auf eine "Sozialdemokratisierung" des Regimes ist ehrenwert, aber doch eher unwahrscheinlich. @por Glauser ist ein sehr guter Tipp ("Matto regiert"), und irgendwie links war er wohl auch, passt aber nicht in die Reihe politischer Krimis, die um die Jahrtausendwende entstanden sind. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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