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Die Schlagzeilen meiner Lokalzeitung berichten an diesem Montag von einem Amoklauf, der Verhaftung eines mutmaßlichen Kinderschänders im Nachbarort und von Prämienzahlungen in Millionenhöhe an die Manager einer gescheiterten Bank. Für Melancholiker jede Menge Bestätigung für ihre Vermutung, dass der Mensch schlecht und die Welt böse sei. Auch die Community hat nichts Erfreuliches zu melden: -„Die Kultur der etablierten Parteien CDU/CSU/FDP/GRÜNEN ist derzeit völlig beschissen!“
"Wo, Koslowski, steckt nur das Positive?", frage ich mich, suche im Internet und werde fündig bei „HÖR ZU HEIMAT“, einem neuen Produkt aus dem Hause Springer: „Mit der Stärke, Kompetenz und Erfahrung der HÖRZU-Redaktion ermöglichen wir künftig einen neuen Blick auf Deutschland, der gleichzeitig auch dem wachsenden gesellschaftlichen Bedürfnis nach Nähe, Verbundenheit und Tradition gerecht wird.“
Der Gedanke, dass Springer und HÖR ZU mein Bedürfnis nach guten Nachrichten befriedigen, ist mir unangenehm. Ich mustere meinen persönlichen Kanon guter Lyrik nach Texten mit einer positiven Botschaft und stoße dabei auf ein Gedicht von H. M. Enzensberger , in dem er am Ende des letzten Jahrhunderts mit sanftem Spott über Kapitalismuskritiker und Kulturpessimisten ein idyllisches Bild unserer Gesellschaft skizziert:
Hans Magnus Enzensberger
Optimistisches Liedchen ( 1999 )*
Hie und da kommt es vor
daß einer um Hilfe schreit.
Schon springt ein andrer ins Wasser,
vollkommen kostenlos.
Mitten im dicksten Kapitalismus
kommt die schimmernde Feuerwehr
um die Ecke und löscht, oder im Hut
des Bettlers silbert es plötzlich.
Vormittags wimmelt es auf den Straßen
von Personen, die ohne gezücktes Messer
hin- und herlaufen, seelenruhig,
auf der Suche nach Milch und Radieschen.
Wie im tiefsten Frieden.
Ein herrlicher Anblick.
Endlich mal ein Dichter, der davon singt, was in der Welt gut ist und klappt.
„Sagen Sie mal, Herr Enzensberger, wie meinen Sie das: „Optimistisches Liedchen“, das ist doch pure Ironie? Wie funktioniert Ihr Gedicht?“ – „Mit der Apokalypse kann ich nicht viel anfangen. Und wenn ein Gedicht etwas taugt, dann ist es besser als alles, was darüber gesagt wird.“ **
Mein Bedürfnis nach Nachrichten, die Mut machen, ist nun gestillt, und ich warte auf den Versicherungsvertreter, der mir erklären soll, wie das Bildungssparen für meine Enkel funktioniert.
* In: H.M.E., Leichter als Luft. Moralische Gedichte. Frankfurt/M. 1999, S.7
** In: „99 Fragen an Hans Magnus Enzensberger“. ZEITmagazin v. 12.08.2010
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Sowohl als auch. Aber montags mehr A. als O., im Verlauf der Woche siegt der Galgenhumor - also mach dir keine Sorgen um mich, alles wird (fast) gut.
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lieber koslowski,
woran du wohl festmachst die schönheit deiner texte?!? ich mochte ihn auch und fast noch lieber, den mit sonne im morgen gelesenen ... liebe grüße lausemädchen |
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Schön, dass du wieder da bist und mich, wie immer übertrieben, lobst. Ältere Herren mögen Streicheleinheiten, schmeicheln ihrer Eitelkeit. Eine schöne Woche und Grüße an R.
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schön, dass du noch und immer weiter da bist
und mir einen blick auf das durchaus geheimnisvollumwobene gefühlsleben älterer herren schenken tust:-))) herzlich-grüße lausemädchen |
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"Springer und HÖR ZU": ich lernte sie kennen im elternwohnzimmer, hör zu, hör zu, hör zu, und ich las dann ja auch, jede woche, alles. und wissen war auch dabei, und bilder, ah, die welt. danke.
der onkel schenkte über jahre readers digest, mein weltwissen über haaren, altkreis wtl, hinaus. springer und bertelsmann haben mir ureigentlich die welt geschenkt. und der bus nach osnabrück. und uli, der mich zum vfl geschleppt hat, als der vater es nicht mehr tat. heute facebookfreundschaft nach emden. später las ich auch sone gedichte wie vom hme. aber wennste mich heut fragst: wichtig ist, daß paar leut noch bremer brücke sagen. und du einen hast, der genau so mit dir hingeht. |
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HÖRZU und Readers Digest haben neben dem Bertelsmann Lesering ( "Der Mensch lebt nicht von Brot allein" ) meiner Tante mein Weltwissen entschieden gefördert. Gedichte von HME und anderen lese ich heute noch gern und ich sage immer noch "Alm" ( aber hingehen muss ich meistens allein ).
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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