koslowski

Was soll's?

31.07.2011 | 13:42

Von der HJ, vom hohen Preis des Krieges und vom Wert der Islamkritik

Während die ersten Opfer des Massenmords von Oslo beigesetzt werden, beginnt die rechtspopulistische Szene mit den Aufräumarbeiten, indem sie die Opfer zu potentiellen Tätern macht und sich zum Garanten der „freiheitlich – demokratischen Grundordnung“ erklärt:

"There was a shooting at a political camp, which sounds a little like the Hitler Youth, or whatever, I mean, who does a camp for kids that's all about politics? Disturbing.” – Der amerikanische Moderator Glenn Beck in seiner Radioshow, die von mehr als 400 Stationen in den USA übernommen wird: ti.me/nDkPYt )

Zu der außermoralischen Betrachtung der Tat, vor allem der Erschießung eines Teils der zukünftigen kulturmarxistischen und multikulturellen Elite Norwegens: Das ergibt schon in gewisser Weise Sinn, vorausgesetzt man begreift den Konflikt zwischen Kulturmarxisten und Völkern als einen Vernichtungskrieg gegen letztere. Zwar ist kein Jugendlicher reif genug, um die Prämissen der Leute, die sein Zeltlager organisiert haben, vollständig zu begreifen, doch genau dafür haben Jugendliche Eltern. Und auch die Eltern, die ihren Nachwuchs solchen Wölfen im Schafspelz anvertrauten, müssen begreifen, daß ihre Kinder dort zu Werkzeugen im Kampf gegen das eigene Volk und dessen Recht, nach seiner Art zu leben, abgerichtet werden sollten. Naivität kann man entschuldbar finden, in einem Krieg ist sie aber hochgefährlich und hat einen hohen Preis, der in Blut entrichtet wird. – Auf der deutschen Website von fjordman, auf den sich Breivig in seinem „Manifest“ bezieht: bit.ly/nWSMlW )

Damit sendet der Verfassungsschutz einen Lichtblick in einer düsteren Zeit! Offensichtlich gibt sich die Behörde nicht der Hetze hin, die derzeit aus dem linken Lager gegenüber islamkritischen und linkskritischen Kräften betrieben wird. Und das ist gut und richtig so. Denn gerade hinsichtlich der Bewahrung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung kommt der Islamkritik im Allgemeinen und PI im Speziellen eine große Bedeutung zu. Ganz im Gegensatz übrigens zu dem freiheitsfeindlichen Treiben mancher linker Vertreter in Medien und Politik. ( Pi-news in einem Kommentar zur Feststellung des Verfassungsschutzes, die Voraussetzungen für die Aufnahme von PI in den Verfassungsschutzbericht seien nicht erfüllt: bit.ly/n7YDm5 )

 

Und noch ein kurzer Blick in die Lesezirkel der Zukunft, wo ein paar alte Männer der Aufklärung und des kämpferischen Humanismus der deutschen Leitkultur nachtrauern:

Wo sehen Sie die Integrationsdebatte in 20 Jahren?

Broder: Wahrscheinlich wird sich das Thema bis dahin erledigt haben. Auf der Straße wird dann türkisch gesprochen, in den Hochschulen englisch, und ein paar alte Männer wie ich werden sich heimlich zu Literaturzirkeln treffen. Das wird gemütlich.

( Interview in der Hessisch/Niedersächsische Allgemeine Zeitung von 10.03.2011 - bit.ly/pHSIJf )

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 31.07.2011 um 14:03
Broder ist eben ein Mann mit einem auch schon beim Freitag-Salon gewürdigten subtilen Humor.
Magda schrieb am 31.07.2011 um 14:21
Genau, Broder der "Rettungsfolterer".
Der verwurstet für eine gute Pointe alles, was ihm in die Finger kommt.
goedzak schrieb am 31.07.2011 um 14:54
Die Zitate erinnern mich an das, was mich an dieser ausufernden Breivik-Diskussion stört. Ob der Typ wahnsinnig ist oder nicht, ob diese Taten den Beweis erbringen, dass Islamophobie tödlich ist oder dies nur 'linke' Propaganda sei, ob die Wilders' und Sarrazins Menschen zu solchen Taten treiben oder nicht, scheint mir ein Fragen am Problem vorbei zu sein. Viel wichtiger ist die Frage: Sind nicht diese ideologischen Konstrukte als ernstzunehmende Programmatik von Kräften anzusehen, deren Ziel es ist, an die Macht zu kommen, das staatliche Gewaltmonopol in ihrem Sinne anwenden zu können?
Das sind Kräfte, die niemals offen terroristische Taten vollbringen würden. Viel zu schlecht für's Image.

Es gibt anscheinend zwei sowohl konkurrierende als auch interagierende Tendenzen der Systemstabilisierung und des Erhalts und Ausbaus der Macht. Die eine, globalisierungsaktive, usw., die sich auf die wohlstandsbasierte, gebildete, weltoffene, liberale, tolerante Mittelschicht stützt, und die andere, nationalistische, rassistische, protektionistische usw., die die Verlustängste eben dieser Mittelschicht ausnutzt.

Wenn dann sowas wie diese Anschläge in Norwegen passiert, reiben sich beide Tendenzen etwas aneinander, ansonsten aber geht alles weiter seinen Gang.
goedzak schrieb am 31.07.2011 um 14:57
Es sollte heißen "Die eine, globalisierungsaktive, weltoffene, liberale, tolerante, die sich auf..."
Rahab schrieb am 31.07.2011 um 15:31
hm.
ohne wohlstand scheint es nicht zu gehen?
was aber wäre nun "wohlstand"?
koslowski schrieb am 31.07.2011 um 20:30
@goedzak 14:54

Zu deiner Frage: Ja, diese ideologischen Konstrukte sind für die europäischen Rechtspopulisten Hilfsmittel für den Griff nach der Macht - nach der Beteiligung an der Staatsgewalt und am staatlichen Gewaltmonopol. Dass Einzelgänger wie Breivik dies ernst nehmen und Ernst machen, ist ein peinlicher Kollateralschaden, der hingenommen, erklärt, relativiert wird.

Zur These, liberale und rechtspopulistische Positionen seien unterschiedliche Strategien zur Sicherung der Macht und Stabilisierung des (ich nehme an: kapitalistischen) Systems: Nein, das halte ich für falsch, und ich finde, es wäre ein fataler Fehler, wenn die Linke auf Grundlage dieser Prämisse Politik machte. Aufgabe der Linke ist es, die Werte der bürgerlichen Gesellschaft, insbesonders den Gedanken der Gleichheit von Menschen, Nationen und Kulturen, gegen ihre Feinde von rechts zu verteidigen. Indem sie dies tut, setzt sie sich dafür ein, die Chance auf eine andere, bessere Ordnung zu wahren. Der Sieg der Rechtspopulisten gäbe diese Chance nicht.
goedzak schrieb am 01.08.2011 um 08:20
"Aufgabe der Linke ist es, die Werte der bürgerlichen Gesellschaft, insbesonders den Gedanken der Gleichheit von Menschen, Nationen und Kulturen, gegen ihre Feinde von rechts zu verteidigen." - Ganz gewiss, aber das habe ich auch nicht bestritten. Die 'Linke' ist in der Geschichte sowieso oft genug die einzige Kraft gewesen, die das getan hat. Die beiden von mir genannten Akteure tun es jedenfalls heute auch nicht. Schau Dir doch bloß an, was die FDP heutzutage unter 'Freiheit' versteht. Und eines noch: Auch die neuen Kriege werden nicht für die 'Gleichheit' geführt.
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