koslowski

Was soll's?

23.12.2011 | 21:58

Weihnachtsball in Dublin

Gabriel Conroy, ein Schriftsteller, besucht mit seiner Frau den jährlichen Weihnachtsball seiner Tanten. Später im Hotel erzählt sie ihm von einer Jugendromanze mit einem jungen Verehrer, der ihretwegen gestorben ist, wie sie glaubt. Weinend schläft sie ein, und ihr Mann ist noch einen Moment wach, in dem sich verschiedene Gefühle mischen: Eifersucht, Liebe, Versöhnung, Trauer um die Toten und die Vergänglichkeit.

„Es hatte wieder zu schneien begonnen. Er beobachtete schläfrig die Flocken, silbern und dunkel, die schräg zum Lampenlicht fielen. Die Zeit war für ihn gekommen, seine Reise gen Westen anzutreten. Ja, die Zeitungen hatten recht: Schneefall in ganz Irland. Schnee fiel überall auf die dunkle Zentralebene, auf die baumlosen Hügel, fiel sacht auf den Bog of Allen, und, weiter gen Westen, fiel er sacht in die dunklen aufrührerischen Wellen des Shannon. Er fiel auch überall auf den einsamen Friedhof oben auf dem Hügel, wo Michael Furey begraben lag. Er lag in dichten Wehen auf den krummen Kreuzen und Grabsteinen, auf den Speeren des kleinen Tors. Auf den welken Dornen. Langsam schwand seine Seele, während er den Schnee still durch das All fallen hörte, und still fiel er, der Herabkunft ihrer letzten Stunde gleich, auf alle Lebenden und Toten."

Aus: James Joyce, Die Toten ( 1914 )

Frohes Fest allerseits!

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 23.12.2011 um 22:15
Ja, irgendwie seltsam. Weihnachten, das Geburtsfest, liegt im Dunklen, Kalten, bringt beinahe automatisch Todesgedanken hervor. Okay, die eigentliche Geburt ist ja die Auferstehung, da kann man die dafür vorauszusetzende Hinrichtung ja auch gleich viel optimistischer sehen.

Naja, watt dem Laien so durch'n Kopp jeht... :)
Streifzug schrieb am 23.12.2011 um 22:30
Hallo koslowski,

Frohe Festtage wünsche ich Dir.
Schreib doch mal über was Fröhliches :)

(Und lass Dir den Spaß nicht durch Sternenknipser verderben. Soweit ich es gesehen habe, hast Du zwei Artikel daraufhin gelöscht.)
koslowski schrieb am 23.12.2011 um 23:00
Lieber Streifzug,
mach dir keine Sorgen um mich. Die Erzählung von Joyce ist einfach wunderbar ( die Verfilmung von Huston auch und das Hörbuch von Brückner sowieso ); zu Weihnachten erinnere ich mich immer an sie ( ohne anderen Anlass ), deswegen habe ich der Versuchung nachgegeben, hier die letzten Sätze zu zitieren.

Etwas Fröhliches? Eine der Töchter brachte heute ihr Weihnachtsgeschenk vorbei, ein Buch mit dem verheißungsvollen Titel „Melancholie und Lebensfreude“. Ich werd`s lesen. Mal sehen, ob ich danach anders schreibe.

Der Sternenkrieger hatte leider recht. Deshalb habe ich die beiden Blogs schnell gelöscht. Irgendwann schreibe ich noch mal was Besseres über Heinz Spundflasche und Erich Wollenberg ( oder auch nicht ).

Beste Grüße, schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch für dich.
archinaut schrieb am 25.12.2011 um 13:03
...ja, diese Geschichte hat es in sich,,
vielleicht rührt sie an eine Frage
die öfter gestellt wird,
als man sich eingestehen möchte....
die vierte Frage nach wer? woher? wohin? :

Werde ich mit dem/der Richtigen gehen?

Danke für die Erinnerung....
poor on ruhr schrieb am 25.12.2011 um 17:54
Schöne Festtage Dir Lieber koslowski.

Schönes Blog. Gerne gelesen. ;)
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