Kritische Masse

Blog von Kritische Masse

31.07.2009 | 04:51

PlayFreitag und lass dich regieren

 

 

Kritik, das wäre die "Kunst, sich nicht dermaßen regieren zu lassen" (Foucault, 1978). Mir ist egal, welches Label sich derFreitag gibt, aber Kritik finde ich hier nicht.

Zur Kritik gehörten Analysen. In der alten Freitag - finde ich noch heute Analysen, die mir ein tieferes Verständnis von Zusammenhängen vermitteln. Mit dem neuen derFreitag ist mir das leider noch nicht passiert.

Es ist nett zu plaudern, es ist nett sich kennen zu lernen, das ist Gesellschaft/Community per se. Aber um was soll es eigentlich gehen? Wo sind die Inhalte?

Es gab kürzlich eine engagiert Diskussion: "Deregulierung. Oder: derFreitag pennt!" von @Streifzug.
Thema waren die "Krise" - kurz die Krise des Neoliberalismus - und die Krise des derFreitag. Alle Reaktionen aus der Redaktion und Umgebung waren recht lau. Sie klangen wie, "sorry du bist noch  nicht so der richtige User (Wikipedia-Talk), den wir uns wünschen, aber lauft jetzt nicht weg".
Ausdruck der Redaktion-Krise war für mich auch die Überschneidung beider Krisen. Man habe "VWL studiert" und mag nun weder dieses oder jenes klar beim Namen nennen.
Beim Namen zu nennen wäre, dass sich die Politik im Ausnahmezustand befindet und Gesetze wie im Notstand erlässt. (Lesenwert dazu Jürgen Link: »Normal« – eine Sprechblase? Normalismustheoretische Überlegungen zur kapitalistischen Krise. Jürgen Link in diskus – Frankfurter Student_innen Zeitschrift, 1/08 [PDF]) Unvorstellbare Milliarden werden für Banken bereitgestellt. Die Commerzbank gehört „uns“, nur „wir“ haben dort nichts mitzubestimmen. "Demokratiealarm", so hieß es zumindest auch mal in der Süddeutschen - hier in der ach so kommunikativen derFreitag ist der Zustand dieser Demokratie noch nicht einmal Thema. Selbst an die naiv-demokratische Form, die Politiker mit ihren eigenen Aussagen zu konfrontieren, scheut man sich.

Was soll es auch bringen? Ich bin nicht so sehr darauf angewiesen, Politikern Vertrauen zu schenken. Mich interessieren gut recherchierte Hintergründe, Analysen und damit die Kritik. Politiker-Rhetorik hat oft unterhaltungswert, ansonsten ist es für mich reine Zeitverschwendung, mich von mir fernen Interessen Geleiteten in die Ohren pusten zu lassen.

Aussagekräftiger ist es für mich, von denen die Probleme zu hören, die von ihnen Betroffen sind. Wie war das mit dem  "Arbeitskampf" in der Kita? Was stimmt so gar nicht mit den Arbeitsbedingungen? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen haben diese Missstände? - So etwas erfahre ich auf der Straße, im Cafe am Arbeitsplatz. Hier habe ich soetwas noch nicht gefunden.

Eine kritische Zeitung mit - falls es gewünscht ist - kritischer Community würde sich in der Gesellschaft bewegen und sich die Fragen und Problem vornehmen, die in der Gesellschaft existentiell und hoch politisch sind. Tatsächlich entpolitisiert werden diese Probleme, wenn darüber nur getalkt werden soll oder man sie sich von "Experten" aus der politischen Klasse erklären lassen möchte. Der Vorschlag von @Streifzug hätte genau an diesem Punkt in die Hose gehen können. Aber leider kam es noch nicht einmal dazu.

Die tatsächlichen Experten sind immer die, die mit den konkreten Problemen zu kämpfen haben. Die Fragen und auch die Antworten an die Politik ergäben sich dann nur allzu deutlich. Hier hätte Journalismus heute wieder eine Aufgabe. Vorrausgesetzt, es geht ihm um Aufklärung, Kritik und Diskussion von und mit denen, die es angeht.

Das Bedrängende und Wichtige an dem Beitrag "Deregulierung. Oder: derFreitag pennt!" von @Streifzug war die Kritik, dass die Bedürfnisse der Community nicht berücksichtigt werden. Allein dieser Fehler spricht Bände über den Unwillen, ein kritisches Medium zu sein.

Um kritisch zu sein, gehört es vor allem, aufmerksam gegenüber Kritik zu sein. Kritik hören zu wollen. Kritik zu ermöglichen. – Ja, das wurde „verpennt“ oder sehenden Auges gewollt. Denn erklärbar ist so ein Fauxpas, bei dem Anspruch etwas besseres als jedes andere x-beliebige Polit-Forum zu sein, für mich nicht.

Was bleibt? Bleiben wird der Spieltrieb einer Community [Siehe andere Negativ-Vorbilder: de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Southpark/Playing_Wikipedia]: Wie formuliere ich Freitags-Fragen, die auch die Redaktion durchlässt? Schaffe ich meine Anzahl an Beiträgen, die mich hier etwas sichtbarer machen ... Kritiker und Engagierte werden eine zeitlang ihre Nischen suchen und finden. Danach, daneben, darüber hinaus bleibt es beim: Seit leib und nett zueinander, ordnet euch den politischen Parteien zu oder knapp daneben, vergesst den Lifestyle nicht ... PlayFreitag. Es tut ja nicht weh?

Doch, mir schon!

 

 

 
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Kommentare
Bildungswirt schrieb am 31.07.2009 um 08:40
Hallo kritische Masse,
du meinst also, dass der Freitag auf dem Niveau von Anne Will & Co. wäre? Hart aber fair? Dein Fakten-Check wurde kritisch fundiert durchgeführt? In welchen politischen Bereichen? Welche Autoren/Publizisten/Blogger/Vordenker/Querdenker/Nachdenker? Alles nur PLAY?
Gibt es für dich einen wichtigen Unterschied von play and talk?
Wann beginnt eine "kritische Masse" im politischen Bereich wirksam zu werden? "Masse und Macht" in der Demokratie? (Schönen Gruß auch von Canetti)
Hast du die bisherigen ganz verschiedenen Selbstverständnis-Debatten im Freitag mitbekommen?

Übrigens: Einen kritischen Blogbeitrag von dir zum Arbeitskampf im Erziehungsbereich oder mitten aus dem prallen Leben des Volkes würde ich gern lesen. Ran an die Kritik.
Freundliche Grüße Bildungswirt
Kritische Masse schrieb am 31.07.2009 um 19:05
Wir beide haben jeweils andere Erfahrungen gemacht. Wir haben andere Erwartungen und wir haben andere Bedrüfnisse. Was ist so schlimm daran?
Um zu regestrieren, ob die Bild Zeitung ein kritisches Konzept hat, brauche ich keine Minute. Bei Anne Will reicht mindestens eine Sendung. Bei derFreitag reichten mir 14 Tage. Und merke, hier habe ich Kritik gesucht, keine Masse, kein Kollektiv und keine Beschwörungen von Community. Warum dann an dieser Stelle der Canetti?

Wenn diese "ganz verschiedenen Selbstverständnis-Debatten" etwas bewirkt haben, dann sich kaum etwas Konzeptionelles. Oder habe ich den Unmut in der angesprochenen "...derFreitag pennt!"-Debatte falsch verstanden?

Grüße, k.m.
Titta schrieb am 31.07.2009 um 11:51
Ich nehme die Aussage des Users Kritische Masse über die Redaktion:
"Alle Reaktionen aus der Redaktion und Umgebung waren recht lau. Sie klangen wie, "sorry du bist noch nicht so der richtige User (Wikipedia-Talk), den wir uns wünschen, aber lauft jetzt nicht weg"."
Ich stelle daneben seine eigene Kritik bezüglich der Community:
"Bleiben wird der Spieltrieb einer Community [Siehe andere Negativ-Vorbilder: de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Southpark/Playing_Wikipedia]: Wie formuliere ich Freitags-Fragen, die auch die Redaktion durchlässt? Schaffe ich meine Anzahl an Beiträgen, die mich hier etwas sichtbarer machen..."

Und stelle fest:
Der User Kritische Masse nimmt die Community ebensowenig ernst, er tut genau das, was er der Redaktion vorwirft.

Der User Kritische Masse schreibt weiter:
"Eine kritische Zeitung mit - falls es gewünscht ist - kritischer Community würde sich in der Gesellschaft bewegen und sich die Fragen und Problem vornehmen, die in der Gesellschaft existentiell und hoch politisch sind. Tatsächlich entpolitisiert werden diese Probleme, wenn darüber nur getalkt werden soll..."

Ich fasse wieder zusammen:
1. Der User Kritische Masse verfügt über das Wissen wie die Definitionsmacht, was die existentiellen Probleme und Fragen unserer Zeit sind. Weil er das weiß, erübrigt sich ein Talk, ein Gespräch, der Masse/Community über etwas anderes als diese.
Ich werte:
Wahrlich eine "sehr linke" Position.

2. Der User Kritische Masse unterscheidet zwischen unwichtigem Talk und hochwichtigen existentiellen Themen bzw. zwischen vernachlässigbarer Spielwiese und wichtiger politischer Analyse, aus der dann wohl die Veränderungen für unsere Gesellschaft erwachsen sollen.
Ich werte:
Diese Sichtweise ist wirklich "sehr links", wie auch sehr verstaubt und antiquiert.
Wie soll aus einer fundierten, aber furztrockenen Analyse eine neue Gesellschaft, ein neues buntes Miteinander erwachsen?

Eine neue Gesellschaft vom Reißbrett, das hatten wir schon, das endete im Desaster, das will ich nicht mehr!
Die Unterscheidung zwischen wichtiger Politik und unwichtigem Privatem - wann hört das endlich mal auf? Eine politische Diskussion, in der ich nicht mehr spielerisch sein darf, ist für mich keine erstrebenswerte Diskussion.
Auch deshalb, weil die mich so unangenehm an das erinnert, was wir schon haben. Da stecken wichtige Männer (und zunehmend Frauen) ihre Köpfe zusammen und meinen, sie tun was ganz Wichtiges für ihre 'Landeskinder'.
Auf diese hierarchischen Denkmuster hab ich wahrlich keine Lust mehr. Auch nicht, wenn sie von angeblich wirklichen Linken kommen. Und auch nicht, wenn der Zweck noch so heilig, weil hochpolitisch ist.
Kritische Masse schrieb am 31.07.2009 um 18:23
Bin ich ein Spielverderber?

Nun, meine Kritik richtet sich an die Struktur und das fehlende kritische Konzept der Betreiber, nicht gegen dich persönlich. Im Gegenteil. Deine Beiträge habe ich sehr gern gelsen! - Allerdings, die Schuhe passen mir nicht. Kritik ist ohne Demokratie nicht zu haben. Das ist doch gerade das Thema meines Statements.

Gruß, k.m.
Titta schrieb am 31.07.2009 um 18:53
Was Sie mir sagen, ist, daß meine Kritik an dem Kern dessen, was Sie meinen, vorbeigeht.

Dann erklären Sie mir bitte, was Sie genau(er) meinen mit:

- Welche Analysen/Erkenntnisse gab es früher im Freitag, die Sie heute vermissen?

- Wohin führen diese Analysen/Erkenntnisse?

- Wo plaudert die Community nur bzw. wo ist sie zu oberflächlich?

- "Kritik der Community, auf die die Redaktion nicht eingeht" - das ist sehr allgemein gehalten. Was, und zwar ganz konkret, erwarten Sie denn von der Redaktion?

Ein persönlicher, ganz subjektiver Eindruck: Die Welt ist momentan relativ schwer erträglich, und Sie 'hauen' auf die Freitagsredaktion ein, weil die noch zu den ganz wenigen gehören, die das wahrnehmen und vielleicht auch ernstnehmen. Bei den Politikern etc. haben Sie das ja schon aufgegeben.
Vielleicht ist das aber auch nur meine Projektion. Mir geht's nämlich so. Aber deshalb nun auf den Freitag einhacken, bringt auch nichts.

(Ihr Profilbild finde ich übrigens sehr schön, ich würde nur gerne ein bißchen mehr erkennen, aber leider sind die ja vor kurzem so eingeschrumpft worden.)
Kritische Masse schrieb am 31.07.2009 um 19:37
@Titta

Ich habe hier einiges konkret kommentiert (Siehe meine "User"-Seite ...). Daran kannst du (sorry, muss ich Siezen?) sicher ablesen, wo ich Analysen gefunden haben und wo ich sie nicht gefunden habe. Zum Beispiel beim Thema Iran, da erwarte ich von einem kritischen Medium in diesem Land gute Hintergrundinformationen und vor allem einen Blick ins "eigene Lager". Wie ist das Iran-Bild in dieser Gesellschaft? Wie gehen wir mit politischen Flüchtlingen aus dem Iran um? Wie hat "unsere" Politik und Wirtschaft von dem Klerikal-Faschismus dort profitiert? Wie ist dieser Zustand zu kritisieren? - Vom Stuhl gehauen haben mich Freitags-Fragen wie "Steuern rauf: Ist es richtig, wenn alle Bürger in der Krise Opfer bringen müssen?". Eine solche Frage quilltüber vor Unterstellungen. Was hat die Krise verursacht? Wer hat von den Grundlagen dieser Krise bislang kräftig verdient? Warum wird das eine "Bürger"-Frage? Was soll diese "Opfer"-Rhetorik? -- Ich war sehr entsetzt, dass eine Frage hier so gestellt werden kann.

Gut. Nach 14 Tage ist dann auch eine kritisches Statement fällig.

Das Profil zeigt einen Elefanten an einem Fallschirm schweben. Schade, dass du es nicht so sichtbar ist.

Grüße, k.m.
Titta schrieb am 03.08.2009 um 00:17
Danke k.m.,

nun ist es für mich konkreter und damit klarer geworden, was Sie meinen.
Ein Punkt allerdings beschäftigt mich immer noch. Natürlich ist es zB interessant zu erfahren, wer durch das Regime im Iran auch kräftig verdient hat. Letztendlich werden die Antworten auf diese Art von "Wissen-und-Informationsfragen" sehr ähnlich sein, unabhängig von Land und Problemlage.

Was aber fangen wir dann an mit diesem ganzen Wissen?
Was ändert sich bei uns, bei jedem persönlich, durch dieses "Mehrwissen".
(Was erwarten Sie sich vom "Freitagsprojekt", doch nicht nur einfach mehr und bessere Informationen, oder?)

Machen wir Revolution? Engagieren wir uns in verschiedenen Projekten? Hören wir ganz auf mit Politik und suchen unser Glück allein im Privaten?

Das wären für mich ein paar spannende Fragen, die ich hier diskutieren möchte.
Und darüber hinaus bin ich hier, weil's einfach auch Spaß macht mit den Leuten.

Den Elefant und den Fallschirm hab ich erkannt, nur nicht das schwarz-gelbe. Sind vermutlich dann aber nur die Haltegurte.

Liebe Grüße
Titta

PS. und Sie können mich ruhig weiter duzen.
Kritische Masse schrieb am 05.08.2009 um 00:49
Hi Titta,

das etwas Spass macht, ist ja schon sehr wichtig. Dazu tragen ja auch Menschen wie du hier bei, die gesellig, interessiert und neugierig sind.

Ich bin sehr dafür, mich nicht auf Angebote von Institutionen zu verlassen, die eigene und andere Interessen verfolgen (z.B. Werbung zu verkaufen), sondern selbst Angebote und eigene Projekte mit Interessierten zu schaffen. Konkret mache ich das aktuelle mit medienkritischen Leuten, wir planen eine Vernetzung kritischer Medien. (Siehe "Mein Projekt" - ich dachte, ich hätte das schon eingegeben - gab wohl technische Probleme - jetzt ist es aber wohl auch im Porfil sichtbar)

Zum Stichwort „Wissen“ – was genau ist das? Wissen lässt sich meiner Meinung nicht ohne Macht beschreiben. Foucault habe ich oben ja schon erwähnt. Er ist sicher einer der intensivsten Denker, die dieses Problem behandelt haben. Kurz und etwas einfach: Regiert wird nicht nur durch die Institutionen (Staat, Gesetze, Schulen, Interessensverbände, Unternehmen, Kirchen ...) und durch Personen (Politiker, Lobbyisten, Medienmacher, Priester, Ärzte, Generäle ...), sondern durch das, was zurzeit als „sagbar“ gilt. Das sind Komplexe von Wissen/Macht (Wissen erzeugt Macht und Macht bestimmt was sagbar ist, was also Wissen ist). Kritiker solcher Formen des Regierens, die nicht allein eine Institution, eine Zeitung ... kritisieren, sondern auch die viel bestimmendere Formen der Macht, die durch diese Institutionen und Personen hindurch regieren, kritisch analysieren, nennen diese Macht/Wissens-Komplexe Diskurse. Diskurse, sind also nicht nur einfach Politikerreden, die kaum jemanden interessieren, sondern etwas sehr Materielles. Ein Architekt plant ein Haus mit seinem Wissen. Dieser Plan bewirt etwas. So ist es auch mit den Diskursen. Der Diskurs z.B. über Sexualität bestimmt seit ca. 200 Jahren sehr viele Formen der Zurichtung von Menschen, der sich zum Beispiel auch in der Bevölkerungspolitik zeigt. (Darauf geht bspw. Andreas Kemper in einem Beitrag hier ein: Kinderlosigkeit von Akademikerinnen?
www.freitag.de/community/blogs/andreas-kemper/kinderlosigkeit-von-akademikerinnen) Stichwort Sozial Eugenik)

Was kann man also machen? Mich würde ja interessieren, was du für sinnvoll hältst. Mein Plädoyer ging ja in die Richtung: Sich nicht derart regieren zu lassen. Kurz: eine kritische Haltung, Gegendiskurse, Alternativen zu den herrschenden Normen einer Vergesellschaftung zu entwickeln. Letzteres hieße, genauer zu schauen, welche Normen durch die Diskurse festgeklopft werden, wie also Normalität gebildet wird. Das macht zum Beispiel das Schönheitsregime: Schlang sein, „Präventiv“ Sport-Machen, ... die Rede vom Freien Markt und und und . Es gibt also bei der Kritik viel zu entdecken und man findet dann für sich und mit anderen bessere Wege, als sich dem Konkurrenzkampf und Normalitätszwang auszusetzen.

Mal dir mal aus, wie viele Diskurse die oben kritisierte Freitagsfrage an die Teilnehmer weiter reicht:

"Steuern rauf: Ist es richtig, wenn alle Bürger in der Krise Opfer bringen müssen?"

Oder das Wort „User“

Klar ist für mich noch nicht, ob das hier ein Ort für mich und meine Interesse ist.

Grüße vom Föhn geplagten Elefanten, k.m.
Titta schrieb am 05.08.2009 um 01:08
Hallo Kritische Masse,

ja das war ja jetzt mal eine wirklich interessante Antwort. Und so ausführlich, und das trotz Föhns. (Ich bin Migränikerin, von daher weiß ich das besonders zu würdigen.)

Ihr Projekt finde ich sehr interessant. Guck ich mir mal an.

Ihr Ansatz klingt sehr anarchistisch, von daher spannend.

Das Verhältnis von Wissen und Macht, sehr nachdenkenswert, und bestimmt einer weiteren Erörterung wert!

Für heute Abend soll es damit erst mal genug sein. Ich hoffe, Sie bleiben zumindest noch ein Weilchen beim Freitag.

Meine Fragen:
Gegenöffentlichkeit - wie (am besten)?

Protest - ist der in unserer Gesellschaft nicht so angelegt, daß er grundsätzlich ins Leere läuft? Bzw. wie wäre das dann zu verhindern?

Liebe Grüße
Kritische Masse schrieb am 05.08.2009 um 01:41
Laufen Proteste wirklich ins Leere? Wenn ja, warum? Was ist zum Beispiel alles Protest? Zum Beispiel muss man nicht alles mitmachen und man kann das Artikulieren. Das führt schon mal gar nicht ins Leere, weil man sich weigert, diese Leere mitzumachen. Man - sorry mensch - mensch kann stattdessen mit anderen etwas anderes unternehmen. Das Ergebnis ist immer das Gegenteil von Leere. Wenn Demokratie mit dem Gang zur Wahlurne ins "Leere läuft", dann hilft auch keine Wahl-Arena.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 31.07.2009 um 19:08
Gar nicht so verkehrt, diese Kritik. Manches ist, mal platt gesagt, schlechter, manches besser, das meiste einfach anders geworden. Gewinn und Verlust. Da hilft nur, sich jede Woche neu zu entscheiden, ob es sich für einen noch lohnt oder nicht. Ist doch bloß ne Zeitung, oder?
Die Zeitung, die Du suchst, kann nur in Deinem Kopf entstehen...
Kritische Masse schrieb am 31.07.2009 um 19:51
"Ist doch bloß ne Zeitung, oder?"
korrekt - und es muss ja nicht immer diese sein;)

"Die Zeitung, die Du suchst, kann nur in Deinem Kopf entstehen..."
Sehr wahr. Und dazu träg dann auch Kritik bei. Sonst entsteht eine Abhängigkeit. Ich bin auch eher ein Freund von Vernetzung und D.I.Y.

de.wikipedia.org/wiki/Do_it_yourself
Titta schrieb am 03.08.2009 um 00:20
Hallo meisterfalk,

was ist denn für dich ein einschneidender Verlust gewesen? Vielleicht gibst du mal ein Beispiel.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 31.07.2009 um 19:18
Ich denke, obwohl Bildungswirt und Titta auch etwas ins Feld zu führen haben, daß Kritik an der Community erlaubt ist. Gerade im Hinblick auf eine Zeitung wie den Freitag, ist ja kein Blatt von irgendwoher.
An mir als Blogger und Kommentator stelle ich folgendes fest: Zuerst habe ich ausführliche, drei, vier Sätze lange ernstgemeinte Kommentare geschrieben. Später habe ich, eingespannt in das Communitynetzwerk, auch Halbsätze und inhaltlich Nulltexte als Antwort gegeben. Zum Teil machte das sogar Spaß; letztlich lese ich selbst so etwas bei anderen aber nicht. Sondern klicke weiter.
Das gibt mir immerhin zu denken. Die Community darf sein wie sie will, als seit 1988 für Volkszeitung und Freitag Publizierender sollte meine Zeitung jedoch nicht die Leserbriefe veröffentlichen, die die Titanic zurecht als Briefe an die Leser abweist.
Titta schrieb am 03.08.2009 um 00:24
Ich glaube schon, daß das möglicherweise schwer ist für einen vielleicht eher "Kaderlinken", wenn "seine" Zeitung auf einmal in Teilen scheinbar so "schrecklich unernst" daherkommt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 31.07.2009 um 19:47
@ kritische masse: zu deiner diskussionsabsicht gehört nicht ein fliegender elephant, sondern ein konterfei. - so wie du viel recht hast, so hast du selbst doch kein gesicht.
Kritische Masse schrieb am 31.07.2009 um 19:56
Ich antworte mal so: Jeder hat etwas zu schützen. Gerade wenn mensch im Internet unterwegs ist. Und das ist auch gut so! - Die Nachteile sind klar. Tut mir leid.
Titta schrieb am 03.08.2009 um 00:27
fliegender elephant - ist doch ein prima bild, weil es so viele widersprüchlichkeiten in sich vereint.
Eneas schrieb am 31.07.2009 um 23:25
schon heute vormittag schrieb e. einen kommentar hierzu, doch es gelang ihm nicht diese hochzuladen. wohl auch wegen der, über neue blog beiträge, kommunizierten probleme mit dem abschicken-button.

statt diesen, sich auf der festplatte eines anderen pc`s befindlichen nun umständlich nachzureichen, dankt er für die erheiternden links zu wow-wiki, sowie dem anregenden, aber auch kurzen text zur normalität.

jetzt nörgelt e. plötzlich über dieses winzige eingabefenster, will entnervt ins bett gehen, jedoch nicht zuvor bemerkt zu haben, dass er "freitag" als kommunkiationsplattform nicht kannte, und hofft das sich hier ein guter und respektvoller austausch ermöglichen lässt.

e grüsst es
Titta schrieb am 03.08.2009 um 00:31
Ich hab gesehen, Sie haben gerade losgelegt mit dem Austausch. Na dann, auf hoffentlich freudiges und spannendes Kommentieren miteinander!
Mittelstandskind Ost schrieb am 04.08.2009 um 21:00
Hallo Kritische Masse,
Aus dem Bauch heraus muss ich deiner Kritik beipflichten. Als ich anfing den Freitag zu lesen hatte er bereits einen Internetauftritt und ich war jedesmal hocherfreut wenn ein neuer Artikel eingestellt wurde. Kurzum, die Artikel waren sie auch rar, waren für mich wie ein Startschuss in meinem pubertierendem Hirnchen. Die Analyse der Welt, das Abstrahieren der Geschehnisse, die Reportagen und der Charme der Unabhängigkeit initierten Zustimmung, Ablehnung, Grübeleien etc. also --> rege Aktivität in meiner Gedankensphäre. Eben genau das was beim Konsum der meisten Medien nicht erreicht wird (werden soll).
Der Freitag war für mich ein Tempel, zu dem ich sooft wie möglich pilgerte.
Mit dem neuen Auftritt im Internet ging mir das alles schlagartig verloren, hin und wieder anregende Texte aber grundsätzlich war ich ermüdet in meiner Bewunderung der Zeitung.
Ich bin trotzdem noch oft und gerne in diesem Tempel, aber nicht aufgrund der Redakteure (Außnahme: Zeitgeschichte- und Wissensparte), sondern wegen den Blogs, den Usern und den Kommentaren.
Tja eben „Verluste und Gewinne“.
Andererseits sollten wir uns Tittas Kommentar zu Herzen nehmen und bei der Abstinenz des von uns Gewollten etwas selbst daran setzen die Umstände zu ändern!

Mit freundlichen Grüßen aus den blühenden Landschaften
MOST
Titta schrieb am 05.08.2009 um 01:15
Hallo Mittelstandskind Ost,

"Religionskritik" ist ja nichts schlechtes. Und jede Liebe hört mal auf, rosarot zu sein.

Von wg. selbst was ändern, einfach gegenüber den entsprechenden Redakteuren die eigene Kritik äußern, sagen, was man lieber lesen würde, was anders und besser gemacht werden könnte.

Die schreiben doch auch nicht gerne an den Leuten vorbei.
Jeder hat schließlich gerne eine "volle Kirche".

LG
Titta
Kritische Masse schrieb am 05.08.2009 um 01:20
Hallo MOST,

das kann ich gut verstehen und mir geht es nicht viel anders. Es werden hier schon Freiräume geboten und es ist genau das (Freiräume, sich selbst zu Wort melden, etwas mit anderen zu entwickeln), das mich anzieht und was anders ist, als in der gewohnten Welt. Aber finde ich das nur hier? Wie lang reicht die Leine? Wo ist die Grenze und alles kippt in sein Gegenteil um? – Diese Gefahr sehe ich:

· Die Diskussion um "Deregulierung. Oder: derFreitag pennt!" zeigt mir, dass auf die wünsche und Bedürfnisse der "Community" nur bedingt eingegangen wird.
· Wenn Artikel nicht die herrschenden Diskurse angehen, sondern in einer sowohl als auch Argumentation herrschende Diskurs zu noch mehr Normalität verhelfen, dann frage ich mich, ob das bisschen Freiraum nur einen pseudo-freies Mäntelchen ist, immer wieder dieselbe – auch und gerade in anderen Medien – bekannte Medizin zu schlucken. Nach dem Motto: Spielt mal etwas Demokratie und Freiheit, aber die Musik, die machen wir.
· Dann finde ich es gänzlich albern eine Wahlkampf-Arena zu betreiben und unreflektierte Freitagsfragen in die Community zu werfen: Das sind für mich ganz offensichtliche Spiele, die uns wie Kinder behandeln. Die durchs spielen im Freien engagierten Leser sollen ihre „Politikverdrossenheit“ ablegen und sich wieder einreihen. Ich bin aber alles andere als politikverdrossen, ich habe nur wie über all es satt, irgendwelche Spiele zu spielen.

Grüße, k.m.
Kritische Masse
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