Kritische Masse

Blog von Kritische Masse

24.10.2009 | 09:51

Woher kommt die Dummheit?

Gestern kam mir so ein naiver Gedanke. Ich stehe bei meinem Tabakdealer Bahaar vor dem Zeitungsregal und frage mich, warum sollte ich nicht mal wieder die bildungsbürgerliche Wochenzeitung Die Zeit lesen?

Das kiloschwere Werk liegt etwas verdeckt unter einem Stapel der katholischen Lokalzeitung. Ich brauche nur zwei Sekunden, um den Berg westfälischen Papiers, dessen Inhalt meist schwärzer als die Druckertinte ist, auf die Die Zeit-Schlagzeile fallen zu lassen: »Woher kommt das Böse? - Keine Spezies ist so aggressiv wie der Mensch

Herr Bahaar schaut mich an, als hätte er meine Reaktion vorausgesehen. Unser nonverbale Dialog ließe sich wie folgt beschreiben:

»Wenn so etwas die Bildungsbürger im ›Land der Dichter und Denker‹ lesen wollen, dann muss man sich nicht über die Sarrazins & Nietzsche-Kopierer wie den Sloterdijk wundern.«

»Mit soviel Dummheit möchte selbst ein toter Fisch nicht eingewickelt werden.«

Nein. Worte dazu scheinen reine Verschwendung.

 

 
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Kommentare
Magda schrieb am 24.10.2009 um 11:14
Danke für den interessanten Link.
Allerdings sehe ich weniger Dummheit, als boshaftes Kalkül in vielem. Das passt doch alles im Moment prima zusammen. Da denken Leute mit, die Du vielleicht für dumm hältst. Ich nicht.
Gruß
Kritische Masse schrieb am 26.10.2009 um 10:32
Das Pikante ist folgendes: Jörg Lau ("Was man in Deutschland alles sagen darf")zeigt sich in seinem Zeit-Blog erschrocken über den Rassismus der Zeit-Leser, den die Zeitung selbst rief. So muss auch Lau feststellen, „Thilo Sarrazin bezieht seine Beispiele übrigens selber aus den Medien – wie etwa aus dem ZEIT-Dossier über grillende Orientalen im Berliner Tiergarten“.

Was man in der Zeit alles schreiben kann:
unrastwildcat.blogsport.de/2009/10/22/was-man-in-der-zeit-alles-schreiben-kann/
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.10.2009 um 10:43
@ Magda: es ist tatsächlich boshaftes Kalkül denn darum wurde die Zeit-Online-Community eben auch gemeuchelt. Sie war zu frei und die Autoren der Print-Ausgabe wurden schon heftig kritisiert.
bernd.005 schrieb am 24.10.2009 um 11:24
köstlich, und Magdas Kommentar dazu auch.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.10.2009 um 10:44
Dumm oder nicht, man kriegt Neurodermitis davon.
Kritische Masse schrieb am 28.10.2009 um 18:39
Ich merke, dass die Ironie nicht rüber kommt. Es ist Quatsch zu fragen, woher kommt das Böse. Das ist so dämlich, wie nachdem Weihnachtsmann zu fragen. Das sollte auch der Titel ausdrücken und damit spielen: "Woher kommt die Dummheit?" - Es ist einfach bewusst dumm gemacht. Dahinter stecken keine dummen Zeit-Redakteure, sondern im Gegenteil, sehr interessierte Redakteure (in Sachen Marketing ...). Es geht also um den Gegensatz, mit Bildung zu werben und die Leute gleichzeitig für so dumm zu halten, als glaubten sie an das Christkind. Dann muss man sich nicht wundern, wenn Sarazzin & Co. mit erschreckend alten und menschenverachtenden Konzepten noch bei den Eliten dieser Gesellschaft akzeptiert werden. Das ist zum fürchten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.10.2009 um 21:31
Schon verstanden.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.10.2009 um 10:47
Ich glaube den "Eliten" ist es wurscht, - und das ist um so mehr zum fürchten. Alaska (alles klar)?
Magda schrieb am 29.10.2009 um 12:17
"Ich merke, dass die Ironie nicht rüber kommt" -

nee, bei mir nicht so richtig, sonst hätte ich nicht so geantwortet. Macht aber nichts. Ich denke aber wie Du, dass man diese Frage eben nicht beantworten kann. Aber ein gewisser Dr Hiob Präetorius in Kurt Coetz Komödie, der wollte auch die Mikrobe der menschlichen Dummheit finden. Ein anmaßendes Unterfangen. Denn oftmals ist man selbst auch ein bisschen infiziert. Und was sagt man dann entschuldigend?: Dumm gelaufen. :-))
Gruß
schlesinger schrieb am 29.10.2009 um 12:20
@ Kritische Masse v. 18.39 Sehe ich ganz ähnlich.
Kritische Masse schrieb am 07.11.2009 um 11:17
@Magda, "Dumm gelaufen" - Danke für die schöne Ironie. Und "Dumm gelaufen" ist ja wirklich ein alltägliches Phänomen, das nur selten so formuliert wird. Diese Form der Selbstkritik sollte wirklich mehr gepflegt werden.
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